Der Mensch empfaengt den Glauben dadurch, daß er sich an den Herrn wendet, die Wahrheiten aus dem Wort lernt, und nach ihnen lebt  

343. Ehe ich es unternehme, den Ursprung des Glaubens aufzuzeigen, welcher darin besteht, daß man sich an den Herrn wendet, die Wahrheiten aus dem Wort lernt und nach ihnen lebt, ist notwendig, daß die Hauptpunkte des Glaubens vorausgeschickt werden, um aus denselben in den einzelnen Teilen des Glaubens einen allgemeinen Begriff haben zu können; denn so kann deutlicher begriffen werden nicht nur was in diesem Kapitel vom Glauben, sondern auch was in den folgenden von der Liebtätigkeit, vom freien Willen, von der Buße, von der Umbildung und Wiedergeburt, und von der Zurechnung vorgetragen werden wird; denn in alle und jede Teile des theologischen Systems dringt der Glaube ein wie das Blut in die Glieder des Körpers und belebt sie. Was die heutige Kirche vom Glauben lehrt, ist in der christlichen Welt im Allgemeinen bekannt, und im Besonderen in ihrem geistlichen Stand; denn die Bücher, die bloß vom Glauben, und zwar vom alleinigen Glauben handeln, füllen die Bibliotheken der Kirchenlehrer; denn kaum wird etwas außer ihm heutzutage für eigentlich theologisch gehalten. Allein bevor die Punkte, welche die heutige Kirche von ihrem Glauben lehrt, vorgenommen, durchgegangen und erwogen werden, was im Anhang geschehen wird, soll das Allgemeine dessen angeführt werden, was die neue Kirche von ihrem Glauben lehrt, und dies ist folgendes:

344. Das Sein des Glaubens der neuen Kirche ist:

1. das Vertrauen auf den Herrn Gott Heiland Jesus Christus;

2. die Zuversicht, daß der, welcher recht lebt und richtig glaubt, von Ihm selig gemacht wird. Das Wesen des Glaubens der neuen Kirche ist die Wahrheit aus dem Wort. Die Existenz des Glaubens der neuen Kirche ist:

1. das geistige Schauen;

2. die Zusammenstimmung der Wahrheiten;

3. die Überzeugung;

4. die dem Gemüt eingeschriebene Anerkennung.

 

Die Zustände des Glaubens der neuen Kirche sind:

1. der Kindesglaube, der Jünglingsglaube, der Erwachsenenglaube;

2. der Glaube des echten Wahren und der Glaube der Scheinbarkeiten des Wahren;

3. der Gedächtnisglaube, der Vernunftglaube, der Lichtglaube;

4. der natürliche Glaube, der geistige Glaube, der himmlische Glaube;

5. der lebendige Glaube und der Wunderglaube;

6. der freie Glaube und der erzwungene Glaube.

Die Form selbst des Glaubens der neuen Kirche in ihrer allgemeinen und in ihrer besonderen Idee sehe man oben Nr. 2 und 3.

345. Weil im kurzen Abriß die Merkmale des geistigen Glaubens angeführt wurden, so sollen in der Kürze auch die Merkmale des bloß natürlichen Glaubens angegeben werden, welcher an sich eine den Glauben nachlügende Selbstberedung, und eine Beredung des Falschen ist, und Irrglaube heißt: die Benennungen desselben sind:

1. der unechte Glaube, in dem Falsches mit Wahrem vermischt ist;

2. der buhlerhafte Glaube, aus verfälschten Wahrheiten, und der ehebrecherische Glaube aus geschändetem Guten;

3. der verschlossene oder blinde Glaube, auf mystische Dinge gehend, die geglaubt werden, obgleich man nicht weiß, ob sie wahr oder falsch sind, oder ob sie über der Vernunft oder wider sie sind;

4. der umherschweifende Glaube, welcher der an mehrere Götter ist;

5. der blödsichtige Glaube, welcher der an einen anderen, als den wahren Gott, und bei den Christen an einen anderen, als den Herrn Gott Heiland ist;

6. der heuchlerische oder pharisäische Glaube, welcher der des Mundes und nicht des Herzens ist;

7. der schwärmerische und verschrobene Glaube, dem infolge sinnreicher Begründung das Falsche als Wahres erscheint.

346. Oben ist gesagt worden, daß der Glaube seiner Existenz nach beim Menschen ein geistiges Schauen sei; da nun das geistige Schauen, welches das des Verstandes und so des Gemütes ist, und das natürliche Schauen, welches das Schauen des Auges und so des Körpers ist, sich gegenseitig entsprechen, so kann jeder Zustand des Glaubens verglichen werden mit dem Zustand des Auges und seines Sehens. Der Zustand des Glaubens an das Wahre mit jeglichem gesunden Zustand des Sehens des Auges, und der Zustand des Glaubens an Falsches mit jeglichem verkehrten Zustand des Gesichts des Auges. Allein wir wollen die Entsprechungen dieser beiden Gesichte, das des Gemüts und das des Körpers, hinsichtlich der verkehrten Zustände beider vergleichen: der unechte Glaube, in dem Falsches mit Wahrem vermischt ist, kann verglichen werden mit dem Fehler des Auges und somit des Sehens, welcher der ‚weiße Fleck‘ über der Hornhaut heißt, und das Sehen dunkel macht. Der buhlerische Glaube, welcher der aus verfälschten Wahrheiten ist, und der ehebrecherische Glaube, welcher der aus geschändetem Guten ist, kann verglichen werden mit dem Fehler des Auges und somit des Sehens, welcher der ‚graue Star‘ heißt, und eine Vertrocknung oder Verhärtung der Kristallfeuchtigkeit ist. Der verschlossene oder blinde Glaube, welcher der an mystische Dinge ist, die geglaubt werden, obschon man nicht weiß ob sie wahr oder falsch sind, oder ob sie über der Vernunft oder gegen sie sind, kann verglichen werden dem Fehler des Auges, der ‚schwarzer Star‘ heißt, und im Verlust des Gesichts besteht, während das Auge als völlig sehend erscheint; derselbe entsteht aus eine Verstopfung der Sehnerven. Der umherschweifende Glaube, welcher der an mehrere Götter ist, kann verglichen werden mit dem Fehler des Auges, welcher der ‚weiße Star‘ heißt, und ein Verlust des Gesichts ist, entstehend aus einer Verstopfung zwischen der harten und der farbigen Augenhaut. Der blödsichtige Glaube, welcher der an einen anderen Gott als den wahren, und bei den Christen an einen anderen als den Herrn Gott Heiland ist, kann verglichen werden mit dem Fehler des Auges, welcher das Schielen heißt. Der heuchlerische oder pharisäische Glaube, welcher der des Mundes und nicht des Herzens ist, kann verglichen werden mit der Dörrsucht des Auges und dem daraus entstehenden Verlust des Gesichts. Der schwärmerische und verschrobene Glaube, dem das Falsche als Wahres erscheint infolge sinnreicher Begründung, kann verglichen werden mit dem Fehler des Auges, welcher ‚Nyktalopia‘ heißt, und ein Sehen aus unechtem Licht in der Finsternis ist.

347. Was aber die Bildung des Glaubens betrifft, so wird er dadurch gebildet, daß der Mensch sich an den Herrn wendet, die Wahrheiten aus dem Wort lernt und ihnen gemäß lebt. Das erste, ‚daß der Glaube dadurch gebildet werde, daß der Mensch sich an den Herrn wendet‘, gründet sich darauf, daß der Glaube, der wirklich Glaube, also heilbringender Glaube ist, vom Herrn kommt und auf den Herrn gerichtet ist; daß er vom Herrn kommt, erhellt aus Seinen Worten an die Jünger: „Bleibet in Mir, und Ich in euch; denn ohne Mich könnt ihr nichts tun“: Joh.15/4,5. Daß der Glaube den Herrn zum Gegenstand hat, erhellt aus den Stellen, die oben Nr. 337, 338 in Menge angeführt worden sind und dahin lauten, daß man an den Sohn glauben solle. Da nun der Glaube vom Herrn kommt und auf den Herrn geht, so kann man sagen, daß der Herr der Glaube selbst sei; denn das Leben und Wesen desselben ist im Herrn, somit vom Herrn. Das zweite, daß der Glaube dadurch gebildet werde, daß der Mensch die Wahrheiten aus dem Wort lernt, gründet sich darauf, daß der Glaube seinem Wesen nach Wahrheit ist. Denn alle Dinge, die in den Glauben eingehen, sind Wahrheiten, daher der Glaube nichts anderes ist, als ein Inbegriff von Wahrheiten, die im Gemüt des Menschen leuchten; denn die Wahrheiten lehren nicht nur, daß man glauben soll, sondern auch, an wen man glauben und was man glauben soll. Daß die Wahrheiten aus dem Wort genommen werden sollen, hat seinen Grund darin, daß alle Wahrheiten, die zum Heil führen, in jenem sind, und daß sie Kraft haben, weil sie vom Herrn gegeben, und daher dem ganzen Engelhimmel eingeschrieben sind; daher denn der Mensch, wenn er die Wahrheiten aus dem Wort lernt, in Gemeinschaft und Zusammengesellung mit den Engeln kommt, ohne es zu wissen. Der Glaube ohne Wahrheiten ist wie ein Same ohne Marksubstanz, welcher, gemahlen, nur Spreu gibt, wogegen der aus Wahrheiten gebildete Glaube wie ein brauchbarer Same ist, der, gemahlen, Mehl gibt. Mit einem Wort, die wesentlichen Stücke des Glaubens sind Wahrheiten, und wenn diese ihm nicht innewohnen und dessen Zusammensetzung bilden, so ist der Glaube bloß wie ein singender Zischlaut; sind sie aber darin und bilden seine Bestandteile, so ist der Glaube wie der Laut eines heilbringenden Gegenstandes.

Das dritte, daß der Glaube dadurch gebildet werde, daß der Mensch nach den Wahrheiten lebt, hat seinen Grund darin, daß das geistige Leben das Leben nach den Wahrheiten ist, und die Wahrheiten nicht wirklich Leben, bevor sie in Handlungen sich ausprägen; die Wahrheiten abgesehen von den Handlungen, sind Dinge des bloßen Denkens, die, wenn sie nicht auch Sache des Willens werden, nur auf der Schwelle zum Menschen und somit nicht inwendig in ihm sind; denn der Wille ist der Mensch selbst, und das Denken ist nur insoweit und in der Art Mensch, inwieweit und in welcher Art es den Willen mit sich vereinbart hat. Wer die Wahrheiten lernt und sie nicht übt, ist wie jemand, der Samenkörner umherstreut auf einen Acker und nicht eggt, wo dann die Samenkörner vom Regen aufschwellen und verschimmeln. Wer hingegen die Wahrheiten lernt und sie übt, ist wie einer, der sät und die Saat einackert, infolgedessen dann die Samenkörner vom Regen zum Saatfeld emporwachsen und nutzbar für die Nahrung werden. Der Herr sagt: „Wenn ihr dieses wisset, selig seid ihr, so ihr es tut“: Joh.13/17, und anderwärts: „Der auf das gute Land gesät ist, ist der, welcher das Wort hört und darauf merkt, und dann Frucht bringt und tut“: Matth.13/23.

Dann: „Jeder, der Meine Worte hört und sie tut, den will ich einem klugen Mann vergleichen, welcher sein Haus auf einen Felsen baute; jeder hingegen, der Meine Worte hört, sie aber nicht tut, wird einem törichten Mann verglichen werden, der sein Haus auf Sand baute“: Matth.7/24,26. Die Worte des Herrn sind alle Wahrheiten.

348. Aus dem oben Gesagten erhellt, daß es drei Dinge sind, durch die der Glaube beim Menschen gebildet wird, daß nämlich das erste ist, sich an den Herrn wenden, das zweite, die Wahrheiten aus dem Wort lernen, und das dritte, nach denselben leben. Da es nun drei sind, und das eine nicht das andere ist, so folgt, daß sie getrennt werden können; denn es kann jemand sich an den Herrn wenden, ohne die Wahrheiten von Gott und vom Herrn zu wissen, außer die historischen; und es kann auch jemand eine Menge von Wahrheiten aus dem Wort wissen, ohne jedoch nach denselben zu leben. Allein bei einem Menschen, bei dem diese drei getrennt sind, das heißt, eines ohne das andere ist, ist nicht der Glaube des Heils, sondern dieser Glaube entsteht, wenn jene drei verbunden werden, und dieser Glaube wird so, wie die Verbindung ist. Wo jene drei getrennt sind, da ist der Glaube wie ein unfruchtbarer Samen, der, in die Erde gebracht, in Staub zerfällt; wo hingegen jene drei verbunden sind, da ist der Glaube wie ein Same in der Erde, der zu einem Baum emporwächst, dessen Frucht je nach der Verbindung ist. Wo jene drei getrennt sind, da ist der Glaube wie ein Ei, in dem nichts Befruchtendes ist; wo hingegen jene drei verbunden sind, da ist jener Glaube wie ein Ei mit dem Keim eines schönen Vogels. Der Glaube bei denen, bei welchen jene drei getrennt sind, kann verglichen werden mit dem Auge eines gesottenen Fisches oder Krebses, hingegen der Glaube bei solchen, bei denen jene drei verbunden sind, kann verglichen werden mit dem Auge, das durchsichtig ist von der Kristallfeuchtigkeit bis in und durch die farbige Haut des Augapfels. Der getrennte Glaube gleicht einem Gemälde mit schwärzlichen Farben auf schwarzem Stein, der verbundene Glaube hingegen gleicht einem Gemälde mit schönen Farben auf durchsichtigem Kristall. Das Licht des getrennten Glaubens kann verglichen werden mit dem Licht eines Spans in der Hand des Wanderers zur Nachtzeit, hingegen das Licht des verbundenen Glaubens kann verglichen werden mit dem Licht einer Fackel, durch deren Schwingung jeder Schritt erleuchtet wird. Der Glaube ohne Wahrheiten ist wie ein Weinstock, der wilde Trauben trägt, hingegen der aus Wahrheiten bestehende Glaube ist wie ein Weinstock, der Trauben edlen Weins trägt. Der Glaube an den Herrn, der von den Wahrheiten entblößt ist, kann verglichen werden mit einem neuen Stern, der am Himmelszelt erscheint und mit der Zeit sich verdunkelt, hingegen der Glaube an den Herrn mit den Wahrheiten kann mit einem Fixstern verglichen werden, der für und für stehen bleibt. Die Wahrheit ist das Wesen des Glaubens; wie daher die Wahrheit beschaffen ist, so ist der Glaube beschaffen, der ohne die Wahrheiten unstet umherschweifend, mit ihnen hingegen feststehend ist; auch leuchtet der Glaube der Wahrheiten im Himmel wie ein Stern.