Der Herr rechnet jedem Menschen das Gute, und die Hölle jedem Menschen das Böse zu

650. Daß der Herr dem Menschen das Gute und gar nichts Böses, und daß der Teufel, unter dem die Hölle verstanden wird, dem Menschen das Böse zurechne und gar nichts Gutes, ist etwas Neues in der Kirche. Daß es neu ist, kommt daher, daß man im Wort oftmals liest, Gott zürne, räche, hasse, verdamme, strafe, werfe in die Hölle, versuche, welches alles in das Gebiet des Bösen gehört und daher Böse ist; daß aber der Buchstabensinn des Wortes aus solchen Dingen, welche Scheinbarkeiten und Entsprechungen sind, zusammengeschrieben worden ist, zu dem Ende, daß eine Verbindung der äußeren Kirche mit ihrer inneren, somit der Welt mit dem Himmel sein möge, ist im Kapitel von der ‚Heiligen Schrift‘ gezeigt worden, sowie auch dies, daß, wenn dergleichen Dinge im Wort gelesen werden, eben jene Scheinwahrheiten, wenn sie vom Menschen aus in den Himmel übergehen, in die echten Wahrheiten verwandelt werden, welche sind, daß der Herr durchaus nicht zürnt, rächt, haßt, verdammt, straft, in die Hölle wirft, versucht, mithin keinem Menschen Böses zufügt; diese Umwechslung und Verwandlung habe ich in der geistigen Welt öfter wahrgenommen.

651. Die Vernunft selbst pflichtet bei, daß der Herr keinem Menschen Böses zufügen, folglich es ihm auch nicht zurechnen kann; denn Er ist die Liebe selbst, die Barmherzigkeit selbst, somit das Gute selbst, und diese gehören Seinem göttlichen Wesen an; das Böse also, oder etwas Böses dem Herrn zuschreiben, wäre gegen Sein göttliches Wesen, somit widersprechend, und wäre ebenso abscheulich, wie wenn man den Herrn und den Teufel, oder auch den Himmel und die Hölle verbinden wollte, während doch zwischen diesen eine sehr große Kluft befestigt ist, so daß die, welche von dieser zu jenem hinübersteigen wollen, es nicht können, noch von diesem zu jener hinüberkommen: Luk.16/26. Nicht einmal ein Engel des Himmels kann jemanden Böses zufügen, weil das Wesen des Guten vom Herrn ihm innewohnt; und umgekehrt, ein Geist der Hölle kann nicht anders als dem anderen Böses zufügen, weil die Natur des Bösen vom Teufel ihm innewohnt; das Wesen oder die Natur, die sich jemand in der Welt angeeignet hat, kann nach dem Tode nicht verändert werden. Man denke sich einmal, wie der Herr beschaffen wäre, wenn Er die Bösen mit Zorn, und die Guten mit Milde anblickte; es gibt Myriaden von Myriaden Böse, und Myriaden von Myriaden Gute der Zahl nach, und diese würde Er aus Gnaden selig machen, und jene aus Rache verdammen, und diese und jene sollte Er mit so ungleichem Auge, mit einem saften und einem strengen, mit einem milden und einem nicht milden Auge anblicken? Was würde da aus Gott dem Herrn werden? Wer weiß nicht von den Predigten in den Kirchen her, daß alles Gute, das an sich gut ist, von Gott ist, und alles Böse, das an sich böse ist, vom Teufel ist? Würde also irgendein Mensch sowohl das Gute, als das Böse aufnehmen, das Gute vom Herrn und das Böse vom Teufel, beides mit dem Willen, würde er dann nicht ‚weder kalt, noch warm, sondern lau, und darum ausgespien werden‘ nach den Worten des Herrn in der Offb.3/15,16.

652. Daß der Herr jedem Menschen das Gute und keinem das Böse zurechnet, daß Er also keinen zur Hölle verurteilt, sondern alle, inwieweit sie Ihm folgen, zum Himmel erhebt, erhellt aus folgenden Worten Desselben: „Jesus sprach: Wenn Ich erhöhet bin von der Erde, werde Ich alle zu Mir ziehen“: Joh.12/32. „Gott hat Seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, die Welt zu richten, sondern daß die Welt durch Ihn selig werde; wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet“: Joh.3/[17],18. „Wer Meine Worte hört und doch nicht glaubt, den richte Ich nicht, denn Ich bin nicht gekommen, die Welt zu richten, sondern die Welt selig zu machen; wer Mich verachtet und Meine Worte nicht annimmt, hat schon seinen Richter, das Wort, das Ich gesprochen, wird ihn richten am Jüngsten Tage“: Joh.12/47,48. „Jesus sprach: Ich richte niemanden“: Joh.8/15. Unter dem Gericht wird hier und anderwärts im Wort die Verurteilung zur Hölle verstanden, welche die Verdammnis ist; von der Seligmachung hingegen wird nicht der Ausdruck Gericht gebraucht, sondern Auferstehung zum Leben: Joh.5/24,29; 3/18. Unter dem Wort, das richten wird, wird die Wahrheit verstanden, und Wahrheit ist, daß alles Böse von der Hölle stammt, und sie sonach eins sind; wird daher der Böse vom Herrn gegen den Himmel erhoben, so zieht ihn sein Böses abwärts, und weil er das Böse liebt, so folgt er dem Zug von selbst. Wahrheit im Wort ist auch, daß das Gute der Himmel ist, wird daher der Gute vom Herrn gegen den Himmel erhoben, so steigt er wie von selbst hinan und wird hineingeführt; von diesen heißt es, sie stehen geschrieben im Buche des

Lebens: Da.12/1; Offb.13/8; 20/12,15; 17/8; 21/6. Es ist wirklich eine alle zum Himmel erhebende Sphäre, die unaufhörlich vom Herrn ausgeht, und die ganze geistige Welt, sowie die ganze natürliche Welt erfüllt, und diese ist wie eine mächtige Strömung im Weltmeer, die in verborgener Weise das Schiff fortzieht; alle die, welche an den Herrn glauben und nach Seinen Geboten leben, treten in diese Sphäre oder Strömung ein, und werden erhoben; diejenigen hingegen, die nicht glauben, wollen nicht in dieselbe eingehen, sondern entfernen sich nach den Seiten hin, und werden dort vom Strom, der zur Hölle zieht, fortgerissen.

653. Wer weiß nicht, daß das Lamm nicht anders handeln kann denn als Lamm, und das Schaf nicht anders denn als ein Schaf, und umgekehrt der Wolf nicht anders denn als ein Wolf, und der Tiger als ein Tiger? Würden diese untereinandergemengt, würde dann nicht der Wolf das Lamm und der Tiger das Schaf auffressen? Sie stehen daher unter der Obhut der Hirten. Wer weiß nicht, daß eine Quelle süßen Wassers nicht bitteres Wasser aus ihrer Ader hervorströmen lassen, und daß ein guter Baum nicht schlimme Früchte bringen kann; und daß der Weinstock nicht wie ein Dornstrauch stechen, die Lilienblume nicht wie eine Nessel brennen, und die Hyazinthe nicht wie eine Distel stechen kann, und umgekehrt? Weshalb dieses bösartige Gestrüpp aus den Feldern, Weinbergen und Gärten ausgerottet und, in Haufen gesammelt, ins Feuer geworfen wird. Ebenso verhält es sich mit den Bösen, die in die geistige Welt kommen, gemäß den Worten des Herrn: Matth.13/30; Joh.15/6. Der Herr sagt auch zu den Juden: „Ihr Otterngezücht, wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens Gutes, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz Böses hervor“: Matth.12/34,35.