Der Herr, Erloeser  

81. Im vorigen Kapitel ist von Gott dem Schöpfer, und zugleich dann auch von der Schöpfung gehandelt worden. In diesem Kapitel aber soll vom Herrn, Erlöser, und zugleich auch von der Erlösung, und im folgenden Kapitel vom Heiligen Geist, und zugleich von der göttlichen Einwirkung gehandelt werden. Unter dem Herrn als Erlöser verstehen wir Jehovah im Menschlichen; denn daß Jehovah selbst Sich herabgelassen und das Menschliche angenommen hat, um die Erlösung zu vollbringen, wird im Folgenden bewiesen werden. Daß Er der Herr und nicht Jehovah genannt wird, hat seinen Grund darin, daß der Jehovah des Alten Testaments im Neuen Herr heißt, wie dies aus folgendem erhellen kann; es heißt bei 5Mo.6/4,5:

Höre, Israel, Jehovah, unser Gott, ist ein Jehovah: du sollst lieben Jehovah, [deinen] Gott, von deinem ganzen Herzen, und von deiner ganzen Seele; bei Mark.12/29,30 aber: Der Herr, unser Gott, ist ein Herr: du sollst lieben den Herrn, deinen Gott, von deinem ganzen Herzen, und von deiner ganzen Seele. Ferner bei Jes.40/3: Bereitet einen Weg Jehovah, ebnet in der Öde einen Fußsteig unserem Gott“; bei Luk.1/76 aber: „Du wirst vor dem Angesicht des Herrn hergehen, Ihm Wege zu bereiten“; und so auch in anderen Stellen. Auch gebot der Herr Seinen Jüngern, Ihn Herr zu nennen, und darum wurde Er auch von den Aposteln in ihren Briefen so genannt, und nachher in der apostolischen Kirche, wie dies aus dem Glaubensbekenntnis erhellt, welches das apostolische Symbol genannt wird. Der Grund war, weil die Juden Jehovah der Heiligkeit wegen nicht zu nennen wagten, und unter Jehovah auch verstanden wird das Göttliche Sein, welches von Ewigkeit her war, und das Menschliche, das Er in der Zeit annahm, nicht dieses Sein war. Was das Göttliche Sein oder Jehovah sei, ist im vorigen Kapitel, Nr. 18 - 35 gezeigt worden. Aus diesen Gründen verstehen wir hier und im Folgenden unter dem Herrn Jehovah in Seinem Menschlichen.

Da nun die Erkenntnis des Herrn alle Erkenntnisse, die es in der Kirche, ja selbst im Himmel gibt, an Erhabenheit übertrifft, so soll, damit diese Kenntnis ins Licht trete, eine geordnete Einteilung des Stoffes statthaben, und diese wird folgende sein:

I. Jehovah, der Schöpfer des Weltalls, ist herabgekommen und hat das Menschliche angenommen, um die Menschen zu erlösen und zu beseligen.

II. Er ist herabgekommen als das göttliche Wahre, welches das Wort ist, ohne jedoch das göttliche Gute davon zu trennen.

III. Er hat das Menschliche angenommen, gemäß Seiner göttlichen Ordnung.

IV. Das Menschliche, durch das Er Sich in die Welt sandte, ist, was der Sohn Gottes heißt.

V. Der Herr hat Sich durch die Handlungen der Erlösung zur Gerechtigkeit gemacht.

VI. Durch eben diese Handlungen hat Er Sich mit dem Vater, und der Vater Sich mit Ihm vereinigt; auch gemäß der göttlichen Ordnung.

VII. So ist Gott Mensch geworden, und der Mensch Gott in einer Person.

VIII. Das Fortschreiten zur Vereinigung war der Stand Seiner Entäußerung, und die Vereinigung selbst der Stand Seiner Verherrlichung.

IX. Von nun an kommt keiner von den Christen in den Himmel, wenn er nicht an den Herrn Gott Seligmacher glaubt, und sich allein an Ihn wendet.

Doch dies soll im einzelnen erklärt werden.

82. I. Jehovah Gott ist herabgekommen und hat das Menschliche angenommen, die Menschen zu erlösen und selig zu machen.

In den christlichen Kirchen glaubt man heutzutage, Gott der Schöpfer des Alls habe einen Sohn von Ewigkeit gezeugt, und Dieser sei herabgestiegen und habe das Menschliche angenommen, die Menschen zu erlösen und selig zu machen. Allein dies ist ein Irrtum, und fällt von selbst, sobald man nur bedenkt, daß Gott einer ist, und daß es mehr als märchenhaft vor der Vernunft ist, daß der eine Gott von Ewigkeit her einen Sohn gezeugt habe und auch, daß Gott der Vater zusamt dem Sohn und samt dem Heiligen Geist, von denen jeder für sich besonders Gott sein soll, ein Gott sei. Dieses Märchenhafte verschwindet völlig wie eine Sternschnuppe in die Luft, sobald aus dem Wort bewiesen wird, daß Jehovah Gott selbst herabgestiegen und Mensch und auch Erlöser geworden ist. Was das erste anbelangt, daß nämlich Jehovah Gott selbst herabgestiegen und Mensch geworden ist, so erhellt es aus folgenden Stellen: „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, Den man nennen wird Gott mit uns“: Jes.7/14; Matth.1/22,23. „Ein Knabe ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, auf Dessen Schulter die Herrschaft ist, und Seinen Namen wird man nennen Wunderbar, Gott, Held, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens“: Jes.9/5,6. „Man wird an jenem Tage sprechen: Siehe, der ist unser Gott, den wir erwartet haben, daß Er uns befreie; dieser ist Jehovah, den wir erwarteten, frohlocken laßt uns und uns freuen in Seinem Heil“: Jes.25/9. „Die Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet einen Weg Jehovah, ebnet in der Öde einen Fußsteig unserem Gott, und sehen wird [Ihn] alles Fleisch zugleich“: Jes.40/3,5. „Siehe, der Herr Jehovah kommt im Starken, und Sein Arm wird für Ihn herrschen, siehe Sein Lohn [ist] mit Ihm, gleich einem Hirten wird Er Seine Herde weiden“: Jes.40/10,11. „Es sprach Jehovah: Juble und sei fröhlich, Tochter Zions, siehe, Ich komme, um in deiner Mitte zu wohnen: alsdann werden viele Völkerschaften zu Jehovah halten an jenem Tage“: Sach.2/14,15. „Ich Jehovah rief Dich in Gerechtigkeit, und werde Dich zum Bund des Volkes geben, Ich Jehovah, dies Mein Name, Meine Herrlichkeit werde Ich nicht einem anderen geben“: Jes.42/1,6-8. „Siehe die Tage kommen, da Ich David einen gerechten Sproß erwecken werde, Der als König herrschen und Gericht und Gerechtigkeit üben wird auf Erden, und dies Sein Name, Jehovah unsere Gerechtigkeit“: Jer.23/5,6; 33/15,16. Ebenso in anderen Stellen, in denen die Ankunft des Herrn genannt wird der Tag Jehovahs, wie Jes.13/6,9,13,22; Ezech.31/15; Joel 1/15; 2/1,2,11; 3/2,4; 4/1,14,18; Am.5/13,18,20; Ze.1/7-18; Sach.14/1,4-21; und in anderen mehr. Daß Jehovah selbst herabstieg und das Menschliche annahm, erhellt deutlich bei Luk.1/34,35, wo es heißt: „Maria sprach zu dem Engel: Wie wird dies geschehen, da ich von keinem Manne weiß? Der Engel gab ihr zur Antwort: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten dich überschatten; daher wird das Heilige, das aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden“; und bei Matth.1/20,25: „Der Engel sprach zu Joseph, dem Verlobten Marias, im Traum: Das in ihr Erzeugte ist aus dem Heiligen Geist; und Joseph erkannte sie nicht, bis sie [ihren erstgeborenen] Sohn geboren hatte, und nannte Seinen Namen Jesus“; daß unter dem Heiligen Geist verstanden wird das Göttliche, das von Jehovah Gott ausgeht, wird man im dritten Kapitel dieses Werkes sehen. Wer weiß nicht, daß das Kind aus dem Vater die Seele und das Leben hat, und daß aus der Seele der Leib stammt? Was wird also deutlicher gesagt, als daß der Herr aus Jehovah Gott Seele und Leben hatte, und da das Göttliche nicht geteilt werden kann, daß des Vaters göttliches Selbst Seine Seele und Sein Leben war? Deshalb nannte der Herr so oft Jehovah Seinen Vater, und Jehovah Gott nannte Ihn Seinen Sohn. Was könnte man demnach Ungereimteres hören, als daß die Seele unseres Herrn aus der Mutter Maria war, wie heutzutage nicht nur die Römisch-Katholischen, sondern auch die Protestanten träumen, und noch nicht durch das Wort aufmerksam geworden sind?

83. Daß irgendein von Ewigkeit gezeugter Sohn herabgestiegen sei und das Menschliche angenommen habe, zerfällt als ganz irrig und wird zerstreut durch Stellen im Wort, in denen Jehovah selbst sagt, daß Er der Heiland und Erlöser sei, und diese sind folgende: „Bin Ich nicht Jehovah, und außer Mir kein Gott mehr, ein gerechter Gott und Heiland ist nicht außer Mir“: Jes.45/21,22. „Ich Jehovah, und außer Mir kein Heiland“: Jes. 43/11. „Ich Jehovah dein Gott, und außer Mir sollst du keinen Gott anerkennen, und kein Heiland [ist] außer Mir“: Hos.13/4. „Das wisse alles Fleisch, daß Ich Jehovah dein Heiland bin und dein Erlöser“: Jes.49/26; 60/16. „Was unseren Erlöser anbelangt, so ist Jehovah Zebaoth Sein Name“: Jes.47/4. „Ihr Erlöser, der Starke, Jehovah Zebaoth Sein Name“: Jer.50/34. „Jehovah, mein Fels und mein Erlöser“: Ps.19/15. „So sprach Jehovah, dein Erlöser, der Heilige Israels : Ich Jehovah [bin] dein Gott: Jes.48/17; 43/14; 49/7. „So sprach Jehovah, dein Erlöser: Ich Jehovah, Der alles macht, und allein von Mir selbst“: Jes.44/24. „So sprach Jehovah, der König Israels, und dessen Erlöser Jehovah Zebaoth: Ich bin der Erste und der Letzte, und außer Mir ist kein Gott“: Jes:44/6. „Du Jehovah, unser Vater, unser Erlöser [ist] von Ewigkeit Dein Name“: Jes.63/16. „Mit ewigem Erbarmen will Ich erbarmen Mich, so sprach Jehovah, dein Erlöser“: Jes.54/8. „Du hattest mich erlöst, Jehovah, [Gott] der Wahrheit“: Ps.31/6. „Hoffen soll auf Jehovah Israel, weil bei Jehovah Erbarmen, mächtige Erlösung bei Ihm ist; erlösen wird Er Israel von allen seinen Missetaten“: Ps.130/7,8. „Jehovah Gott und dein Erlöser, der Heilige Israels, der Gott der ganzen Erde wird Er heißen“: Jes.54/5. Aus diesen und gar vielen anderen Stellen kann jeder Mensch, der Augen und einen durch die Augen geöffneten Geist hat, sehen, daß Gott, welcher einer ist, herabgestiegen und Mensch geworden ist, um die Erlösung zu vollbringen. Wer kann dies nicht wie im Morgenlicht sehen, wenn er auf jene göttlichen Aussprüche selbst, die angeführt worden sind, Acht hat? Diejenigen hingegen, die im Schatten der Nacht sind infolge der Selbstbestärkung für die Zeugung eines zweiten Gottes von Ewigkeit, und für dessen Herabkunft und Erlösungswerk, die verschließen bei jenen göttlichen Aussprüchen die Augenlider und sinnen unter diesen, wie sie dieselben auf ihr Falsches anwenden und verdrehen mögen.

84. Daß Gott die Menschen nicht anders erlösen, das heißt, sie aus der Verdammnis und der Hölle herausziehen konnte, als durch das angenommene Menschliche, davon gibt es mehrere Ursachen, die im Folgenden der Reihe nach enthüllt werden sollen. Denn die Erlösung war eine Unterjochung der Höllen und ein Ordnen der Himmel, und nach diesen ein Gründen der Kirche; dies konnte Gott durch Seine Allmacht nicht anders bewirken, als durch das Menschliche, so wie niemand eine Handarbeit verrichten kann, wenn er nicht einen Arm hat; auch heißt Sein Menschliches im Wort der Arm Jehovahs: Jes.40/10; 53/1; dann auch wie man eine befestigte Stadt nicht anders angreifen und die in ihr befindlichen Götzentempel zerstören kann, als durch vermittelnde Kräfte. Daß Gott in diesem göttlichen Werk Allmacht hatte durch Sein Menschliches, ist auch aus dem Wort klar, denn Gott, Der im Innersten und somit Reinsten ist, konnte durchaus nicht anders zu dem Äußersten in dem die Höllen sind, und in dem die Menschen jener Zeit waren, hindurchdringen, wie vergleichsweise die Seele nichts ohne den Körper verrichten kann, oder wie niemand Feinde besiegen kann, die ihm nicht vor die Augen kommen, oder denen er nicht mit irgendwelchen Waffen, als Lanzen, Schilden oder Flinten, beikommen und sich nähern kann. Ohne das Menschliche die Erlösung auszuführen, war für Gott ebenso unmöglich als es dem Menschen ist, die Inder zu unterjochen, ohne vorher Krieger dahin geschifft zu haben; oder Bäume zum Wachstum zu bringen bloß durch Wärme und Licht, ohne daß die Luft, durch welche diese hindurchgehen, und die Erde geschaffen wäre, aus der sie hervorgebracht werden. Ja es ist ebenso unmöglich, als Netze in die Luft auszuwerfen und hier Fische zu fangen, statt in den Gewässern; denn Jehovah, wie Er in Sich ist, kann mit Seiner Allmacht keinen Teufel in der Hölle, noch einen Teufel auf der Erde erreichen, und ihn und seine Wut in Schranken halten, und seine Heftigkeit zähmen, wofern Er nicht im Letzten ist wie im Ersten; im Letzten ist Er in Seinem Menschlichen; weshalb Er im Wort der Erste und der Letzte, das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende heißt.

85. II. Jehovah Gott kam herab als das göttliche Wahre, welches das Wort ist, ohne jedoch das göttliche Gute davon zu trennen.

Zweierlei ist, was das Wesen Gottes ausmacht, die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit, oder, was dasselbe ist, das göttliche Gute und das göttliche Wahre. Daß diese beiden das Wesen Gottes sind, ist oben Nr. 36 - 48 nachgewiesen worden. Diese beiden werden im Wort auch unter Jehovah Gott verstanden: unter Jehovah die göttliche Liebe oder das göttliche Gute, und unter Gott die göttliche Weisheit oder das göttliche Wahre. Daher kommt, daß sie im Wort in mancherlei Weise unterschieden werden, und bald allein Jehovah, bald allein Gott genannt wird; denn wo vom göttlichen Guten gehandelt wird, da heißt es Jehovah, und wo vom göttlichen Wahren, da heißt es Gott, und wo von beiden, Jehovah Gott. Daß Jehovah Gott als das göttliche Wahre, welches das Wort ist, herabgekommen, erhellt bei Joh.1/1,3,14, wo es heißt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, alles ist durch Dasselbe gemacht und ohne Dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. Und das Wort ward Fleisch, und wohnte unter uns“. Daß unter dem Wort hier das göttliche Wahre verstanden wird, hat seinen Grund darin, daß das in der Kirche befindliche Wort, das göttliche Wahre selbst ist; denn es ist von Jehovah selbst diktiert, und was von Jehovah diktiert wird, das ist rein das göttliche Wahre, und kann auch nichts anderes sein. Weil es aber durch die Himmel hindurchging bis in die Welt, so ward es den Engeln im Himmel und auch den Menschen in der Welt angepaßt; infolgedessen ist im Wort ein geistiger Sinn, in dem das göttliche Wahre im Licht ist, und ein natürlicher Sinn, in dem das göttliche Wahre im Schatten ist; weshalb das göttliche Wahre in diesem Wort das ist, was bei Johannes verstanden wird. Dies erhellt noch weiter daraus, daß der Herr in die Welt kam, um alles im Worte zu erfüllen; weshalb man so oft liest, daß dieses und jenes Ihm geschehen sei, damit die Schrift erfüllt würde. Auch wird nichts anderes als das göttliche Wahre verstanden unter dem Messias oder Christus, und nichts anderes unter dem Sohn des Menschen, auch nichts anderes unter dem Beistand, dem Heiligen Geist, den der Herr nach Seinem Hingang sandte. Daß Er in der Verklärung vor den drei Jüngern auf dem Berge, Matth. Kap.17; Mark. Kap.9 und Luk. Kap.9 sowie auch vor Johannes in der Offb.1/12- 16 Sich als jenes Wort darstellte, wird man im Kapitel von der Heiligen Schrift sehen. Daß der Herr in der Welt das göttlich Wahre war, erhellt aus diesen Seinen Worten: „Ich bin der Weg, die Wahrheit, und das Leben“: Joh.14/6; und aus folgendem: „Wir wissen, daß der Sohn Gottes gekommen ist, und uns das Verständnis gegeben hat, daß wir die Wahrheit erkennen, und wir sind in der Wahrheit, in Seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahre Gott und das ewige Leben“: 1Joh.5/20,21; und noch weiter daraus, daß Er das Licht heißt, wie in folgenden Stellen: „Er war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt“: Joh.1/4,9. Jesus sagte: „Noch kurze Zeit ist das Licht bei euch; wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht ergreife; solange ihr das Licht habt, glaubet an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes seid“: Joh.12/35,36,46. „Ich bin das Licht der Welt“: Joh.9/5. „Simeon sagte: Meine Augen haben dein Heilbringendes gesehen, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden“: Luk.2/30-32. „Das ist das Gericht, daß das Licht in die Welt kam: wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht“: Joh.3/19,21 und in anderen Stellen.

Unter dem Licht wird das göttliche Wahre verstanden.

86. Daß Jehovah Gott als das göttliche Wahre in die Welt herabkam, geschah, um die Erlösung zu vollbringen, und die Erlösung war die Unterjochung der Höllen, und das Ordnen der Himmel, und nach diesen die Gründung der Kirche. Dies zu bewerkstelligen vermag das göttliche Gute nicht, sondern das göttliche Wahre aus dem göttlichen Guten. Das göttliche Gute an sich betrachtet ist wie der runde Griff eines Degens, oder wie ein abgestumpftes Holz, oder wie ein bloßer Bogen, wogegen das göttliche Wahre aus dem göttlichen Guten wie ein scharfes Schwert und ein zum Speer verarbeitetes Holz und wie ein Bogen mit Pfeilen ist, die gegen die Feinde etwas vermögen: unter den Schwertern, Speeren und Bogen werden auch im geistigen Sinn des Wortes die kämpfenden Wahrheiten verstanden, (man sehe Enthüllte Offenbarung Nr. 52, 299, 436, wo dies nachgewiesen worden ist.) Auch das Böse und Falsche, in dem die gesamte Hölle war und fortwährend ist, konnte nicht anders, als durch das göttliche Wahre aus dem Wort bekämpft, überwunden und unterjocht werden; noch konnte durch etwas anderes der neue Himmel, der damals auch geschaffen wurde, gegründet, gebildet und geordnet werden; noch konnte durch etwas anderes eine neue Kirche auf Erden gegründet werden; auch sonst gehört alle Stärke, alle Kraft und Macht Gottes dem göttlichen Wahren aus dem göttlichen Guten an. Dies war der Grund, warum Jehovah Gott als das göttliche Wahre, welches das Wort ist, herniederstieg. Darum heißt es auch bei David: „Gürte Dein Schwert um [Deine] Hüfte, Mächtiger! Und steig hinan in Deiner Herrlichkeit, reite auf dem Wort der Wahrheit, Dich wird Wunderbares Deine Rechte lehren, Deine Geschosse sind scharf, es werden fallen unter Dir die Feinde“: Ps.45/4-6, dies in Beziehung auf den Herrn, Seine Kämpfe mit den Höllen und Seine Siege über sie.

87. Wie das Gute ohne das Wahre, und wie das Wahre ohne das Gute beschaffen ist, zeigt sich deutlich am Menschen; all sein Gutes hat seinen Sitz im Willen, und alles Wahre den seinigen im Verstand; und der Wille kann aus seinem Guten gar nichts tun, außer durch den Verstand, er kann nicht wirken, nicht reden und nicht empfinden, alle seine Kraft und Macht äußert sich durch den Verstand, mithin durch das Wahre; denn der Verstand ist das Aufnahmegefäß und die Wohnstätte des Wahren. Es verhält sich damit ebenso wie mit der Wirksamkeit des Herzens und der Lunge im Körper: das Herz bringt ohne das Atmen der Lunge gar keine Bewegung, noch irgendeine Empfindung hervor, sondern diese beiden bringt das Atmen der Lunge aus dem Herzen hervor, was sich auch augenscheinlich herausstellt in den Ohnmachten bei den Erstickten und ins Wasser Gefallen, bei denen das Atmen aufhört, während die zusammenziehende Tätigkeit des Herzens noch fortdauert; daß sie keine Bewegung und Empfindung haben, ist bekannt; ähnliches findet statt bei den Embryonen im Mutterleib. Die Ursache ist, weil das Herz dem Willen und dessen Gutem, und die Lunge dem Verstand und dessen Wahrheiten entspricht. In der geistigen Welt stellt sich die Macht des Wahren ganz besonders deutlich heraus: ein Engel, der in den göttlichen Wahrheiten vom Herrn her ist, kann, obwohl er dem Leibe nach so schwach ist wie ein Kind, dennoch eine ganze Schar höllischer Geister, wenn sie auch wie die Enakim und Nephilim, das heißt, wie Riesen erscheinen, in die Flucht jagen, bis zur Hölle verfolgen und in die dort befindlichen Höhlen hinabstoßen; und wenn sie aus diesen hervorgehen, so wagen sie nicht zu einem Engel hinzuzutreten. Diejenigen, die in den göttlichen Wahrheiten vom Herrn sind, sind in jener Welt wie Löwen, obgleich sie den Leibern nach nicht stärker sind als Schafe. Ebenso verhält es sich mit Menschen, die in den göttlichen Wahrheiten vom Herrn her sind, gegenüber dem Bösen und Falschen, somit gegenüber den dicht geschlossenen Scharen der Teufel, die ihrem Wesen nach nichts anderes sind, als Böses und Falsches. Dem göttlichen Wahren wohnt aber darum eine solche Stärke inne, weil Gott das Gute selbst und das Wahre selbst ist, und durch das göttliche Wahre das Weltall geschaffen hat, und alle Ordnungsgesetze, durch die Er das Weltall erhält, Wahrheiten sind. Weshalb es bei Johannes heißt, daß „durch das Wort alles gemacht wurde, und ohne Dasselbe nichts gemacht wurde, was gemacht ist“: Joh.1/3,10; und bei David: „Durch das Wort Jehovahs sind die Himmel gemacht, und all ihr Heer durch Seines Mundes Geist“: Ps.33/6.

88. Daß Gott, obwohl Er als das göttliche Wahre herabkam, dennoch das göttliche Gute nicht davon trennte, erhellt aus der Empfängnis, von der man liest, daß die Kraft des Höchsten Maria überschattet habe: Luk.1/35, wo unter der Kraft des Höchsten das göttliche Gute verstanden wird. Dasselbe erhellt aus Stellen, in denen Er sagt, daß der Vater in Ihm sei und Er im Vater; daß alles, was der Vater hat, Sein sei, und daß der Vater und Er eins seien, und anderen mehr; unter dem Vater wird das göttliche Gute verstanden.

89. III. Gott nahm das Menschliche an gemäß Seiner göttlichen Ordnung.

Im Abschnitt von der göttlichen Allmacht und Allwissenheit ist gezeigt worden, daß Gott zugleich mit der Schöpfung sowohl in das Weltganze, als in alles und jedes desselben eine Ordnung eingeführt hat; und daß darum Gottes Allmacht im Weltganzen und in allen und jeden Teilen desselben gemäß den Gesetzen Seiner Ordnung verfährt und wirkt, wovon oben Nr. 49 - 74 der Reihe nach gehandelt worden ist. Da nun Gott herabkam, und da Er selbst die Ordnung ist, wie gleichfalls dort gezeigt wurde, so konnte Er, um auch in der Wirklichkeit Mensch zu werden, nicht umhin, empfangen, im Mutterleib getragen, geboren, erzogen zu werden, und nach und nach Kenntnisse in Sich aufzunehmen, und durch diese in die Einsicht und Weisheit eingeführt zu werden; weshalb Er dem Menschlichen nach Kind war wie ein Kind, Knabe wie ein Knabe und so weiter; mit dem alleinigen Unterschied, daß Er schneller, vollständiger und vollkommener als andere diesen Lauf vollendete. Daß Er der Ordnung gemäß so fortschritt, erhellt aus folgendem bei Luk.2/40,52: „Der Knabe Jesus wuchs und erstarkte am Geist, und nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen“; daß Er schneller, vollständiger und vollkommener als andere [zunahm], erhellt aus dem, was bei demselben Evangelisten von Ihm gesagt wird, nämlich, daß Er schon als Knabe von zwölf Jahren im Tempel mitten unter den Lehrern saß und lehrte, und daß „alle, die Ihn hörten, staunten über Seine Einsicht und Seine Antworten“: Luk.2/46,47 und 4/16-22,32. Dies ist geschehen, weil es göttliche Ordnung ist, daß der Mensch sich selbst zur Aufnahme Gottes zubereite, und je wie er sich zubereitet, so Gott in ihn als in Seine Wohnstätte und Behausung eingehe; und diese Zubereitung geschieht durch Erkenntnisse Gottes und der geistigen Dinge, die zur Kirche gehören, und so durch Einsicht und Weisheit.Denn Gesetz der Ordnung ist, daß inwieweit der Mensch zu Gott hintritt und sich Ihm naht, was er ganz wie von sich tun soll, insoweit Gott zum Menschen hinzutrete und Sich ihm nahe, und in dessen Mitte Sich mit ihm verbinde. Daß der Herr nach dieser Ordnung bis zur Vereinigung mit Seinem Vater fortschritt, wird im Folgenden noch weiter gezeigt werden.

90. Solche, die nicht wissen, daß die göttliche Allmacht der Ordnung gemäß verfährt und wirkt, können vieles, das der gesunden Vernunft zuwiderläuft und sich selbst widerspricht, aus der Phantasie ausbrüten, wie z.B. warum Gott nicht unmittelbar, ohne solchen Entwicklungsgang, das Menschliche annahm; warum Er nicht aus den Elementen von den vier Weltgegenden Sich einen Körper schuf oder zusammenfügte, und so als Gottmensch vor dem jüdischen Volk, ja vor der ganzen Welt Sich sichtbar darstellte. Oder, wenn Er geboren werden wollte, warum Er nicht schon dem Embryo oder Sich als Kind all Sein Göttliches eingoß, oder warum Er nicht [gleich] nach der Geburt sich zur Leibeshöhe eines Erwachsenen erhob und alsbald aus der göttlichen Weisheit redete. Solche und ähnliche Dinge können die, welche über die göttliche Allmacht ohne Hinzunahme der göttlichen Ordnung denken, empfangen und ausgebären, und so die Kirche mit Wahngedanken und läppischen Dingen erfüllen, wie dies auch wirklich geschehen ist, z.B. darin, daß Gott einen Sohn von Ewigkeit habe zeugen und machen können, daß dann auch ein dritter Gott aus Ihm und dem Sohne hervorging. Ferner, daß Er auf das menschliche Geschlecht habe können zürnen, es mit Fluch belegen und wollen, daß Er durch den Sohn zum Erbarmen zurückgebracht werde, und zwar durch Fürbitte und die Erinnerung an Dessen Kreuz; und überdies die Gerechtigkeit Seines Sohnes in den Menschen hineinversetzen und in sein Herz hineinlegen wie eine einfache wolfische Substanz, in welcher, wie der Urheber selbst sagt, das Verdienst des Sohnes dem ganzen Inhalt nach sich befinde, die jedoch nicht geteilt werden könne, weil sie, wenn sie geteilt wird, in ein Nichts zerfalle. Und überdies, daß Er wie durch eine päpstliche Bulle die Sünden wem Er will vergeben, und auch den ganz Gottlosen von seinem finsteren Bösen reinigen, und so den, der schwarz wie der Teufel ist, weißglänzend wie einen Engel des Lichts machen könne, ohne daß der Mensch sich mehr als ein Stein bewegt, sondern währenddem stehenbleibt wie eine Standsäule oder ein Götzenbild. Nicht zu gedenken vieler anderen Verrücktheiten, welche diejenigen, die eine unbedingte göttliche Macht ohne Kenntnis und Anerkennung irgendeiner Ordnung annehmen, wie der Worfler die Spreu in die Luft ausstreuen können; diese können in geistigen Dingen, die den Himmel und die Kirche und somit das ewige Leben betreffen, von den göttlichen Wahrheiten abirren, wie der Blinde im Wald, der bald über Steine fällt, bald die Stirn an einen Baum stoßt, bald die Haare in dessen Zweige verstrickt.

91. Die göttlichen Wunder sind auch der göttlichen Ordnung gemäß geschehen, allein nach der Ordnung des Einflusses der geistigen Welt in die natürliche Welt, von welcher Ordnung bisher niemand etwas wußte, weil niemand etwa wußte von der geistigen Welt. Welcherlei aber diese Ordnung ist, wird seiner Zeit kund getan werden, wenn von den göttlichen Wundern und von den magischen Wundern die Rede sein wird.

92. IV. Das Menschliche, durch das Gott Sich in die Welt sandte, ist der Sohn Gottes.

Der Herr hat oft gesagt, daß der Vater Ihn gesandt habe und daß Er vom Vater gesandt worden sei, z.B. Matth.10/40; 15/24; Joh.3/17,34; 5/23,24,36-38; 6/29,39,40,44,57; 7/16,18,28,29; 8/16,18,29,42; 9/4 und sehr oft anderwärts; und dies sagt Er, weil unter dem in die Welt gesandt werden verstanden wird, sich herablassen und zu den Menschen kommen, und dies geschehen ist durch das Menschliche, das Er durch die Jungfrau Maria annahm. Auch ist das Menschliche wirklich der Sohn Gottes, weil es von Jehovah Gott als dem Vater empfangen wurde, nach Luk.1/32,35. Es heißt Sohn Gottes, Sohn des Menschen und Sohn Marias, und unter dem Sohn Gottes wird verstanden Jehovah Gott in Seinem Menschlichen, unter dem Sohn des Menschen der Herr hinsichtlich des Wortes, und unter dem Sohn Marias das eigentlich Menschliche, das Er annahm. Daß unter dem Sohn Gottes und unter dem Sohn des Menschen jene zwei verstanden werden, wird im Folgenden bewiesen werden; daß unter dem Sohn Marias das bloß Menschliche verstanden wird, stellt sich deutlich an der Zeugung des Menschen heraus, sofern die Seele aus dem Vater ist und der Leib aus der Mutter; denn dem Samen des Vaters wohnt die Seele inne, und diese wird mit einem Körper umkleidet bei der Mutter, oder, was dasselbe ist, alles Geistige, das der Mensch hat, ist vom Vater, und alles Materielle kommt ihm von der Mutter. Was den Herrn betrifft, so war das Göttliche, das Er hatte, von Jehovah dem Vater, und das Menschliche hatte Er von der Mutter; diese zwei vereinigt sind der Sohn Gottes. Daß dem so ist, erhellt deutlich aus der Geburt des Herrn, von der es bei Lukas heißt: „Der Engel Gabriel sprach zu Maria: Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird das Heilige, das aus dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden“: Luk.1/35.

Der Herr nannte Sich den vom Vater Gesandten auch darum, weil durch den Gesandten gleiches bezeichnet wird, wie durch den Engel, indem Engel in der Grundsprache einen Gesandten bedeutet; denn bei Jes.63/9 heißt es: „Der Engel der Angesichte Jehovahs hat sie befreit, um Seiner Liebe und um Seiner Gnade willen hat Er sie erlöst“; und bei Mal.3/1: „Schnell wird zu Seinem Tempel kommen der Herr, Den ihr suchet, und der Bundesengel, nach Dem ihr verlanget“; andere Stellen zu übergehen. Daß eine göttliche Dreiheit, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist im Herrn ist, und daß der Vater in Ihm das Urgöttliche, der Sohn das Göttliche Menschliche und der Heilige Geist das ausgehende Göttliche ist, wird man im dritten Kapitel dieses Werkes sehen, wo von der göttlichen Dreieinheit die Rede sein wird.

93. Weil vom Engel Gabriel zu Maria gesagt wurde: „Das Heilige, das aus dir geboren werden wird, wird Gottes Sohn genannt werden“, so sollen aus dem Wort Stellen angeführt werden, nach denen der Herr dem Menschlichen nach der Heilige Israels heißt: „Ich war sehend in Gesichten, und siehe, ein Wächter und Heiliger stieg aus dem Himmel herab“: Da.4/10,20. „Gott wird aus Theman kommen, und der Heilige vom Berge Paran“: Hab.3/3. „Ich Jehovah, der Heilige [Israels], der Schöpfer Israels, euer Heiliger“: Jes.43/3,11,14,15. „So sprach Jehovah, der Erlöser Israels, Sein Heiliger“: Jes.49/7. „Ich Jehovah, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland“: Jes.43/1,3. „Was unseren Erlöser anbelangt, so ist Jehovah Zebaoth Sein Name, der Heilige Israels“: Jes.47/4. „Es sprach Jehovah, euer Erlöser, der Heilige Israels“: Jes.43/14; 48/17. „Jehovah Zebaoth Sein Name, und dein Erlöser, der Heilige Israels“: Jes.54/5. „Sie versuchten Gott und den Heiligen Israels“: Ps.78/41. „Sie verließen Jehovah und forderten heraus den Heiligen Israels“:

Jes.1/4. „Sie sprachen: Schafft weg von unseren Angesichtern den Heiligen Israels; darum sprach also der Heilige Israels“: Jes.30/11,12. „Die da sprachen: Er beschleunige Sein Werk, daß wir es sehen, und es nahe sich und komme der Ratschluß des Heiligen Israels“: Jes.5/19. „An jenem Tage werden sie sich auf Jehovah stützen, auf den Heiligen Israels in der Wahrheit“: Jes.10/20. „Jauchze und juble, Tochter Zions, denn groß in deiner Mitte ist der Heilige Israels“: Jes.12/6. „Ausspruch des Gottes Israels: An jenem Tage werden Seine Augen auf den Heiligen Israels schauen“: Jes.17/7. „Die Dürftigen unter den Menschen werden frohlocken im Heiligen Israels“: Jes.29/19; 41/16. „Das Land ist voll Verschuldung gegen den Heiligen Israels“: Jer.51/5 und außerdem Jes.55/5; 60/9 und anderwärts. Unter dem Heiligen Israels wird verstanden der Herr hinsichtlich des Göttlich-Menschlichen; denn der Engel sprach zu Maria: „Das Heilige, das aus dir wird geboren werden, wird der Sohn Gottes genannt werden“: Luk.1/35. Daß Jehovah und der Heilige Israels eins sind, obwohl sie besonders genannt werden, kann aus den auch hier angeführten Stellen erhellen, nach denen Jehovah jener Heilige Israels ist. Daß der Herr der Gott Israels heißt, erhellt auch aus sehr vielen Stellen, als: Jes.17/6; 21/10,17; 24/15; 29/23; Jerem.7/3; 9/14; 11/3; 1312; 16/9; 19/3,15; 23/2; 24/5; 25/15,27; 29/4,8,21,25; 30/2; 31/23; 32/14,15,36; 33/4; 34/2,13; 35/13,17-19; 37/7; 38/17; 39/16; 42/9,15,18; 43/10; 44/2,7,11,25; 48/1; 50/18; 51/33; Ez.8/4; 9/3; 10/19,20; 11/22; 43/2; 44/2; Ze.2/9; Ps.41/14; 59/6; 68/9.

94. In den christlichen Kirchen unserer Zeit ist es gewöhnlich, den Herrn unseren Heiland den Sohn Marias zu nennen, und selten den Sohn Gottes, außer wenn man den von Ewigkeit gezeugten Sohn Gottes darunter versteht. Dies kommt daher, daß die Römisch-Katholischen die Mutter Maria mehr als die übrigen geheiligt und sie wie eine Göttin oder Königin allen ihren Heiligen vorgesetzt haben, während doch der Herr, als Er Sein Menschliches verherrlichte, alles, was Er von Seiner Mutter hatte, auszog, und alles, was dem Vater angehörte, anzog, wie dies im Verfolg dieses Werkes vollständig nachgewiesen werden wird. Aus dieser gewöhnlichen [Ausdrucksweise], die in aller Mund ist, Ihn den Sohn Marias zu nennen, flossen mehrere Greuel in die Kirche ein, besonders bei denen, die bei ihrem Urteil nicht berücksichtigten, was im Wort vom Herrn steht, z.B. daß der Vater und Er eins seien, daß Er im Vater und der Vater in Ihm sei, daß alles, was der Vater hat, Sein sei, daß Er Jehovah Seinen Vater nannte, und Jehovah der Vater Ihn Seinen Sohn. Die Greuel, die in die Kirche davon einflossen, daß man Ihn den Sohn Marias und nicht den Sohn Gottes nennt, sind, daß die Idee der Göttlichkeit des Herrn verlorengeht, und mit dieser auch alles das, was im Wort in Beziehung auf Ihn als Sohn Gottes gesagt worden ist. Ferner daß dadurch hereinbricht der Judaismus, der Arianismus, der Socinianismus, der Calvinismus, wie dieser in seinem Anfang war, und zuletzt der Naturalismus, und mit diesem der Fanatismus, daß Er der Sohn der Maria aus Joseph gewesen sei. Ferner, daß Er Seine Seele aus der Mutter hatte und daß Er somit Sohn Gottes heiße, ohne es zu sein. Es frage sich jeder, sowohl der Geistliche, als der Laie, ob er vom Herrn als dem Sohn der Maria eine andere Vorstellung als die eines bloßen Menschen gefaßt habe und hege. Weil eine solche Vorstellung schon im dritten Jahrhundert, da die Arianer aufstanden, unter den Christen vorzuherrschen begann, so erdichtete die Nicänische Kirchenversammlung, um dem Herrn die Göttlichkeit zu retten, einen von Ewigkeit her gezeugten Sohn. Allein durch diese Erdichtung wurde zwar damals und wird bei vielen auch noch heutzutage das Menschliche des Herrn zum Göttlichen erhoben, jedoch nicht bei denen, die unter der hypostatischen Vereinigung eine Vereinigung wie zwischen Zweien verstehen, von denen der eine oben und der andere unten ist. Was anderes ist jedoch die Folge hiervon, als daß die ganze christliche Kirche, die einzig auf die Verehrung Jehovahs im Menschlichen, mithin auf den Gottmenschen gegründet ist, zugrunde geht? Daß niemand den Vater sehen, noch Ihn erkennen, noch zu Ihm kommen, noch an Ihn glauben kann, außer durch Sein Menschliches, erklärt der Herr in vielen Stellen; geschieht dies nicht, so verkehrt sich aller edle Same der Kirche in unedlen Samen, der Same des Ölbaums in Samen der Fichte, der Same des Pomeranzenbaums, des Zitronenbaums, des Apfel- und des Birnbaums in Samen der Weide, der Ulme, der Linde, der Stechpalme; der Weinstock in Schilfrohr, der Weizen und die Gerste in Spreu, ja alle geistige Speise wird wie der Staub, den Schlangen fressen. Denn im Menschen wird das geistige Licht zum natürlichen und zuletzt zum fleischlich-sinnlichen, das an sich betrachtet ein Irrlicht ist. Ja der Mensch wird alsdann wie ein Vogel, dem, während er in der Höhe fliegt, die Flügel abgerissen werden, worauf er auf die Erde herabfällt und nun auf dieser einherschreitend nichts weiter um sich her sieht, als was vor seinen Füßen liegt; und dann denkt er über die geistigen Dinge der Kirche, die für das ewige Leben berechnet sind nicht anders als ein Gaukler. Dies geschieht, wenn der Mensch den Herrn Gott Erlöser und Heiland als bloßen Sohn der Maria, somit als bloßen Menschen ansieht.

95. V. Der Herr hat Sich durch die Handlungen der Erlösung zur Gerechtigkeit gemacht.

Daß der Herr allein Verdienst und Gerechtigkeit habe durch den Gehorsam, den Er Gott dem Vater in der Welt geleistet, und besonders durch das Leiden am Kreuz, sagt und glaubt man heutzutage in den christlichen Kirchen. Allein man meinte, das Leiden am Kreuz sei die eigentliche Handlung der Erlösung gewesen, während es doch nicht eine Handlung der Erlösung war, sondern eine Handlung der Verherrlichung Seines Menschlichen, wovon im folgenden Abschnitt von der Erlösung. Die Handlungen der Erlösung, durch die der Herr Sich zur Gerechtigkeit machte, waren, daß Er das Letzte Gericht, das in der geistigen Welt statthatte, vollbrachte, und dabei die Bösen von den Guten und die Böcke von den Schafen ausschied, und die, welche eins ausmachten mit den Tieren des Drachen, aus dem Himmel stieß, und aus den Würdigen einen neuen Himmel gründete, und aus den Unwürdigen eine Hölle; und nach und nach in beiden alles in Ordnung brachte, und überdies eine neue Kirche gründete. Diese Handlungen waren die Handlungen der Erlösung, durch die der Herr Sich zur Gerechtigkeit machte. Denn die Gerechtigkeit ist, alles der göttlichen Ordnung gemäß tun, und in die Ordnung zurückbringen, was von der Ordnung abgewichen ist, denn die göttliche Ordnung ist selbst die Gerechtigkeit. Diese Dinge werden verstanden unter folgenden Worten des Herrn: „Mir kommt zu, alle Gerechtigkeit (Gottes) zu erfüllen“: Matth.3/15; und unter folgenden im Alten Testament: „Siehe, die Tage werden kommen, da Ich David einen gerechten Sproß erwecken werde, Der als König herrschen und üben wird Gerechtigkeit auf Erden, und dies Sein Name: Jehovah unsere Gerechtigkeit“: Jer.23/5,6.; 33/15,16. „Ich rede in Gerechtigkeit, mächtig zu erretten“: Jes.63/1.

„Sitzen wird Er auf dem Throne Davids und über dessen Reich, es zu befestigen im Gericht und in Gerechtigkeit“: Jes.9/6. „Zion wird in Gerechtigkeit erlöst werden“: Jes.1/27.

96. Die, welche bei uns die erste Stelle in der Kirche einnehmen, beschreiben die Gerechtigkeit des Herrn ganz anders, und machen überdies durch Übertragung derselben auf den Menschen dessen Glauben zum seligmachenden, während jedoch die Wahrheit ist, daß die Gerechtigkeit des Herrn, weil sie von solcher Beschaffenheit und solchen Ursprungs, und in sich rein Göttlich ist, nicht mit irgendeinem Menschen verbunden werden, und somit keinerlei Beseligung hervorbringen kann, ebensowenig als das göttliche Leben, welches die göttliche Liebe und Weisheit ist. Der Herr kehrt zwar mit diesen bei jeglichem Menschen ein, wofern aber der Mensch nicht nach der Ordnung lebt, so ist zwar jenes Leben in ihm, trägt aber gar nichts zu seinem Heil bei, sondern verleiht ihm bloß die Fähigkeit, das Wahre einzusehen und das Gute zu tun. Nach der Ordnung leben heißt, nach den Geboten Gottes leben, und wenn der Mensch so lebt und tut, so erwirbt er sich Gerechtigkeit; nicht die Gerechtigkeit der Erlösung des Herrn, sondern den Herrn selbst als die Gerechtigkeit. Solche sind es, die verstanden werden unter folgendem: „Wofern eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen“: Matth.5/20. „Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich“: Matth.5/10. „In der Vollendung des Zeitlaufs werden die Engel ausgehen und die Bösen ausscheiden aus der Mitte der Gerechten“: Matth.13/49; und so noch anderwärts. Unter den Gerechten werden im Wort die verstanden, die nach der göttlichen Ordnung gelebt haben, denn die göttliche Ordnung ist die Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit selbst, zu welcher der Herr durch die Handlungen der Erlösung geworden ist, kann dem Menschen nicht anders zugeschrieben, eingeschrieben, angepaßt und verbunden werden, als das Licht dem Auge, der Schall dem Ohr, der Wille den Muskeln des Handelnden, der Gedanke den Lippen des Redenden, die Luft der atmenden Lunge, die Wärme dem Blut, und so weiter, und daß diese einfließen und sich beifügen, ohne sich zu verbinden, nimmt jeder an sich wahr. Die Gerechtigkeit wird aber erworben, inwieweit der Mensch Gerechtigkeit übt; und er übt Gerechtigkeit, inwieweit er aus Liebe zum Gerechten und Wahren mit dem Nächsten verfährt. Im Guten selbst, oder in dem Nutzen selbst, den er schafft, wohnt die Gerechtigkeit; denn der Herr sagt, daß jeder Baum an seiner Frucht erkannt werde.

Wer erkennt nicht den anderen an seinen Werken, wenn er darauf acht hat, zu welchem Endzweck und mit welchem Willensvorsatz, mit welcher Absicht und aus welchem Grund sie geschehen? Darauf merken alle Engel und auch alle Weisen in unserer Welt. Überhaupt wird jedes Gewächs und jeder Sprößling aus der Erde an seiner Blüte und an seinem Samen, und an deren Nutzen erkannt; jedes Metall an seiner Güte; jeder Stein an seiner Qualität; jeder Acker an der seinigen; jede Speise an der ihrigen, dann auch jegliches Tier der Erde und jeder Vogel des Himmels an der seinigen; um wieviel mehr der Mensch? Doch über die Beschaffenheit der Werke des Menschen, woher sie kommt, wird im Kapitel vom Glauben Aufschluß gegeben werden.

97. VI. Durch diese Handlungen hat der Herr Sich mit dem Vater und der Vater Sich mit Ihm vereinigt.

Die Vereinigung geschah durch die Handlungen der Erlösung, weil der Herr sie aus Seinem Menschlichen wirkte, und je wie Er sie wirkte, so trat das Göttliche, das unter dem Vater verstanden wird, näher hinzu, stand bei und wirkte mit, und zuletzt verbanden sie sich so, daß sie nicht mehr zwei, sondern eines waren. Und diese Vereinigung ist die Verherrlichung, von der im Folgenden.

98. Daß der Vater und der Sohn, das heißt, das Göttliche und das Menschliche, im Herrn vereinigt sind, wie Seele und Leib, ist zwar ein Teil des Glaubens der heutigen Kirche und gründet sich auch auf das Wort, allein dennoch gibt es unter hundert kaum fünf, oder unter tausend kaum fünfzig, die dies wissen. Der Grund liegt in der Lehre von der Rechtfertigung durch den bloßen Glauben, auf die sich die meisten von der Geistlichkeit, die nach dem Ruf der Gelehrsamkeit um der Ehrenstellen und des Gewinnes willen streben, mit allem Eifer legen, bis diese Lehre wie heutzutage ihr ganzes Gemüt eingenommen und besetzt hält, und weil dieselbe ihre Gedanken wie der Weingeist, Alkohol genannt, berauscht hat, so sehen sie auch als Betrunkene dieses Wesentlichste der Kirche nicht, daß nämlich Jehovah Gott herabstieg und das Menschliche annahm, während doch einzig durch diese Vereinigung dem Menschen Verbindung mit Gott, und durch die Verbindung Seligmachung zuteil wird. Daß das Heil von der Erkenntnis und Anerkennung Gottes abhängt, kann jedem gewiß sein, der erwägt, daß Gott alles in allem des Himmels, und somit alles in allem der Kirche, folglich auch alles in allem der Theologie ist. Allein zuerst soll hier nachgewiesen werden, daß die Vereinigung des Vaters und des Sohnes, oder des Göttlichen und des Menschlichen im Herrn, sich verhält wie die Vereinigung der Seele und des Leibes, und dann, daß diese Vereinigung eine gegenseitige ist. Daß eine Vereinigung wie die der Seele und des Leibes stattfindet, ist festgestellt im Athanasischen Glaubensbekenntnis, das in der ganzen christlichen Welt als die Lehre von Gott angenommen ist; in ihm liest man folgendes: „Unser Herr Jesus Christus ist Gott und Mensch; und obwohl Er Gott und Mensch ist, so sind doch nicht zwei, sondern es ist ein Christus; Er ist einer, weil das Göttliche das Menschliche zu sich hinzugenommen hat; ja Er ist völlig einer, und ist eine Person, denn wie Seele und Leib ein Mensch sind, so ist Gott und Mensch ein Christus“. Allein hier wird verstanden, daß eine solche Vereinigung bestehe zwischen dem Sohn Gottes von Ewigkeit und dem in der Zeit geborenen Sohn. Da aber Gott einer ist, und nicht drei, so stimmt, wenn unter dieser Vereinigung die mit dem einen Gott von Ewigkeit verstanden wird, jene Lehre mit dem Wort überein; im Wort liest man folgendes: „Daß Er empfangen sei von Jehovah dem Vater“: Luk.1/34,35, von daher [also] Seele und Leben hatte; weshalb Er sagt: „daß Er und der Vater eins seien“: Joh.10/30. „Daß wer Ihn sieht und erkennt, den Vater sieht und erkennt“: Joh.14/9. „Würdet ihr Mich kennen, so würdet ihr auch Meinen Vater kennen“: Joh.8/19. „Wer Mich aufnimmt, nimmt Den auf, Der Mich gesandt hat“: Joh.13/20. Daß Er „im Schoße des Vaters sei“: Joh.1/18. Daß „alles, was der Vater hat, Sein sei“: Joh.16/15. Daß Er „Vater der Ewigkeit heiße“: Jes.9/5. Daß Er daher „Gewalt über alles Fleisch habe“: Joh.17/2 und „alle Gewalt im Himmel und auf Erden“: Matth.28/18. Aus diesen und vielen Stellen im Wort kann man deutlich sehen, daß die Vereinigung des Vaters mit Ihm wie die der Seele und des Leibes ist; weshalb Er auch im Alten Testament öfter Jehovah, Jehovah Zebaoth und Jehovah der Erlöser heißt, man sehe oben Nr.83.

99. Daß diese Vereinigung eine gegenseitige ist, erhellt deutlich aus folgenden Stellen im Wort: „Philippus, glaubst du nicht, daß Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist? Glaubet Mir, daß Ich im Vater  bin und der Vater in Mir ist“: Joh.14/10,11. „Damit ihr erkennet und glaubet, daß der Vater in Mir ist und Ich im Vater bin“: Joh.10/36,38. „Damit alle eins seien, wie Du, Vater, in Mir und Ich in Dir“: Joh.17/21.

„Vater, alles Meine ist Dein, und alles Deine ist Mein“: Joh.17/10. Die Vereinigung ist aber gegenseitig, weil es keinerlei Vereinigung oder Verbindung zwischen zweien gibt, wenn nicht wechselseitig der eine dem anderen entgegenkommt. Alle Verbindung, im ganzen Himmel und in der ganzen Welt und im ganzen Menschen, entsteht aus nichts anderem, als aus dem gegenseitigen Hinzutreten des einen zum anderen; und dann davon, daß der eine eines und dasselbe mit dem anderen will; daraus entsteht das Gleichartige und Sympathisierende, und das Einmütige und Zusammenstimmende im einzelnen von beiden. Eine solche gegenseitige Verbindung ist die der Seele und des Leibes bei jeglichem Menschen; eine solche Verbindung ist die des Menschengeistes mit den Sinnes- und Bewegorganen seines Körpers; eine solche Verbindung ist die des Herzens und der Lunge; eine solche Verbindung ist die des Willens und Verstandes; eine solche Verbindung ist die aller Glieder und Eingeweide in sich und untereinander bei den Menschen. Eine solche Verbindung der Gemüter besteht zwischen allen, die sich innig lieben, denn sie ist aller Liebe und Freundschaft eingeschrieben, weil die Liebe lieben und geliebt werden will. Eine gegenseitige Verbindung findet bei allem statt, was gehörig verbunden ist. Eine ähnliche Verbindung ist die der Sonnenwärme mit der Wärme des Holzes und des Steins, der Lebenswärme mit der Wärme aller Fibern in den beseelten Wesen, eine ähnliche die des Bodens mit der Wurzel, durch die Wurzel mit dem Baum, und durch den Baum mit der Frucht, eine solche die des Magnets mit dem Eisen und so weiter. Geschieht die Verbindung nicht durch das Hinzutreten des einen zum anderen gegenseitig und wechselwirkend, so entsteht nur eine äußere Verbindung, und nicht eine innere, und jene zerfällt mit der Zeit beiderseits von selbst, und zuweilen so, daß sie einander nicht mehr kennen.

100. Da nun keine Verbindung, die wirklich Verbindung wäre, möglich ist, wofern sie nicht gegenseitig und wechselwirkend erfolgt, so ist auch die Verbindung des Herrn mit dem Menschen keine andere, wie dies deutlich erhellt aus folgenden Stellen: „Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm“: Joh.6/56. „Bleibet in Mir und Ich in euch; wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt viele Frucht“: Joh.15/4,5. „Wer die Türe auftut, zu dem werde Ich eingehen und Abendmahl mit ihm halten und er mit Mir“: Offb.3/20, und so in anderen Stellen. Diese Verbindung wird dadurch bewirkt, daß der Mensch zum Herrn hinzutritt und der Herr zu ihm; denn es ist ein zuverlässiges und unabänderliches Gesetz, daß inwieweit der Mensch zum Herrn hinzutritt, insoweit der Herr zum Menschen hinzutritt; doch hierüber wird man weiteres im Kapitel von der Liebtätigkeit und dem Glauben sehen.

101. VII. So ist Gott Mensch geworden, und der Mensch Gott in einer Person.

Daß Jehovah Gott Mensch wurde, und der Mensch Gott in einer Person, folgt als Schlußsatz aus allen vorausgeschickten Abschnitten dieses Kapitels, besonders aus den zweien, daß Jehovah der Schöpfer des Weltalls herabgestiegen sei und das Menschliche angenommen habe, um die Menschen zu erlösen und selig zu machen, wovon oben Nr. 82-84; und daß der Herr durch die Handlungen der Erlösung Sich mit dem Vater, und der Vater Sich mit Ihm vereinigt habe, somit gegenseitig und in Wechselwirkung, wovon oben Nr. 97 - 100. Aus dieser gegenseitigen Vereinigung geht deutlich hervor, daß Gott Mensch und der Mensch Gott wurde in einer Person. Ebendies folgt auch aus der Vereinigung beider, sofern sie sein soll wie die zwischen Seele und Leib; daß dies dem Glauben der heutigen Kirche aus dem Athanasischen Symbol gemäß ist, sehe man oben Nr. 98; dann auch gemäß dem Glauben der Evangelischen in demjenigen Teil ihrer Bücher der Rechtgläubigkeit, welcher die Konkordienformel genannt wird, wo sowohl aus der Heiligen Schrift, als aus den Vätern, und auch durch Vernunftgründe bündig dargetan wird, daß die menschliche Natur Christi zur göttlichen Majestät, Allmacht und Allgegenwart erhoben wurde, sowie auch, daß in Christus der Mensch Gott und Gott Mensch ist, und zwar hierüber daselbst Seite 607, 765. Noch weiter ist in dieser Abteilung dargetan worden, daß Jehovah Gott Seinem Menschlichen nach heißt Jehovah, Jehovah Gott, Jehovah Zebaoth, ferner der Gott Israels; weshalb Paulus sagt, daß in Jesu Christo die ganze Fülle der Gottheit leiblich wohne: Kol.2/9, und Johannes, daß Jesus Christus der wahre Gott und das ewige Leben sei: 1Joh.5/20,21. Daß unter dem Sohn Gottes im eigentlichen Sinne Sein Menschliches verstanden wird, sehe man oben Nr. 92 folgend; und überdies nennt Jehovah sowohl Sich, als Ihn den Herrn; denn man liest: „Es sprach der Herr zu Meinem Herrn: Setze Dich zu Meiner Rechten“: Ps.110/1; und bei Jes.9/5,6: „Ein Knabe ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, Dessen Name ist Gott, Vater der Ewigkeit“.

Unter dem Sohn wird auch der Herr nach dem Menschlichen verstanden, bei Ps.2/7,12: „Von dem Beschlossenen will Ich Kunde geben, Jehovah sprach: Mein Sohn bist Du, Ich habe heute Dich gezeugt: küsset den Sohn, daß Er nicht zürne, und ihr [nicht] umkommt auf dem Wege“. Hier wird nicht ein Sohn von Ewigkeit verstanden, sondern der in der Welt geborene Sohn; denn es ist eine Weissagung vom Herrn, Der kommen sollte, weshalb es ein ‚Beschlossenes‘ heißt, von dem Jehovah dem David Kunde gab, und es wird in diesem Psalm vorausgeschickt: „Ich habe Meinen König über Zion gesalbt“: Ps.2/6, und es folgt: „Ich will die Völkerschaften Ihm zum Erbe geben“: Ps.2/8; weshalb ‚heute‘ hier nicht bedeutet von Ewigkeit, sondern in der Zeit, denn bei Jehovah ist die Zukunft Gegenwart.

102. Man glaubt, der Herr sei hinsichtlich des Menschlichen der Sohn Marias nicht nur gewesen, sondern sei es auch noch; allein hierin irrt sich die christliche Welt sehr. Daß Er der Sohn Marias gewesen, ist wahr, daß Er es aber noch sei, ist nicht wahr; denn durch die Handlungen der Erlösung legte Er das Menschliche aus der Mutter ab und zog das Menschliche aus dem Vater an, und daher kommt, daß das Menschliche des Herrn göttlich ist, und daß in Ihm Gott Mensch und der Mensch Gott ist. Daß Er das Menschliche aus der Mutter ablegte und das Menschliche aus dem Vater anlegte, welches das Göttlich- Menschliche ist, kann man daraus sehen, daß Er selbst Maria niemals Seine Mutter nannte, wie dies aus folgendem erhellen kann: „Es sprach die Mutter Jesu zu Ihm: Sie haben keinen Wein! Jesus sprach zu ihr: Was habe Ich mit Dir zu schaffen, Weib, noch ist Meine Stunde nicht gekommen“: Joh.2/3,4 und anderwärts: „Jesus sieht vom Kreuze aus die Mutter und den Jünger, den Er lieb hatte, bei ihr stehen und sagt zu Seiner Mutter: Weib, siehe dein Sohn, hernach sagte Er zu dem Jünger: Siehe deine Mutter“: Joh.19/26,27, und daraus, daß Er sie einmal gar nicht anerkannte: „Man meldete Jesus und sprach: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen Dich sehen; Jesus antworte und sprach: Meine Mutter und Meine Brüder sind Die, welche das Wort Gottes hören und es tun“: Luk.8/20,21; Matth.12/46-49; Mark.3/31-35. Der Herr nannte sie also nicht Mutter, sondern Weib, und gab sie Johannes zur Mutter.

In anderen Stellen wird sie zwar Seine Mutter genannt, aber nicht aus Seinem Munde. Dies wird auch dadurch bestätigt, daß Er Sich nicht als den Sohn Davids anerkannte; denn man liest bei den Evangelisten: „Jesus fragte die Pharisäer und sprach: Was dünket euch von Christus? Wessen Sohn ist Er? Sie sagten zu Ihm: Davids; Er erwiderte ihnen: Wie nennt Ihn denn David im Geist seinen Herrn, indem er spricht: Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze Dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde gelegt zum Schemel Deiner Füße: nennt Ihn nun David den Herrn, wie ist Er denn sein Sohn? Und niemand konnte Ihm ein Wort entgegnen“: Matth.22/41-44; Mark.12/35-37; Luk.20/41-44; Ps.110/1.

Diesem will ich folgendes Neue beifügen: „Es ward mir einst gegeben, mit der Mutter Maria zu sprechen; sie ging einmal vorüber und erschien im Himmel über meinem Haupt in weißem Gewand wie von Seide, und verweilte dann ein wenig und sagte, sie sei die Mutter des Herrn gewesen, weil Er von ihr geboren worden, nachdem Er aber Gott geworden, habe Er alles Menschliche aus ihr abgelegt, und darum bete sie Ihn an als ihren Gott, und wolle nicht, daß jemand Ihn für ihren Sohn erkenne, da in Ihm alles göttlich sei. Hieraus leuchtet nun die Wahrheit hervor, daß in dieser Weise Jehovah Mensch ist wie im Ersten, so auch im Letzen, gemäß den Worten: „Ich bin das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende, Der, Welcher ist, Welcher war, und Welcher kommen wird, der Allmächtige“: Offb.1/8,11. „Als Johannes den Sohn des Menschen sah inmitten der sieben Leuchter, fiel er zu Seinen Füßen wie tot, Er aber legte Seine Rechte auf ihn, und sprach: Ich bin der Erste und der Letzte“: Offb.1/13,17; 21/6. „Siehe, Ich komme bald, um jeglichem zu geben nach seinem Werk; Ich bin das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte“: Offb.22/12,13, und bei Jes.44/6; 48/12: „So sprach Jehovah, der König Israels und sein Erlöser Jehovah Zebaoth: Ich bin der Erste und der Letzte“.

103. Diesem will ich folgendes Geheimnis beifügen: Die Seele, die aus dem Vater ist, ist der Mensch selbst, und der Leib, der aus der Mutter ist, ist nicht der Mensch in sich, sondern aus ihm; er ist nur dessen Umkleidung, zusammengewoben aus Dingen, die in der natürlichen Welt sind, die Seele hingegen aus solchen, die in der geistigen Welt sind. Ein jeder Mensch legt nach dem Tode das Natürliche, das er von der Mutter an sich hatte, ab und behält das Geistige, das er vom Vater hatte, bei, zugleich mit einer gewissen Umsäumung aus den reinsten Teilen der Natur um dasselbe her; allein dieser Saum [limbus] ist bei denen, die in den Himmel kommen, unterhalb, und das Geistige oberhalb, wogegen dieser Saum bei denen, die in die Hölle kommen, oberhalb, und das Geistige unterhalb ist. Daher kommt, daß der Engelmensch aus dem Himmel redet, somit Gutes und Wahres, der Teufelmensch aber aus der Hölle redet, wenn aus seinem Herzen heraus, und wie aus dem Himmel, wenn aus dem Munde; dies tut er auswärts, jenes aber zuhause. Da nun die Seele des Menschen der Mensch selbst ist, und da sie geistig ist vermöge ihres Ursprungs, so ist offenbar, woher es kommt, daß das Gemüt, die Gesinnung, die Anlage, die Neigung und die Richtung der Liebe des Vaters den Kindern und Kindeskindern innewohnt, und zurückkehrt und sich sichtbar herausstellt von Geschlecht zu Geschlecht; daher rührt, daß viele Familien, ja selbst Völkerschaften an ihrem Stammvater erkannt werden. Es ist ein gemeinsames Gepräge in den einzelnen Gesichtern der Nachkommenschaft, das sich herausstellt, und dieses Gepräge wird nicht verändert außer durch die geistigen Dinge der Kirche. Daß das gemeinsame Gepräge Jakobs und Judas noch in ihren Nachkommen sich erhält, und daß man sie durch dasselbe von anderen unterscheidet, hat seinen Grund darin, daß sie bis daher ihrem Religionsglauben beharrlich anhingen. Es ist nämlich in eines jeden Samen, aus dem er empfangen wird, ein Absenker oder Fortleiter der Seele des Vaters in ihrer Fülle innerhalb einer gewissen Umhüllung aus den Elementen der Natur; durch diese bildet sich im Gebärleib der Mutter ihr Körper, was entweder nach der Ähnlichkeit des Vaters oder nach derjenigen der Mutter geschehen kann, während jedoch immer das Bild des Vaters innerhalb derselben bleibt, und fortwährend sich hervorzuarbeiten bestrebt ist, und daher, wofern es dies nicht in der ersten Nachkommenschaft vermag, es in den folgenden durchsetzt. Daß das Bild des Vaters in seiner Fülle im Samen ist, hat seinen Grund darin, daß, wie gesagt, die Seele von ihrem Ursprung her geistig ist, und das Geistige nichts gemein hat mit dem Raum, daher es sich gleich ist in kleinem Umfang wie in großem. Was den Herrn betrifft, so hat Er durch die Handlungen der Erlösung alles Menschliche aus der Mutter abgelegt, und das Menschliche aus dem Vater, welches das Göttliche- Menschliche ist, angezogen, und daher kommt, daß in Ihm der Mensch Gott und Gott Mensch ist.

104. VIII. Das Fortschreiten zur Vereinigung war der Stand Seiner Entäußerung, und die Vereinigung selbst der Stand Seiner Verherrlichung.

Daß der Herr, während Er in der Welt war, zwei Zustände hatte, welche die der Entäußerung und der Verherrlichung heißen, ist in der Kirche bekannt. Der erste Zustand, welcher der der Entäußerung heißt, wird in vielen Stellen im Wort beschrieben, besonders in den Psalmen Davids und auch bei den Propheten, und ins einzelne gehend bei Jes.53/12, wo es heißt, daß Er bis zum Tod entäußerte Seine Seele. Eben dieser Zustand war der Zustand Seiner Erniedrigung vor dem Vater; denn in ihm betet Er zum Vater und sagt, daß Er Dessen Willen tue, und schreibt alles, was Er gewirkt und gesprochen, dem Vater zu. Daß Er zum Vater betete, erhellt aus folgenden Stellen: Matth.14/23; [26/36-44;] Mark.1/35; 6/46; 14/32-39; Luk.5/16; 6/12; 22/41-44; Joh.17/9,15,20; daß Er den Willen des Vaters tat, Joh.4/34; 5/30; daß Er alles, was Er wirkte und sprach, dem Vater zuschrieb, Joh.8/26-28; 12/49,50; 14/10; ja am Kreuz rief Er sogar aus: „Mein Gott, Mein Gott, warum verlässest Du mich?“: Matth.27/47; Mark.15/34; und überdies hätte Er ohne diesen Zustand nicht gekreuzigt werden können. Der Zustand der Verherrlichung ist auch der Zustand der Vereinigung. In diesem Zustand war Er, als Er vor Seinen drei Jüngern verklärt wurde, und auch wenn Er Wunder tat, und so oft Er sagte, daß der Vater und Er eins seien, daß der Vater in Ihm, und Er im Vater sei, daß alles, was der Vater hat, Sein sei; und nach der völligen Vereinigung, daß Er Gewalt über alles Fleisch habe: Joh.17/2 und alle Gewalt im Himmel und auf Erden: Matth.28/18; außer vielen anderen Stellen.

105. Daß der Herr Sich in diesen zwei Zuständen, dem der Entäußerung und dem der Verherrlichung befand, hatte seinen Grund darin, daß kein anderes Fortschreiten zur Vereinigung möglich ist, weil diese der göttlichen Ordnung gemäß statthat, die unwandelbar ist. Göttliche Ordnung ist, daß der Mensch sich zur Aufnahme Gottes geschickt mache, und sich zum Aufnahmegefäß und zur Wohnung zubereite, in die Gott eingehen und wie in Seinem Tempel darin wohnen kann. Dies soll der Mensch wie von sich selbst tun, dennoch aber anerkennen, daß es von Gott kommt; er soll dies anerkennen, weil er die Gegenwart und Wirksamkeit Gottes nicht empfindet, obgleich Gott alles Gute der Liebe und alles Wahre des Glaubens beim Menschen in unmittelbarster Gegenwart wirkt. Nach dieser Ordnung schreitet jeder Mensch fort, und soll nach ihr fortschreiten, damit er aus einem natürlichen ein geistiger werde; ebenso der Herr, um Sein natürliches Menschliche zum Göttlichen zu machen. Daher kommt, daß Er zum Vater betete, daß Er Dessen Willen tat, daß Er alles, was Er wirkte und redete, Ihm zuschrieb und am Kreuz sagte: „Mein Gott, Mein Gott, warum verlässest Du mich?“ In einem derartigen Zustand nämlich erscheint Gott als abwesend. Allein nach diesem Zustand kommt ein anderer, welcher der Zustand der Verbindung mit Gott ist; in diesem handelt der Mensch in gleicher Weise, allein jetzt aus Gott, und hat nunmehr nicht nötig, noch so wie früher, alles Gute, das er will und tut, und alles Wahre, das er denkt und redet, Gott zuzuschreiben, weil dies seinem Herzen eingeschrieben, und daher in jeder seiner Handlungen und Reden ist. In ähnlicher Weise vereinigte Sich der Herr mit Seinem Vater, und der Vater Sich mit Ihm; mit einem Wort, der Herr verherrlichte Sein Menschliches, das heißt, machte es zum Göttlichen, wie der Herr den Menschen wiedergebiert, das heißt, ihn geistig macht. Daß jeglicher Mensch, der aus einem natürlichen ein geistiger wird, in beide Zustände kommt, und daß er durch den ersten in den anderen, und so aus der Welt in den Himmel tritt, wird in den Kapiteln vom freien Willen, von der Liebtätigkeit und dem Glauben, und von der Umbildung und Wiedergeburt vollständig nachgewiesen werden. Hier nur dies, daß im ersten Zustand, welcher der Zustand der Umbildung heißt, der Mensch in völliger Freiheit ist, nach der Vernunft seines Verstandes zu handeln, und daß er im zweiten, welcher der Zustand der Wiedergeburt ist, auch in ähnlicher Freiheit ist, daß er aber nun will und handelt, und denkt und redet aus der neuen Liebe und der neuen Einsicht, die vom Herrn sind; denn im ersten Zustand nimmt der Verstand die erste und der Wille die zweite Stelle ein, im anderen dagegen nimmt der Wille die erste und der Verstand die zweite Stelle ein, immer jedoch der Verstand vom Willen her, nicht aber der Wille durch den Verstand. Die Verbindung des Guten und Wahren, der Liebtätigkeit und des Glaubens, und des inneren und äußeren Menschen findet in keiner anderen Weise statt.

106. Diese beiden Zustände werden durch mancherlei Dinge im Weltall vorgebildet; der Grund ist, weil sie der göttlichen Ordnung gemäß sind und die göttliche Ordnung alles und jedes bis zum Einzelnsten im Weltall erfüllt. Der erste Zustand wird bei jedem Menschen vorgebildet durch den Stand seines Kindesund Knabenalters bis zu seinem erwachsenen Jünglings- und angehenden Mannesalter, welcher Stand der seiner Erniedrigung vor den Eltern und dann der des Gehorsams, so wie auch der des Unterrichts von Lehrern und Aufsehern ist. Der andere Zustand aber wird durch den Stand ebendesselben vorgebildet, wenn er sein eigener Herr und selbständig, oder seinem eigenen Willen und Verstand überlassen wird, in dem er die Gewalt in seinem Hause hat. So wird der erste Stand auch vorgebildet durch den Stand des Prinzen oder des Sohnes eines Königs oder Herzogs, bevor er König oder Herzog wird; ebenso durch den Stand eines jeden Bürgers, bevor er eine obrigkeitliche Person wird; eines jeden Untergebenen, bevor er ein Amt erhält. Dann eines jeden Studierenden, der in den geistlichen Stand eingeleitet wird, bevor er Geistlicher wird, und weiterhin ebendesselben, bevor er Pastor, und hernach durch den letzteren bevor er Reichsbischof wird; dann durch den einer jeden Jungfrau, bevor sie Gattin; und einer jeden Magd, bevor sie Gebieterin wird. Im allgemeinen durch den eines jeden Lehrlings, bevor er Kaufmann, eines jeden Soldaten, bevor er Offizier, und eines jeden Knechts, bevor er Herr wird; ihr erster Zustand ist der Stand der Dienstbarkeit, und der andere der des eigenen Willens und des Verstandes aus diesem. Diese zwei Zustände werden auch durch mancherlei Dinge im Tierreich vorgebildet; der erste durch die [Säuge-] Tiere und Vögel, solange sie noch bei den Müttern und Vätern sind, denen sie dann beständig folgen und von ihnen ernährt und geleitet werden; und der andere Zustand, wenn sie diese verlassen und für sich selbst sorgen. In gleicher Weise durch die Raupen: der erste, solange sie kriechen und sich von Blättern nähren, der zweite, wenn sie die Hülle abwerfen und Schmetterlinge werden. Weiter werden diese zwei Zustände auch in den Subjekten des Pflanzenreichs dargestellt: der erste, solange die Pflanze aus dem Samen hervorschießt und mit Ästen, Zweigen und Blättern geschmückt wird, und der andere, wenn sie Früchte trägt und neue Samen hervorbringt. Man kann dies der Verbindung des Guten und Wahren vergleichen, weil alles, was zum Baum gehört, den Wahrheiten entspricht, und die Früchte dem Guten. Derjenige Mensch hingegen, der im ersten Zustand stehen bleibt und nicht in den zweiten tritt, gleicht einem Baum, der nur Laub, nicht aber Früchte trägt, und von dem es im Wort heißt, daß er abgehauen und ins Feuer geworfen werden soll: Matth.21/19; Luk.3/9; 13/6-10; Joh.15/5,6; auch ist er wie ein Sklave, der nicht frei sein will, und in Beziehung auf den verordnet war, daß er an eine Tür oder an einen Pfosten gestellt, und sein Ohr mit einer Pfrieme durchbohrt werden solle: 2Mo.21/6. Die Sklaven sind die, welche nicht mit dem Herrn verbunden werden, die Freien hingegen die, welche mit ihm verbunden werden; denn der Herr sagt: „Wenn der Sohn euch frei macht, so seid ihr wahrhaft frei“: Joh.8/36.

107. IX. Von nun an kommt keiner von den Christen in den Himmel, wenn er nicht an den Herrn Gott Seligmacher glaubt, und sich an Ihn allein wendet.

Man liest bei Jesajas: „Siehe, Ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, und nicht mehr wird der früheren erwähnt werden, noch wird man sie zu Herzen nehmen; und siehe, Jerusalem will Ich zum Jauchzen schaffen und sein Volk zur Freude“: Jes.65/17,18, und in der Offb.21/1,2,5: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, und sah das heilige Jerusalem herniedersteigen von Gott aus dem Himmel, zubereitet wie eine Braut für ihren Mann; und es sprach der auf dem Throne Sitzende: Siehe, Ich mache alles neu, und mehrmals, daß keine anderen in den Himmel eingehen werden, als die geschrieben stehen im Lebensbuch des Lammes“: Offb.13/8; 17/8; 20/12,15; 21/27. Unter dem Himmel wird hier nicht verstanden der unseren Augen sichtbare Himmel, sondern der Engelhimmel; unter Jerusalem nicht irgendeine Stadt aus dem Himmel, sondern die Kirche, die aus jenem Himmel vom Herrn herabkommen wird; und unter dem Lebensbuch des Lammes wird nicht irgendein im Himmel geschriebenes Buch, das aufgeschlagen werden soll, sondern das Wort verstanden, das vom Herrn ist und von Ihm handelt. Daß Jehovah Gott, welcher der Schöpfer und Vater genannt wird, herniedergestiegen ist und das Menschliche angenommen hat, auch zu dem Ende, daß Er zugänglich und verbindbar werde, ist im Vorhergehenden dieses Kapitels begründet, dargetan und festgestellt worden.

Wer auch, der zu einem Menschen hingeht, wendet sich an dessen Seele, und wer vermag dies? Er wendet sich vielmehr an den Menschen selbst, den er von Angesicht zu Angesicht sieht, und mit dem er von Mund zu Mund spricht; ebenso verhält es sich mit Gott dem Vater und dem Sohn, denn Gott der Vater ist im Sohn wie die Seele in ihrem Leib. Daß man an den Herrn Gott Heiland glauben soll, erhellt aus folgendem im Wort: „Also hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern das ewige Leben habe“: Joh.3/15,16. „Wer an den Sohn glaubt, wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes“: Joh.3/18. „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben, wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes wird über ihm bleiben“: Joh.3/36. „Das Brot Gottes ist das, welches aus dem Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt; wer zu Mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an Mich glaubt, den wird nie dürsten“: Joh.6/33,35. „Das ist der Wille Dessen, Der Mich gesandt hat, daß jeder, der den Sohn sieht und an Ihn glaubt, ewiges Leben habe, und Ich ihn auferwecke am letzten Tage“: Joh.6/40. „Sie sagten zu Jesus: Was sollen wir tun, daß wir die Werke Gottes wirken? Jesus antwortete: Das ist das Werk Gottes, daß ihr an Ihn glaubet, Den der Vater gesandt hat“: Joh.6/28,29. „Wahrlich, Ich sage euch: wer an Mich glaubt, hat ewiges Leben“: Joh.6/47. „Jesus rief und sprach: So jemand dürstet, der komme zu Mir und trinke; wer an Mich glaubt, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen“: Joh.7/37,38. „Wofern ihr nicht glaubt, daß Ich bin, so werdet ihr sterben in euren Sünden“: Joh.8/24. „Jesus sagte: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an Mich glaubt wird leben, obgleich er stürbe: jeder aber, welcher lebt und an Mich glaubt, wird ewig nicht sterben“:

Joh.11/25,26. Jesus sagte: „Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit keiner, der an Mich glaubt, in der Finsternis bleibe“: Joh.12/46; 8/12. „Solange ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichtes seid“: Joh.12/36. „Daß sie im Herrn bleiben sollen, und der Herr in ihnen“: Joh.14/20; 15/1-5; 17/23, was durch den Glauben geschieht. „Paulus ermahnte sowohl die Juden als die Griechen zur Umkehr zu Gott und zum Glauben an unseren Herrn Jesus Christus“: Apg.20/21. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch Mich“: Joh.14/6.

Daß, wer an den Sohn glaubt, an den Vater glaubt, weil, wie oben gesagt worden, der Vater in Ihm ist, wie die Seele im Leib, erhellt aus folgendem: „Würdet ihr Mich kennen, so würdet ihr auch Meinen Vater kennen“: Joh.8/19; 14/7. „Wer mich sieht, sieht Den, Der Mich gesandt hat“: Joh.12/45. „Wer Mich aufnimmt, nimmt Den auf, Der Mich gesandt hat“: Joh.13/20. Der Grund ist, weil niemand „den Vater sehen und leben kann“: 2Mo.33/20; weshalb der Herr sagt: „Niemand hat Gott Jesajah gesehen; der eingeborene Sohn, Der im Schoße des Vaters ist, Der hat [Ihn] offenbar gemacht“: Joh.1/18. „Nicht hat den Vater jemand gesehen, außer Der beim Vater ist, Dieser hat den Vater gesehen“: Joh.6/46. „Nicht die Stimme des Vaters habt ihr Jesajah gehört, noch Seine Gestalt gesehen“: Joh.5/37. Diejenigen aber, die nichts vom Herrn wissen, wie die meisten in den beiden Weltteilen Asien und Afrika, und auch in Indien, werden, wenn sie an einen Gott glauben und nach den Vorschriften ihrer Religion leben, infolge ihres Glaubens und Lebens selig; denn Zurechnung findet bei den Wissenden statt, nicht aber bei den Nicht- Wissenden, so wie sie nicht statthat bei Blinden, wenn sie anstoßen; denn der Herr sagt: „Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde, nun ihr aber sprechet: Wir sehen, so bleibt eure Sünde“: Joh.9/41.

108. Dieses noch weiter zu begründen, will ich berichten, was ich weiß, weil ich es gesehen habe und darum bezeugen kann; es ist dies, daß eben jetzt vom Herrn der neue Engelhimmel gegründet wird, und daß er gegründet wird aus denen, die an den Herrn Gott Heiland glauben und sich unmittelbar an Ihn wenden, und daß die übrigen verworfen werden. Kommt daher von nun an jemand aus der Christenheit in die geistige Welt, was mit jedem Menschen nach dem Tode geschieht, und er glaubt nicht an den Herrn und wendet sich nicht an Ihn allein, und kann dies alsdann auch nicht annehmen, weil er böse gelebt, oder im Falschen sich bestärkt hat, so wird er beim ersten Schritt zum Himmel zurückgestoßen und sein Angesicht davon abgekehrt, und der unteren Erde zugewendet, wohin er auch geht und sich da mit denjenigen verbindet, die in der Offenbarung unter dem Drachen und falschen Propheten verstanden werden. Auch wird in den christlichen Ländern von nun an kein Mensch, der nicht an den Herrn glaubt, erhört; seine Bitten sind im Himmel wie Übelgerüche und wie Auswürfe aus einer kranken Lunge. Und während man meint, sein Gebet sei wie das Duften des Weihrauchs, so steigt es doch zum Engelhimmel nicht anders als wie der Rauch eines Brandes empor, der von einem niederwärts fahrenden Sturmwind in seine Augen zurückgetrieben wird, oder wie der Dampf aus einem Rauchfaß unter der Kutte eines Mönchs. So geschieht es nach dieser Zeit mit aller Frömmigkeit, die sich an die geschiedene, und nicht an die verbundene Dreiheit richtet. Daß im Herrn die göttliche Dreiheit verbunden sei, ist der Hauptgegenstand dieses Werkes. Hier will ich die Neuigkeit beifügen, daß vor einigen Monaten die zwölf Apostel vom Herrn zusammenberufen und in die gesamte geistige Welt, wie früher in die natürliche, ausgesandt wurden mit dem Befehl, dies Evangelium zu predigen, wobei jeden Apostel sein Bezirk angewiesen wurde; und diesem Befehl unterziehen sie sich auch mit allem Eifer und Fleiß. Doch hierüber im letzten Kapitel dieses Buches, wo von der Vollendung des Zeitlaufs, von der Ankunft des Herrn, und von der neuen Kirche im besonderen gehandelt werden wird.