Der innere Mensch soll zuerst umgebildet werden, und durch diesen der äußere, und so wird der Mensch wiedergeboren

591. Daß zuerst der innere Mensch wiedergeboren werden müsse, und durch ihn der äußere, ist heutzutage in der Kirche die gemeine Rede; allein unter dem inneren Menschen denkt man sich nichts anderes als den Glauben, daß nämlich Gott der Vater das Verdienst und die Gerechtigkeit Seines Sohnes zurechne, und den Heiligen Geist sende; dieser Glaube, meint man, mache den inneren Menschen aus, und aus ihm gehe der äußere hervor, welcher der moralisch natürliche Mensch sei, und dieser sei ein Anhängsel desselben, vergleichsweise wie der Schwanz des Pferdes oder des Stieres, oder wie der Schwanz des Pfaus oder des Paradiesvogels, der in seinen Höhlungen steckt, ohne damit zusammenzuhängen; denn man sagt, die Liebtätigkeit folge jenem Glauben; dringe aber die Liebtätigkeit aus dem Willen des Menschen ein, so gehe jener Glaube zugrunde. Weil aber heutzutage kein anderer innerer Mensch in der Kirche anerkannt wird, so ist gar kein innerer Mensch da; denn niemand weiß, ob jener Glaube ihm geschenkt ist; daß er auch nicht möglich ist, und somit eine Einbildung ist, ist oben nachgewiesen worden; daraus folgt, daß es heutzutage bei denen, die sich in jenem Glauben bestärkt haben, gar keinen anderen inneren Menschen gibt, als jenen natürlichen, der von Geburt her von Bösem in aller Fülle wimmelt. Dazu kommt noch, daß die Wiedergeburt und Heiligung jenem Glauben von selbst folgen soll, und daß die Mitwirkung des Menschen, durch die einzig die Wiedergeburt des Menschen geschieht, ausgeschlossen sein soll. Daraus folgt, daß die Wiedergeburt in der heutigen Kirche nicht erkennbar ist, während doch der Herr sagt, daß, wer nicht wiedergeboren wird, das Reich Gottes nicht sehen könne.

592. Allein der innere und der äußere Mensch der neuen Kirche sind ganz andere; der innere Mensch ist Angehör seines Willens, aus dem er denkt, wenn er sich selbst überlassen ist, was zu Hause geschieht; der äußere Mensch hingegen ist sein Tun und Reden, die von ihm in der Versammlung, also auswärts ausgehen; mithin ist der innere Mensch Liebtätigkeit, weil diese Sache des Willens ist, und zugleich Glaube, der Sache des Denkens ist. Diese beiden machen vor der Wiedergeburt den natürlichen Menschen aus, der in dieser Weise geteilt ist in ein Inneres und ein Äußeres; dies zeigt sich daran, daß der Mensch in der Versammlung oder auswärts nicht so handeln und reden darf, wie wenn er sich selbst überlassen oder Zuhause ist. Die Ursache dieser Teilung ist, daß die bürgerlichen Gesetze Strafen vorschreiben für die, welche Böses tun, und Belohnung für die, welche Gutes tun, und so zwingen sie sich, den äußeren Menschen vom inneren Menschen zu trennen; denn keiner will bestraft, und jeder will belohnt werden, was durch Reichtum und Ehrenstellen geschieht; diese beiden aber erlangt der Mensch nicht, wenn er nicht nach jenen Gesetzen lebt; daher kommt, daß es auch bei denen Moral und ein Wohlwollen im Äußeren gibt, die keine Moral und kein Wohlwollen im Inneren haben; aus dieser Quelle stammt alle Heuchelei, Schmeichelei und Verstellung.

593. Was die Teilung des natürlichen Menschen in zweierlei Gestalten betrifft, so findet in ihm eine wirkliche Teilung sowohl des Wollens als des Denkens statt; denn jede Handlung des Menschen geht aus seinem Willen hervor, und alles Reden aus seinem Denken; weshalb ein anderer Wille unterhalb des vorigen vom Menschen gebildet worden ist, ebenso ein anderes Denken; dennoch aber machen diese beiden den natürlichen Menschen aus. Dieser Wille, der vom Menschen gebildet wird, kann der Körperwille genannt werden, weil er den Körper dazu anhält sich moralisch zu gebärden, und jenes Denken kann ein Lungendenken genannt werden, weil es die Zunge und die Lippen anhält, solches zu reden, was ein Zeichen des Verstandes ist. Dieses Denken und jenes Wollen zusammengenommen lassen sich dem Bast, der inwendig der Rinde des Baumes, und der Haut vergleichen, die der Schale des Eies anklebt; unter beiden ist der innere natürliche Mensch, welcher, wenn er böse ist, dem Holz eines faulen Baumes verglichen werden kann, um das die gedachte Rinde mit ihrem Bast als unversehrt erscheint und ebenso einem faulen Ei innerhalb einer weißen Schale. Wie aber der innere natürliche Mensch von Geburt an ist, soll gesagt werden: sein Wille neigt sich zu Bösem jeder Art hin, und das Denken aus ihm ebenso zu Falschem jeder Art; dies ist also der innere Mensch, der wiedergeboren werden soll; denn wofern er nicht wiedergeboren wird, ist er nichts als Haß gegen alles, was zur Liebtätigkeit, und hieraus ein Aufbrausen gegen alles, was zum Glauben gehört. Daraus folgt, daß der natürliche innere Mensch zuerst wiedergeboren werden muß, und durch diesen der äußere; denn dies ist der Ordnung gemäß, hingegen den inneren durch den äußeren wiedergebären, ist wider die Ordnung; denn das Innere ist wie die Seele im Äußeren, nicht nur im Allgemeinen, sondern auch in allem Besonderen, mithin im Einzelnen dessen, was man spricht; es wohnt diesem inne, ohne daß der Mensch es weiß; daher kommt, daß die Engel aus einer Handlung des Menschen erkennen, wie sein Wille, und aus einer Rede desselben, wie sein Denken beschaffen ist, sei es nun höllisch oder himmlisch; daraus erkennen sie den ganzen Menschen; am Ton erkennen sie die Neigung seines Denkens, und an der Gebärde oder Gestaltung der Handlung die Liebe seines Willens; sie nehmen diese wahr, wie sehr er auch immer den Schein des Christen und des rechtlichen Bürgers annimmt.

594. Die Wiedergeburt des Menschen wird bei Ezechiel beschrieben durch die verdorrten Gebeine, über welche Sehnen gezogen wurden, hernach Fleisch und Häute, und denen zuletzt Geist eingehaucht wurde, wodurch sie wieder auflebten: Ez.37/1-14; daß dadurch die Wiedergeburt vorgebildet wurde, erhellt deutlich aus den Worten daselbst: „Diese Gebeine sind das ganze Haus Israels“: Ez.37/11. Sie wird dort auch den Gräbern verglichen; denn man liest: „Er werde die Gräber öffnen, und die Gebeine daraus heraufbringen, und Geist in sie geben, und sie in das Land Israels stellen“: Ez.37/12-14; unter dem Land Israels wird hier und anderwärts die Kirche verstanden. Daß die Vorbildung der Wiedergeburt durch Gebeine und Gräber geschah, hatte seinen Grund darin, daß der unwiedergeborene Mensch ein Toter, und der Wiedergeborene ein Lebendiger heißt, sofern nämlich in diesem geistiges Leben, in jenem aber geistiger Tod ist.

595. In allem Erschaffenen in der Welt, sowohl dem lebendigen, als dem toten, ist ein Inneres und ein Äußeres; es gibt nirgends eines, wo nicht auch das andere wäre; so wie es keine Wirkung ohne Ursache gibt, und alles Geschaffene wird nach der inneren Güte geschätzt, und gering geachtet infolge der inneren Schlechtigkeit; ebenso die äußere Güte, in der innere Schlechtigkeit ist; jeder Weise in der Welt und jeder Engel im Himmel urteilt so. Wie aber der unwiedergeborene Mensch, und wie der Wiedergeborene beschaffen ist, kann durch Vergleiche beleuchtet werden: der nicht wiedergeborene Mensch, der sich den Schein des rechtlichen Bürgers und des Christen gibt, kann einem Leichnam verglichen werden, der in Wohlriechendes eingewickelt wird, gleichwohl aber einen Gestank verbreitet, mit dem er das Wohlriechende ansteckt, und der sich in die Nase zieht und das Gehirn angreift; und weiter kann er verglichen werden mit einer vergoldeten oder in einen silbernen Sarg gelegten Mumie, die, wenn man hineinblickt, dem Auge als ein häßlich schwarzer Körper erscheint. Verglichen kann er werden mit Gebeinen oder Gerippen in einer aus Lasurstein gehauenen und mit anderen Kostbarkeiten ausgeschmückten Gruft; auch kann er verglichen werden mit dem Reichen, der sich in Purpur und Byssus kleidete, dessen Inneres aber höllisch war: Luk.16/[19]. Noch weiter kann er verglichen werden mit einem Gift von Zuckergeschmack, mit blühendem Schierling, mit Früchten in schimmernden Schalen, deren Kerne aber von Würmern zerfressen sind; und dann auch mit einem Geschwür, das mit einem Pflaster, und hernach auch mit einer leichten Haut überzogen ist, in dem aber nichts als Eiter ist. Das Innere kann in der Welt nach dem Äußeren geschätzt werden, aber bloß von solchen, die kein inneres Gute haben, und daher nach dem Schein urteilen; anders aber im Himmel; denn wenn der den Geist umgebende und bestimmbare, und vom Bösen zum Guten lenkbare Körper durch den Tod getrennt wird, dann bleibt das Innere, (denn dieses bildet seinen Geist,) und dann erscheint er auch von ferne wie eine Schlange nach abgestreiftem Balg, oder wie faules Holz, wenn es von seinem Bast oder seiner Rinde, in der es geschimmert hatte, entblößt ist. Anders aber der Wiedergeborene: sein Innere ist gut, und das Äußere dem Äußeren eines anderen ähnlich; sein Äußeres ist aber doch von dem des vorigen verschieden, wie der Himmel von der Hölle, weil die Seele des Guten in ihm ist, und es kommt nicht darauf an, ob er ein Großer sei und in einem Palast wohne und mit glänzendem Gefolge aufziehe, oder ob er in einer Hütte wohne und von einem Knaben bedient werde; ja ob er ein Kirchenfürst sei, eingekleidet mit einem Purpurmantel und einer zweifach abgestuften Bischofsmütze, oder ob er ein Hirt von etlichen Schafen im Wald sei und sich hülle in ein weites bäuerisches Gewand, und das Haupt mit einem Käppchen bedecke. Gold ist immer Gold, mag es nun ans Feuer gebracht glänzen, oder über dem Rauch an seiner Oberfläche geschwärzt sein; mag es ferner in eine schöne Form wie die eines Kindes, oder in eine unschöne Form wie die einer Maus gegossen sein; Mäuse aus Gold gemacht und neben die Bundeslade gesetzt wurden auch angenommen, und versöhnten: 1Sa.6/3-5f; Gold nämlich bezeichnet das innere Gute. Der Diamant und der Rubin, aus welcherlei Mutter, sei es eine von Kalkstein oder von Ton, sie genommen sind, werden vermöge ihrer inneren Güte ebenso hoch geschätzt, wie die im Halsschmuck der Königin, und so weiter; hieraus erhellt, daß das Äußere nach dem Inneren geschätzt wird, und nicht umgekehrt.