VII. Das Wort ist in allen Himmeln, und aus ihm stammt die Engelweisheit

240. Daß das Wort in den Himmeln ist, ist bis jetzt noch nicht bekannt und konnte auch nicht bekannt werden, solange die Kirche nicht wußte, daß die Engel und Geister Menschen sind, an Gestalt und Leib völlig den Menschen in unserer Welt ähnlich, und daß bei ihnen in allen Beziehungen sich ähnliche Dinge finden wie bei den Menschen, nur mit dem Unterschied, daß sie geistig sind, und daß alles, was bei ihnen sich vorfindet, aus geistigem Ursprung ist, und daß die Menschen in der Welt natürlich und alles bei ihnen natürlichen Ursprungs ist. Solange dieses verborgen war, konnte man nicht wissen, daß das Wort auch in den Himmeln ist, und daß es von den Engeln daselbst, und auch von den Geistern, die unterhalb der Himmel sind, gelesen wird. Damit aber dies nicht fortwährend verborgen bleiben möge, ist mir gegeben worden, mit Engeln und Geistern umzugehen und mit ihnen zu reden und die bei ihnen befindlichen Dinge zu sehen, und hernach vieles, was ich gesehen und gehört habe, zu berichten. Dies ist geschehen in dem zu London im Jahr 1758 herausgegebenen Werk vom »Himmel und der Hölle«; aus welchem man sehen kann, daß die Engel und Geister Menschen sind, und daß sich bei ihnen alles in Menge findet, was bei den Menschen in der Welt ist. Daß die Engel und Geister Menschen sind, sehe man in jenem Werke Nr. 73 - 77 und Nr. 453 - 456; daß es bei ihnen ähnliche Dinge gibt wie bei den Menschen in der Welt, Nr. 170 - 190; dann auch, daß ein Gottesdienst und Predigten in den Tempeln bei ihnen sind: Nr. 221 - 227; und dann auch Schriften und Bücher: Nr. 258 - 264; und namentlich die Heilige Schrift, oder das Wort: Nr. 259.

241. Was das Wort im Himmel betrifft, so ist es in geistigem Stil geschrieben, der völlig verschieden ist vom natürlichen Stil. Der geistige Stil besteht aus lauter Buchstaben, deren jeder einen bestimmten Sinn in sich schließt, und es sind Strichlein, Häkchen und Punkte über und zwischen den Buchstaben, welche den Sinn erhöhen. Die Buchstaben bei den Engeln des geistigen Reiches gleichen den Druckbuchstaben in unserer Welt; und die Buchstaben bei den Engeln des himmlischen Reiches gleichen bei einigen den arabischen Buchstaben, bei anderen den althebräischen, sind jedoch oben und unten umgebogen, mit Zeichen oben, dazwischen und unten, von denen jedes auch einen ganzen Sinn in sich schließt. Weil dies die Beschaffenheit ihrer Schrift ist, so sind die Namen der Personen und Orte im Wort bei ihnen durch Zeichen ausgedrückt, an denen die Weisen erkennen, welches Geistige und Himmlische durch jeglichen bezeichnet wird, wie z.B. durch Moses das durch ihn geschriebene Wort Gottes, und im allgemeinen Sinne das historische Wort; durch Elias das Prophetische, durch Abraham, Isaak und Jakob der Herr hinsichtlich des himmlisch Göttlichen, des geistig Göttlichen und des natürlich Göttlichen; durch Aharon das Priestertum, durch David das Königtum, nämlich beides des Herrn; durch die Namen der zwölf Söhne Jakobs, oder der zwölf Stämme Israels das Mannigfaltige des Himmels und der Kirche; ähnliches durch die Namen der zwölf Jünger des Herrn. Durch Zion und Jerusalem die Kirche hinsichtlich der Lehre aus dem Wort; durch das Land Kanaan die Kirche selbst; durch die Orte und Städte darin diesseits und jenseits des Jordans die mannigfaltigen Dinge der Kirche und ihrer Lehre. Ähnliche Bewandtnis hat es mit den Zahlen, auch diese sind nicht in den Büchern des Wortes, die im Himmel sind, sondern statt derselben die Dinge, denen die Zahlen entsprechen. Hieraus kann erhellen, daß das Wort im Himmel dem Buchstabensinn nach unserem Worte ähnlich und zugleich ihm entsprechend ist, und so denn beide eins sind. Wunderbar ist dabei das, daß das Wort in den Himmeln so geschrieben ist, daß die Einfältigen es einfältig verstehen, und die Weisen weise; denn es sind viele Häkchen und Zeichen über den Buchstaben, welche, wie gesagt, den Sinn erhöhen; die Einfältigen achten auf dieselben nicht und kennen sie auch nicht; die Weisen hingegen merken auf dieselben, jeder gemäß seiner Weisheit, bis zur höchsten. Ein Exemplar des Wortes, durch vom Herrn inspirierte Engel geschrieben, ist bei jeder größeren Gesellschaft in deren Heiligtum niedergelegt, damit das Wort nicht anderswo in irgendeinem Punkt verändert werde. Das in unserer Welt befindliche Wort ist dem Wort im Himmel zwar darin ähnlich, daß die Einfältigen es einfältig verstehen und die Weisen weise; allein dies geschieht auf andere Art.

242. Daß die Engel all ihre Weisheit aus dem Wort haben, gestehen sie selbst; denn inwieweit sie im Verständnis des Wortes sind, insoweit sind sie im Licht. Das Licht des Himmels ist die göttliche Weisheit, die vor ihren Augen Licht ist. Im Heiligtum, in dem das Exemplar niedergelegt ist, ist ein flammendes und glänzend weißes Licht, das alle Grade des Lichtes, das außerhalb desselben im Himmel ist, übertrifft.

Die Weisheit der himmlischen Engel übertrifft die Weisheit der geistigen Engel, beinahe wie die Weisheit dieser Engel die Weisheit der Menschen übertrifft; und dies darum, weil die himmlischen Engel im Guten der Liebe vom Herrn sind, und die geistigen Engel in den Wahrheiten der Weisheit vom Herrn, und wo das Gute der Liebe ist, da auch zugleich die Weisheit wohnt; hingegen da wo die Wahrheiten sind, wohnt nicht mehr Weisheit, als zugleich Gutes der Liebe. Dies ist die Ursache, warum das Wort im himmlischen Reich des Herrn anders geschrieben ist, als in Seinem geistigen Reich; denn im Wort des himmlischen Reiches ist das Gute der Liebe ausgedrückt, und die Zeichen sind Gefühle der Liebe, hingegen im Wort des geistigen Reiches sind Wahrheiten der Weisheit ausgedrückt, und die Zeichen sind inwendigere Wahrnehmungen des Wahren. Hieraus kann man schließen, welche Weisheit im Wort, das in der Welt ist, verborgen liegt: in ihm liegt nämlich alle Engelweisheit, welche unaussprechlich ist, verborgen; und in diese kommt nach dem Tode jeder Mensch, der vom Herrn durch das Wort ein Engel wird.