Der Glaube und die Zurechnung der neuen Kirche können durchaus nicht mit dem Glauben und der Zurechnung der vorigen Kirche zusammen sein, und wenn sie zusammen sind, entsteht ein solcher Zusammenstoß und Streit, daß alles zur Kirche beim Menschen Gehörige zugrunde geht

647. Daß der Glaube und die Zurechnung der neuen Kirche nicht zusammen sein kann mit dem Glauben und der Zurechnung der vorigen oder noch bestehenden Kirche, hat seinen Grund darin, daß sie nicht in einem dritten, ja nicht einmal in einem zehnten Teil zusammentreffen; denn der Glaube der vorigen Kirche lehrt, daß von Ewigkeit her drei göttliche Personen, von denen jede besonders oder für sich Gott war, und auch ebenso viele Schöpfer existiert haben; der Glaube der neuen Kirche hingegen ist, daß nur eine göttliche Person, somit nur ein Gott von Ewigkeit her war, und daß außer Ihm kein anderer Gott ist; daher denn der Glaube der vorigen Kirche eine in drei Personen zerteilte göttliche Dreieinigkeit lehrte, der Glaube der neuen Kirche hingegen eine in einer Person vereinte Dreieinheit lehrt.

Der Glaube der vorigen Kirche ging auf einen unschaubaren, unzugänglichen und unverbindbaren Gott, von Dem man ein Denkbild wie von einem Geist, das heißt hier, wie von einem Äther oder Wind hatte; der Glaube der neuen Kirche hingegen geht auf einen schaubaren, zugänglich und verbindbaren Gott, in Dem wie die Seele im Leibe ein unschaubarer, unzugänglicher und unverbindbarer Gott ist, von Dem das Denkbild das eines Menschen ist, weil der eine Gott, Der von Ewigkeit her war, Mensch geworden ist in der Zeit.

Der Glaube der vorigen Kirche schreibt dem unschaubaren Gott alle Macht zu, und entzieht diese dem schaubaren Gott; denn sie lehrt, daß Gott der Vater den Glauben zurechne und durch diesen das ewige Leben schenke, und daß der schaubare bloß vermittelnd dazwischen trete, und daß beide, oder, nach der griechischen Kirche, Gott der Vater, dem Heiligen Geist, welcher der Reihenfolge nach der dritte Gott für sich ist, alle Macht gebe, die Wirkungen jenes Glaubens hervorzubringen; der Glaube der neuen Kirche hingegen schreibt dem schaubaren Gott, in Dem der unschaubare ist, die Allmacht zu, zuzurechnen und auch die Heilswirkungen hervorzubringen.

Der Glaube der vorigen Kirche geht vornehmlich auf Gott den Schöpfer und nicht zugleich auf Ihn als Erlöser und Seligmacher; der Glaube der neuen Kirche hingegen geht auf den einen Gott, der zugleich Schöpfer, Erlöser und Seligmacher ist.

Der Glaube der vorigen Kirche ist, daß dem geschenkten und zugerechneten Glauben von selbst die Buße, die Sündenvergebung, die Erneuerung, die Wiedergeburt, die Heiligung und die Seligkeit folgen, ohne daß etwas vom Menschen ihnen beigemischt oder mit ihnen verbunden werde; der Glaube der neuen Kirche hingegen lehrt eine Buße, Umbildung, Wiedergeburt, und somit Sündenvergebung, unter Mitwirkung des Menschen.

Der Glaube der vorigen Kirche lehrt eine Zurechnung des Verdienstes Christi, die der geschenkte Glaube ergreift; der Glaube der neuen Kirche hingegen lehrt eine Zurechnung des Guten und Bösen und zugleich des Glaubens, und daß diese Zurechnung der Heiligen Schrift gemäß sei, jene aber ihr zuwider. Die vorige Kirche lehrt ein Beschenktwerden mit dem Glauben, worin das Verdienst Christi ist, während der Mensch sich dabei wie ein Klotz oder Stein verhält, auch lehrt sie ein völliges Unvermögen in geistigen Dingen; die neue Kirche hingegen lehrt einen ganz anderen Glauben, der nicht auf das Verdienst Christi, sondern auf Jesus Christus selbst als Gott Erlöser und Seligmacher geht, und einen freien Willen, sowohl um sich zur Aufnahme geschickt zu machen, als um mitzuwirken. Die vorige Kirche fügt ihrem Glauben die tätige Liebe als Anhängsel bei, aber nicht als Mittel zur Seligkeit, und macht ihn so zur Religion; die neue Kirche hingegen verbindet den Glauben an den Herrn und die Liebtätigkeit gegen den Nächsten, als zwei unzertrennliche Dinge, und macht daraus die Religion; außer mehreren anderen Abweichungen.

648. Aus dieser kurzen Aufzählung der Abweichungen oder Gegensätze geht hervor, daß der Glaube und die Zurechnung der neuen Kirche durchaus nicht zusammensein kann mit dem Glauben und der

Zurechnung der vorigen oder noch bestehenden Kirche, und weil eine solche Zwietracht und Uneinigkeit zwischen dem Glauben beider Kirchen und dessen Zurechnung besteht, so ist eine völlige Ungleichartigkeit da; weshalb, wenn sie im Gemüt des Menschen beisammen wären, ein solcher Zusammenstoß und Widerstreit entstände, daß alles zur Kirche Gehörige zugrunde gehen und der Mensch in geistigen Dingen entweder in Irrsinn, oder in Ohnmacht fallen, und daher nicht wissen würde, worin die Kirche besteht und ob es eine Kirche gibt. Würde er alsdann wohl etwas von Gott, etwas vom Glauben und etwas von der Liebtätigkeit wissen? Der Glaube der vorigen Kirche kann, weil er alles Licht aus der Vernunft ausschließt, mit einer Nachteule verglichen werden; der Glaube der neuen Kirche hingegen kann verglichen werden mit einer Taube, die am Tag fliegt und aus dem Licht des Himmels sieht; und deshalb wäre ihre Verbindung in einem Gemüt soviel als die Verbindung der Nachteule und der Taube in einem Nest, in das die Nachteule ihre Eier legen würde und die Taube die ihrigen, und nachdem sie darauf gelegen, Junge ausgebrütet würden, und nun die Nachteule die Jungen der Taube zerreißen und ihren Jungen zur Speise geben würde; denn die Nachteule ist ein gefräßiger Vogel. Weil der Glaube der vorigen Kirche in der Offenbarung Kap.12 durch den Drachen beschrieben wird, und der Glaube der neuen Kirche durch das von der Sonne umgebene Weib mit einer Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupt, so kann man aus dem Vergleich erschließen, wie der Zustand des Gemüts eines Menschen beschaffen wäre, wenn sie sich in einem Hause beisammen befänden, daß nämlich der Drache sich zu dem gebärenden Weibe stellen würde, in der Absicht, ihre Frucht zu verschlingen, und daß er, nachdem sie in die Wüste weggeflogen, sie verfolgen, und Wasser wie einen Strom auf sie ausschütten würde, um sie zu ersäufen.

649. Ähnliches würde erfolgen, wenn jemand den Glauben der neuen Kirche und den Glauben der vorigen Kirche von der Zurechnung des Verdienstes und der Gerechtigkeit des Herrn beibehalten wollte; denn aus diesem, als der Wurzel sind alle Lehrbestimmungen der vorigen Kirche wie Ableger hervorgegangen. Würde jenes geschehen, so wäre es vergleichsweise, wie wenn jemand sich aus fünf Hörnern des Drachen herauswinden und in die fünf übrigen desselben sich verwickeln würde; oder wie wenn jemand dem Wolf entfliehen und auf den Tiger stoßen würde; oder wie wenn jemand aus einer Grube, in der kein Wasser ist, hervorkommend, in eine Grube, in der Wasser ist, fallen und in ihr versenkt werden würde, denn so würde er leicht wieder in alle [Dogmen] des vorigen Glaubens, deren Beschaffenheit eben auseinandergesetzt worden ist, zurückkehren, und damit in jenes Verdammliche, daß er sich das eigentlich Göttliche des Herrn zurechnete und zueignete, nämlich die Erlösung und Gerechtigkeit, die man nur anbeten, aber nicht sich zueignen kann; denn wenn der Mensch sich diese zurechnen und zueignen würde, so müßte er verzehrt werden wie ein in die nackte Sonne Geschleuderter, durch deren Licht und Wärme er doch sieht und mit dem Leibe lebt. Daß das Verdienst des Herrn die Erlösung ist, und daß Seine Erlösung und Seine Gerechtigkeit zwei göttliche [Attribute] sind, die mit dem Menschen nicht verbunden werden können, ist oben gezeigt worden. Es hüte sich also jeder, die Zurechnung der vorigen Kirche in die Zurechnung der neuen hinüberzutragen, weil sich daraus traurige Folgen ergeben würden, die seiner Seligkeit im Wege ständen.