II. Der Glaube besteht seinem kurzen Inhalt nach darin, daß, wer recht lebt und richtig glaubt, vom Herrn selig gemacht werde  

340. Daß der Mensch für ein ewiges Leben geschaffen ist, und daß jeglicher Mensch es ererben kann, sobald er nur gemäß den Mitteln des Heiles, die im Wort vorgeschrieben sind, lebt, gibt jeder Christ und auch der Heide, der Religion und gesunde Vernunft hat, zu. Allein der Mittel des Heils gibt es mehrere, aber alle und jede beziehen sich auf das recht Leben und richtig glauben, somit auf die Liebtätigkeit und den Glauben; denn die Liebtätigkeit ist recht leben, und der Glaube ist richtig glauben. Diese zwei allgemeinen Punkte der Heilsmittel sind dem Menschen nicht bloß im Wort vorgeschrieben, sondern auch geboten, und weil sie geboten sind, so folgt, daß der Mensch durch sie sich das ewige Leben erwerben kann, vermöge der von Gott in ihn gelegten und gegebenen Kraft, und daß inwieweit der Mensch diese Kraft gebraucht, und zugleich zu Gott aufsieht, insoweit Gott diese stärkt, damit er alles das, was Sache der natürlichen Liebtätigkeit ist, zum Gegenstand der geistigen Liebtätigkeit, und alles, was Gegenstand des natürlichen Glaubens ist, zur Sache des geistigen Glaubens mache. So macht Gott die tote Liebtätigkeit und den toten Glauben und zugleich auch den Menschen lebendig. Zweierlei ist, was beisammen sein muß, damit man sagen kann, der Mensch lebe recht und glaube richtig; diese beiden heißen in der Kirche der innere und der äußere Mensch; wenn der innere Mensch gut will, und der äußere gut handelt, dann machen beide eins aus, der äußere aus dem inneren, und der innere durch den äußeren, somit der Mensch aus Gott, und Gott durch den Menschen; umgekehrt aber, wenn der innere Mensch übel will, und der äußere dennoch gut handelt, dann handeln nichtsdestoweniger beide aus der Hölle; denn sein Wollen stammt von daher, und sein Tun ist heuchlerisch, und in allem Heuchelwerk liegt sein Wollen, welches höllisch ist, inwendig verborgen, wie die Schlange im Gras, und wie der Wurm in der Blüte. Ein Mensch, der nicht nur weiß, daß es einen inneren und einen äußeren Menschen gibt, sondern auch, was sie sind, und daß sie wirklich als eins zusammen handeln können, aber auch scheinbar in Einheit handeln können, und überdies, daß der innere Mensch nach dem Tode fortlebt, und der äußere begraben wird, der besitzt dem Vermögen nach die Geheimnisse des Himmels und auch die der Welt in Menge; und wer diese beiden Menschen bei sich zum Guten verbindet, wird ewig selig, wer sie hingegen trennt, und mehr noch, wer sie zum Bösen verbindet, wird ewig unselig.

341. Bei dem Glauben, daß ein Mensch, der recht lebt und richtig glaubt, nicht selig werde, und daß Gott nach Willkür und Gefallen jeglichen, wen Er nur will, selig machen und verdammen könne, kann ein Mensch, der verlorengeht, Gott mit Recht der Unbarmherzigkeit und Härte und auch der Grausamkeit beschuldigen, ja leugnen, daß Gott Gott sei, und überdies [Ihm vorwerfen,] daß Er in Seinem Wort unwahr gesprochen und Dinge geboten habe, die nichtig oder läppisch sind. Und weiter, wenn ein Mensch, der recht lebt und richtig glaubt, nicht selig wird, so kann er Gott auch der Verletzung Seines Bundes beschuldigen, den Er auf dem Berge Sinai geschlossen, und mit Seinem Finger auf zwei Tafeln geschrieben hat. Daß Gott nicht anders kann, als diejenigen selig machen, die nach Seinen Geboten leben und Glauben an Ihn haben, erhellt aus den Worten des Herrn bei Joh.14/21-24, und es kann auch jeder, der Religion und gesunde Vernunft hat, sich darin bestärken, wenn er bedenkt, daß Gott, Welcher beständig beim Menschen ist und ihm Leben gibt, und auch das Vermögen zu verstehen und zu lieben, nicht anders kann, als denjenigen, der recht lebt und richtig glaubt, zu lieben und Sich mit ihm zu verbinden. Ist nicht dies von Gott jedem Menschen und jedem Geschöpf eingeschrieben? Können ein Vater und eine Mutter ihre Kinder, kann ein Vogel sein Küchlein, kann irgendein Tier seine Jungen verstoßen? Dies können nicht einmal Tiger, Panther und Schlangen; anders verfahren, wäre wider die Ordnung, in der Gott ist, und nach der Er handelt, und auch wider die Ordnung, in die Er den Menschen erschaffen hat. Wie es nun aber Gott unmöglich ist, jemanden, der recht lebt und richtig glaubt, zu verdammen, so ist es auch auf der anderen Seite Gott unmöglich, jemanden, der Böse lebt und infolgedessen Falsches glaubt, selig zu machen; dieses andere ist ebenfalls wider die Ordnung, mithin wider Seine Allmacht, welche nicht anders sich fortbewegen kann, als auf dem Wege der Gerechtigkeit; und die Gesetze der Gerechtigkeit sind Wahrheiten, die nicht verändert werden können; denn der Herr sagt: „Es ist leichter, daß Himmel und Erde vergehen, als daß ein Strichlein des Gesetzes falle“: Luk.16/17. Jeder, der etwas vom Wesen Gottes, und vom freien Willen des Menschen weiß, kann dies erkennen; so zum Beispiel: Adam hatte die Freiheit vom Baum des Lebens und auch vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen; hätte er nun vom Baum oder den Bäumen des Lebens gegessen, wäre es alsdann Gott möglich gewesen, ihn aus dem Garten zu vertreiben? Ich glaube, nicht; nachdem er aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen gegessen hatte, wäre es alsdann Gott möglich gewesen, ihn im Garten zu behalten? Ich glaube wieder, nicht; und ebenso daß Gott nicht einen in den Himmel aufgenommenen Engel in die Hölle hinabstoßen, noch einen verurteilten Teufel in den Himmel einlassen könnte. Daß Er aus Seiner göttlichen Allmacht beides nicht tun könnte, sehe man in der Abhandlung von der göttlichen Allmacht, oben Nr. 49-70.

342. Im vorhergehenden Hauptsatz Nr. 336-339 wurde gezeigt, daß der seligmachende Glaube ist an den Herrn Gott Heiland Jesus Christus; allein es fragt sich, was das Erste des Glaubens an Ihn ist, und die Antwort ist, daß es sei die Anerkennung, daß Er Gottes Sohn ist. Dies war das Erste des Glaubens, das der Herr, als Er in der Welt war, offenbarte und verkündigte; denn hätte man nicht zuerst anerkannt, daß Er der Sohn Gottes und so Gott von Gott war, vergebens hätte Er, und nachher die Apostel, den Glauben an Ihn gepredigt. Da nun heutzutage etwas Ähnliches statthat, aber bei denen, die aus dem Eigenen denken, das heißt, bloß aus dem äußeren oder natürlichen Menschen, indem sie zu sich sagen: Wie kann Jehovah Gott einen Sohn empfangen, und wie kann ein Mensch Gott sein? So ist notwendig, daß dieses Erste des Glaubens aus dem Wort begründet und befestigt werde; und deshalb sollen folgende Stellen aus ihm angeführt werden: „Der Engel sprach zu Maria: Du wirst empfangen im Leibe, und [einen Sohn] gebären, und Seinen Namen nennen Jesus; Dieser wird groß sein, und Sohn des Höchsten genannt werden. Und Maria sprach zum Engel: Wie soll dies geschehen, da ich von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, darum auch wird das aus dir geborene Heilige Sohn Gottes genannt werden“: Luk.1/31,32,34,35. Als Jesus getauft wurde, kam eine Stimme aus dem Himmel, welche sprach: „Dieser ist Mein geliebter Sohn, an Dem Ich Wohlgefallen habe“: Matth.3/16,17; Mark.1/10,11; Luk.3/21,22. Ferner, als Jesus verklärt wurde, kam auch eine Stimme aus dem Himmel, welche sprach: „Dieser ist Mein geliebter Sohn, an Dem Ich Wohlgefallen habe, Ihn höret“: Matth.17/5; Luk.9/35. „Jesus fragte Seine Jünger: Wer sagen die Leute, daß Ich sei? Petrus antwortete: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes; und Jesus sprach: Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas; Ich sage dir: auf diesen Felsen will Ich Meine Kirche bauen“: Matth.16/13,16-18. Der Herr sagte, auf diesen Felsen werde Er Seine Kirche bauen, nämlich auf die Wahrheit und das Bekenntnis, daß Er der Sohn Gottes sei; denn der Fels bedeutet die Wahrheit, und auch den Herrn hinsichtlich des göttlich Wahren; bei wem daher nicht das Bekenntnis dieser Wahrheit ist, daß Er der Sohn Gottes sei, bei dem ist die Kirche nicht; darum ward oben gesagt, daß dies das Erste des Glaubens an Jesum Christum, somit der Glaube in seinem Ursprung sei. „Johannes der Täufer sah und bezeugte, daß Er der Sohn Gottes sei“: Joh.1/34. Nathanael der Jünger sagte zu Jesus: „Du bist der Sohn Gottes, Du bist der König Israels“: Joh.1/50. Die zwölf Jünger sprachen: „Wir haben geglaubt, daß Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“: Joh.6/69. Er wird genannt der eingeborene Sohn Gottes, der Eingeborene vom Vater, Der im Schoß des Vaters ist: Joh.1/14,18; 3/16. Jesus selbst bekannte vor dem Hohenpriester, daß Er der Sohn Gottes sei: Matth.26/63,64; 27/43; Mark.14/61,62; Luk.22/70. Die im Schiffe waren, kamen und beteten Jesum an, und sprachen: „Wahrhaftig, Du bist Gottes Sohn“: Matth.14/33. Der Kämmerer, welcher getauft werden wollte, sprach zu Philippus: „Ich glaube, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist“: Apg.8/37. „Nachdem Paulus bekehrt war, predigte er Jesum, daß Er der Sohn Gottes sei“: Apg.9/20. Jesus sprach: „Es wird die Stunde kommen, da die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören, werden leben“: Joh.5/25. „Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes“: Joh.13/18. „Diese Dinge sind geschrieben worden, auf daß ihr glaubet, daß Jesus ist Christus, der Sohn Gottes, damit ihr glaubend das Leben habet in Seinem Namen“: Joh.20/31. „Dieses habe ich euch geschrieben, daß ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes, damit ihr wisset, daß ihr das ewige Leben habt, und damit ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes“: 1Joh.5/13. „Wir wissen, daß der Sohn Gottes gekommen ist, und gegeben hat, daß wir den Wahrhaftigen erkennen, und wir sind in dem Wahrhaftigen, in Seinem Sohne Jesus Christus; Dieser ist der wahre Gott und das ewige Leben“: 1Joh.5/20,21. „Jeder, der bekannt hat, daß Jesus ist der Sohn Gottes, in dem bleibt Gott, und er in Gott“: 1Joh.4/15. Dann auch anderwärts, als: Matth.8/29; 27/40,43,54; Mark.1/1; 3/11; 15/39; Luk.8/28; Joh.9/35; 10/36; 11/4,27; 19/7; Rö.1/4; 2Kor.1/19; Gal.2/20; Eph.4/13; Heb.4/14; 6/6; 7/3; 10/29; 1Joh.3/8; 5/10; Offb.2/18, außer vielen anderen Stellen, wo Er von Jehovah Sohn genannt wird, und Er selbst Jehovah Gott Seinen Vater nennt, wie in folgender: „Was der Vater tut, das tut auch der Sohn; wie der Vater die Toten auferweckt und belebt, so auch der Sohn; wie der Vater das Leben in Sich selbst hat, so hat Er auch dem Sohn gegeben, das Leben in Sich selbst zu haben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“: Joh.5/19-27, und sehr oft anderwärts, so wie auch bei David: „Von dem Beschlossenen will ich Kunde geben: Jehovah sprach zu Mir: Mein Sohn bist Du, Ich habe heute Dich gezeugt. Küsset den Sohn, daß Er nicht zürne, und ihr [nicht] umkommt auf dem Wege; denn Sein Zorn wird bald entbrennen: selig alle, die auf Ihn vertrauen“: Ps.2/7,12. Hieraus ergibt sich nun der Schluß, daß jeder, der ein wahrer Christ sein und von Christus selig gemacht werden will, glauben muß, daß Jesus der Sohn des lebendigen Gottes ist. Wer dies nicht glaubt, sondern bloß, daß Er der Sohn Marias sei, pflanzt sich mancherlei Vorstellungen von Ihm ein, welche schädlich und zerstörend für sein Heil sind, worüber man oben Nr. 92, 94, 102 nachsehe. Von solchen läßt sich ähnliches sagen, wie von den Juden, daß sie nämlich statt der Königskrone eine Dornenkrone auf Sein Haupt setzen, und auch Ihm Essig zu trinken geben und rufen: Wenn du Gottes Sohn bist, so steige herab vom Kreuz; oder, wie der versuchende Teufel sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, daß diese Steine Brote werden; oder: Wenn du Gottes Sohn bist, so laß dich hinab: Matth.4/3,6. Diese entweihen Seine Kirche und Seinen Tempel und machen diesen zur Räuberhöhle. Sie sind es, welche Seinen Dienst dem Dienst Mohammeds gleichsetzen, und zwischen dem wahren Christentum, das der Dienst des Herrn ist, und dem Naturalismus nicht unterscheiden. Sie können mit solchen verglichen werden, die in einem Wagen oder in einer Kutsche auf dünnem Eis hinfahren, und das Eis bricht unter ihnen, und sie sinken unter, und sie und die Pferde und Wagen werden mit dem Eiswasser bedeckt. Sie können auch solchen verglichen werden, die ein Schiffchen aus Binsen und Schilfrohr zusammenflechten und es mit Pech verkitten, damit es zusammenhalte, und auf ihm in die See gehen, wo dann aber die Verpichung sich auflöst, und sie erstickt von den Gewässern der See verschlungen und in deren Grunde begraben werden.