Der Mensch setzt bei den Uebungen der Liebtaeätigkeit kein Verdienst in die Werke, solang er glaubt, daß alles Gute vom Herrn ist

439. Ein Verdienst in die Werke setzen, die um der Seligkeit willen getan werden, ist verdammlich, denn es liegt darin Böses verborgen, von dem der Täter nichts weiß; es liegt darin verborgen die Leugnung des Einfließens und Einwirkens Gottes in den Menschen, das Vertrauen auf eigene Kraft in Dingen des Heils, der Glaube an sich und nicht an Gott, die Selbstrechtfertigung, die Seligmachung durch eigene Kräfte, die Vernichtung der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit, die Verwerfung der Umbildung und Wiedergeburt durch göttliche Mittel; insbesondere die Schmälerung des Verdienstes und der Gerechtigkeit des Herrn Gott Heilandes, die ein solcher sich zueignet; überdies ein beständiges Absehen auf Lohn, den solche als den ersten und letzten Zweck im Auge haben; die Ersäufung und Auslöschung der Liebe zum Herrn und der Liebe gegen den Nächsten, eine gänzliche Unwissenheit und Unempfänglichkeit für das Angenehme der himmlischen Liebe, das ohne Anspruch auf Verdienst ist, und bloßes Gefühl der Selbstliebe; denn die, welche den Lohn in die erste und das Heil in die zweite Stelle setzen, somit dieses von jenem abhängig machen, kehren die Ordnung um, und versenken die inwendigen Triebe ihres Gemüts in ihr eigenes, und im Körper beflecken sie dieselben mit dem Bösen ihres Fleisches. Daher kommt, daß das mit Anspruch auf Verdienst behaftete Gute von den Engeln wie ein Rostfleck, und das nicht mit Ansprüchen auf Verdienst behaftete Gute wie Purpur erscheint. Daß man das Gute nicht mit dem Absehen auf Lohn tun soll, lehrt der Herr bei Luk.6/33-36: „Wenn ihr denen wohl tut, die euch wohl tun, welches ist euer Dank? Liebet vielmehr eure Feinde, und tut wohl und leihet, ohne etwas dafür zu hoffen, dann wird euer Lohn groß, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn Er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen“. Daß der Mensch das Gute, das an sich gut ist, nicht tun kann, außer vom Herrn, bei Joh.15/4,5: „Bleibet in Mir, und Ich in euch, wie die Rebe nicht Frucht bringen kann von sich selber, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in Mir bleibet; denn ohne Mich könnet ihr nichts tun“; und anderwärts: „Der Mensch kann nichts nehmen, es sei ihm denn vom Himmel gegeben“: Joh.3/27.

440. Allein [darauf] denken, daß man in den Himmel komme, und daß man deshalb das Gute tun müsse, heißt nicht sein Absehen auf den Lohn als Endzweck haben, und ein Verdienst in die Werke setzen; denn darauf denken auch die, welche den Nächsten wie sich selber, und Gott über alles lieben; denn diese denken so aus dem Glauben an die Worte des Herrn, daß ihr Lohn groß sein werde in den Himmeln: Matth.5/11,12; 6/1; 10/41,42; Luk.6/23,35; 14/12-14; Joh.4/36. Daß die, welche Gutes getan haben, als Erbschaft besitzen werden das von Gründung der Welt an bereitete Reich: Matth.25/34. Daß jeglichem vergolten werde nach seinen Werken: Matth.16/27; Joh.5/29; Offb.14/13; 20/12,13; Jer.25/14; 32/19; Hos.4/9; Sach.1/6 und anderwärts. Diese sind nicht in der Zuversicht des Lohnes infolge von Verdienst, sondern im Glauben an die Verheißung aus Gnade; diesen ist die Freude, dem Nächsten Gutes zu tun, der Lohn; diese Freude haben die Engel im Himmel, und sie ist eine geistige Freude, welche ewig ist, und jede natürliche Freude unendlich übersteigt. Die, welche in dieser Freude sind, wollen nichts von Verdienst hören, denn sie lieben das Tun, und empfinden darin Glückseligkeit, und solche betrüben sich, wenn man glaubt, sie tun es um der Vergeltung willen; sie sind wie die, welche den Freunden Gutes tun um der Freundschaft willen, dem Bruder um der Brüderschaft willen, der Frau und den Kindern um der Frau und der Kinder willen, dem Vaterland um des Vaterlandes willen, somit aus Freundschaft und Liebe; die, welche wohl tun, sagen auch und überzeugen andere davon, daß sie es nicht um ihret- sondern um jener willen tun.

441. Ganz anders aber die, welche bei den Werken ihr Absehen auf Lohn als den eigentlichen Endzweck haben; diese gleichen solchen, welche Freundschaft schließen um der Vorteile willen, und auch Geschenke senden, Dienste leisten, Liebe bezeugen wie von Herzen, und wenn sie das Gehoffte nicht erlangen, sich abwenden und die Freundschaft aufgeben, und sich den Feinden und Hassern desselben anschließen. Auch sind sie wie die Säugammen, die bloß um Lohn die Kinder säugen, und sie unter den Augen der Eltern küssen und hätscheln, sobald ihnen aber nicht feine Kost und auf jeden Wink Geschenke gegeben werden, die Kinder von sich stoßen, sie hart behandeln und schlagen, und zu ihrem Weinen lachen. Sie sind ferner wie die, welche das Vaterland aus dem Gesichtspunkt der Selbst- und Weltliebe betrachten, und sagen, sie wollten ihm Gut und Leben opfern, dennoch aber, wenn sie nicht Ehrenstellen und zeitliche Güter erhaschen, übel von ihm reden, und sich seinen Feinden beigesellen; auch sind sie wie Hirten, die nur um des Lohnes willen die Schafe weiden, und wenn sie diesen nicht zu seiner Zeit erhalten, dieselben mit ihrem Stab von der Weide in die Wüste treiben; diesen gleichen die Priester, welche die Obliegenheiten ihres Dienstes bloß wegen der ihnen ausgesetzten Gebühren verrichten; daß diese das Heil der Seelen, denen sie als Führer vorgesetzt sind, gering achten, ist offenbar. Ebenso verhält es sich mit den obrigkeitlichen Personen, die ihr Absehen bloß auf die Würde ihres Amtes und auf die Einkünfte haben; wenn diese das Gute tun, so geschieht es nicht um des öffentlichen Wohles willen, sondern wegen des Angenehmen der Selbst- und Weltliebe, auf daß sie als das einzige Gut sinnen. Die gleiche Bewandtnis hat es mit den übrigen; denn der Endzweck, weswegen etwas geschieht, gibt den Ausschlag, und die Mittelursachen, nämlich die Obliegenheiten des Amtes werden, wenn sie den Zweck nicht befördern, entlassen. Ebenso verhält es sich mit denen, welche in Dingen des Heils Lohn infolge von Verdienst fordern: diese machen nach dem Tode mit großem Übermut Anspruch auf den Himmel, werden aber, nachdem man gefunden hat, daß sie nichts von Liebe zu Gott und nichts von Liebe zum Nächsten besitzen, zu solchen zurückgesandt, von denen sie über die Liebtätigkeit und den Glauben unterrichtet werden können, und wenn sie deren Lehren verwerfen, so werden sie zu ihresgleichen verwiesen, unter denen einige sind, die, weil sie keine Belohnungen davontragen, auf Gott zürnen, und den Glauben ein Gedankending nennen. Sie sind diejenigen, die im Wort unter den Lohnarbeitern verstanden werden, denen Dienste der niedrigsten Art in den Vorhöfen der Tempel angewiesen wurden; sie erscheinen von ferne wie Holzspalter.

442. Es ist wohl zu merken, daß die Liebtätigkeit und der Glaube an den Herrn eng verbunden sind; wie daher der Glaube beschaffen ist, so ist auch die Liebtätigkeit beschaffen. Daß der Herr, die Liebtätigkeit und der Glaube eins ausmachen, wie das Leben, der Wille und der Verstand, und daß, wenn sie getrennt werden, jedes derselben zugrunde geht, wie eine in Staub zerfallene Perle, sehe man oben Nr. 362f; und daß die Liebtätigkeit und der Glaube beisammen sind in den guten Werken, Nr. 373-377. Hieraus folgt, daß wie der Glaube, so auch die Liebtätigkeit beschaffen ist, und daß wie der Glaube und die Liebtätigkeit zusammen beschaffen sind, so auch die Werke beschaffen sind. Ist nun der Glaube der, daß alles Gute, das der Mensch wie aus sich tut, vom Herrn sei, so ist der Mensch dann die werkzeugliche Ursache desselben, und der Herr die Hauptursache, welche beide Ursachen vor dem Menschen als eine erscheinen, während doch die Hauptursache alles in allem der werkzeuglichen Ursache ist. Daraus folgt, daß der Mensch, wenn er glaubt, daß alles Gute, das an sich gut ist, vom Herrn sei, kein Verdienst in die Werke setzt; und in dem Grad, in dem dieser Glaube beim Menschen vervollkommnet wird, wird ihm vom Herrn die Einbildung vom Verdienst genommen. Der Mensch übt in diesem Zustand die Erweisungen der Liebtätigkeit in Fülle, ohne Furcht vor Verdienstlichkeit, und zuletzt empfindet er die geistige Lust der Liebtätigkeit, und fängt dann an, von der Verdienstlichkeit als etwas seinem Leben Schädlichen sich abzuwenden. Die Verdienstlichkeit wird vom Herrn leicht abgestreift bei denen, welche die Liebtätigkeit dadurch in sich aufnehmen, daß sie gerecht und redlich handeln in jedem Werk, Geschäft und Amt, in dem sie sind, und gegen die, mit denen sie in irgendeinem Verkehr stehen, wovon oben Nr. 422-424; allein schwer wird die Verdienstlichkeit weggenommen von denen, die glauben, die Liebtätigkeit werde erworben durch Almosen und Unterstützung der Notleidenden; denn diese wollen, während sie dergleichen tun, in ihrem Gemüt erst offen, und dann im Stillen, Lohn, und saugen Verdienstlichkeit ein.