III. Der Buchstabensinn des Wortes ist die Grundlage, Hülle und Stütze seines geistigen und himmlischen Sinnes  

210. In allem Göttlichen ist ein Erstes, ein Mittleres und ein Letztes, und zwar schreitet das Erste durch das Mittlere zum Letzten fort, und hat so Dasein und Bestand; daher das Letzte die Grundlage ist. Ferner ist das Erste im Mittleren, und durch das Mittlere im Letzten, somit ist das Letzte das Enthaltende, und weil das Letzte das Enthaltende und die Grundlage ist, so ist es auch die Stütze. Der wissenschaftlich Gebildete begreift, daß diese drei genannt werden können der Endzweck, die Ursache und die Wirkung; dann auch das Sein, das Werden und das Dasein, und daß der Endzweck das Sein, die Ursache das Werden, und die Wirkung das Dasein ist; daß es also bei jeder vollendeten Sache ein Dreifaches gibt, das man das Erste, das Mittlere und das Letzte, dann auch den Endzweck, die Ursache und die Wirkung heißt. Wird dieses begriffen, so begreift man auch, daß jedes göttliche Werk im Letzten vollendet und vollkommen ist; so wie auch, daß im Letzten alles ist, weil in ihm das Frühere beisammen ist.

211. Daher kommt, daß unter ‚drei‘ im geistigen Sinne des Wortes verstanden wird das Vollendete und Vollkommene, dann auch alles zusammen; und weil dieses durch jene Zahl bezeichnet wird, so wird sie auch im Wort ebenso oft gebraucht, als dergleichen angedeutet wird; z.B. in folgenden Stellen: Daß Jesajas entblößt und barfuß ging drei Jahre: Jes.20/3. Daß Jehovah dreimal dem Samuel rief und Samuel dreimal zu Eli lief, und Eli das dritte Mal es verstand: 1Sa.3/1-8. Daß Jonathan zu David sagte, er solle sich drei Tage auf dem Felde verbergen; daß Jonathan nachher nach der Seite eines Steines hin drei Pfeile abschoß, und hierauf David sich dreimal vor Jonathan verneigte:

1Sa.20/12-42. Daß Elias sich über den Sohn der Witwe dreimal maß: 1Kö.17/21. Daß Elias befahl, man solle dreimal Wasser über das Brandopfer gießen: 1Kö.18/34. Daß Jesus sagte, das Himmelreich sei gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm, und in drei Sea [Mehl] einknetete, bis das Ganze durchsäuert ward: Matth.13/33. Daß Jesus zu Petrus sagte, dieser werde ihn dreimal verleugnen: Matth.26/34. Daß Jesus dreimal zu Petrus sagte: liebst du Mich?: Joh.21/15-17. Daß Jonas drei Tage und drei Nächte im Bauch des großes Seetieres war: Jon.2/[1,]

2. Daß Jesus sagte, man solle den Tempel niederreißen, und Er werde denselben in drei Tagen wieder aufbauen: Matth.26/61. Daß Jesus in Gethsemane dreimal betete: Matth.26/39-44. Daß Jesus am dritten Tag auferstand: Matth.28/1; außer vielen anderen Stellen, in denen drei genannt werden; und sie werden genannt, wo von einem beendigten und vollkommenen Werk die Rede ist, weil dieses durch jene Zahl bezeichnet wird.

212. Es sind drei Himmel, ein oberster, ein mittlerer und ein unterster. Der oberste Himmel bildet das himmlische Reich des Herrn, der mittlere Himmel bildet Sein geistiges Reich, und der unterste immel bildet Sein natürliches Reich. Gleichwie es drei Himmel gibt, so gibt es auch drei Sinne des Wortes, einen himmlischen, einen geistigen und einen natürlichen; womit auch zusammentrifft, was oben Nr. 210 gesagt worden ist, daß nämlich das Erste im Mittleren, und durch das Mittlere im Letzten sei, ganz wie der Endzweck in der Ursache, und durch die Ursache in der Wirkung. Daraus erhellt, wie das Wort beschaffen ist, daß nämlich in seinem Buchstabensinn, welcher der natürliche ist, ein inwendiger Sinn sei, welcher der geistige, und in diesem ein innerster, welcher der himmlische ist; und daß so der letzte Sinn, welcher der natürliche ist und der Buchstabensinn heißt, die Hülle, Grundlage und Stütze der beiden inwendigeren Sinne ist.

213. Hieraus folgt, daß das Wort ohne den Sinn seines Buchstabens wie ein Palast ohne Grundlage wäre, somit wie ein in der Luft, und nicht auf der Erde befindlicher Palast, der nur ein Schatten davon sein und verschwinden würde. Dann auch, daß das Wort ohne den Sinn seines Buchstabens wie ein Tempel wäre, in dem viele Heiligtümer sind und in seiner Mitte ein Allerheiligstes, ohne Dach und Wand, welche dessen Einhüllungen sind, und bei deren Mangel oder Wegnahme seine heiligen Dinge von Dieben geraubt und von Tieren der Erde und von Vögeln des Himmels verletzt, und so zerstreut würden. Es wäre gerade wie die Stiftshütte der Kinder Israels in der Wüste, in deren Innerstem die Bundeslade war, und in ihrer Mitte der goldene Leuchter, der goldene Altar, auf dem das Rauchwerk, dann der Tisch, auf dem die Schaubrote waren, ohne ihr Letztes, bestehend aus den Vorhängen, Decken und Säulen. Ja das Wort ohne den Sinn seines Buchstabens wäre wie ein menschlicher Leib ohne seine Hüllen, die man Häute nennt, und ohne die Stützen, die man Knochen nennt; ohne jene und diese würde all sein Inwendiges auseinanderfallen. Auch wäre es wie das Herz und die Lunge in der Brust ohne ihre Hülle, welche man das Brustfell, und ohne ihre Stützen, welche man die Rippen heißt. Oder wie das Gehirn, ohne seine Hüllen, welche man die dicke und die dünne Hirnhaut, und ohne ihre gemeinsame Bedeckung, Umkleidung und Befestigung, welche man die Hirnschale nennt. Ebenso verhielte es sich mit dem Wort ohne den Sinn seines Buchstabens; weshalb es auch bei Jes.4/5 heißt, daß Jehovah über alle Herrlichkeit eine Decke schaffe.