Der Herr ist gegenwaertig und oeffnet denjenigen den Himmel, die würdig zum heiligen Abendmahl gehen, und Er ist auch gegenwärtig bei denen, die unwürdig gehen, diesen öffnet Er aber nicht den Himmel; wie also die Taufe eine Einführung in die Kirche ist, so ist das heilige Abendmahl eine Einführung in den Himmel

719. Wer diejenigen seien, die würdig zum heiligen Abendmahl gehen, davon wird in den zwei folgenden Abschnitten gehandelt, und zugleich auch von denen, die unwürdig hinzugehen; denn aus dem einen, das bejaht wird, wird auch das andere erkannt, vermöge des Gegensatzes. Daß der Herr sowohl bei den Würdigen als bei den Unwürdigen gegenwärtig ist, hat seinen Grund darin, daß Er allgegenwärtig ist, sowohl im Himmel, als in der Hölle und auch in der Welt, mithin ebensowohl bei den Bösen, als bei den Guten. Bei den Guten aber, das heißt, bei den Wiedergeborenen, ist Er sowohl im Allgemeinen, als im Besonderen gegenwärtig, denn der Herr ist in ihnen und sie im Herrn, und wo der Herr ist, da ist der Himmel. Der Himmel macht auch den Leib des Herrn aus, daher in Seinem Leibe sein zugleich heißt, im Himmel sein. Die Gegenwart des Herrn hingegen bei denen, die unwürdig hinzugehen, ist Seine allgemeine Gegenwart, nicht aber die besondere, oder, was dasselbe ist, sie ist eine äußere Gegenwart, und nicht zugleich eine innere; und Seine allgemeine oder äußere Gegenwart macht, daß der Mensch als Mensch lebt, und das Vermögen hat zu wissen, zu verstehen und aus dem Verstande vernünftig zu reden, denn der Mensch ist für den Himmel geboren und darum auch geistig, nicht aber, wie das Tier, bloß natürlich. Er besitzt auch das Vermögen, das zu wollen und zu tun, was der Verstand wissen, verstehen und daher vernünftig reden kann; setzt sich aber der Wille in Widerspruch gegen das wahrhaft Vernünftige des Verstandes, das auch inwendig geistig ist, dann wird der Mensch ein äußerlicher; daher ist bei denen, die bloß einsehen, was wahr und gut ist, die Gegenwart des Herrn eine allgemeine oder äußere, wogegen bei denen, die das Wahre und Gute auch wollen und tun, die Gegenwart des Herrn sowohl eine allgemeine, als eine besondere, oder sowohl eine innere, als eine äußere ist. Die, welche das Wahre und Gute bloß einsehen und reden, sind vergleichsweise die törichten Jungfrauen, welche Lampen, aber kein Öl hatten; diejenigen hingegen, die das Wahre und Gute nicht nur einsehen und reden, sondern auch es wollen und tun, sind die klugen Jungfrauen; die zur Hochzeit eingelassen wurden, wogegen die ersteren draußen standen und anklopften, aber nicht eingelassen wurden: Matth.25/1-12. Hieraus erhellt, daß der Herr gegenwärtig ist und den Himmel denjenigen öffnet, die würdig zum heiligen Abendmahl hinzugehen, und daß Er auch bei denen gegenwärtig ist, die unwürdig hinzugehen, bei diesen aber nicht den Himmel öffnet.

720. Doch muß man nicht glauben, daß der Herr denen, die unwürdig hinzugehn, den Himmel verschließe, dies tut Er keinem Menschen bis an das letzte Ziel seines Lebens in der Welt, sondern der Mensch verschließt sich denselben selbst; und dies tut er durch Verwerfung des Glaubens und durch das Böse des Lebens; dennoch aber wird der Mensch fortwährend im Stand der Möglichkeit der Buße und Bekehrung gehalten; denn der Herr ist beständig zugegen, und dringt darauf, aufgenommen zu werden; denn Er sagt: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an, wenn jemand Meine Stimme hören und auftun wird, so werde Ich eingehen und Abendmahl mit ihm halten, und er mit Mir“: Offb.3/20, und deshalb ist der Mensch selbst Schuld, wenn er die Türe nicht öffnet. Anders aber geschieht es nach dem Tode: dann ist der Himmel verschlossen und unaufschließbar für die, welche bis an das Ende ihres Lebens unwürdig zum heiligen Tisch gegangen sind, denn alsdann ist das Inwendige ihres Gemütes unabänderlich befestigt und begründet.

721. Daß die Taufe eine Einführung in die Kirche sei, ist im Kapitel von der Taufe gezeigt worden; daß aber das heilige Abendmahl eine Einführung in den Himmel ist, erhellt aus dem oben Gesagten, wenn es erkannt worden ist. Diese zwei Sakramente, die Taufe und das heilige Abendmahl, sind wie zwei Pforten zum ewigen Leben; jeder Christenmensch wird durch die Taufe, welche die erste Pforte ist, eingelassen und eingeführt in diejenigen Dinge, welche die Kirche aus dem Wort vom ewigen Leben lehrt, welche alle die Mittel sind durch die der Mensch zum Himmel vorbereitet und hingeführt werden kann. Die andere Pforte ist das heilige Abendmahl, durch diese wird jeder Mensch, der sich vom Herrn hatte vorbereiten und führen lassen, wirklich in den Himmel eingelassen und eingeführt; mehr allgemeine Pforten gibt es nicht. Diese zwei können mit einem zur Regierung geborenen Prinzen verglichen werden, sofern derselbe zuerst in die zur Regierung erforderlichen Kenntnisse eingeführt, hernach aber gekrönt wird und die Regierung antritt. Sie können auch verglichen werden mit einem zu einer großen Erbschaft geborenen Sohn, der zuerst diejenigen Dinge lernen und sich aneignen muß, die zur rechten Bewirtschaftung der Besitzungen und Güter gehören, hernach aber in den Besitz derselben gelangt und sie verwaltet. Sie können auch verglichen werden mit der Erbauung eines Hauses und mit dessen Bewohnung, und wieder mit der Unterweisung eines Menschen von der Kindheit an bis zu dem Alter, da er sein eigener Herr wird und sein eigenes Urteil hat, und mit seinem nachherigen vernünftigen und geistigen Leben. Die eine Periode muß notwendig vorausgehen, damit man zur anderen gelange, denn diese ist ohne jene nicht möglich. Hierdurch ist beleuchtet, daß die Taufe und das heilige Abendmahl wie zwei Pforten sind, durch die der Mensch zum ewigen Leben eingeführt wird, und daß hinter der ersten Pforte ein Feld ist, das er durchlaufen muß, und daß die andere das Ziel ist, wo sich der Preis befindet, nach dem er den Lauf gerichtet hat; denn es wird keine Palme gereicht, als nach dem Ringen, und kein Preis als nach vorgängigem Kampf.