I. Der seligmachende Glaube ist der an den Herrn Gott Heiland Jesus Christus  

337. Daß der seligmachende Glaube der an Gott den Heiland ist, hat seinen Grund darin, daß Er Gott und Mensch ist, und Er im Vater und der Vater in Ihm ist, und so eins; daher die, welche sich an Ihn wenden, sich zugleich auch an den Vater, und so an den einen und einzigen Gott wenden, und einen seligmachenden Glauben an einen anderen gibt es nicht. Daß man glauben, das heißt, Glauben haben solle an den Sohn Gottes, den Erlöser und Heiland, empfangen von Jehovah und geboren von Maria, der Jungfrau, genannt Jesus Christus, ergibt sich aus den häufig von Ihm selbst und nachher von den Aposteln wiederholten Geboten. Daß der Glaube an Ihn von Ihm geboten ist, erhellt deutlich aus folgenden Stellen: „Jesus sagte: dies ist der Wille des Vaters, Der Mich gesandt hat, daß jeder, der den Sohn sieht und an Ihn glaubt, das ewige Leben habe, und Ich ihn auferwecke am letzten Tage“: Joh.6/40. „Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben, wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm“: Joh.3/36. „Damit jeder, der an den Sohn glaubt, nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe; denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe“: Joh.3/15,16. „Jesus sagte: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an Mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben“: Joh.11/25,26. „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wer an Mich glaubt, hat das ewige Leben, Ich bin das Brot des Lebens“: Joh.6/47,48. „Ich bin das Brot des Lebens, wer zu Mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an Mich glaubt, den wird niemals dürsten“: Joh.6/35. „Jesus rief, und sprach: Wenn jemand dürstet, der komme zu Mir und trinke; wer an Mich glaubt, aus dessen Leibe werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen“: Joh.7/37,38. „Sie sprachen zu Jesus: Was sollen wir tun, daß wir Gottes Werke wirken? Jesus antwortete: das ist das Werk Gottes, daß ihr glaubet an Den, Welchen der Vater gesandt hat“: Joh.6/28,29.

„Solange ihr das Licht habt, glaubet an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes seiet“: Joh.12/36. „Wer an den Sohn glaubt, wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes“ Joh.3/18. „Diese Dinge sind geschrieben worden, damit ihr glaubet, daß Jesus ist der Sohn Gottes, und damit ihr glaubend das Leben habet in Seinem Namen“: Joh.20/31. „Wenn ihr nicht glaubet, daß Ich bin, so werdet ihr sterben in euren Sünden“: Joh.8/24. „Jesus sagte: Wenn der Beistand, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, so wird er die Welt überführen von der Sünde, von der Gerechtigkeit und dem Gericht; von der Sünde, daß sie nicht an Mich glauben“: Joh.16/8,9.

338. Daß der Glaube der Apostel kein anderer war, als an den Herrn Jesus Christus, erhellt aus vielen Stellen in ihren Briefen, von denen ich bloß folgende anführen will: „Nicht mehr ich lebe, sondern es lebt in mir Christus; was ich aber jetzt lebe im Fleische, das lebe ich im Glauben, welcher ist an den Sohn Gottes“: Gal.2/20. „Paulus ermahnte Juden und Griechen zur Buße gegen Gott und zum Glauben an unseren Herrn Jesus Christus“: Apg.20/21. „Der Paulus herausführte, fragte: Was muß ich tun, daß ich selig werde?

Jener sprach: Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du selig werden samt deinem Hause“: Apg.16/30,31. „Wer den Sohn hat, hat das Leben, wer aber den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht; dieses habe ich euch geschrieben, die ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes, damit ihr wisset, daß ihr das ewige Leben habet, und damit ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes“: 1Joh.5/12,13. „Wir, die wir von Natur Juden, und nicht Sünder aus den Heiden sind, da wir wissen, daß der Mensch nicht gerechtfertigt wird durch die Werke des Gesetzes, sondern durch den Glauben Jesu Christi, so haben auch wir an Jesum Christum geglaubt“: Gal.2/15,16. Weil ihr Glaube war an Jesus Christus, und derselbe auch von Ihm ist, darum nannten sie ihn den Glauben Jesu Christi, wie in der soeben angeführten Stelle, Gal.2/16 und in folgenden: „Die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben Jesu Christi gegen alle und über alle, welche geglaubt haben. Damit Er rechtfertige den, der aus dem Glauben Jesu ist“: Rö.3/22,26. [Paulus sagte] „Er habe die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben Christi, die Gerechtigkeit, die aus Gott dem Glaubend zuteil wird“: Php.3/9. „Hier sind, die Gottes Gebote halten und den Glauben Jesu Christi“: Offb.14/12. „Durch den Glauben, welcher ist in Christo Jesu“: 2Ti.3/15. „In Jesu Christo gilt nur der Glaube, der durch die Liebe tätig ist“: Gal.5/6. Hieraus kann erhellen, welcher Glaube von Paulus verstanden wurde in dem heutzutage in der Kirche so viel angeführten Ausspruch: „So schließen wir also, daß der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt werde, ohne die Werke des Gesetzes“: Rö.3/28, nämlich nicht der an Gott den Vater, sondern an Seinen Sohn, noch weniger der an drei Götter der Reihe nach, an einen, von welchem, an einen anderen, wegen dessen, und an einen dritten, durch welchen. Daß man in der Kirche glaubt, ihr Dreipersönlichkeitsglaube sei in jenem Ausspruch von Paulus verstanden worden, kommt daher, daß die Kirche vierzehn Jahrhunderte hindurch, oder seit dem Nicänischen Konzil, keinen anderen Glauben anerkannte, und daher auch von keinem anderen wußte, und so dafür hielt, derselbe sei der einzige, und einen anderen könne es nicht geben; wo immer denn im Wort des Neuen Testaments der Glaube gelesen wird, da glaubte man, dieser sei es, und bezog auf ihn den ganzen Inhalt der Stelle; infolgedessen ging der einzig seligmachende Glaube, welcher der an Gott den Heiland ist, zugrunde, und daher auch schlichen sich so viele Trugschlüsse und so viele widersinnige, der gesunden Vernunft widerstreitende Sätze in ihre Lehren ein. Denn die ganze Lehre der Kirche, die den Weg zum Himmel, oder zur Seligkeit, lehren und zeigen soll, hängt vom Glauben ab; und weil, wie gesagt, so viele Trugschlüsse und Widersinnigkeiten in ihnen eingeschlichen sind, so war notwendig, daß man als Dogma ausrief, der Verstand müsse gefangengenommen werden unter den Gehorsam des Glaubens. Da nun in dem Paulinischen Ausspruch, Rö.3/18, unter dem Glauben nicht der Glaube an Gott den Vater, sondern an Seinen Sohn verstanden wird, und unter den Werken des Gesetzes daselbst nicht verstanden werden die Werke des Gesetzes der Zehn Gebote, sondern die Werke des mosaischen Gesetzes für die Juden, wie dies aus den darauf folgenden Worten, und auch aus ähnlichen in dem Brief an die Galater 2/14,15 erhellt, so fällt der Grundstein des heutigen Glaubens, und mit ihm der darauf gebaute Tempel, wie ein in die Erde versinkendes Haus, das nur noch mit der Dachspitze hervorragt.

339. Daß man glauben, das heißt, den Glauben haben soll an Gott den Heiland Jesus Christ, hat seinen Grund darin, daß derselbe auf einen sichtbaren Gott gerichtet ist, in Dem der unsichtbare ist, und der Glaube an einen sichtbaren Gott, welcher Mensch und zugleich Gott ist, in den Menschen eingeht; denn der Glaube ist seinem Wesen nach geistig, seiner Form nach aber natürlich, daher er beim Menschen geistig-natürlich wird; denn alles Geistige wird im Natürlichen aufgenommen, damit es etwas Wirkliches bei dem Menschen sei. Das nackte Geistige geht zwar in den Menschen ein, wird aber nicht aufgenommen; es ist wie der Äther, welcher einfließt und ausfließt, ohne anzuregen; denn um anzuregen, muß ein Innewerden und somit eine Aufnahme da sein, beides im Gemüt des Menschen; und dies findet beim Menschen nur in seinem Natürlichen statt. Umgekehrt ist aber der bloß natürliche Glaube, oder der seines geistigen Wesens beraubte Glaube, kein Glaube, sondern bloß eine Überredung oder Kenntnis; die Überredung sucht dem Glauben gleichzukommen im Äußeren, weil aber in ihrem Inneren nichts Geistiges ist, so ist auch nichts Seligmachendes da. Von dieser Art ist der Glaube bei allen, welche die Göttlichkeit des Menschlichen des Herrn leugnen; von dieser Art war der arianische Glaube, und von solcher ist auch der socinianische Glaube, weil beide die Göttlichkeit des Herrn verworfen haben. Was ist ein Glaube ohne ein Ziel, auf das er gerichtet ist? Ist er nicht wie der Blick ins Weltall, der wie ins Leere fällt und zerfließt? Er ist auch wie ein Vogel, der über die Atmosphäre hinaus in den Äther fliegt, wo er wie im Leeren das Leben aushaucht. Das Wohnen dieses Glaubens im Gemüt des Menschen kann verglichen werden dem Wohnen der Winde in den Flügeln des Äolus, und dann auch dem Wohnen des Lichtes in einer Sternschnuppe; er geht auf wie ein Komet mit langem Schweif, geht aber vorüber wie dieser, und verschwindet. Mit einem Wort, der Glaube an einen unsichtbaren Gott ist in Wirklichkeit ein blinder, weil das menschliche Gemüt seinen Gott nicht sieht und das Licht dieses Glaubens, weil es nicht ein geistig-natürliches ist, ist ein unechtes Licht; und dieses Licht ist wie das Licht im Leuchtwurm, und wie das Licht in Sümpfen oder auf schwefelhaltigen Schollen zur Nachtzeit, und wie das Licht an faulendem Holz. Aus diesem Licht entsteht nichts anderes, als was der Phantasie angehört, in der man das Erscheinende für seiend hält, während es doch nichts ist. Der Glaube an einen unschaubaren Gott leuchtet mit keinem anderen Licht, und besonders wenn man denkt, daß Gott ein Geist sei, den Geist aber sich als Äther denkt; was folgt daraus anderes, als daß der Mensch zu Gott aufsieht, wie er zum Äther aufsieht, und so Ihn im Weltall sieht, und wenn er Ihn in diesem nicht findet, die Natur des Weltalls für Gott hält? Aus dieser Quelle stammt der heutzutage herrschende Naturalismus. Sagt nicht der Herr, daß niemand je die Stimme des Vaters gehört, noch seine Gestalt gesehen habe: Joh.5/37, und auch: niemand hat Gott je gesehen; und: der eingeborene Sohn, Der im Schoß des Vaters ist, Er hat [Ihn] geoffenbart: Joh.1/18. Nicht hat jemand den Vater gesehen, außer der beim Vater ist; Er hat den Vater gesehen: Joh.6/46. Ferner: niemand komme zum Vater, außer durch Ihn: Joh.14/6, und weiter, daß den Vater derjenige Mensch sehe und erkenne, der Ihn sieht und erkennt: Joh.14/7f? Ein anderer dagegen ist der Glaube an Gott den Heiland. Weil dieser Gott und Mensch ist, und angegangen und mit dem Gedanken geschaut werden kann, so ist der Glaube nicht unbegrenzt, sondern hat einen Anfangs- und einen Endpunkt, und bleibt, wenn er einmal aufgenommen ist, wie wenn jemand einen Kaiser oder König gesehen hat, sooft er sich dessen erinnert, ihr Bild zurückkehrt. Das Schauen dieses Glaubens ist wie bei einem, der eine glänzend weiße Wolke und in deren Mitte einen Engel gesehen hat, der den Menschen zu sich einladet, damit er in den Himmel erhoben werde. So erscheint der Herr denen, die den Glauben an Ihn haben, und naht Sich jedem, der Ihn erkennt und anerkennt, welches geschieht, so wie derselbe Seine Gebote kennt und tut, welche sind, das Böse fliehen und das Gute tun; und zuletzt kommt Er in sein Haus, und macht zusamt dem Vater, Der in Ihm ist, Wohnung bei ihm, nach den Worten bei Johannes: „Jesus sagte: Wer Meine Gebote hat und sie tut, der ist es, der Mich liebt; und wer Mich liebt, der wird von Meinem Vater geliebt werden, und Ich werde ihn lieben und Mich ihm offenbaren, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen“: Joh.14/21,23. Dies ist geschrieben worden in Gegenwart der zwölf Apostel des Herrn, welche, als ich dies schrieb, vom Herrn zu mir gesandt wurden.