Der Herr, die Liebtätigkeit und der Glaube machen eins aus, wie das Leben, der Wille und der Verstand im Menschen; und wenn sie geteilt werden, geht jegliches zugrunde wie eine in Staub zerfallene Perle

362. Zuerst soll einiges erwähnt werden, was in der gelehrten Welt und daher auch im geistlichen Stand bisher unbekannt war, und zwar so unbekannt, wie die in die Erde vergrabenen Dinge, während es doch Schätze der Weisheit sind, und wenn sie nicht ausgegraben und dem Publikum geschenkt werden, der Mensch sich vergebens abmüht, zu einer richtigen Erkenntnis von Gott, vom Glauben, von der Liebtätigkeit, und vom Zustand seines Lebens zu gelangen, wie er diesen bestimmen und vorbereiten soll zum Zustand des ewigen Lebens. Jene unbekannten Dinge sind: daß der Mensch ein bloßes Organ des Lebens ist; daß das Leben mit all dem Seinigen einfließt vom Gott des Himmels, welcher der Herr ist; daß es zwei Vermögen des Lebens im Menschen gibt, welche der Wille und der Verstand heißen; und daß der Wille das Aufnahmegefäß der Liebe, und der Verstand das Aufnahmegefäß der Weisheit ist, und somit auch der Wille das Aufnahmegefäß der Liebtätigkeit, und der Verstand das Aufnahmegefäß des Glaubens ist. Daß alles, was der Mensch will, und alles, was er versteht, von außen einfließt; das Gute, das der Liebe und Liebtätigkeit angehört, und die Wahrheiten, die der Weisheit und dem Glauben angehören, vom Herrn her, und alles, was diesen entgegen ist, von der Hölle her. Daß vom Herrn Vorsehung geschah, daß der Mensch das, was von außen einfließt, in sich als das Seinige empfindet, und von da es als das Seinige hervorbringt, obgleich nichts davon ihm selbst angehört; daß es jedoch ihm zugerechnet wird als das Seinige, wegen des freien Willens, in dem sein Wollen und Denken ist, und wegen der gegebenen Erkenntnisse des Guten und Wahren, aus denen er frei wählen kann, was immer seinem zeitlichen und seinem ewigen Leben zuträglich ist. Ein Mensch, der auf das hier Angeführte mit schiefem oder schielendem Auge hinblickt, kann daraus vieles folgern, was Unsinn ist; ein Mensch hingegen, der mit geradem Auge oder Augapfel hinblickt, kann daraus vieles folgern, was zur Weisheit gehört. Damit dieses geschehe, und nicht jenes, war notwendig, die Urteile und Lehrbestimmungen über Gott und die göttliche Dreieinigkeit vorauszuschicken, und nach denselben die Urteile und Lehrbestimmungen vom Glauben und der Liebtätigkeit, vom freien Willen und von der Umbildung und Wiedergeburt, sowie auch von der Zurechnung; desgleichen auch von der Buße, von der Taufe und vom heiligen Abendmahl, als den Mitteln, festzustellen.

363. Damit aber dieser Glaubensartikel, nach welchem der Herr, die Liebtätigkeit und der Glaube eins ausmachen, wie das Leben, der Wille und der Verstand im Menschen, und, wenn sie geteilt werden, jedes zugrunde geht, wie eine in Staub zerfallene Perle, als Wahrheit gesehen und anerkannt werde, ist von Wichtigkeit, dies in folgender Ordnung zu erwägen:

I. Der Herr fließt mit all Seiner göttlichen Liebe, mit all Seiner göttlichen Weisheit, somit mit all Seinem göttlichen Leben bei jeglichem Menschen ein;

II. folglich auch mit dem ganzen Wesen des Glaubens und der Liebtätigkeit;

III. diese aber werden vom Menschen je nach seiner Form aufgenommen;

IV. der Mensch hingegen, der den Herrn, die Liebtätigkeit und den Glauben trennt, ist nicht eine aufnehmende, sondern eine jene zerstörende Form.

364. I. Der Herr fließt mit all Seiner göttlichen Liebe, mit all Seiner göttlichen Weisheit, und so mit all Seinem göttlichen Leben bei jeglichem Menschen ein.

Im Buch der Schöpfung liest man, daß der Mensch zum Bilde Gottes geschaffen worden sei, und daß Gott in seine Nase die Seele der Leben eingehaucht habe: 1Mo.1/27; 2/7, wodurch beschrieben wird, daß der Mensch ein Organ des Lebens, und nicht Leben ist; denn Gott konnte nicht einen anderen schaffen, der Ihm gleich wäre. Hätte Er dies gekonnt, so gäbe es ebenso viele Götter, als Menschen. Auch konnte Er nicht das Leben schaffen, sowie auch das Licht nicht geschaffen werden kann; wohl aber konnte er den Menschen zur Form des Lebens schaffen, wie Er das Auge zur Form des Lichtes schuf; auch konnte Gott nicht, noch kann Er Sein Wesen zerteilen, denn dieses ist eines und unteilbar. Da nun Gott allein das Leben ist, so folgt unzweifelhaft, daß Gott aus Seinem Leben jeden Menschen belebt, und daß der Mensch ohne diese Belebung hinsichtlich des Fleisches ein bloßer Schwamm, und hinsichtlich der Knochen ein bloßes Gerippe wäre, dem nicht mehr Leben innewohnte, als einer Standuhr, die beweglich ist vermöge des Pendels und zugleich des Gewichts oder der Feder. Da sich die Sache so verhält, so folgt auch, daß Gott bei jeglichem Menschen einfließt mit all Seinem göttlichen Leben, das heißt, mit all Seiner göttlichen Liebe und göttlichen Weisheit, (diese beiden machen Sein göttliches Leben aus, man sehe oben Nr. 39, 40;) denn das Göttliche kann nicht zerteilt werden. Wie aber Gott mit all Seinem göttlichen Leben einfließt, läßt sich einigermaßen ersehen durch eine ähnliche Vorstellung, durch die man erkennt, daß die Sonne der Welt mit all ihrem Wesen, welches Wärme und Licht ist, einfließt in jeglichen Baum, und in jeden Strauch und jede Blume, und in jeden Stein, sowohl den unedlen, als den edlen, und daß jeder Gegenstand aus diesem allgemeinen Einfluß seinen Anteil schöpft, und daß die Sonne ihr Licht und ihre Wärme nicht zerteilt, und einen Teil dahin und einen Teil dorthin verwendet. In ähnlicher Weise verhält es sich mit der Sonne des Himmels, aus der die göttliche Liebe als Wärme hervorgeht, und die göttliche Weisheit als Licht; diese beiden fließen in die menschlichen Gemüter ein, wie die Wärme und das Licht der Weltsonne in die Körper, und beleben sie je nach Beschaffenheit der Form, deren jede aus dem allgemeinen Einfluß ihren Bedarf nimmt. Hierauf ist anwendbar, wenn der Herr sagt: „Euer Vater läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und sendet Regen über Gerechte und Ungerechte“: Matth.5/45. Auch ist der Herr allgegenwärtig, und wo Er gegenwärtig ist, da ist Er mit Seinem ganzen Wesen, und es ist Ihm unmöglich, etwas davon wegzunehmen, und davon dem einen einen Teil, und dem anderen einen Teil zu geben, sondern Er gibt es ganz, und dem Menschen die Fähigkeit, wenig oder viel an sich zu nehmen. Er sagt auch, daß Er bei denen, die Seine Gebote halten, Wohnung habe, und dann auch, daß die Gläubigen in Ihm seien, und Er in ihnen; mit einem Wort, alles ist voll von Gott, und jeglicher empfängt aus dieser Fülle seinen Anteil. Ebenso verhält es sich mit jedem Gemeinsamen, wie z.B. mit den Atmosphären und den Weltmeeren; die Atmosphäre ist dieselbe im Kleinsten, wie im Größten; sie gibt nicht einen Teil von sich ab zum Atemholen des Menschen und zum Flug des Vogels, noch für die Segel des Schiffes und für die Flügel der Windmühle, sondern jegliches empfängt davon seinen bestimmten Anteil, und gebraucht davon so viel es bedarf. Ebenso verhält es sich mit einem Speicher voll von Frucht; aus diesem nimmt der Besitzer täglich seinen Mundvorrat, verteilt aber nicht den Speicher.

365. II. Folglich fließt der Herr mit dem ganzen Wesen des Glaubens und der Liebtätigkeit bei jeglichem Menschen ein.

Dies folgt aus dem vorigen Lehrsatz, weil das Leben der göttlichen Weisheit das Wesen des Glaubens, und das Leben der göttlichen Liebe das Wesen der Liebtätigkeit ist. Wenn also der Herr gegenwärtig ist mit dem, was Ihm eigen ist, welches die göttliche Weisheit und die göttliche Liebe ist, so ist Er auch gegenwärtig mit allen Wahrheiten, die zum Glauben gehören, und mit allem Guten, das zur Liebtätigkeit gehört; denn unter dem Glauben wird alles Wahre verstanden, das der Mensch vom Herrn her inne wird, denkt und redet, und unter der Liebtätigkeit wird alles Gute verstanden, durch das er vom Herrn angeregt wird, und das er infolgedessen will und tut. Oben ist gesagt worden, daß die göttliche Liebe, die vom Herrn als Sonne hervorgeht, von den Engeln als Wärme, und daß die göttliche Weisheit von daher als Licht empfunden werde; wer aber nicht über den Schein hinaus denkt, kann meinen, diese Wärme sei bloße Wärme, und dieses Licht sei bloßes Licht, dergleichen die Wärme und das Licht sind, die aus der Sonne unserer Welt hervorgehen; allein die Wärme und das Licht, die aus dem Herrn als Sonne hervorgehen, enthalten in ihrem Schoß all die Unendlichkeiten, die im Herrn sind, die Wärme alle Unendlichkeiten Seiner Liebe, und das Licht alle Unendlichkeiten Seiner Weisheit, somit auch in der Unendlichkeit alles Gute, das der Liebtätigkeit, und alles Wahre, das dem Glauben angehört; die Ursache ist, weil sie selbst, jene Sonne, überall in ihrer Wärme und in ihrem Licht gegenwärtig ist, und weil jene Sonne der nächste, den Herrn, umgebende Kreis ist, der aus Seiner göttlichen Liebe und zugleich aus Seiner göttlichen Weisheit hervorfließt; denn, wie oben einige Male gesagt worden ist, der Herr ist inmitten jener Sonne. Hieraus erhellt nun, daß kein Grund vorhanden ist, weshalb der Mensch nicht aus dem Herrn, weil Er allgegenwärtig ist, alles Gute, das zur Liebtätigkeit, und alles Wahre, das zum Glauben gehört, an sich nehmen könnte.

Daß dem gar nichts entgegensteht, zeigt sich an der Liebe und Weisheit der Engel des Himmels, welche diese vom Herrn haben, indem sie unaussprechlich, und dem natürlichen Menschen unbegreiflich, und auch in Ewigkeit fort vermehrbar sind. Daß Unendliches der Wärme und dem Licht, die aus dem Herrn hervorgehen, innewohnt, obgleich sie nur einfach als Wärme und Licht zur Wahrnehmung kommen, kann durch mancherlei in der natürlichen Welt beleuchtet werden, wie z.B. durch folgendes: Der Ton der Stimme und der Rede des Menschen wird nur als ein einfacher Schall gehört, und doch nehmen die Engel, wenn sie ihn hören, in ihr alle Gefühle seiner Liebe wahr, und stellen auch heraus, welche und von welcher Beschaffenheit dieselben sind. Daß dergleichen inwendig im Ton verborgen liegt, kann der Mensch auch einigermaßen am Ton des mit ihm Redenden wahrnehmen, wie z.B. ob darin Verachtung, oder Verhöhnung, oder Haß, dann auch ob darin Liebe, Wohlwollen, oder Fröhlichkeit, oder andere Gefühle sind; ähnliches liegt verborgen in den Strahlen des Auges, wenn es jemanden anblickt. Es kann auch beleuchtet werden durch die starken Gerüche aus einem prächtigen Garten, und durch die starken Gerüche aus weithin sich erstreckenden Blumenauen; der starke Geruch, der aus ihnen hervorduftet, besteht aus Tausenden und Myriaden von Mannigfaltigkeiten, die aber dennoch als eines empfunden werden. Ebenso verhält es sich mit vielen anderen Dingen, die, obgleich sie auswendig als eingestaltig erscheinen, gleichwohl inwendig vielgestaltig sind. Die Sympathien und Antipathien sind nichts anderes als Ausdünstungen der Neigungen aus den Gemütern, welche den anderen je nach den Ähnlichkeiten anregen und ihn abstoßen, je nach den Unähnlichkeiten; obwohl diese zahllos sind, und nicht mit irgendeinem Sinn des Körpers empfunden werden, so werden sie doch mit dem Sinn der Seele als eines wahrgenommen, und ihnen gemäß geschehen auch alle Verbindungen und Zusammengesellungen in der geistigen Welt. Diese Dinge sind angeführt worden, um dasjenige zu beleuchten, was oben vom geistigen Licht gesagt wurde, das vom Herrn hervorgeht, daß nämlich demselben alles zur Weisheit und daher auch alles zum Glauben Gehörige innewohne, und daß es das Licht sei, aus dem der Verstand die Vernunftwahrheiten sieht und analytisch wahrnimmt, wie das Auge die natürlichen Dinge sieht und symmetrisch wahrnimmt.

366. III. Das, was vom Herrn her einfließt, wird vom Menschen je nach seiner Form aufgenommen.

Unter der Form wird hier verstanden der Zustand des Menschen nach seiner Liebe und zugleich nach seiner Weisheit, mithin auch nach den Gefühlen des Guten der Liebtätigkeit und zugleich den Wahrnehmungen der Wahrheiten seines Glaubens. Daß Gott einer ist, unteilbar, und Derselbe von Ewigkeit zu Ewigkeit, nicht ein einfaches Dasselbe, sondern ein unendliches, und daß alles Wechselnde [varium] vom Subjekt herkomme, in dem Er ist, ist oben gezeigt worden. Daß die [aufnehmende] Form oder der aufnehmende Zustand Wechsel [variationes] herbeiführe, kann man sehen an dem Leben der Kinder, der Knaben, der Jünglinge, der Erwachsenen und der Greise: dasselbe Leben, weil dieselbe Seele, wohnt jeglichem von der Kindheit an bis zum Greisenalter inne; allein wie sein Zustand je nach den Alterstufen und den Anbildungen wechselt, so wird auch das Leben empfunden. Das Leben Gottes ist in aller Fülle nicht bloß bei den guten und frommen Menschen, sondern auch bei den bösen und gottlosen Menschen, ebenso bei den Engeln des Himmels und bei den Geistern der Hölle; der Unterschied ist nur der, daß die Bösen den Weg verbauen und die Türe verschließen, damit Gott nicht eingehe in die unteren Regionen ihres Gemüts, die Guten aber den Weg ebnen und die Türe öffnen, und auch Gott einladen, daß Er eingehe in die unteren Regionen ihres Gemüts, wie Er in dessen obersten wohnt, und sie so den Zustand des Willens bilden für den Einfluß der Liebe und Liebtätigkeit, und den Zustand des Verstandes für den Einfluß der Weisheit und des Glaubens, mithin für die Aufnahme Gottes; die Bösen hingegen verbauen jenen Einfluß durch mancherlei Begierden des Fleisches, und geistige Befleckungen, die sie unterschieben, und den Durchgang verschließen; dennoch aber wohnt Gott im Obersten derselben mit Seinem ganzen Wesen, und gibt ihnen das Vermögen, das Gute zu wollen und das Wahre zu verstehen, welches Vermögen jeglicher Mensch hat, daß er aber keineswegs haben würde, wenn nicht Leben von Gott seiner Seele innewohnte. Daß dieses Vermögen auch die Bösen haben, ist [mir] durch viele Erfahrungen zu wissen gegeben worden. Daß jeglicher Leben von Gott aufnimmt Jesajah nach seiner Form, kann beleuchtet werden durch Vergleiche mit Vegetabilien jeder Art; jeder Baum, jedes Gebüsch, jeder Strauch und jedes Gras nimmt den Einfluß der Wärme und des Lichtes auf, Jesajah nach seiner Form; somit nicht bloß die, welche für guten Gebrauch sind, sondern auch die, welche für bösen Gebrauch sind; und die Sonne mit ihrer Wärme verändert nicht deren Formen, sondern die Formen verändern in sich die Wirkungen der letzteren. Ähnliche Bewandtnis hat es mit den Subjekten des Mineralreichs; jedes derselben, sowohl das hochgehaltene als das gering geachtete, empfängt den Einfluß Jesajah nach der Form des Zusammenhangs der Teile in sich, somit der eine Stein anders als der andere, das eine Mineral anders als das andere, und das eine Metall anders als das andere; einige von ihnen zeigen das schönste Farbenspiel, andere lassen das Licht hindurch ohne Farbenspiel, und andere trüben und ersticken es in sich. Aus diesem wenigen kann erhellen, daß die Sonne der Welt mit ihrer Wärme und mit ihrem Licht ebenso gegenwärtig ist in einem Objekt wie im anderen, daß aber die aufnehmenden Formen deren Wirkungen verändern. Ebenso der Herr aus der Sonne des Himmels, in deren Mitte Er ist, mit Seiner Wärme, die ihrem Wesen nach Liebe, und mit Seinem Licht, das seinem Wesen nach Weisheit ist; daß aber die Form des Menschen, die ihm durch seine Lebenszustände angebildet worden ist, die Einwirkungen verändert; daß also nicht im Herrn, sondern im Menschen selbst der Grund liegt, wenn der Mensch nicht wiedergeboren und selig wird.

367. IV. Der Mensch aber, der den Herrn, die Liebtätigkeit und den Glauben trennt, ist nicht eine aufnehmende, sondern eine zerstörende Form.

Denn wer den Herrn von der Liebtätigkeit und dem Glauben trennt, der trennt von diesen das Leben ab, nach deren Trennung die Liebtätigkeit und der Glaube entweder nicht mehr sind, oder Fehlgeburten sind; daß der Herr das Leben selbst ist, sehe man oben Nr. 358. Wer den Herrn anerkennt, und die Liebtätigkeit trennt, der erkennt Ihn nur mit den Lippen an; sein Anerkennen und Bekennen ist nur ein kaltes, in dem kein Glaube ist; denn es ermangelt des geistigen Wesens, sofern die Liebtätigkeit das Wesen des Glaubens ist. Wer aber Liebe übt, und den Herrn nicht anerkennt als Gott des Himmels und der Erde, als eins mit dem Vater, wie Er selbst lehrt, der übt keine andere Liebe, als eine bloß natürliche, in der das ewige Leben nicht ist. Der Mensch der Kirche weiß, daß alles Gute, das an sich gut ist, von Gott, und somit vom Herrn stammt, Welcher ist der wahre Gott und das ewige Leben: 1Joh.5/20, ebenso die Liebtätigkeit, weil das Gute und die Liebtätigkeit eins sind. Daß der von der Liebtätigkeit getrennte Glaube kein Glaube ist, kommt daher, daß der Glaube das Licht des Lebens des Menschen ist, und die Liebtätigkeit die Wärme seines Lebens ist. Wird daher die Liebtätigkeit vom Glauben getrennt, so ist es wie wenn die Wärme vom Licht getrennt wird, daher denn der Zustand des Menschen wird wie der Zustand der Welt ist zur Zeit des Winterfrosts, wo alles auf der Erde abstirbt. Liebtätigkeit und Glaube können, wenn die Liebtätigkeit Liebtätigkeit, und der Glaube Glaube sein soll, ebensowenig getrennt werden, als der Wille und Verstand; werden diese getrennt, so wird der Verstand zunichte, und bald auch der Wille. Daß es sich ebenso verhält mit der Liebtätigkeit und dem Glauben, kommt daher, daß die Liebtätigkeit ihren Sitz im Willen, und der Glaube den seinigen im Verstand hat. Die Liebtätigkeit vom Glauben trennen, ist so viel, als das Wesen von der Form [trennen]. In der gelehrten Welt ist bekannt, daß das Wesen ohne Form und die Form ohne Wesen kein Etwas ist; denn das Wesen hat irgendwelche Qualität nur durch die Form, und die Form ist ein für sich bestehendes Ding nur durch das Wesen, mithin sind beide, wenn sie voneinander getrennt sind, ganz prädikatlos. Auch ist wirklich die Liebtätigkeit das Wesen des Glaubens, und der Glaube die Form der Liebtätigkeit, ganz so, wie oben gesagt worden, daß das Gute das Wesen des Wahren, und das Wahre die Form des Guten sei.

Diese beiden, nämlich das Gute und das Wahre, befinden sich in allen und jeden Dingen, die wesenhaft existieren; und deshalb kann die Liebtätigkeit, weil sie dem Guten, und der Glaube, weil er dem Wahren angehört, beleuchtet werden durch Vergleiche mit vielen Dingen im menschlichen Körper, und mit vielen Dingen auf Erden: es findet ein zutreffender Vergleich statt mit dem Atmen der Lunge und mit der systolischen Bewegung des Herzens; denn die Liebtätigkeit kann ebensowenig vom Glauben getrennt werden, als das Herz von der Lunge, weil, wenn der Herzschlag aufhört, sogleich auch das Atmen der Lunge aufhört; und wenn das Atmen der Lunge aufhört, so tritt eine völlige Untätigkeit aller Sinne, und auch eine Bewegungslosigkeit aller Muskeln ein, und bald darauf hört auch das Herz auf zu schlagen, und alles Leben entschwindet; dieser Vergleich trifft zu, weil das Herz dem Willen und daher auch der Liebtätigkeit, das Atmen der Lunge aber dem Verstand und daher auch dem Glauben entspricht; denn, wie oben gesagt worden, die Liebtätigkeit hat ihren Sitz im Willen, und der Glaube den seinigen im Verstand; und nichts anderes wird im Wort unter Herz und Geist verstanden. Die Trennung der Liebtätigkeit und des Glaubens trifft auch zusammen mit der Trennung des Blutes und des Fleisches; denn das vom Fleisch getrennte Blut ist Geronnenes und wird zu Eiter, und das vom Blut getrennte Fleisch geht allmählich in Fäulnis über, und es entstehen Würmchen in ihm; auch bedeutet das Blut im geistigen Sinn das Wahre der Weisheit und des Glaubens, und das Fleisch das Gute der Liebe und Liebtätigkeit. Daß das Blut diese Bedeutung hat, ist gezeigt worden in der »Enthüllten Offenbarung« Nr. 379, und daß das Fleisch jene hat, Nr. 832. Die Liebtätigkeit und der Glaube können, wenn die eine und der andere etwas sein soll, ebensowenig getrennt werden, als beim Menschen die Speise und das Wasser, oder das Brot und der Wein; denn Speise und Brot, ohne Wasser und Wein genommen, dehnen bloß den Magen aus und verderben ihn wie eine unverdaute Masse, und werden wie fauliger Kot. Wasser und Wein ohne Speise und Brot dehnen ebenfalls den Magen aus, und auch die Gefäße und Poren, und lassen so infolge des Ausfalls der Nahrung den Körper abmagern bis zum Tode; dieser Vergleich paßt auch deshalb, weil Speise und Brot im geistigen Sinn das Gute der Liebe und Liebtätigkeit bedeuten, und Wasser und Wein das Wahre der Weisheit und des Glaubens, man sehe die »Enthüllte Offenbarung« Nr. 50, 316, 778, 932. Die mit dem Glauben verbundene Liebtätigkeit und der hinwiederum mit der Liebtätigkeit verbundene Glaube kann verglichen werden dem Angesicht einer schönen Jungfrau, in dem Rot und Weiß in angemessener Weise ineinander übergehen, welche Ähnlichkeit auch zutrifft, weil die Liebe und somit auch die Liebtätigkeit in der geistigen Welt vom Feuer der Sonne dort rot erglänzt, die Wahrheit aber, und somit auch der Glaube, vom Licht dieser Sonne einen weißglänzenden Schein hat. Die vom Glauben getrennte Liebtätigkeit kann daher verglichen werden einem entzündeten Gesicht mit Blattern, und der von der Liebtätigkeit getrennte Glaube kann verglichen werden dem bleichen Angesicht eines Toten. Der von der Liebtätigkeit getrennte Glaube kann auch verglichen werden mit der Lähmung einer Seite, welche der Halbschlag [hemiplexia] heißt, an der, wenn sie zunimmt, der Mensch stirbt; auch kann sie verglichen werden dem Veitstanz oder Guy [Guido], der den Menschen vom Tarantelstich befällt; diesem ähnlich wird die Vernunft, die, wie er, mit Wut tanzt, und sich dann für lebendig hält, gleichwohl aber ebensowenig die Gründe in eins zusammenfassen und über die geistigen Wahrheiten denken kann, als ein im Bett Liegender, der vom Alp gedrückt wird. Dies mag genügen zum Erweis der zwei Aufgaben dieses Kapitels, der ersten, daß der Glaube ohne die Liebtätigkeit kein Glaube ist, und daß die Liebtätigkeit ohne den Glauben nicht Liebtätigkeit ist, und daß beide nur vom Herrn Leben haben; und der zweiten, daß der Herr, die Liebtätigkeit und der Glaube eins ausmachen, wie das Leben, der Wille und der Verstand im Menschen; und daß, wenn sie geteilt werden, jegliches zugrunde geht wie eine in Staub zerfallene Perle.