Der das Verdienst und die Gerechtigkeit Christi des Erlösers zurechnende Glaube verdankt seine erste Entstehung den Beschlüssen des Nicänischen Konzils über die drei Personen von Ewigkeit, welcher Glaube von jener Zeit an bis auf die gegenwärtige von der ganzen christlichen Welt angenommen wurde

632. Was die Nicänische Kirchenversammlung selbst anbelangt, so hat sie der Kaiser Konstantin der Große auf Anraten Alexanders, Bischofs zu Alexandria, mit allen aus Asien, Afrika und Europa zusammenberufenen Bischöfen in seiner Residenz zu Nicäa, einer Stadt in Bithynien, abgehalten, um die Ketzerei des Arius, eines Presbyters zu Alexandria, der die Gottheit Jesu Christi leugnete, aus der Heiligen Schrift zu überführen und zu verdammen; dies geschah im Jahr Christi 325. Daß jene Versammelten zu dem Schluß kamen, es seien drei göttliche Personen, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, von Ewigkeit gewesen, kann besonders ersehen werden an den zwei Glaubensbekenntnissen, die man das Nicänische und das Athanasische nennt; im Nicänischen liest man: ‚Ich glaube an einen Gott, den Vater, den allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erde; und an einen Herrn, Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Eingeborenen vom Vater, geboren vor allen Zeiten, Gott von Gott, von gleicher Substanz mit dem Vater, Der von den Himmeln herabgekommen und Fleisch geworden ist vom Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau; und an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebendigmacher, der vom Vater und Sohn ausgeht, und mit dem Vater und Sohn zugleich angebetet und verherrlicht wird‘. Im Athanasischen Glaubensbekenntnis steht folgendes: ‚Der allgemein angenommene Glaube ist der, daß wir einen Gott in der Dreiheit, und die Dreiheit in der Einheit verehren, indem wir weder die Personen vermengen, noch die Substanz trennen. Während wir aber einzeln jede Person als Gott und Herrn zu bekennen durch die christliche Wahrheit angetrieben werden, so werden wir durch die allgemeine Religion verhindert, drei Götter oder drei Herren auszusprechen‘, das heißt, man dürfe wohl drei Götter und Herren bekennen, aber nicht aussprechen, und zwar darum nicht, weil die Religion es verbietet, jenes aber, weil die Wahrheit es gebietet. Dieses Athanasische Glaubensbekenntnis ist gleich nach Abhaltung des Nicänischen Konzils von einem oder mehreren, die dem Konzil angewohnt hatten, verfaßt, und ebenfalls als ein ökumenisches oder allgemeines angenommen worden. Hieraus erhellt, daß damals beschlossen worden war, man müsse drei göttliche Personen von Ewigkeit anerkennen, und obgleich jede Person einzeln für sich Gott sei, so dürfen doch nicht drei Götter oder Herren genannt werden, sondern einer.

633. Daß der Glaube an drei göttliche Personen von jener Zeit an angenommen und von allen Bischöfen, Hierarchen, Fürsten der Kirche und Ältesten bis auf die gegenwärtige Zeit bestätigt und gepredigt wurde, ist in der christlichen Welt bekannt; und weil von daher sich die Überredung des Gemüts von drei Göttern verbreitete, so konnte kein anderer Glaube ausgebrütet werden, als ein solcher, der auf jene drei ihrer Ordnung nach angewandt war, daß nämlich Gott der Vater angegangen und angefleht werden solle, die Gerechtigkeit Seines Sohnes zuzurechnen, oder wegen Seines Sohnes Leiden am Kreuz Sich zu erbarmen, und den Heiligen Geist zu senden, damit er die vermittelnden und letzten Heilswirkungen hervorbringe.

Dieser Glaube ist eine Ausgeburt aus jenen zwei Glaubensbekenntnissen; allein wenn man die Windeln aufwickelt, so kommt nicht einer zum Vorschein, sondern drei; zuerst verschlungen wie in Umarmung, bald aber getrennt; denn sie setzen fest, daß das Wesen sie verbinde, die Eigenschaften aber welche sind die Schöpfung, Erlösung, Einwirkung, oder die Zurechnung, die zugerechnete Gerechtigkeit und die Auswirkung, sie trennen; darin liegt auch der Grund, warum sie zwar aus dreien einen Gott zusammensetzten, dennoch aber nicht aus drei Personen eine machten, damit nämlich die Vorstellung von drei Göttern nicht verwischt werden möchte; denn solange jede Person einzeln für sich für Gott gehalten wird, wie dies im Glaubensbekenntnis gesagt wird, müßte, wenn nun folgerichtig auch aus drei Personen eine würde, das ganze auf drei, wie auf Säulen erbaute Haus in einen Schutthaufen zusammenfallen. Daß jene Kirchenversammlung drei göttliche Personen von Ewigkeit einführte, kam daher, daß sie nicht gehörig im Wort forschten, und infolgedessen auch keinen anderen Zufluchtsort wider die Arianer fanden. Daß sie nachher jene drei Personen, deren jede Gott für sich sein soll, in einen Gott zusammenfaßt, geschah aus Furcht, sie möchten von jedem vernünftig Religiösen in den drei Weltteilen des Glaubens an drei Götter beschuldigt, und gelästert werden. Daß sie einen den Dreien der Ordnung nach angepaßten Glauben lehrten, hatte seinen Grund darin, daß kein anderer aus jenem Prinzip hervorgeht; dazu kommt noch, daß, wenn einer von den Dreien übergangen würde, der dritte nicht gesandt werden, und so alles Wirken der göttlichen Gnade fruchtlos bleiben würde.

634. Allein es soll die Wahrheit kundgetan werden: nachdem der Glaube an drei Götter in die christlichen Kirchen eingeführt war, was von der Zeit des Nicänischen Konzils an geschah, wurde alles Gute der Liebtätigkeit und alles Wahre des Glaubens verbannt. Diese beiden können durchaus nicht zusammen bestehen mit der Verehrung dreier Götter im Gemüt und der Verehrung eines Gottes im Munde, weil das Gemüt leugnet, was der Mund spricht, und der Mund leugnet, was das Gemüt denkt; daher denn die Folge, daß weder ein Glaube an drei Götter, noch ein Glaube an einen da ist. Heraus erhellt, daß der christliche Tempel von jener Zeit an nicht nur Risse bekam, sondern in Schutt zusammenfiel, und daß von jener Zeit an der Brunnen des Abgrundes geöffnet wurde, aus dem Rauch gleich dem eines großen Ofens aufstieg, und Sonne und Luft verdunkelt wurde, und aus dem Heuschrecken auf die Erde kamen: Offb.9/2,3; man sehe die Erklärung dieser Stellen in der »Enthüllten Offenbarung«; ja von jener Zeit an begann und wuchs die von Daniel vorausgesagte Verödung, Matth.24/15; und zu jenem Glauben und seiner Zurechnung versammelten sich die Adler: Matth.24/28; unter den Adlern werden die luchsartig scharfsichtigen Häupter der Kirche verstanden. Sagt man, daß die Kirchenversammlung, in der so viele Bischöfe und belorbeerte Männer saßen, jenen Beschluß in einhelliger Abstimmung gefaßt habe, so [muß gefragt werden:] wie soll man Kirchenversammlungen vertrauen, während doch die römisch-katholischen Kirchenversammlungen ebenfalls in einhelliger Abstimmung die Statthalterschaft des Papstes, die Anrufung der Heiligen, die Verehrung der Bilder und Gebeine, die Teilung des heiligen Abendmahls, das Fegfeuer, die Ablässe und dergleichen mehr beschlossen haben? Und wie den Kirchenversammlungen vertrauen, während doch die Dordrechter ebenfalls einmütig die verabscheuungswerte Vorherbestimmung beschloß, und sie zum Palladium der Religion erhob? Allein, mein Leser, glaube nicht den Kirchenversammlungen, sondern dem Heiligen Wort, und wende dich an den Herrn, und du wirst erleuchtet werden, denn Er ist das Wort, das heißt, das göttlich Wahre selbst in ihm.

635. Zuletzt soll noch dies Geheimnis enthüllt werden: In der Offenbarung wird in sieben Kapiteln das zu Endekommen der heutigen Kirche gerade so beschrieben, wie die Verwüstung Ägyptens beschrieben wird, und zwar beide durch die gleichen Plagen, deren jede in geistiger Bedeutung etwas Falsches bezeichnet, das ihre Verwüstung bis zum Untergang fortführt; weshalb auch diese Kirche, die gegenwärtig gänzlich zugrunde gerichtet ist, geistig genommen Ägypten heißt: Offb.11/8. Die Plagen in Ägypten waren die, daß die Wasser in Blut verwandelt wurden, wovon alle Fische starben und der Strom stinkend wurde: 2Mo.Kap.7. Gleiches wird in der Offb.8/8; 16/3 gesagt; durch das Blut wird das verfälschte göttlich Wahre bezeichnet, man sehe »Enthüllte Offenbarung« Nr. 379, 404, 681, 687, 688; und durch die Fische, die alsdann starben, die Wahrheiten im natürlichen Menschen in gleichem Zustand, Nr. 290, 405. Über das Land Ägypten wurden Frösche gebracht, 2Mo.Kap.8; auch in der Offb.16/13 wird etwas von Fröschen gesagt. Durch die Frösche werden bezeichnet die Vernünfteleien aus der Begierde die Wahrheiten zu verfälschen, man sehe »Enthüllte Offenbarung« Nr. 702. In Ägypten entstanden bösartige Geschwüre an Menschen und Vieh, 2Mo.Kap.9; ebenso in der Offb.16/2; durch die Geschwüre wird das inwendige Böse und Falsche bezeichnet, das für das Gute und Wahre in der Kirche zerstörend ist, »Enthüllte Offenbarung« Nr. 678. In Ägypten entstand Hagel mit Feuer vermischt, 2Mo.Kap.9; ebenso in der Offb.8/7; 16/21; der Hagel bedeutet das höllische Falsche, man sehe »Enthüllte Offenbarung« Nr. 399, 714. Über Ägypten wurden Heuschrecken gebracht, 2Mo.Kap.10; ebenso in der Offb.9/1-11; die Heuschrecken bedeuten Falsches im Äußersten, man sehe »Enthüllte Offenbarung« Nr. 424, 430. Über Ägypten ward dicke Finsternis gebracht, 2Mo.Kap.10; ebenso in der Offb.8/12; die Finsternis bedeutet Falsches, das entweder aus Unwissenheit, oder aus dem Falschen der Religion, oder aus Bösem des Lebens entspringt, man sehe »Enthüllte Offenbarung« Nr. 110, 413, 695. Endlich kamen die Ägypter im Meer Suph um, 2Mo.Kap.14; in der Offb.19/20; Offb.20/10 aber der Drache und der falsche Prophet im Feuer- und Schwefelpfuhl; beide aber, das Meer Suph und dieser Pfuhl bedeuten die Hölle. Daß von Ägypten und von der Kirche, deren letzte Zeit und Ende in der Offenbarung beschrieben wird, ähnliches gesagt wird, hat seinen Grund darin, daß unter Ägypten die Kirche verstanden wird, die in ihrem Anfang trefflich war; weshalb Ägypten, bevor seine Kirche verwüstet war, dem Garten Eden und dem Garten Jehovahs verglichen wird: 1Mo.13/10; Ez.31/8; und auch genannt wird der Eckstein der Stämme, der Sohn der Weisen, und der Könige des Altertums: Jes.19/11,13. Mehr über Ägypten in seinem ursprünglichen Zustand, und in seinem verwüsteten Zustand sehe man in der »Enthüllten Offenbarung« Nr. 503.