Der, welcher niemals Buße getan, oder nie einen Blick in sich selbst geworfen und sich erforscht hat, weiß zuletzt nicht mehr, was das verdammliche Böse, und was das heilbringende Gute ist

564. Weil in der protestantischen Christenheit nur wenige Buße tun, so ist noch beigefügt worden, daß, wer nicht in sich geblickt und sich erforscht hat, zuletzt nicht weiß, was verdammliches Böses, und was heilbringendes Gutes ist; denn er hat keine Religion, aus der er dies wissen könnte; denn das Böse, das der Mensch nicht sieht, erkennt und anerkennt, das bleibt; und was bleibt, das wurzelt mehr und mehr ein, bis es zuletzt das Inwendige seines Gemütes überbaut, wodurch der Mensch zuerst natürlich, dann sinnlich, und zuletzt körperlich wird, und dieser und jener kennt keinerlei verdammliches Böses, noch heilbringendes Gutes. Er wird wie ein Baum auf hartem Felsen, der in den Ritzen von diesem Wurzeln schlägt, und weil es an Feuchtigkeit fehlt, verdorrt. Jeder gehörig erzogene Mensch ist vernünftig und moralisch; allein zur Vernünftigkeit gibt es zwei Wege, einen von der Welt her, und einen vom Himmel her; wer vernünftig und moralisch geworden ist von der Welt her, und nicht auch vom Himmel her, ist nur mit Mund und Gebärde vernünftig und moralisch, inwendig aber ist er ein Tier, ja ein wildes Tier, weil er in eins zusammenwirkt mit denen, die in der Hölle sind, wo alle von der Art sind. Wer hingegen auch vom Himmel her vernünftig und moralisch ist, der ist wahrhaft vernünftig und moralisch, weil zugleich mit Geist, Mund und Leib. In diesen beiden ist das Geistige inwendig wie die Seele, und setzt das Natürliche, das Sinnliche und das Körperliche in Tätigkeit, und wirkt auch mit denen, die im Himmel sind, in eines zusammen; es gibt daher einen geistig vernünftigen und moralischen Menschen, und auch einen bloß natürlich vernünftigen und moralischen Menschen, und der eine wird vom anderen in der Welt nicht unterschieden, besonders wenn er sich die Heuchelei durch Übung angeeignet hat, wohl aber werden sie von seiten der Engel so sicher unterschieden, wie die Tauben von den Uhus und wie die Schafe von den Tigern. Der bloß natürliche Mensch kann das Böse und Gute bei anderen sehen, und auch sie zurechtweisen; weil er aber nicht in sich selbst geblickt und sich erforscht hat, so sieht er keinerlei Böses bei sich, und wenn auch dergleichen von einem anderen aufgedeckt wird, so verhüllt er es mittelst seiner Vernunftfähigkeit, wie die Schlange ihren Kopf mit Staub, und versenkt sich darein, wie die Hornisse in Mist. Dies tut die Lust des Bösen, die ihn, wie der Dunst den Sumpf, umfließt, und die Lichtstrahlen aufsaugt und erstickt; die höllische Lust ist nichts anderes; diese dunstet aus ihr hervor und fließt in jeden Menschen ein, allein in die Fußsohlen, den Rücken und das Hinterhaupt desselben; wird sie aber aufgenommen vom Haupt im Vorderteil, und vom Leib in der Brust, so wird ein solcher Mensch der Hölle zu eigen gegeben. Der Grund ist, weil das große Gehirn des Menschen dem Verstande und der Weisheit in ihm, das kleine Gehirn aber dem Willen und dessen Liebe gewidmet ist; und dies verursacht, daß es zwei Gehirne gibt. Jene höllische Lust wird aber einzig durch das geistig Vernünftige und Moralische gebessert, umgebildet und umgewandt.

565. Es folgt nun eine kurze Schilderung des bloß natürlich vernünftigen und moralischen Menschen, der an sich betrachtet sinnlich, und wenn er fortfährt, körperlich oder fleischlich wird. Diese Schilderung soll aber in einem kurzen, in Teile zerlegten Abriß geschehen. Das Sinnliche ist das Letzte des Lebens des menschlichen Gemüts, anhängend und zusammenhängend mit den fünf Sinnen seines Körpers. Ein sinnlicher Mensch heißt derjenige, der alles nach den Sinnen des Körpers beurteilt, und der nichts glaubt, als was er mit den Augen sehen und mit den Händen greifen kann, indem er dieses für etwas Reelles erklärt, das übrige aber verwirft. Das Inwendige seines Gemüts, das aus dem Licht des Himmels sieht, ist verschlossen, so daß er nichts Wahres sieht, das zum Himmel und der Kirche gehört. Ein solcher Mensch denkt im Äußersten, und nicht inwendig aus irgendwelchem geistigen Licht, weil er im groben natürlichen Licht ist; dies verursacht, daß er im Inneren gegen die Dinge des Himmels und der Kirche ist, obgleich er im Äußeren für sie reden kann, und zwar mit Feuer je nach der Aussicht auf Herrschaft und Reichtum mittelst derselben. Die Gelehrten und Gebildeten, die sich tief im Falschen begründet haben, und noch mehr die, welche gegen die Wahrheiten des Wortes sich bestärkt haben, sind mehr als die übrigen sinnlich. Die sinnlichen Menschen raisonnieren mit Schärfe und Gewandtheit, weil ihr Denken der Rede nahe liegt, und beinahe in ihr, und wie in den Lippen ist, und weil sie in das Reden aus dem bloßen Gedächtnis alle Verständigkeit setzen, und dann auch, weil sie das Falsche mit Geschicklichkeit begründen können, und nach der Begründung es für wahr halten; allein sie vernünfteln und begründen aus den Sinnestäuschungen, von denen der große Haufe eingenommen und überredet wird. Die sinnlichen Menschen sind schlauer und bösartiger als die anderen. Geizige, Ehebrecher und Ränkeschmiede sind vorzugsweise sinnlich, obgleich sie vor der Welt als geistreich erscheinen. Das Inwendige ihres Gemüts ist häßlich und schmutzig; durch dasselbe stehen sie in Gemeinschaft mit der Hölle; im Wort heißen sie Tote. Die, welche in den Höllen sind, sind sinnlich, und umso mehr, je tiefer sie darin sind. Die Sphäre der höllischen Geister verbindet sich mit dem Sinnlichen des Menschen von hinten her, und im Licht des Himmels erscheint ihr Hinterhaupt als ausgehöhlt. Die, welche bloß aus Sinnlichem vernünftelten, wurden von den Alten ‚Schlangen des Baumes der Erkenntnis‘ genannt. Die sinnlichen Dinge sollen die letzte Stelle einnehmen, und nicht die erste, und beim weisen und verständigen Menschen nehmen sie auch wirklich die letzte Stelle ein, und sind dem Inwendigen unterworfen, beim unweisen Menschen hingegen nehmen sie die erste Stelle ein, und sind herrschend. Wenn die Sinnendinge die letzte Stelle einnehmen, so wird durch sie der Weg zum Verstand geöffnet, und es werden die Wahrheiten gereinigt durch eine Art von Ausziehungsprozeß. Diese Sinnendinge liegen der Welt zunächst und nehmen auf, was von der Welt her zufließt, und sieben es gleichsam durch. Der Mensch steht durch die Sinnendinge mit der Welt in Gemeinschaft, und durch die ins Gebiet der Vernunft Gehörigen mit dem Himmel. Die Sinnendinge reichen solches dar, was dem Inwendigen des Gemütes dient. Es gibt Sinnendinge, die dem Verstandesgebiet, und solche, die dem Willensgebiet Handreichung tun. Wofern nicht das Denken über die Sinnendinge erhoben wird, hat der Mensch nur wenig Weisheit; wird aber sein Denken über die Sinnendinge erhoben, so gelangt der Mensch in helleres Licht, und zuletzt in das himmlische Licht, und nimmt dann solches wahr, was vom Himmel herabfließt. Das letzte des Verstandes ist das natürliche Wissen, und das letzte des Willens das sinnlich Angenehme.

566. Der Mensch ist seinem natürlichen Menschen nach dem Tier ähnlich; er nimmt das Bild des Tieres an durch das Leben, und deshalb erscheinen in der geistigen Welt um solche her Tiere jeder Art, die Entsprechungen sind; denn das Natürliche des Menschen ist an sich betrachtet bloß tierisch. Weil ihm aber das Geistige hinzugegeben ist, so kann er ein Mensch werden, und wird er es nicht kraft des Vermögens es zu können, so kann er einen Menschen nachlügen, ist jedoch immerhin ein redendes Tier; denn er redet aus dem Natürlich-Vernünftigen, denkt aber aus geistiger Raserei, und er handelt aus dem Natürlich- Moralischen, liebt aber aus geistiger Geilheit. Seine Handlungen sind, vom geistig vernünftigen Menschen betrachtet, kaum etwas anderes, als der Tanz eines von der Tarantel Gestochenen, welcher der Veitstanz oder Gui genannt wird. Wer weiß nicht, daß der Heuchler von Gott, der Räuber von der Redlichkeit, der Ehebrecher von der Keuschheit reden kann, und so weiter; allein wenn dem Menschen nicht die Gabe verliehen wäre, die Tür zwischen den Gedanken und den Reden, und zwischen den Absichten und den Handlungen zu verschließen und zu öffnen, und wenn nicht die Klugheit oder Schlauheit der Türsteher daselbst wäre, so würde er unbändiger als jedes wilde Tier in Verruchtes und Grausames sich stürzen. Jene Türe wird aber jedem nach dem Tode geöffnet, und dann erscheint er wie er war; er wird jedoch in Banden und Gewahrsam gehalten durch Strafen in der Hölle. Darum, geneigter Leser, blicke in dich, und forsche ein und das andere Böse bei dir aus, und schaffe es aus Religion zur Seite. Geschieht es aus einem anderen Vorsatz oder Endzweck, so schaffst du es nicht weiter zur Seite, als daß es vor der Welt nicht erscheint.

567. Diesem sollen folgende Denkwürdigkeiten beigefügt werden. Zuerst diese: Ich wurde plötzlich von einer beinahe tödlichen Krankheit überfallen. Der ganze Kopf war beschwert, ein pestilenzialischer Dampf aus dem Jerusalem, das Sodom und Ägypten heißt, Offb.11/8, war in ihn eingedrungen. Halbtot, mit heftigem Schmerz, erwartete ich das Ende. So lag ich vierhalb Tage in meinem Bett. In diesen Zustand war mein Geist, und durch ihn auch mein Körper, gebracht worden; und nun hörte ich um mich her Stimmen, welche sprachen: Seht, da liegt er tot auf der Gasse unserer Stadt, er, der Buße zur Vergebung der Sünden, und Christus den alleinigen Menschen gepredigt hatte! Und sie fragten einige von der Geistlichkeit: Ist er wert begraben zu werden? Diese sagten: Nein, er möge zur Schau daliegen, und sie gingen weg, und kehrten wieder zurück und spotteten. Wirklich war mir so geschehen, als das elfte Kapitel der Offenbarung erklärt wurde. Hierauf ließen sich starke Hohnworte, besonders folgende hören: Wie kann man Buße tun ohne den Glauben, wie den Menschen Christus als Gott anbeten? Wenn wir aus Gnaden selig werden, ohne all unser Verdienst, was bedarf es dann weiter als des bloßen Glaubens, daß Gott der Vater den Sohn gesandt habe, die Verdammnis des Gesetzes aufzuheben, Sein Verdienst uns zuzurechnen, hierdurch uns vor Ihm zu rechtfertigen, und durch den Mund des Geistlichen uns von Sünden loszusprechen, und dann den Heiligen Geist mitzuteilen, damit er alles Gute in uns wirke? Ist dies nicht der Schrift und auch der Vernunft gemäß? Diesem klatschte die dabeistehende Menge Beifall zu. Ich hörte es, ohne antworten zu können, weil ich beinahe tot dalag. Nach vierhalb Tagen aber erstarkte mein Geist, und ich ging in ihm von der Gasse in die Stadt und sprach abermals: Tut Buße, und glaubt an Christum, und eure Sünden werden euch vergeben, und ihr werdet selig werden; wo nicht, so werdet ihr verlorengehen! Hat nicht der Herr selbst Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt, und daß man an Ihn glauben solle? Hat Er nicht den Jüngern befohlen, daß sie dasselbe predigen sollen? Ist nicht völlige Sicherheit des Lebens eine Folge der Lehre eures Glaubens? Allein sie sagten: Was schwatzest du? Hat nicht der Sohn genug getan? Und rechnet nicht der Vater es zu, und rechtfertigt uns, die wir dies glauben? Werden wir aber so vom Geist der Gnade geleitet, was ist dann aus der Sünde in uns geworden, was hat dann der Tod noch mit uns zu schaffen? Fassest du dies Evangelium, du Herold der Sünde und der Buße!? Hier kam aber eine Stimme aus dem Himmel, welche sprach: Was ist der Glaube des Unbußfertigen anders als tot? Das Ende kommt, es kommt das Ende über euch, Satane, die ihr sicher, in euren Augen schuldlos, in eurem Glauben gerechtfertigt seid! Und nun öffnete sich plötzlich mitten in der Stadt ein tiefer Abgrund, der immer weiter und weiter wurde; und ein Haus fiel über das andere, und sie wurden verschlungen; und gleich darauf brauste aus dem weiten Schlund kochendes Wasser herauf und überschwemmte die Wüste. Nachdem sie auf diese Weise versunken, und wie es schien, überschwemmt waren, wünschte ich ihr Schicksal in der Tiefe zu wissen, und es ward mir aus dem Himmel gesagt: Du sollst es sehen und hören! Und alsbald waren verschwunden vor meinen Augen die Wasser, von denen sie überschwemmt zu sein schienen (denn die Wasser in der geistigen Welt sind Entsprechungen, und erscheinen daher um diejenigen her, die sich im Falschen befinden); und nun sah ich sie auf sandigem Grund, wo Steinhaufen zusammengetragen waren, zwischen denen sie herumliefen und jammerten, daß sie aus ihrer großen Stadt herabgeworfen worden seien, und dann ein Geschrei erhoben und riefen: Warum uns dieses? Sind wir nicht durch unseren Glauben rein, lauter, gerecht, heilig? Sind wir nicht durch unseren Glauben gereinigt, geläutert, gerechtfertigt und geheiligt? Und andere: Sind wir nicht durch unseren Glauben so geworden, daß wir vor Gott dem Vater als rein, lauter, gerecht und heilig erscheinen, dafür angesehen und geachtet, und vor den Engeln dafür erklärt werden? Sind wir nicht versöhnt, begnadigt, entsündigt, und folglich losgekauft, gewaschen und gesäubert von den Sünden? Hat nicht Christus die Verdammnis des Gesetzes aufgehoben? Warum sind wir also als Verdammte hier herabgeworfen worden? Wir hörten einen verwegenen Herold der Sünde in unserer großen Stadt rufen: Glaubet an Christus und tut Buße! Haben wir nicht an Christus geglaubt, wenn wir an Sein Verdienst geglaubt? Und haben wir nicht Buße getan, wenn wir bekannt haben, daß wir Sünder seien? Warum ist uns also dies widerfahren? Allein hier hörte man eine Stimme von der Seite her zu ihnen sprechen: Wißt ihr auch irgendeine Sünde, in der ihr seid? Habt ihr euch je geprüft, und infolgedessen irgendein Böses als Sünde wider Gott geflohen? Und wer es nicht flieht, ist er nicht in demselben? Ist nicht die Sünde der Teufel? Darum seid ihr die, von denen der Herr sagt: „Dann werdet ihr anheben zu sagen: Wir haben vor Dir gegessen und getrunken, und auf unseren Gassen hast Du gelehrt. Er aber wird sprechen: Ich sage euch, Ich kenne euch nicht, woher ihr seid: weichet alle von Mir, ihr Übeltäter!“: Luk.13/26,27, und dann auch die, von denen Er Matth.7/22,23 spricht. Entfernt euch also, jeder an seinen Ort! Ihr seht Öffnungen, die in Höhlen führen; in diese gehet ein, so wird einem jeden von euch sein Werk darin angewiesen, und dann dem Werk gemäß auch Speise gereicht werden; wo nicht, so wird euch der Hunger antreiben, hineinzugehen. Hierauf erging eine Stimme aus dem Himmel an einige auf der Erde, die sich außerhalb jener großen Stadt befunden hatten, und von denen auch Kap.11/13, die Rede ist. Hütet euch, rief sie laut, hütet euch vor der Gemeinschaft mit solchen! Könnt ihr nicht einsehen, daß das Böse, das Sünde und Missetat heißt, den Menschen unrein und unlauter macht? Wie kann aber der Mensch davon gereinigt und geläutert werden, wenn es nicht durch wirkliche Buße und durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus geschieht? Wirkliche Buße ist, sich prüfen, seine Sünden kennenlernen und anerkennen, sich derselben wegen anklagen, sie vor dem Herrn bekennen, Seine Hilfe und Macht zum Widerstand gegen dieselben anflehen, und so von ihnen ablassen und ein neues Leben führen, und dies alles wie von euch. Tut dies ein- oder zweimal im Jahr, wenn ihr zum heiligen Abendmahl geht; und nachher, wann die Sünden, deren ihr euch angeklagt, zurückkehren, so sprechet zu euch: Wir wollen dies nicht, weil es Sünde wider Gott ist! Dies ist die wirkliche Buße. Wer kann nicht einsehen, daß jeder, der seine Sünden nicht untersucht und sieht, in denselben bleibt, da alles Böse von der Geburt her angenehm ist? Oder ist es nicht angenehm, sich zu rächen, Unzucht zu treiben, zu betrügen und zu lästern, besonders aber zu herrschen aus Liebe zu sich? Und macht nicht das Angenehme, daß man es nicht sieht? Und wenn etwa gesagt wird, daß es Sünde sei, entschuldigt ihr es alsdann nicht um seines Angenehmen willen? Ja bestärkt ihr euch nicht durch Falsches, daß es keine Sünde sei? Und bleibt ihr nicht auf diese Weise in demselben, und begehet es nachher mehr als zuvor, und dies bis zu dem Punkt, daß ihr nicht mehr wisset, was Sünde ist, ja selbst, ob es eine Sünde gibt? Anders aber geschieht es mit jedem, der wirklich Buße getan hat. Ein solcher heißt sein Böses, das er kennengelernt und anerkannt hat, Sünde, und fängt deshalb an, es zu fliehen und zu verabscheuen, und zuletzt das Angenehme desselben als etwas Unangenehmes zu fühlen; und inwieweit dies geschieht, sieht und liebt er das Gute, und fühlt zuletzt auch das Angenehme von diesem, welches das Angenehme der Engel des Himmels ist. Mit einem Wort, inwieweit jemand den Teufel hinter sich wirft, insoweit wird er vom Herrn an Kindes statt angenommen und von Ihm gelehrt, geführt, vom Bösen abgehalten und im Guten erhalten. Dies ist der Weg, und es gibt keinen anderen aus der Hölle in den Himmel. Wunderbar ist aber, daß den Protestanten ein gewisses eingepflanztes Sträuben, Zögern und ein Widerwille gegen die wirkliche Buße eigen ist, der so groß ist, daß sie sich nicht dazu bringen können, sich zu prüfen, ihre Sünden zu sehen, und sie vor Gott zu bekennen; es ist, als ob sie ein Schauder überfiele, wenn sie es tun wollen. Ich fragte sehr viele in der geistigen Welt darüber und sie sagten alle, daß es über ihr Kräfte gehe. Als sie hörten, daß die Katholiken es gleichwohl tun, daß sie nämlich sich prüfen, und ihre Sünden offen und frei vor einem Mönch bekennen, so wunderten sie sich sehr, und überdies, daß die Protestanten es nicht einmal im Verborgenen vor Gott tun können, obgleich dies auch ihnen aufgelegt ist, bevor sie zum heiligen Abendmahl gehen. Und einige daselbst untersuchten auch, woher dies komme, und sie fanden, daß der bloße Glaube sie in einen solchen Zustand der Unbußfertigkeit gebracht, und ihnen ein solches Herz gegeben hat; und es ward ihnen dann auch gegeben zu sehen, daß von den Katholiken diejenigen selig werden, welche Christum anbeten, und die Heiligen nicht anrufen. Nach diesem hörte man eine Art von Donner, und eine aus dem Himmel redende Stimme, welche sprach: Wir wundern uns! Sprich zur Versammlung der Protestanten: Glaubet an Christum, und tut Buße, so werdet ihr selig werden! Da sprach ich es, und noch überdies: Ist nicht die Taufe ein Sakrament der Buße, und daher eine Einführung in die Kirche? Was anderes geloben die Paten für den Täufling, als daß er dem Teufel und seinen Werken absage? Ist nicht das heilige Abendmahl ein Sakrament der Buße, und daher eine Einführung in den Himmel? Sagt man nicht zu den Kommunikanten, daß sie vor dem Hinzugehen notwendig Buße tun müssen? Ist nicht der Katechismus eine allgemeine Lehre der christlichen Kirche, welche die Buße lehrt, und heißt es nicht in ihm in den sechs Geboten der zweiten Tafel: Dieses und jenes Böse sollst du nicht tun! Nicht aber: dieses und jenes Gute sollst du tun!? Hieraus könnt ihr wissen, daß man insoweit nach dem Guten strebt und es liebt, als man dem Bösen absagt und es verabscheut, und daß man früher nicht weiß, was gut, ja nicht einmal, was Böse ist.

568. Zweite Denkwürdigkeit. Welcher Fromme und Weise möchte nicht das Los seines Lebens nach dem Tode wissen? Ich will daher das Allgemeine offenbaren, damit man es wisse. Jeder Mensch wird nach dem Tode, wenn er fühlt, daß er noch lebt, und daß er in einer anderen Welt ist, und wenn er hört, daß über ihm der Himmel ist, wo ewige Freuden sind, und unter ihm die Hölle ist, wo ewige Schmerzen sind, - zuerst in sein Äußeres zurückversetzt, in dem er in der vorigen Welt war, und dann glaubt er, daß er gewiß in den Himmel kommen werde, und redet mit Verstand und handelt mit Klugheit; und einige sagen: Wir haben sittlich gut gelebt, nach dem Ehrenhaften gestrebt, und nicht mit Vorsatz Böses getan; und andere sagen: Wir haben die Kirchen besucht, die Messen angehört, die heiligen Bilder geküßt und auf den Knien Gebete gesprochen; und einige sagen: Wir haben den Armen gegeben, den Bedürftigen geholfen, haben Andachtsbücher und auch das Wort gelesen, und dergleichen mehr; nachdem sie aber so gesprochen, stehen ihnen Engel zur Seite und sagen: Das alles, was ihr erwähntet, habt ihr im Äußeren getan, ihr wisset aber noch nicht, wie ihr im Inneren beschaffen seid; ihr seid nun Geister in einem substantiellen Leib, und der Geist ist euer innerer Mensch; dieser ist es in euch, der denkt, was er will, und will, was er liebt, und dieses ist das Angenehme seines Lebens. Jeder Mensch beginnt von der Kindheit an das Leben vom Äußeren aus, und lernt moralisch handeln und verständig reden, und wenn er eine Vorstellung vom Himmel und von der Seligkeit in ihm gefaßt hat, so fängt er an zu beten, die Kirchen zu besuchen und die gottesdienstlichen Gebräuche mitzumachen, und doch dabei das Böse, wenn es aus seiner angestammten Quelle hervorsprudelt, im Busen seines Geistes zu bergen, und es auch sinnreich mit Vernünfteleien aus Täuschungen zu umhüllen, so sehr, daß er selbst nicht weiß, daß das Böse böse

ist; und nun, weil das Böse wie mit Staub umhüllt und bedeckt ist, so denkt er weiter nicht mehr darüber, sondern hütet sich bloß, daß es vor der Welt nicht erscheint. So legt er sich bloß auf ein sittlich gutes Leben im Äußeren, und wird so ein doppelter Mensch, wird ein Schaf im Äußeren, und ein Wolf im Inneren, und wie eine Büchse von Gold, in der inwendig Gift ist; und er wird wie jemand mit widrigem Atem, der etwas Aromatisches im Munde hält, damit die Dabeistehenden ihn nicht riechen; auch wird er wie das Fell einer Maus, das balsamisch riecht. Ihr sagtet, ihr hättet moralisch gelebt und euch den Übungen der Frömmigkeit hingegeben; ich frage aber, ob ihr jemals euren inneren Menschen erforscht und dann irgendwelche Gelüste von Rache bis zum Tod, von Ausschweifungen bis zum Ehebruch, von Betrug bis zum Diebstahl, von Lüge bis zum falschen Zeugnis wahrgenommen habt? In vier Vorschriften der Zehn Gebote heißt es: dies sollst du nicht tun, und in den zwei letzten heißt es: du sollst dich dessen nicht gelüsten lassen; glaubt ihr nun, euer innerer Mensch sei hierin eurem äußeren ähnlich gewesen, so seid ihr wohl im Irrtum. Darauf aber entgegneten sie: Was ist der innere Mensch? Ist er nicht einer und derselbe mit dem äußeren Menschen? Wir hörten von unseren Geistlichen, daß der innere Mensch nichts anderes als der Glaube, und die Frömmigkeit des Mundes und die Sittlichkeit des Lebens dessen Zeichen, weil das Werk desselben seien; worauf die Engel antworteten: Der seligmachende Glaube ist im inneren Menschen, ebenso die Liebtätigkeit, und von daher Treue und christliche Moralität im äußeren Menschen; und wenn die oben genannten Begierden im inneren Menschen, somit im Willen und hieraus im Denken bleiben, wenn ihr sie also im Inneren liebt, und dennoch im Äußeren anders handelt und redet, so ist dann bei euch das Böse über dem Guten, und das Gute unterhalb des Bösen; deshalb ist dann, wie sehr ihr auch immer wie aus dem Verstand redet und aus der Liebe handelt, inwendig Böses, und dieses in solcher Weise umhüllt; und dann seid ihr wie schlaue Affen, welche Handlungen ähnlich den menschlichen nachmachen, während ihr Herz weit davon entfernt ist. Welche Beschaffenheit aber euer innerer Mensch hat, von dem ihr nichts wisset, weil ihr euch nicht geprüft, und nach der Prüfung nicht Buße getan habt, werdet ihr nach der Zeit sehen, wenn ihr des äußeren Menschen entkleidet und in den inneren Menschen versetzt sein werdet, und wenn dies geschieht, werden weder eure Genossen, noch werdet ihr selbst euch mehr erkennen; ich sah da, wie die bösgesinnten Moralischen gleich wilden Tieren den Nächsten mit finsteren Augen anblickten, von inwendigem Haß glühten und Gott lästerten, Den sie im äußeren Menschen angebetet hatten. Als sie dies hörten, entfernten sie sich, und die Engel sagten dann: Ihr werdet euer Lebenslos in der Folge sehen, denn in kurzem wird euch der äußere Mensch genommen werden, und ihr werdet in den inneren eingehen, der nun euer Geist ist.

569. Dritte Denkwürdigkeit. Jede Liebe beim Menschen haucht ein Lustgefühl aus, durch das sie sich empfindbar macht, und zwar haucht sie es aus zunächst in den Geist, und von da aus in den Körper, und das Lustgefühl seiner Liebe zusamt dem Angenehmen des Denkens macht sein Leben aus. Diese Lustgefühle und Annehmlichkeiten werden vom Menschen, solang er im natürlichen Körper lebt, nur dunkel empfunden, weil dieser Körper sie niederschlägt und abschwächt; nach dem Tode hingegen, wenn der materielle Körper weggenommen, und so die Decke oder Bekleidung des Geistes entfernt worden ist, werden die Lustgefühle der Liebe und die Annehmlichkeiten seines Denkens vollständig empfunden und wahrgenommen, und merkwürdigerweise zuweilen wie Gerüche; dies verursacht, daß in der geistigen Welt alle, Jesajah nach ihren Lieblingsneigungen zusammengesellt werden: die im Himmel nach den ihrigen, die in der Hölle nach den ihrigen; die Gerüche, in welche sich die Lustgefühle der Lieblingsneigungen im Himmel verwandeln, werden alle wie Wohlgerüche, süße Düfte, angenehme Ausatmungen und Wonnegefühle empfunden, wie man sie am Morgen zur Zeit des Frühlings in Gärten, Blumenauen, Feldern und Wäldern empfindet; die Gerüche hingegen, in welche sich die Lustgefühle der Lieblingsneigungen derjenigen verwandeln, die in der Hölle sind, werden als Qualm, Gestank und Faulgeruch empfunden, dergleichen aus Kloaken, Aase und Lachen voller Unrat und Mistjauche aufsteigen; und merkwürdigerweise riechen die Teufel und Satane daselbst dieselben wie Balsam, Gewürz und Weihrauch, wovon ihnen Nase und Herz erquickt wird. In der natürlichen Welt ist auch den wilden Tieren, den Vögeln und den Würmern gegeben, sich nach den Gerüchen zusammenzugesellen, nicht aber jetzt schon den Menschen, bevor sie den Körper als die Hülle abgelegt haben. Dies verursacht, daß der Himmel auf das genaueste geordnet ist nach allen Verschiedenheiten der Liebe zum Guten, und die Hölle im Gegensatz nach allen Verschiedenheiten der Liebe zum Bösen; eine Folge dieses Gegensatzes ist, daß zwischen Himmel und Hölle eine Kluft ist, welche nicht überschritten werden kann; denn die, welche im Himmel sind, ertragen nicht irgendwelchen Geruch der Hölle, weil er ihnen Übelkeit und Erbrechen erregt, und sie mit Ohnmacht

bedroht, wenn sie ihn einziehen; ähnliches geschieht denen, die in der Hölle sind, wenn sie die Mitte dieser Kluft überschreiten. Ich sah einst einen von ferne wie ein Pardel erscheinenden Teufel, der vor einigen Tagen unter den Engeln des untersten Himmels gesehen worden war, und die Kunst verstand, sich in einen Engel des Lichts zu verstellen, über die Mitte hinübergehen, und zwischen zwei Ölbäumen stehen, ohne irgendeinen seinem Leben feindlichen Geruch zu empfinden; die Ursache war, weil die Engel nicht zugegen waren; sobald sie aber zugegen waren, wurde er von krankhaften Zuckungen ergriffen und fiel, an allen Gliedmaßen gelähmt, hinab, und erschien dann wie eine große Schlange, die sich in Krümmungen zusammenwand und zuletzt sich durch die Kluft hinabwälzte, und von den Ihrigen aufgenommen und in eine Höhle getragen wurde, wo sie durch den üblen Geruch ihres Lustgefühls wieder auflebte. Einst sah ich auch einen Satan, der von den Seinigen bestraft wurde; ich fragte nach der Ursache, und man sagte, er sei mit zugestopfter Nase zu denen hingetreten, die im Geruch des Himmels waren, und sei dann zu ihnen zurückgekommen und habe diesen Geruch an seinen Kleidern mitgebracht. Einige Male geschah es, daß aus einer geöffneten Höhle der Hölle ein Gestank wie von einem Aas in meine Nase drang und Erbrechen erregte. Hieraus kann erhellen, woher es kommt, daß im Wort das Riechen ein Innewerden bedeutet; denn es heißt öfter, Jehovah habe von den Brandopfern einen lieblichen Geruch gerochen; dann auch, warum das Salböl und das Rauchwerk aus stark riechenden Dingen bereitet wurde, und umgekehrt, warum den Kindern Israels geboten wurde, die unreinen Dinge aus ihrem Lager hinauszutragen außerhalb des Lagers, und warum sie die Ausleerungen des Leibes vergraben und bedecken sollten: 5Mo.23/12,13; der Grund war, weil das Lager Israels den Himmel vorbildete, und die Wüste außerhalb des Lagers die Hölle vorbildete.

570. Vierte Denkwürdigkeit: Einst sprach ich mit einem neu angekommenen Geist, der, solange er in der Welt war, viel über den Himmel und die Hölle nachgedacht hatte; unter den neu angekommenen Geistern werden die kürzlich verstorbenen Menschen verstanden, welche, weil sie nun geistige Menschen sind, Geister heißen. Jener nun begann, sobald er in die geistige Welt eingetreten war, in gleicher Weise über Himmel und Hölle nachzudenken, und erschien sich, wenn er an den Himmel dachte, in Fröhlichkeit, und wenn an die Hölle, in Traurigkeit. Als er wahrnahm, daß er in der geistigen Welt sei, fragte er sogleich, wo der Himmel und wo die Hölle sei, und dann auch, was und wie beschaffen der eine und die andere sei; und man antwortete: Der Himmel ist über deinem Haupt, und die Hölle ist unter deinen Füßen; denn du bist jetzt in der Geisterwelt, die in der Mitte zwischen Himmel und Hölle ist; allein was und wie beschaffen der Himmel und was und wie beschaffen die Hölle ist, können wir nicht so mit wenigem beschreiben; und nun, da er vor Begierde brannte, sie kennenzulernen, warf er sich auf die Knie nieder und betete andächtig zu Gott um Belehrung, und siehe, da erschien ein Engel zu seiner Rechten und richtete ihn auf und sprach: Du flehtest um Belehrung über Himmel und Hölle; forsche und lerne, was das Lustgefühl ist, und du wirst es erkennen! Und nachdem er dies gesagt, ward der Engel emporgehoben. Da sprach der neu angekommene Geist zu sich: Was soll das heißen: forsche und lerne, was das Lustgefühl ist, und du wirst erkennen, was und wie beschaffen der Himmel und die Hölle ist. Bald darauf entfernte er sich von jenem Ort, schweifte umher, und redete die ihm Begegnenden an mit den Worten: Saget mir doch gefälligst, was das Lustgefühl ist; und einige sagten: Was ist das für eine Frage? Wer weiß nicht, was das Lustgefühl ist? Ist es nicht Freude und Fröhlichkeit? Das Lustgefühl ist also Lustgefühl, das eine wie das andere, wir wissen keinen Unterschied. Andere sagten, das Lustgefühl sei ein Lachen des Gemüts; denn wenn das Gemüt lacht, so ist das Gesicht heiter, die Rede scherzend, die Gebärde spielend, und der ganze Mensch in Lustgefühl; andere aber sagten: Das Lustgefühl ist nichts anderes, als Schmausen und Leckerbissen essen, und trinken und sich von edlem Wein berauschen, und dann über verschiedene Dinge plaudern, besonders über der Venus und des Cupido Spiele. Als er dies hörte, sagte der neu angekommene Geist unwillig zu sich: Diese Antworten sind die eines Ungebildeten und nicht eines Gebildeten, diese Lustgefühle sind nicht der Himmel noch die Hölle; möchte ich doch mit Weisen zusammentreffen! Und er ging von ihnen hinweg und fragte, wo Weise seien; und nun wurde er von einem Engelgeist erblickt, welcher sagte: Ich bemerke, daß du von Begierde brennst zu wissen, was das Universelle des Himmels und das Universelle der Hölle ist, und weil dies das Lustgefühl ist, so will ich dich auf einen Hügel hinführen, wo täglich diejenigen zusammenkommen, welche die Wirkungen aufsuchen, und diejenigen, welche den Ursachen nachspüren, und diejenigen, welche die Endzwecke erforschen. Diejenigen, welche die Wirkungen aufsuchen, heißen Geister der Wissenschaften, und abstrakt genommen Wissenschaften; und diejenigen, welche den Ursachen nachspüren, heißen Geister der Einsicht, und abstrakt genommen Einsichten; und diejenigen, welche die Endzwecke erforschen, heißen Geister der Weisheit, abstrakt genommen Weisheiten; gerade über ihnen im Himmel sind die Engel, welche aus den Endzwecken die Ursachen, und aus den Ursachen die Wirkungen sehen; von diesen Engeln kommt jenen drei Versammlungen Erleuchtung. Nun ergriff er den neu angekommenen Geist bei der Hand und führte ihn auf den Hügel und zu der Versammlung, die aus solchen bestand, welche die Endzwecke erforschen und Weisheiten heißen; zu diesen sprach derselbe: Verzeiht, daß ich zu euch heraufgekommen bin; der Grund ist der: Ich habe von meinem Knabenalter an über den Himmel und die Hölle nachgedacht, und bin kürzlich in diese Welt gekommen, und einige, die sich mir dann beigesellten sagten, der Himmel sei über meinem Haupt, und die Hölle unter meinen Füßen; sie sagten aber nicht, was und wie beschaffen der eine und die andere sei; weshalb ich, durch anhaltendes Nachdenken darüber ängstlich geworden, zu Gott betete, worauf ein Engel bei mir stand und sagte: Forsche und lerne, was das Lustgefühl ist, und du wirst es erkennen! Ich forschte auch, aber bis jetzt vergebens; ich bitte daher, lehrt mich, wenn es gefällig ist, was das Lustgefühl ist. Hierauf erwiderten die genannten Weisheiten: Das Lustgefühl ist alles, was das Leben eines jeden im Himmel ausmacht, und alles, was das Leben eines jeden in der Hölle ausmacht; die im Himmel haben das Lustgefühl des Guten und Wahren, die in der Hölle hingegen das Lustgefühl des Bösen und Falschen; denn alles Lustgefühl gehört einer Liebe an, und die Liebe ist das Sein des Lebens des Menschen; wie daher der Mensch Mensch ist Jesajah nach der Beschaffenheit seiner Liebe, so ist er Mensch Jesajah nach der Beschaffenheit seines Lustgefühls; die Tätigkeit der Liebe macht die Empfindung des Lustgefühls, ihre Tätigkeit im Himmel ist mit Weisheit, und ihre Tätigkeit in der Hölle ist mit Raserei verknüpft, beide stellen in ihren Subjekten das Lustgefühl heraus. Die Himmel und die Höllen sind aber in entgegengesetzten Lustgefühlen: die Himmel in der Liebe zum Guten, und daher im Lustgefühl des Wohltuns, die Höllen hingegen in der Liebe zum Bösen, und daher im Lustgefühl des Übeltuns. Erkennst du also, was das Lustgefühl ist, so wirst du auch erkennen, was und wie beschaffen der Himmel und die Hölle sind. Doch forsche und lerne noch, was das Lustgefühl ist, von denen, die den Ursachen nachspüren und Einsichten heißen; sie sind von hier aus zur Rechten; und er ging weg, trat hinzu und sagte den Grund seines Kommens, und bat um Belehrung, was das Lustgefühl sei; und diese, erfreut über die Frage, sagten: Es ist wahr, daß, wer das Lustgefühl erkennt, auch erkennt, was und wie beschaffen der Himmel und die Hölle ist. Der Wille, vermöge dessen der Mensch Mensch ist, wird auch nicht um ein Pünktchen fortbewegt, wenn nicht durch das Lustgefühl; denn der Wille ist an sich betrachtet nichts als die Neigung irgendeiner Liebe, somit eines Lustgefühls, denn es ist stets etwas Vergnügliches und daher Angenehmes, was das Wollen verursacht, und weil der Wille den Verstand zum Denken in Bewegung setzt, so gibt es nicht ein Kleinstes des Denkens, das nicht von einem einfließenden Lustgefühl des Willens herrührte. Daß dem so ist, kommt daher, daß der Herr durch einen Einfluß von Sich alles in der Seele, und alles im Gemüt bei den Engeln, Geistern und Menschen in Tätigkeit setzt, und zwar es in Tätigkeit setzt durch einen Einfluß der Liebe und Weisheit, und dieser Einfluß die Tätigkeit selbst ist, von der alles Lustgefühl herrührt, das in seinem Ursprung das Beseligende, Heilbringende und Beglückende, und in seiner Ableitung das Anziehende, Angenehme und Vergnügliche, und im allumfassenden Sinn das Gute heißt. Allein die bösen Geister verkehren bei sich alles, somit das Gute in Böses, und das Wahre in Falsches, während immerfort das Lustgefühl bleibt, denn ohne das Fortbestehen des Lustgefühls hätten sie keinen Willen und keine Empfindung, somit kein Leben. Hieraus erhellt, was und wie beschaffen, und woher das Lustgefühl der Hölle ist, dann auch, was, wie beschaffen und woher das Lustgefühl des Himmels ist. Nachdem er dies gehört, ward er zur dritten Versammlung hingeführt, wo die waren, welche die Wirkungen aufsuchen und Wissenschaften heißen, und diese sagten: Steige hinab in die untere Erde, und steige hinauf in die obere Erde; in diesen wirst du die Annehmlichkeiten sowohl des Himmels als der Hölle inne werden und empfinden. Doch siehe, in einiger Entfernung von ihnen tat sich die Erde auf, und durch die Kluft stiegen drei Teufel herauf, welche feurig erschienen vom Lustgefühl ihrer Liebe; und weil die dem Geisterneuling beigesellten Engel wahrnahmen, daß jene drei infolge einer Fügung aus der Hölle heraufgestiegen waren, riefen sie den Teufeln zu: Tretet nicht näher, sondern von dem Ort aus, wo ihr seid, meldet etwas von euren Lustgefühlen; und sie antworteten: Wisset, daß jeglicher, er möge gut oder böse heißen, in seinem Lustgefühl ist, der sogenannte Gute im seinigen, und der sogenannte Böse im seinigen; und man fragte: Was ist euer Lustgefühl? Sie sagten, es sei die Lust, Unzucht zu treiben, sich zu rächen, zu betrügen, zu lästern; und man fragte wieder: Welche Beschaffenheit haben für euch jene angenehmen Dinge? Sie sagten: Von anderen werden dieselben empfunden wie der üble Geruch von Misthaufen und wie der Gestank von Leichen und wie die Dünste aus Urinlachen; und man fragte: Ist dergleichen euch angenehm? Sie sagten: Es ist höchst angenehm! und als man bemerkte:

Dann seid ihr wie die unreinen Tiere, die darin hausen! Erwiderten sie: Sind wir so, so mögen wir so sein; dennoch aber sind dergleichen die Wonnegenüsse unserer Nase. Auf die Frage: Was weiter? war ihre Antwort: Jedem ist gestattet, in seinem Lustreiz, auch dem unreinsten, wie man ihn nennt, zu sein, wenn er nur nicht die guten Geister und die Engel anfeindet. Weil wir aber aus unserem Lustgefühl nicht anders konnten, als sie anfeinden, so wurden wir in Zuchthäuser geworfen, in denen wir Hartes zu leiden haben; die Hemmung und Zurückdrängung unserer Lustgefühle daselbst ist, was man die Höllenqual nennt, und ist auch ein inwendiger Schmerz. Man fragte nun: Warum habt ihr die Guten angefeindet? Sie sagten: Wir konnten nicht anders; es ist, wie wenn uns eine Wut befiele, wenn wir einen Engel sehen und die göttliche Sphäre des Herrn um ihn her empfinden; worauf wir sagten: Dann seid ihr auch wirklich wie wilde Tiere. Und bald darauf, als sie den Geisterneuling mit den Engeln sahen, befiel sie eine teuflische Wut, die wie ein Feuer des Hasses erschien; weshalb sie, damit sie nicht Schaden zufügen möchten, in die Hölle geworfen wurden. Nach diesem erschienen Engel, die aus den Endzwecken die Ursachen sahen, und durch die Ursachen die Wirkungen; diese waren im Himmel über jenen drei Versammlungen und erschienen in glänzend weißem Licht, das in schneckenförmigen Schwingungen sich herabwindend, ein rundes Geflecht von Blumen mit sich brachte und es auf das Haupt des Geisterneulings setzte, wobei eine Stimme von da ihm zurief: Dieser Lorbeerkranz wird dir darum gegeben, weil du von Kindheit an über Himmel und Hölle nachgedacht hast.