Das heilige Abendmahl ist fuer die, welche würdig hinzugehen, wie eine Besiegelung und ein Siegel, daß sie Kinder Gottes sind

728. Daß das heilige Abendmahl für die, welche würdig hinzugehen, wie eine Besiegelung und ein Siegel ist, daß sie Kinder Gottes sind, gründet sich darauf, daß, wie oben gesagt, der Herr alsdann gegenwärtig ist, und diejenigen in den Himmel einläßt, die von Ihm gezeugt, das heißt, wiedergeboren sind. Das heilige Abendmahl bewirkt dies, weil der Herr alsdann auch nach Seinem Menschlichen gegenwärtig ist; denn oben ist gezeigt worden, daß im heiligen Abendmahl der Herr mit Seiner ganzen Erlösung vollständig gegenwärtig ist; denn Er sagt vom Brot: dies ist Mein Leib, und vom Wein: dies ist Mein Blut; folglich nimmt Er jene alsdann in Seinen Leib auf, und die Kirche und der Himmel machen Seinen Leib aus. Wenn der Mensch wiedergeboren wird, ist zwar der Herr gegenwärtig und bereitet durch Sein göttliches Wirken den Menschen zum Himmel, damit aber dieser wirklich eintrete, muß der Mensch sich dem Herrn wirklich darstellen, und weil der Herr Sich dem Menschen wirklich darstellt, muß der Mensch Ihn wirklich aufnehmen; nicht jedoch so wie Er am Kreuz hing, sondern so wie Er in Seinem verherrlichten Menschlichen ist, in dem Er gegenwärtig ist, und Dessen Leib das göttliche Gute, und Dessen Blut das göttliche Wahre ist; diese werden dem Menschen gegeben, und durch diese wird der Mensch wiedergeboren, und ist im Herrn und der Herr in ihm; denn, wie oben gezeigt worden ist, das Essen, das im heiligen Abendmahl statthat, ist ein geistiges Essen. Aus diesem, wenn man es gehörig gefaßt hat, ist klar, daß das heilige Abendmahl wie eine Besiegelung und ein Siegel ist, daß die, welche würdig hinzugehen, Kinder Gottes sind.

729. Diejenigen hingegen, die in der Kindheit oder im Knabenalter sterben, und so nicht das Alter erreichen, daß sie würdig zum heiligen Abendmahl gehen könnten, werden vom Herrn durch die Taufe eingeführt; denn, wie im Kapitel von der Taufe gezeigt worden, ist die Taufe eine Einführung in die christliche Kirche, und zugleich dann eine Einreihung unter die Christen in der geistigen Welt. Die Kirche und der Himmel sind aber dort eines, daher für sie die Einführung in die Kirche auch eine Einführung in den Himmel ist, und sie, weil sie unter der Leitung des Herrn erzogen werden, mehr und mehr wiedergeboren werden und Seine Kinder werden; denn sie kennen keinen anderen Vater. Kinder hingegen und Knaben, die außerhalb der christlichen Kirche geboren wurden, werden durch ein anderes Mittel als die Taufe, nach Annahme des Glaubens an den Herrn in den für ihre Religion angewiesenen Himmel eingeführt, aber nicht vermischt mit denen, die im christlichen Himmel sind. Denn es gibt auf dem ganzen Erdkreis kein Volk, das nicht selig werden könnte, wenn es Gott anerkennt und sittlich gut lebt; denn der Herr hat diese alle erlöst, und der Mensch ist geistig geboren, wodurch er die Fähigkeit hat, die Gabe der Erlösung in sich aufzunehmen. Die, welche den Herrn aufnehmen, das heißt, Glauben an Ihn haben, und nicht im Bösen des Lebens sind, heißen Kinder Gottes und von Gott Geborene: Joh.1/12,13; 11/52; ferner Kinder des Reiches: Matth.13/38; sowie auch Erben: Matth.19/29; 25/34; die Jünger des Herrn heißen auch Kinder: Joh.13/33; [21/5]; und überdies alle Engel: Hiob 1/6; 2/1.

730. Mit dem heiligen Abendmahl verhält es sich gerade wie mit einem Bündnis, das nach getroffener Übereinkunft geschlossen, und zuletzt mit dem Siegel besiegelt wird. Daß das Blut des Herrn ein Bund sei, lehrt Er selbst; denn Er sagte, als Er den Kelch nahm und hinreichte: „Trinket alle daraus, dies ist Mein Blut, das des Neuen Testaments“: Matth.26/28; Mark.14/24; Luk.22/20. Das Neue Testament ist der Neue Bund; weshalb das vor der Ankunft des Herrn durch die Propheten geschriebene Wort das Alte Testament und der Alte Bund heißt, und das nach Seiner Ankunft durch die Evangelisten und Apostel gegebene das Neue Testament oder der Neue Bund heißt. Daß das göttliche Wahre des Wortes unter dem Blut und in gleicher Weise unter dem Wein im heiligen Abendmahl verstanden wird, sehe man oben 706, 708; und das Wort ist der eigentliche Bund, den der Herr mit dem Menschen schloß, und der Mensch mit dem Herrn, denn der Herr kam herab als das Wort, das heißt, als das göttliche Wahre; und weil dieses Sein Blut ist, so wurde das Blut in der israelitischen Kirche, die eine Vorbildung der christlichen Kirche war, das Blut des Bundes genannt: 2Mo.24/7,8; Sach.9/11; und der Herr der Bund des Volkes: Jes.42/6; 49/8; Jer.31/31-34; Ps.111/9. Daß allerdings eine Besiegelung statthaben muß, damit einige Gewißheit sei, und daß sie folgt auf die getroffene Übereinkunft, ist auch der Ordnung in der Welt gemäß; was ist ein Vermächtnis und ein Testament ohne Besieglung? Was eine gerichtliche Entscheidung ohne Unterzeichnung des Urteils, damit der Urteilsspruch rechtskräftig sei? Was eine hohe Verwaltungsstelle im Reich ohne Bestallungsurkunde? Was die Beförderung zu irgendeinem Amt ohne Bestätigung? Was der Besitz eines Hauses ohne Kauf oder Übereinkunft mit dem Besitzer? Was die Fortbewegung zu irgendeinem Zweck, oder das Laufen nach irgendeinem Ziel, und so der Kampfpreis, wenn nicht ein Zweck oder Ziel da ist, wo er den Preis davontragen soll, und wenn nicht der Prätor seine Zusage auf irgendeine Weise fest gemacht hat? Doch dieses letztere ist nur der Versinnlichung wegen hinzugefügt worden, damit auch der Einfältige fassen könne, daß das heilige Abendmahl wie eine Besiegelung, ein Siegel, eine Marke und Beurkundung eines Vermächtnisses auch vor den Engeln ist, daß man nämlich ein Kind Gottes ist, und überdies wie ein Schlüssel zu einem Haus im Himmel, wo man in Ewigkeit wohnen wird.

731. Einst ward ich einen Engel ansichtig, der unter dem östlichen Himmel schwebte und eine Trompete in der Hand und an den Mund hielt, und sie gegen Mitternacht, gegen Abend und gegen Mittag hin ertönen ließ. Er war mit einem griechischen Oberkleid, das vom Flug rückwärts floß, angetan und mit einer Binde umgürtet, die wie von Karfunkeln und Saphiren flammte und leuchtete. Er schwebte abwärts, und ließ sich langsam auf den Boden nieder, der für mich Festland war; sobald er den Boden berührte, stand er auf den Füßen und ging da- und dorthin, und lenkte sodann, als er mich bemerkte, seine Schritte auf mich zu. Ich war im Geist, und in diesem stand ich auf einem Hügel in der Mittagsgegend, und als er herangekommen war, redete ich ihn an und fragte: Was geht jetzt vor? Ich hörte das Schmettern deiner Trompete und sah dein Herabkommen durch die Luft. Der Engel gab zur Antwort: Ich bin abgesandt, die berühmtesten Gelehrten, die scharfsinnigsten Genies und die hervorragendsten Weisen, die sich aus den Reichen der Christenheit auf diesem Festland befinden, zusammenzurufen, damit sie auf dem Hügel, auf dem du stehst zusammenkommen und offenherzig angeben möchten, welche Vorstellungen, Begriffe und Überzeugungen sie in der Welt von der himmlischen Freude und von der ewigen Seligkeit gehabt hatten. Der Grund meiner Sendung war der, daß einige Neuangekommene aus der Welt, die in unseren himmlischen Verein, der im Osten ist, eingelassen worden, berichteten, daß in der ganzen Christenheit auch nicht einer wisse, was die himmlische Freude und die ewige Seligkeit, und somit was der Himmel sei. Darüber waren meine Brüder und Genossen sehr verwundert, und sagten zu mir: Steige hinab und rufe und entbiete die Weisesten in der Geisterwelt, in die alle Sterbliche nach ihrem Austritt aus der natürlichen Welt zuerst versammelt werden, zusammen, damit wir aus dem Munde mehrerer gewiß werden, ob es Wahrheit ist, daß ein solches Dunkel oder eine solche finstere Unwissenheit in betreff des ewigen Lebens bei den Christen waltet. Warte noch ein wenig, setzte er hinzu, und du wirst Scharen von Weisen hier anlangen sehen; der Herr wird für sie ein Versammlungshaus bereiten. Ich wartete zu, und siehe, nach einer halben Stunde sah ich zwei Haufen von Mitternacht, zwei von Abend und zwei von Mittag her, und sowie sie kamen, wurden sie vom Engel mit der Trompete in das bereitete Haus eingeführt, und nahmen hier die nach den Himmelsgegenden für sie bestimmten Plätze ein. Es waren sechs Haufen oder Scharen, ein siebenter war vom Morgen, und dieser ward vor Lichtglanz von den übrigen nicht gesehen. Nachdem sie versammelt waren, eröffnete der Engel den Grund der Zusammenberufung und bat, die Scharen möchten der Reihe nach ihre Weisheit kundgeben betreffend die himmlische Freude und die ewige Seligkeit; und nun schloß jede Schar einen Kreis, die Gesichter den Gesichtern zugewandt, damit sie diese Sache, aus den in der vorigen Welt gefaßten Vorstellungen, zurückrufen, und sodann näher betrachten, das Näherbetrachtete aber, nachdem sie sich darüber beraten, vortragen möchten.

732. Nach der Beratung sagte die erste Schar, die von Mitternacht her war: Die himmlische Freude und die ewige Seligkeit sind eins mit dem Leben des Himmels selbst; weshalb jeder, der in den Himmel eintritt, seinem Leben gemäß in dessen Festlichkeit eintritt, nicht anders als wie der, welcher zu einer Hochzeit eintritt, auch in deren Festlichkeit eintritt. Ist nicht der Himmel vor unseren Blicken über uns, somit an einem Ort? Und hier und sonst nirgends sind Genüsse über Genüsse und Wonnen über Wonnen; in diese wird der Mensch versetzt allem Gefühl seines Gemütes, und allem Empfinden seines Körpers nach, infolge der Freudenfülle jenes Ortes, mit seiner Versetzung in den Himmel; die himmlische Seligkeit, die auch die ewige ist, ist daher nichts anderes als die Einlassung in den Himmel, und zwar eine Einlassung aus göttlicher Gnade. Nachdem sie dies gesagt, gab die zweite Schar von Mitternacht, aus ihrer Weisheit, folgendes Gutachten ab: Die himmlische Freude und die ewige Seligkeit sind nichts anderes, als das fröhlichste Zusammenleben mit den Engeln, und die angenehmsten Unterhaltungen mit ihnen, wovon die Gesichter immerfort im Ausdruck der Fröhlichkeit, und aller Mund in beständigem Wonnelächeln über die süßen und witzigen Reden gehalten wird. Und was sind die himmlischen Freuden anderes, als Variationen solcher Dinge in Ewigkeit fort? Die dritte Schar, welche die erste von den Weisen aus der Abendgegend war, gab aus den Gedanken ihrer Neigungen folgendes hervor: Was sind die himmlische Freude und die ewige Seligkeit anderes, als das Zutischesitzen mit Abraham, Isaak und Jakob, an deren Tafeln sich leckere und köstliche Speisen und vortreffliche, edle Weine finden werden, und nach dem Mahl Spiele und Tänze, von Jungfrauen und Jünglingen nach Symphonien und Flötensolos aufgeführt, und zwischenhinein Gesänge der lieblichsten Lieder, und endlich gegen Abend Theater, und nach diesem wieder Gastmahle, und so jeden Tag in Ewigkeit fort? Nachdem sie dies ausgesprochen, gab die vierte Schar, welche die zweite von der Abendgegend her war, ihre Ansicht kund und sagte: Wir hatten mehrerlei Vorstellungen von der himmlischen Freude und von der ewigen Seligkeit gehegt, und die mancherlei Freuden in Untersuchung genommen und sie miteinander verglichen, und sind dann zu dem Schluß gekommen, daß die himmlischen Freuden die Paradiesesfreuden sind. Was ist der Himmel anderes, als das Paradies, das sich von Osten nach Westen und von Süden nach Norden ausdehnt, und in dem Fruchtbäume und liebliche Blumen stehen, in deren Mitte der herrliche Baum des Lebens ist, rings um den, mit Blumensträußen vom lieblichsten Geruch geschmückt, die Seligen sitzen und Früchte von köstlichem Geschmack essen? Und [wir dachten,] daß dergleichen unter dem Hauch eines beständigen Frühlings täglich mit unendlicher Mannigfaltigkeit entsteht und wieder entsteht, und infolge seines Entstehens und des beständigen Fortblühens, und dabei der fortwährenden Frühlingsluft die stets wieder verjüngten Seelen notwendig täglich neue Freuden ein- und ausatmen, und hierdurch in das Blütenalter, und durch dieses in den Urzustand, in den Adam und sein Weib erschaffen waren, zurückgeführt, und so in das Paradies derselben, das von der Erde in den Himmel versetzt worden, zurückgebracht werden müssen. Die fünfte Schar, welche die erste der Genies aus der mittäglichen Gegend war, sprach sich folgendermaßen aus: Die himmlischen Freuden und die ewige Seligkeit sind nichts anderes, als überwiegende Herrschermacht und hochaufgesammelte Schätze, und daraus überkönigliche Pracht und überherrlicher Glanz. Daß die Freuden des Himmels und der fortwährende Genuß derselben, der die ewige Seligkeit ist, dies seien, haben wir an denen in der vorigen Welt, die dergleichen erlangt hatten, und dann auch daraus ersehen, daß die Seligen im Himmel mit dem Herrn herrschen werden, und Könige und Fürsten sein sollen, weil sie die Söhne Dessen sind, Welcher der König der Könige und der Herr der Herren ist, und daß sie sitzen werden auf Thronen und die Engel ihnen dienen sollen. Die Pracht des Himmels aber ersahen wir aus dem, daß das neue Jerusalem, unter dem die Herrlichkeit des Himmels beschrieben wird, Tore haben soll, deren jedes eine Perle sein werde, und Straßen aus gediegenem Gold, und eine Mauer auf Edelsteine gegründet; und daß folglich jeder, der in den Himmel aufgenommen ist, seinen von Gold und Kostbarkeiten schimmernden Hof haben und die Herrschaft der Reihe nach von dem einen auf den anderen übergehen werde. Und weil wir wußten, daß solchen Dingen die Freuden eingeboren sind und die Seligkeit eingepflanzt ist, und daß die Verheißungen Gottes unverbrüchlich sind, so konnten wir nirgend anderswoher den höchst seligen Zustand des himmlischen Lebens herleiten. Nach dieser erhob die sechste Schar, welche die zweite aus der Mittagsgegend war, ihre Stimme und sprach: Die Freude des Himmels und seine ewige Seligkeit ist nichts anderes als eine immerwährende Verherrlichung Gottes, ein ewig fortdauerndes Fest, und der seligste Gottesdienst mit Gesang und Jubel, und so eine beständige Erhebung des Herzens zu Gott, mit der völligen Zuversicht der Annahme ihrer Gebete und Lobpreisungen für die göttliche Mildtätigkeit in ihrer Beseligung. Einige aus dieser Schar setzten noch hinzu, jene Verherrlichung werde geschehen bei prächtigen Kerzen und bei den wohlriechendsten Räucherungen, und unter feierlichen Prozessionen, bei denen der Papst mit einer großen Posaune vorangehe, und die Primaten und Schlüsselträger, die großen und kleinen, ihm folgen, und hinter diesen die Männer mit Palmzweigen, und die Frauen mit goldenen Bildern in den Händen.

733. Die siebente Schar, vor Lichtglanz den übrigen nicht sichtbar, war aus dem Osten des Himmels; sie waren Engel aus derselben Gesellschaft, aus welcher der Engel mit der Trompete war. Diese hatten, nachdem sie in ihrem Himmel vernommen, daß auch nicht einer in der Christenheit wisse, was die Freude des Himmels und die ewige Seligkeit sei, zueinander gesagt: Dies kann unmöglich wahr sein, eine so große Finsternis und ein solcher Stumpfsinn kann nicht in den Gemütern der Christen herrschen; auch wir wollen hinabsteigen und hören, ob es sich so verhält, und wenn es Wahrheit ist, so ist es gewiß etwas Ungeheures.

Diese Engel sagten nun zu dem Engel mit der Trompete: Du weißt, daß jeder Mensch, der sich nach dem Himmel gesehnt, und unter den Freuden desselben sich etwas Bestimmtes gedacht hat, nach dem Tod in die Freuden seiner Phantasie eingeführt wird, und daß solche, nachdem sie die Erfahrung gemacht haben, welcherlei jene Freuden sind, daß sie nämlich den leeren Vorstellungen ihres Gemüts und den Trugbildern ihrer Phantasie gemäß sich verhalten, aus denselben herausgeführt und unterrichtet werden; dies geschieht den meisten in der Geisterwelt, die im vorigen Leben über den Himmel nachgedacht und über die Freuden daselbst etwas bei sich ausgemacht hatten, bis sie sich danach sehnten. Nachdem er dies gehört, sagte der Engel mit der Trompete zu den sechs Scharen, die aus den Weisen in der Christenheit zusammenberufen waren: Folget mir, und ich will euch in eure Freuden, somit in den Himmel einführen.

734. Dies gesagt, schritt der Engel voran, und es begleitete ihn zuerst die Schar aus denen, die sich überredet hatten, die himmlischen Freuden seien bloß die fröhlichsten Gesellschaften und die angenehmsten Unterhaltungen; diese führte der Engel zu Versammlungen in der Mitternachtgegend, denen die Freuden des Himmels in der vorigen Welt nichts anderes gewesen waren. Es befand sich daselbst ein geräumiges Haus, in dem solche versammelt waren. Im Haus waren mehr als fünfzig Zimmer, abgeteilt je nach den verschiedenen Arten der Unterhaltungen; in diesen Zimmern hier sprach man über solches, was man auf dem Markt und auf den Straßen gesehen und gehört hatte, in jenen sprach man mancherlei Anziehendes über das schöne Geschlecht, unter Einstreuung witziger Einfälle, die sich überboten, bis die Gesichter aller in der Gesellschaft in heiteres Lachen auseinander gingen. In anderen Zimmern sprachen sie von Hofneuigkeiten, von den Ministerien, vom politischen Zustand, über Verschiedenes, was von den Kabinettsgeheimnissen verlautete, zugleich mit Schlüssen und Vermutungen über die Erfolge; in anderen vom Handel; in anderen über literarische Gegenstände; in anderen über Dinge der bürgerlichen Klugheit und des moralischen Lebens; in anderen über kirchliche Angelegenheiten und das Sektenwesen, und so weiter. Es wurde mir erlaubt, einen Blick in dieses Haus zu tun, und ich sah, wie sie von Zimmer zu Zimmer liefen und die Gesellschaften ihrer Neigung und somit ihrer Freude aufsuchten; und in den Gesellschaften sah ich dreierlei Teilnehmer, einige wie außer Atem um zu sprechen, andere eifrig zu fragen und andere begierig zu hören. Es waren an dem Haus vier Tore, nach jeder Himmelsgegend zu eines, und ich bemerkte, daß mehrere die Unterhaltung abbrachen und hinauseilten; ich folgte etlichen an das östliche Tor und sah in der Nähe desselben einige sitzen mit traurigem Gesicht. Ich ging hinzu und fragte, warum sie so traurig dasäßen, und sie antworteten: Die Tore dieses Hauses werden verschlossen gehalten für die, welche hinaus wollen, und nun ist es der dritte Tag, seitdem wir hereingegangen sind, und ein Leben unseres Verlangens in Gesellschaften und Gesprächen geführt haben, und von dem fortwährenden Geplauder so sehr ermüdet sind, daß wir kaum ertragen, das schallende Gesumse davon zu hören. Wir haben uns daher im Überdruß an dieses Tor begeben und geklopft, allein man hat uns geantwortet: Die Tore dieses Hauses werden nicht den Hinauswollenden, sondern den Hereinwollenden geöffnet; bleibet und genießt der Freuden des Himmels!

Aus diesen Antworten haben wir geschlossen, daß wir in Ewigkeit hier bleiben werden; daher hat Traurigkeit unsere Gemüter befallen, und nun fängt unsere Brust an beklommen zu werden, und Bangigkeit aufzusteigen. Hierauf redete der Engel sie an und sprach: Dieser Zustand ist der Tod eurer Freuden, die ihr für die einzig himmlischen hieltet, während sie doch nur Zugaben des Himmlischen sind. Da fragten sie den Engel: Was ist denn aber die himmlische Freude? Und der Engel erwiderte dies wenige: Sie ist die Lust, etwas zu tun das uns und anderen nützlich ist. Und die Lust des Nützlichseins nimmt ihr Wesen aus der Liebe und ihre Existenz aus der Weisheit; die Lust des Nützlichseins, wenn aus der Liebe durch die Weisheit entstanden, ist die Seele und das Leben aller himmlischen Freuden. Es gibt in den Himmeln die fröhlichsten Gesellschaften, die der Engel Gemüter erheitern, ihre Seelen ergötzen, ihre Brust mit Vergnügen erfüllen, und ihren Leibern zur Erholung dienen; allein dergleichen ist für sie da, nachdem sie in ihren Dienstverrichtungen und Geschäften Nutzen geschafft haben; aus diesen kommt Seele und Leben in alle ihre Fröhlichkeiten und Ergötzlichkeiten. Nimmt man hingegen diese Seele und dieses Leben weg, so werden die Nebenfreuden, nach und nach zu Nichtfreuden, sie werden im Gegenteil zuerst zu Gleichgültigem, hernach wie zu Nichtigem, und zuletzt zu Traurigem und Angsterregendem. Nach diesen Worten ward das Tor geöffnet, und die vor demselben gesessen hatten, sprangen hinaus und flohen nach Haus, jeder zu seinem Beruf und zu seinem Werk, und lebten wieder auf.

735. Nach diesem redete der Engel diejenigen an, die sich von den Freuden des Himmels und von der ewigen Seligkeit die Vorstellung gemacht hatten, als ob sie im Schmausen mit Abram, Isaak und Jakob beständen, und nach der Mahlzeit in Spielen und Schauspielen, und dann wieder in Mahlzeiten, und so in Ewigkeit fort; und er sprach zu ihnen: Folget mir, und ich will euch in die Seligkeiten eurer Freuden einführen. Und er führte sie durch ein Gehölz auf eine mit Brettern belegte Ebene, auf die Tische gestellt waren, fünfzehn auf der einen Seite, und fünfzehn auf der anderen; und sie fragten: Warum so viele Tische?

Und der Engel antwortete: Der erste Tisch ist für Abram, der zweite für Isaak, und der dritte für Jakob, und neben diesen der Reihe nach sind die Tische der zwölf Apostel; auf der anderen Seite sind ebenso viele Tische für ihre Weiber, und zwar die drei ersten Tische für Sara, das Weib Abrams, Rebecca, das Weib Isaaks, und Lea und Rahel, die Weiber Jakobs, und die zwölf übrigen für die Weiber der zwölf Apostel. Nach einer Weile erschienen alle Tische mit Gerichten besetzt, und die Räumchen zwischen diesen geschmückt mit kleinen Pyramiden und Zuckerbackwerk. Die am Mahl teilnehmen wollten, standen um jene her, in Erwartung, die Vorsitzenden zu Tische zu sehen, die man dann auch nach kurzem Harren in geordnetem Zug von Abram an bis zum letzten der Apostel eintreten sah, und sofort ging jeder seinem Tisch zu und ließ sich zu oberst auf dem Polster nieder; und dann sagte sie zu den Umherstehenden: Lagert auch ihr euch neben uns! Und die Männer legten sich zu jenen Vätern, und die Frauen zu ihren Weibern nieder, und sie aßen und tranken in ehrerbietiger Fröhlichkeit. Nach dem Mahl gingen jene Väter weg, und nun wurden Spiele veranstaltet, Tänze von Jungfrauen und Jünglingen, und nach diesen Schauspiele.

Als diese zu Ende waren, wurden sie wieder zu einem Mahl geladen, jedoch unter der Anordnung, daß sie am ersten Tag mit Abram speisen sollten, am anderen mit Isaak, am dritten mit Jakob, am vierten mit Petrus, am fünften mit Jakobus, am sechsten mit Johannes, am siebenten mit Paulus, und so fort der Reihe nach mit den übrigen bis zum fünfzehnten Tag, von wo an in ähnlicher Reihenfolge die Gastmahle sich erneuern sollten unter Veränderung der Sitze, und so in Ewigkeit fort. Nach diesem berief der Engel die Männer der Schar zusammen, und sagte ihnen: Diese alle, die ihr an den Tischen saht, hatten dieselbe phantastische Vorstellung von den Freuden des Himmels und somit der ewigen Seligkeit mit euch gemein; und zu dem Ende, daß sie die Leerheit ihrer Vorstellungen einsehen und von ihnen abgebracht werden möchten, sind solche Gastmahlszenen angeordnet und vom Herrn zugelassen worden. Jene Vornehmsten, die ihr zu oberst an den Tafeln sahet, waren verkleidete Greise, die meisten aus dem Landvolk, welche Bärte trugen und infolge eines gewissen Wohlstandes mehr als die übrigen dünkelhaft waren; diesen war die Phantasie beigebracht worden, sie seien jene alten Väter. Allein folgt mir an die Wege des Ausgangs aus diesem Spielplatz! Und sie folgten und sahen fünfzig hier und fünfzig dort, die sich den Magen mit Speisen bis zum Übelbefinden vollgestopft hatten, und sich zu der Ordnung ihres Hauswesens zurücksehnten, andere zu ihren Dienstpflichten, andere zu ihren Handelsgeschäften, und wieder andere zu ihren Handarbeiten. Viele aber wurden von den Hütern des Forstes zurückgehalten und ausgefragt über die Tage ihres Schmausens, und ob sie auch noch mit Petrus und mit Paulus an der Tafel gespeist hätten, und ob es ihnen nicht als unschicklich zur Unehre gereichen würde, wenn sie früher weggingen; allein die meisten gaben zur Antwort: Wir sind unsere Freuden satt, die Speisen sind für uns unschmackhaft geworden, der Geschmack vertrocknet, den Magen widern sie an und wir können sie nicht mehr kosten; wir haben einige Tage und Nächte in dieser Schwelgerei zugebracht, wir bitten dringend, hinausgelassen zu werden; und nachdem sie entlassen waren, flohen sie außer Atem und eiligen Laufes nach Haus. Nach diesem rief der Engel die Männer der Schar herbei, und gab ihnen auf dem Weg folgende Belehrung über den Himmel: Im Himmel gibt es so gut wie auf der Welt Speisen und Getränke, es gibt Gesellschaftsessen und Gastmähler, und bei den Vornehmsten daselbst Tafeln, auf denen köstliche Speisen, Leckerbissen und Prachtgerichte stehen, durch welche die Gemüter erheitert und erfrischt werden; auch Spiele gibt es dort und Schauspiele, desgleichen Instrumental- und Vokalmusik, und zwar alles dies in höchster Vollkommenheit; dergleichen Dinge gereichen ihnen auch zur Freude, aber nicht zur Seligkeit; diese muß in den Freuden sein, und infolgedessen aus den Freuden kommen; die Seligkeit in den Freuden macht, daß sie Freuden sind; sie macht dieselben voll und erhält sie, daß sie nicht alltäglich werden und man ihrer nicht überdrüssig wird; und diese Seligkeit kommt jedem aus nützlicher Beschäftigung in seinem Beruf. Es fließt in der Willensneigung eines jeden Engels eine verborgene Ader, die das Gemüt zu einer Tätigkeit antreibt; das Gemüt kommt dadurch zur Ruhe und fühlt sich befriedigt; diese Befriedigung und jene Ruhe machen den Gemütszustand empfänglich für die Liebe zu nützlichem Wirken vom Herrn; aus der Aufnahme der letzteren entspringt die himmlische Seligkeit, die das Leben jener Freuden ist, die zuvor erwähnt worden sind. Die himmlische Speise ist ihrem Wesen nach nichts anderes, als Liebe, Weisheit und nützliche Tätigkeit zugleich, das heißt, nützliche Tätigkeit durch Weisheit aus der Liebe; und deshalb wird einem jeden im Himmel Speise gegeben für den Leib gemäß dem Nutzen, den er schafft, herrliche denen, die in hervorragender nützlicher Tätigkeit stehen, minder herrliche, jedoch von ausgezeichnetem Geschmack denen, die auf der mittleren Stufe nützlichen Wirkens stehen, und geringe denen, die nur geringen Nutzen schaffen, gar keine hingegen den Müßiggängern.

736. Nach diesem rief der Engel die Schar der sogenannten Weisen zu sich, welche die himmlischen Freuden und aus ihnen die ewige Seligkeit in hochragende Herrschermacht und hochaufgesammelte Schätze und in über königliche Pracht und überherrlichen Glanz gesetzt hatten, und dies darum, weil es im Wort heißt, sie werden Könige und Fürsten sein und mit Christus in Ewigkeit regieren, und werden von den Engeln bedient werden, und dergleichen mehr. Der Engel sprach zu diesen: Folget mir, und ich will euch in eure Freuden einführen. Und er führte sie in eine Halle mit Säulen und Pyramiden; vorne war ein Palast von niedriger Bauart, durch den man einen offenen Eingang in die Säulenhalle hatte; durch diesen führte er sei ein. Und siehe, es erschienen zwanzig hier und zwanzig dort, die in Erwartung waren, und plötzlich stand jetzt einer da, der einen Engel vorstellte, und sagte zu ihnen: Durch diese Säulenhalle geht der Weg zum Himmel; bleibt ein wenig hier und bereitet euch vor, denn die Volljährigen unter euch werden Könige, und die Minderjährigen werden Fürsten sein. Nach diesen Worten erschien an jeder Säule ein Thron, und auf dem Thron ein Staatsmantel von Seide, und über dem Staatsmantel Zepter und Krone, und an jeder Pyramide erschien ein Stuhl, drei Ellen über dem Boden erhaben, und auf dem Stuhl eine goldene Kette und Ordensbänder, die an den Enden mit diamantenen Agraffen verbunden waren. Und dann ward gerufen:

Geht nun hin, kleidet euch ein, lasset euch nieder und wartet! Und sogleich liefen die Volljährigen den Thronen und die Minderjährigen den Stühlen zu, und kleideten sich ein und ließen sich nieder. Aber nun erschien wie ein finsterer Dampf, aus der Unterwelt aufsteigend, nach dessen Einziehung den auf den Thronen und Stühlen Sitzenden allmählich das Gesicht aufgebläht, die Brust gehoben und mit der Zuversicht erfüllt wurde, daß sie nun Könige und Fürsten seien; jener Nimbus war der Wind der Phantasie, von dem sie angeblasen wurden; und alsbald flogen Jünglinge wie vom Himmel herbei und stellten sich je zwei hinter jeden Thron, und einer hinter jeden Stuhl, zur Bedienung hin, und nun ward ihnen von Zeit zu Zeit durch einen Herold zugerufen: Ihr Könige und Fürsten, wartete noch ein wenig, es werden eben im Himmel eure Höfe zubereitet; sogleich werden Hofleute mit Bedeckung kommen und euch einführen. Sie warteten und warteten bis ihnen der Atem fast ausging und sie vor Sehnsucht verschmachteten. Nach Verlauf von drei Stunden ward der Himmel über ihren Häuptern geöffnet, und die Engel blickten herab und hatten Mitleid mit ihnen, und sprachen: Warum sitzt ihr so albern da und spielt Komödie? Man hat Kurzweil mit euch getrieben, und aus Menschen euch in Götzenbilder verwandelt, und dies darum, weil ihr in eure Herzen den Wahn aufgenommen hattet, ihr werdet mit Christus regieren als Könige und Fürsten, und die Engel werden dann euch dienen. Habt ihr vergessen der Worte des Herrn, daß, wer im Himmel groß sein will, ein Diener werden müsse? So lernet denn, was unter Königen und Fürsten, und was unter dem Regieren mit Christus verstanden wird, nämlich weise sein und Nutzen schaffen; denn das Reich Christi, welches der Himmel ist, ist ein Reich der Nutzwirkungen; denn der Herr liebt alle, und will daher allen Gutes; das Gute aber ist die Nutzwirkung; und weil der Herr Gutes oder Nützliches tut mittelbar durch Engel, und in der Welt durch Menschen, so gibt Er denen, die treulich Nutzen schaffen, die Liebe zum nützlichen Wirken, und dessen Lohn, der die innere Zufriedenheit ist, und diese ist die ewige Seligkeit. Es gibt in den Himmeln, wie auf Erden, hochragende Herrscherstellen und überreiche Schätze; denn es gibt dort Regierungen und Regierungsformen, und daher auch größere und kleinere Gewalten und Würden; und diejenigen, die in den höchsten stehen, haben Paläste und Hofhaltungen, welche an Herrlichkeit und Glanz die Paläste und Hofhaltungen der Kaiser und Könige auf Erden übertreffen; und durch die Zahl der Hofleute, Diener und Trabanten und deren prächtige Kleider umgibt sie Ehre und Herrlichkeit; allein jene Höchsten sind aus solchen gewählt, deren Herz am öffentlichen Wohl hängt, während nur die Sinne des Leibes auf die Größe der Pracht um des Gehorsams willen gerichtet sind; und weil das öffentliche Wohl erfordert, daß jeder irgendein nützliches Glied in der Gesellschaft, als in dem gemeinsamen Körper sei, alles Nützliche aber vom Herrn ist, und durch die Engel und die Menschen wie von ihnen selbst bewirkt wird, so ist offenbar, daß dies das Regieren mit dem Herrn ist. Nachdem sie dies aus dem Himmel gehört, stiegen jene Theaterkönige und Theaterfürsten von ihren Thronen und Stühlen herab und warfen Zepter, Kronen und Mäntel von sich; und der Dunst, in dem Wind der Phantasie war, zog sich von ihnen zurück, und es umhüllte sie eine glänzend weiße Wolke, in welcher Duft der Weisheit war, aus dem Gesundheit wieder in ihre Gemüter zurückkehrte.

737. Nach diesem kehrte der Engel wieder in das Versammlungshaus der Weisen aus der Christenheit zurück und rief diejenigen zu sich, die sich im Glauben begründet hatten, die Freuden des Himmels und die ewige Seligkeit seien Paradieseswonnen. Zu diesen sprach er: Folget mir, und ich will euch in das Paradies, in euren Himmel einführen, damit ihr in die Hochgenüsse eurer ewigen Seligkeit kommt! Und er führte sie durch ein hohes Bogentor, aus verschlungenen Ästen und Schößlingen edler Bäume gebildet.

Nach dem Eintritt führte er sie auf Umwegen von einer Gegend in die andere; es war wirklich das Paradies am ersten Eingang in den Himmel, in das diejenigen eingelassen werden, die in der Welt geglaubt hatten, der ganze Himmel sei ein Paradies, weil er Paradies genannt wird; und die sich die Vorstellung eingeprägt hatten, nach dem Tode sei völlige Ruhe von Arbeiten, und diese Ruhe bestehe lediglich darin, Wonnen über Wonnen einzuschlürfen, auf Rosen zu wandeln, am Saft der süßesten Trauben sich zu laben und festliche Freudenmahle zu feiern; und ein solches Leben gebe es nur im himmlischen Paradies. Geleitet von dem Engel, sahen sie nun eine sehr große Menge sowohl Greise, als Jünglinge und Knaben, auch Frauen und Mädchen; sie saßen zu dreien und dreien und zu zehn und zehn auf Rosenhügeln und flochten Kränze, um damit das Haupt der Greise, die Arme der Jünglinge und in Sträußen die Brust der Knaben zu schmücken. Andere drückten den Saft aus Trauben, Kirschen und Beeren in Becher, und tranken sie fröhlich aus; andere ergötzten ihren Geruch an den Düften, welche die Blumen, Früchte und wohlriechenden Blätter aushauchten und verbreiteten. Andere sangen süße Lieder und erfreuten damit der Anwesenden Gehör. Andere saßen an Quellen und leiteten die Wasser der springenden Ader in mancherlei Formen ab; andere wandelten umher, plaudernd und heitere Scherze wechselnd. Andere begaben sich in Gartenhäuschen, um sich auf Ruhebetten zu lagern; vieler anderer Paradiesesfreuden nicht zu gedenken. Nachdem sie dies gesehen, führte der Engel seine Begleiter in Kreisgängen dahin und dorthin, und zuletzt zu denen, die im wunderschönen, mit Oliven-, Pomeranzen- und Zitronenbäumen eingefaßten Rosengarten saßen, jetzt aber nickend die Hände unter die Wangen hielten und betrübt aussahen und weinten. Deshalb redeten die Begleiter des Engels sie an und fragten: Warum sitzet ihr so hier? Und sie gaben zur Antwort: Es ist jetzt der siebente Tag, seitdem wir in dieses Paradies gekommen sind; als wir eintraten, schien unser Gemüt wie in den Himmel erhoben und in die innersten Hochgenüsse seiner Freuden versetzt zu sein; allein nach drei Tagen fingen diese Hochgenüsse an sich abzustumpfen und aus unseren Gemütern zu verschwinden; sie begannen uns gleichgültig und damit nichtig zu werden; und da es auf diese Weise aus war mit unseren eingebildeten Freuden, so fürchteten wir den Verlust aller Lust unseres Lebens und fielen in Zweifel über die ewige Seligkeit, ob es überhaupt eine gebe. Wir streiften hierauf auf den Wegen und freien Plätzen umher, um die Pforte zu suchen, durch die wir eingegangen waren, allein wir irrten in Kreisen und abermals in Kreisen umher, und fragten die uns Begegnenden, von denen einige uns sagten, die Pforte werde nicht gefunden, denn dieser Paradiesgarten sei ein großes Labyrinth, das so beschaffen sei, daß, wer hinaus will, nur noch tiefer hineingerate; ihr könnt daher, [hieß es,] nicht anders, als in Ewigkeit hier bleiben; ihr seid in seiner Mitte, wo alle Freuden in ihrem Zentrum sind. Ferner sagten sie zu den Begleitern des Engels: Hier sitzen wir nun schon anderthalb Tage, und weil wir keine Hoffnung haben den Ausgang zu finden, so haben wir uns auf diesem Rosenhügel niedergelassen, und sehen um uns her Oliven, Trauben, Pomeranzen und Zitronen in Menge, allein je mehr wir sie ansehen, desto mehr wird das Auge des Sehens, der Geruch des Riechens und der Geschmack des Genießens müde; dies ist der Grund des Betrübtseins, Klagens und Weinens, worin ihr uns seht. Nachdem er dies gehört, sagte der Engel der Schar zu ihnen: Dieses paradiesische Labyrinth ist wirklich der Eingang zum Himmel, ich kenne den Ausgang und will euch hinausführen. Bei diesen Worten erhoben sich die Sitzenden und umarmten den Engel und begleiteten ihn zugleich mit seiner Schar hinaus; und der Engel belehrte sie unterwegs, was die himmlische Freude und somit die ewige Seligkeit sei, daß sie nicht in äußeren Paradiesesfreuden bestehe, ohne daß zugleich auch innere Paradiesesfreuden dabei wären. Die äußeren Paradiesesfreuden [sagte er] sind bloß Vergnügungen der Sinne des Körpers, die inneren Paradiesesfreuden aber sind Vergnügungen der Gefühle der Seele; sind diese nicht in jenen enthalten, so ist kein himmlisches Leben da, weil keine Seele in ihnen ist: und jede Lust, der ihre entsprechende Seele fehlt, wird, wenn sie anhält, matt und reizlos, und ermüdet den Geist mehr als die Arbeit. Es gibt in den Himmeln überall paradiesische Gärten, und sie sind für die Engel auch eine Quelle von Freuden; und so viel in diesen Seelenlust ist, so weit sind ihnen diese Freuden wirklich Freuden. Nachdem sie dies gehört, fragten alle: Was ist Seelenlust und woher kommt sie? Der Engel gab zur Antwort: Die Seelenlust stammt aus der Liebe und Weisheit vom Herrn, und weil die Liebe wirksam, und zwar wirksam ist durch die Weisheit, so haben beide ihren Sitz in der Wirkung, und die ist das Nützliche; diese Lust fließt vom Herrn in die Seele ein, und steigt durch die oberen und niederen Regionen des Gemütes herab in alle Sinne des Körpers, und bringt sich in ihnen zu ihrer Fülle; daher wird die Freude zur Freude, und zwar zur ewigen, von dem Ewigen aus dem sie stammt. Ihr habt Paradiesisches gesehen, und ich versichere euch, daß es in ihm nichts, nicht einmal ein Blättchen gibt, das nicht seinen Ursprung in der Vermählung der Liebe und der Wisheit in nützlicher Tätigkeit hätte; ist daher der Mensch in dieser, so ist er im himmlischen Paradies, somit im Himmel.

738. Nach diesem kehrte der Engel in das Gebäude zurück zu denen, die sich fest in den Kopf gesetzt hatten, die himmlische Freude und die ewige Seligkeit sei eine beständige Verherrlichung Gottes, und ein ewig fortdauerndes Fest; und dies darum, weil sie in der Welt geglaubt hatten, sie werden dann Gott sehen, und weil das Leben des Himmels von der Gottesverehrung her ein beständiger Sabbath heißt. Diesen sagte der Engel: Folget mir, und ich will euch in eure Freude einführen! Und nun führte er sie in eine kleine Stadt, in deren Mitte ein Tempel war, und alle Häuser Gotteshäuser hießen. In dieser Stadt sahen sie einen Zusammenfluß aus jedem Winkel der Umgegend, und darunter eine Anzahl Priester, welche die Ankommenden empfingen, begrüßten und an der Hand zu den Toren des Tempels hinführten, und von da in Gotteshäuser um den Tempel her, wo sie dieselben in den fortwährenden Gottesdienst einweihten und sagten: Diese Stadt ist der Vorhof zum Himmel, und der Tempel dieser Stadt ist der Eingang zum überaus prächtigen und herrlichen Tempel, der in Himmel ist, wo Gott von den Engeln durch Gebete und Lobgesänge ewig verherrlicht wird! Satzung ist hier und dort, daß man zuerst in den Tempel gehe und darin drei Tage und drei Nächte verweile, nach dieser Vorweihe aber in die Häuser dieser Stadt, die ebenso viele von uns geheiligte Kirchen sind, eingehe, und von einer Kirche zur anderen, und in Gemeinschaft mit den darin Versammelten bete, singe und die Predigten wieder hersage. Überhaupt aber hütet euch, bei euch selbst, etwas anderes zu denken und mit euren Genossen zu reden, als was heilig, fromm und gottselig ist. Nach diesem führte der Engel seine Begleitung in den Tempel, der gedrängt voll war von vielen, die auf der Welt in großen Würden gestanden hatten, und auch von vielen aus dem gemeinen Volk; und an die Tore waren Wachen gestellt, damit niemand vor dreitägigem Verweilen hinausginge. Und der Engel sprach: Es ist heute der zweite Tag, daß diese da hereinkamen; betrachtet sie und ihr werdet ihre Verherrlichung Gottes sehen. Und sie betrachteten dieselben und sahen, wie die meisten schliefen, und die, welche erwacht waren, gähnten und gähnten, und zwar einige infolge der beständigen Erhebung ihrer Gedanken zu Gott und des Nichtzurückfallens derselben in den Körper, mit Gesichtern wie vom Körper abgeschnitten, (denn so erschienen sie sich und deshalb auch anderen;) einige mit wirr umherblickenden Augen infolge des beständigen Aufschlagens derselben; mit einem Wort alle mit beklemmter Brust und mit von Überdruß ermattetem Geist wie sie der Kanzel den Rücken zukehrten und ausriefen: Unsere Ohren sind betäubt, machet den Predigten ein Ende, man vernimmt kein Wort mehr, und der Ton fängt an uns anzuwidern! Und nun standen sie auf und liefen in Masse den Toren zu, erbrachen sie, drangen auf die Wachen ein und trieben sie zurück. Die Priester aber, als sie dies sahen, folgten ihnen nach, schlossen sich ihnen zur Seite an, lehrend und lehrend, bittend, seufzend und sprechend: Feiert das Fest, verherrlicht Gott, heiligt euch. In diesem Vorhof des Himmels wollen wir euch einweihen zur ewigen Verherrlichung Gottes in dem prächtigen und großartigen Tempel, der im Himmel ist, und so zum Genuß der ewigen Seligkeit. Allein dies wurde von ihnen nicht verstanden und kaum gehört, aus Stumpfsinn infolge der zweitägigen Geisteshemmung und Abhaltungen von häuslichen und öffentlichen Geschäften. Als sie sich aber von den Priestern loszumachen suchten, faßten diese sie bei den Armen und auch bei den Kleidern, sie zu den Gotteshäusern hindrängend, wo die Predigten wieder hergesagt werden sollten; doch vergebens!

Sie riefen: Laßt uns, wir fühlen im Leibe wie Ohnmacht! Als sie dies sagten, siehe da erschienen vier Männer in glänzend weißen Gewändern und mit Tiaren; einer von ihnen war in der Welt Erzbischof, und die drei anderen waren Bischöfe gewesen und nun Engel geworden; diese riefen die Priester zusammen, redeten sie an und sprachen: Wir haben euch vom Himmel aus mit diesen Schafen gesehen, wie ihr sie weidet; ihr weidet sie bis zum Verrücktwerden; ihr wisset nicht, was unter der Verherrlichung Gottes verstanden wird; es wird darunter verstanden Früchte der Liebe bringen, das heißt treu, aufrichtig und emsig das Werk seines Berufes verrichten, denn dies ist der Gegenstand der Gottes- und Nächstenliebe, und dies ist das Band der Gesellschaft und ihr Bestes; dadurch wird Gott verherrlicht, und dann zu festgesetzten Zeiten durch den Gottesdienst; habt ihr nicht gelesen die Worte des Herrn: „Dadurch wird Mein Vater verherrlicht, daß ihr viele Frucht bringet und Meine Jünger werdet“: Joh.15/8. Ihr Priester könnt in der Verherrlichung durch den Gottesdienst sein, weil dies euer Amt ist und daraus euch Ehre, Ruhm und Belohnung zuteil wird; doch könnt auch ihr nicht mehr als jene in dieser Verherrlichung sein, wofern nicht Ehre, Ruhm und Belohnung zugleich bei eurem Amt sind. Nachdem sie dies gesagt, gaben die Bischöfe den Türhütern die Weisung: Lasset alle ein und aus; denn es gibt eine Menge solcher, die sich unter der himmlischen Freude nichts anderes denken konnten, als einen immerwährenden Gottesdienst, weil sie von der Einrichtung des Himmels nichts gewußt haben.

739. Nach diesem kehrte der Engel mit seinen Begleitern zurück zu dem Ort der Versammlung, von dem die Scharen der Weisen sich noch nicht entfernt hatten, und hier rief er diejenigen zu sich her, welche geglaubt hatten, die himmlische Freude und die ewige Seligkeit sei bloß eine Einlassung in den Himmel, und zwar eine Einlassung aus göttlicher Gnade; und die Freude werde ihnen alsdann zuteil, gerade wie in der Welt denen, welche an festlichen Tagen an die Höfe der Könige, oder als Eingeladene zu Hochzeiten gehen. Zu diesen sagte der Engel: Bleibet noch ein wenig hier, ich will in die Trompete stoßen, und es werden solche herbeikommen, die wegen ihrer Weisheit in den geistlichen Dingen der Kirche eine große Berühmtheit erlangt haben! Nach einigen Stunden waren neun Männer da, jeder mit einem Lorbeer, dem Zeichen seines Ruhmes, geschmückt; diese führte der Engel in das Versammlungshaus, in dem sich alle früher schon Zusammenberufenen befanden. In deren Gegenwart redete nun der Engel die neun mit Lorbeeren Geschmückten an und sprach: Ich weiß, daß euch nach eurem Wunsch eurer Vorstellung gemäß gegeben worden ist, in den Himmel zu steigen, und daß ihr auf diese untere oder unterhimmlische Erde zurückgekehrt seid mit voller Kenntnis von der Einrichtung des Himmels; so erzählt nun, wie euch der Himmel erschienen ist! Sie antworteten hierauf der Ordnung nach, und zwar sagte der erste: Meine Vorstellung vom Himmel war von meinem ersten Knabenalter an bis ans Ende meines Lebens in der Welt die, daß er ein Ort aller Seligkeiten, Wonnen, Annehmlichkeiten, Genüsse und Vergnügungen sei, und daß, wenn ich nur eingelassen würde, die Himmelsluft solcher Wonnen mich umströmen, und ich sie mit voller Brust einatmen würde, wie der Bräutigam, wenn er die Hochzeit feiert und in das Brautgemach eintritt mit der Braut; mit dieser Vorstellung stieg ich gen Himmel und ging an der ersten und auch an der zweiten Wache vorüber, als ich aber zur dritten kam, redete mich der Befehlshaber der Wache an und fragte: Wer bist du, Freund! Ich erwiderte: Ist nicht hier der Himmel! Ich bin hier dem Zuge meiner Sehnsucht folgend heraufgestiegen, bitte, lasse mich ein, und er ließ mich ein; und ich sah Engel in weißen Kleidern, und diese umstanden und betrachteten mich, und flüsterten: Seht da einen neuen Gast, der kein Kleid des Himmels an hat! Ich hörte dies und dachte, dies kommt mir gerade vor, wie mit jenem, von dem der Herr sagte, er sei ohne hochzeitliches Kleid zur Hochzeit gegangen. Ich sagte daher: Gebt mir solche Kleider; sie aber lächelten, und nun kam einer aus dem Regierungsgebäude hergelaufen mit dem Befehl: Zieht ihn nackt aus, und stoßet ihn hinaus, und werft seine Kleider ihm nach; und so ward ich hinausgeworfen. Der zweite, der an die Reihe kam, sagte: Ich habe wie jener geglaubt, wenn man mich nur in den Himmel, der über meinem Haupt ist, einließe, so würden die Freuden mich umfließen, und ich würde sie in Ewigkeit fort einatmen. Mein Wunsch wurde mir auch gewährt; allein die Engel flohen mich, als sie mich ansichtig wurden und sagten: Was soll diese seltsame Erscheinung, wie kommt dieser Nachtvogel hierher? Wirklich fühlte ich auch eine Verwandlung meines Menschlichen, obgleich ich nicht wirklich verwandelt worden war; es begegnete mir dies infolge des Einatmens der himmlischen Atmosphäre; aber bald kam einer vom Regierungshaus her mit dem Befehl, zwei Diener sollten mich hinausführen, und auf demselben Weg, auf dem ich heraufgestiegen, mich in meine Behausung zurückbringen; und als ich Zuhause war, erschien ich anderen und mir selbst wieder als ein Mensch. Der dritte sagte: Ich hatte vom Himmel stets eine Vorstellung, die von der Örtlichkeit, nicht aber von der Liebe entlehnt war; als ich daher in diese Welt kam, hatte ich ein großes Verlangen nach dem Himmel, und sah auch solche, die hinanstiegen, und folgte ihnen, und ward eingelassen, jedoch nur einige Schritte weit. Als ich nun aber mein Gemüt erfreuen wollte gemäß der Vorstellunge von den Freuden und Seligkeiten daselbst, wurde mein Geist vom Licht des Himmels, das glänzend weiß war wie der Schnee, und dessen Wesen Weisheit sein soll, von Betäubung, und infolgedessen meine Augen von Finsternis befallen, und ich fing an irre zu reden, und bald auch geriet von der Wärme des Himmels, die dem glänzenden Weiß jenes Lichts entsprach und ihrem Wesen nach Liebe sein soll, mein Herz in klopfende Bewegung; es ergriff mich Bangigkeit, und ich ward von inwendigem Schmerz gequält und warf mich rücklings auf den Boden nieder; und als ich so dalag, kam einer von der Leibwache aus dem Regierungshaus mit dem Befehl, man solle mich langsam wegtragen in mein Licht und in meine Wärme; und als ich in diese kam, kehrte mir mein Geist und mein Herz zurück. Der vierte sagte: Auch ich bin in Beziehung auf den Himmel in der Vorstellung eines Ortes und nicht in der einer Liebe gewesen, und sobald ich in die geistige Welt gekommen war, fragte ich die Weisen, ob man in den Himmel hinaufsteigen dürfe. Sie sagten mir, dies sei jedem erlaubt, nur müsse man sich in Acht nehmen, daß man nicht herabgeworfen werde. Darüber lachte ich und stieg hinauf, indem ich gleich anderen glaubte, daß alle in der ganzen Welt für die Freuden daselbst in ihrer Fülle empfänglich wären; aber wahrhaftig, als ich darin war, verlor ich fast den Atem, und vor Schmerz und dann Qual im Kopf und im Leib, warf ich mich auf den Boden hin und krümmte mich wie eine ans Feuer gebrachte Schlange, und kroch bis zu einem jähen Abhang hin und stürzte mich denselben hinab. Hierauf wurde ich von den Untenstehenden aufgehoben und in eine Herberge gebracht, wo mir wieder wohl wurde. Die übrigen fünf erzählten auch Wunderdinge über ihr Aufsteigen in den Himmel, und verglichen die Veränderungen ihrer Lebenszustände mit dem Zustand der Fische, wenn sie aus dem Wasser in die Luft erhoben werden, und mit dem Zustand der Vögel im Äther; und sie sagten, nach jenen harten Erfahrungen hätte sie nicht weiter mehr nach dem Himmel gelüstet, sondern nur nach einem Zusammenleben mit ihresgleichen, wo diese auch wären; und sie wüßten wohl, daß in der Geisterwelt, wo wir eben seien, alle zuvor zubereitet würden, die Guten zum Himmel und die Bösen zur Hölle, und daß sie, sobald sie zubereitet sind, Wege für sich geöffnet sehen zu Gesellschaften solcher, die ihnen ähnlich sind, und bei denen sie dann in Ewigkeit bleiben werden, welche Wege sie dann mit Lust betreten, weil sie die Wege ihrer Liebe seien. Auch alle von der ersten Zusammenberufung legten, als sie dies hörten, das Bekenntnis ab, daß auch sie vom Himmel keine andere Vorstellung als wie von einem Ort gehabt hätten, wo sie mit vollem Mund die sie umströmenden Freuden in Ewigkeit einschlürfen würden. Hierauf sagte der Engel mit der Trompete zu ihnen: Ihr sehet nun, daß die Freuden des Himmels und die ewige Seligkeit nicht vom Ort, sondern vom Lebenszustand des Menschen abhängen, und daß der Zustand des himmlischen Lebens aus der Liebe und Weisheit herrührt; und weil die Nutzwirkung das ist, was jene beiden enthält, so stammt der Zustand des himmlischen Lebens aus der Verbindung beider in nützlicher Tätigkeit. Es ist dasselbe wenn man sagt: das Wohlwollen, der Glaube und das gute Werk, weil das Wohlwollen Liebe, der Glaube Wahrheit aus der Weisheit kommt, und das gute Werk Nutzwirkung ist. Überdies gibt es in unserer geistigen Welt zwar Örtlichkeiten, wie in der natürlichen Welt, denn sonst wären keine Häuser und gesonderte Wohnungen da, gleichwohl ist hier die Örtlichkeit nicht Örtlichkeit, sondern sie erscheint bloß als ein Ort gemäß dem Zustand der Liebe und Weisheit oder des Wohlwollens und des Glaubens. Jeder, der ein Engel wird, trägt seinen Himmel in sich, weil seines Himmels Liebe; denn der Mensch ist von der Schöpfung her ein kleinstes Nachbild, Ebenbild und Abdruck des großen Himmels. Die menschliche Gestalt ist nichts anderes, und deshalb kommt jeder in diejenige Gesellschaft des Himmels, deren Gestalt er in individueller Nachbildung ist; wenn er daher in diese Gesellschaft eintritt, so tritt er in die ihm entsprechende Form ein, er tritt somit wie von sich aus in seine eigene Form bei jener und von jener aus in die Form ein, die er in sich hat, und lebt ihr Leben als das seinige, und das seinige als das ihrige. Jede Gesellschaft ist wie ein Allgemeines, und die Engel in ihr sind wie die gleichartigen Teile, aus denen das Allgemeine zugleich besteht. Hieraus folgt nun, daß die, welche im Bösen und im Falschen aus diesem sind, ein Nachbild der Hölle in sich ausgestaltet haben, und dieses im Himmel gequält wird vom Einfließen und der Gewaltsamkeit des Einwirkens des Entgegengesetzten in Entgegengesetztes; denn die höllische Liebe ist der himmlischen Liebe entgegengesetzt, und darum geraten die Lustreize dieser beiden Arten von Liebe unter sich in Zusammenstoß wie Feinde, und bringen sich um, wenn sie zusammentreffen.

740. Nachdem dies verhandelt war, hörte man eine Stimme aus dem Himmel an den Engel mit der Trompete: Wähle aus allen Zusammenberufenen zehn aus und führe sie zu uns ein; der Herr wird, wie wir von Ihm gehört haben, sie zubereiten, daß die Wärme und das Licht, oder die Liebe und Weisheit unseres Himmels, drei Tage lang ihnen keinen Schaden zufügen. Und es wurden zehn ausgewählt, die folgten dem Engel; und sie stiegen einen steilen Fußsteig hinan auf einen Hügel, und von diesem auf einen Berg, auf dem der Himmel jener Engel sich befand, der ihnen früher in der Ferne als eine Feste in den Wolken erschienen war. Und die Tore wurden für sie geöffnet, und nachdem sie durch das dritte gegangen waren, eilte der einführende Engel zum Fürsten der Gesellschaft oder dieses Himmels hin und meldete ihre Ankunft; und der Fürst entgegnete: Nimm einige von meiner Leibwache und lasse sie wissen, daß ihre Ankunft mir angenehm sei, und führe sie in meinen Vorpalast, und weise jedem sein Zimmer mit seinem Schlafgemach an, und nimm etliche von meinen Hofleuten und von meinen Dienern, die ihnen aufwarten und sie auf den Wink bedienen; und es geschah so. Nachdem sie aber vom Engel eingeführt waren, fragten sie, ob sie sich nicht auch dem Fürsten nahen und ihn sehen dürften; und der Engel erwiderte: Es ist jetzt noch Morgen, und vor der Mittagszeit ist es nicht erlaubt; bis dahin ist jeder in seinem Amt und Beruf beschäftigt; allein ihr seid zum Mittagsmahl eingeladen, und dann werdet ihr mit unserem Fürsten an der Tafel sitzen; inzwischen will ich euch in seinen Palast führen, wo ihr Pracht und Glanz sehen werdet. Als sie zum Palast hingeführt wurden, besahen sie denselben zuerst von außen: er war von großem Umfang, der Oberbau von Porphyr, der Unterbau von Jaspis, und vor dem Portal sechs hohe Säulen von Lasurstein, das Dach von Goldblech, die hohen Fenster vom durchsichtigsten Kristall, und ihre Pfeiler ebenfalls von Gold. Nach diesem wurden sie ins Innere des Palastes und von einem Zimmer ins andere geführt, und sahen Prachtstücke von unbeschreiblicher Schönheit, und an den Decken Verzierungen von halberhabener Arbeit unnachahmlicher Art; an den Wänden hin standen Tische von Silber verschmolzen mit Gold, und auf diesen allerhand Geräte von kostbaren Steinen, und aus ganzen Edelsteinen in himmlischen Formen; und vieles, was kein Auge auf Erden je gesehen, daher auch niemand sich glaublich machen könnte, daß es dergleichen im Himmel gebe. Da sie nun über dieses Herrliche, das sie gesehen, in Staunen versetzt waren, sagte der Engel: Wundert euch nicht, das, was ihr seht, ist nicht von Engelshand gemacht und gebildet, sonder vom Werkmeister des Weltalls bereitet, und unserem Fürsten zum Geschenk gegeben worden; weshalb hier die Baukunst in ihrer Urkunst ist, und aus ihr alle Regeln dieser Kunst in der Welt herstammen. Weiter sagte der Engel: Es könnte euch bedünken, daß dergleichen Dinge unsere Augen bezaubern und sie so sehr verblenden, daß wir wohl gar glauben, sie seien die Freuden unseres Himmels; weil aber unsere Herzen nicht an ihnen hängen, so sind sie bloß Zugaben zu den Freuden unserer Herzen; insoweit wir sie daher als Zugaben und als Werke Gottes betrachten, insoweit betrachten wir die göttliche Allmacht und Huld in ihnen.

741. Hierauf sagte der Engel zu ihnen: Noch ist es nicht Mittag, kommt daher mit mir in unseres Fürsten Garten, der an diesen Palast stößt! Und sie gingen dahin, und beim Hineintreten sagte er: Seht hier einen Garten, herrlicher als alle Gärten in diesem himmlischen Verein! Sie aber erwiderten: Was sagst du? Hier ist kein Garten: wir sehen ja nur einen einzigen Baum, und an seinen Ästen und seinem Gipfel wie Früchte von Gold, und wie Blätter von Silber, und deren Ränder mit Smaragden geziert; und unter diesem Baum Kinder mit ihren Wärtern. Hierauf sagte der Engel mit begeisterter Stimme: Dieser Baum ist inmitten des Gartens und wird von uns der Baum unseres Himmels, von einigen auch der Baum des Lebens genannt; allein geht nur zu und tretet näher hin, so werden eure Augen geöffnet werden, und ihr werdet den Garten sehen. Und sie machten es so, und ihre Augen wurden geöffnet, und sie sahen Bäume, reich mit wohlschmeckenden Früchten behängt, und umschlungen von Rebengewinden, deren Wipfel mit ihren Früchten sich gegen den Baum des Lebens in der Mitte hinneigten. Diese Bäume standen in ununterbrochener Reihe, welche auslief und sich fortsetzte in endlose Kreis- oder Bogenalleen wie die einer fortlaufenden Schneckenlinie; es war wirklich eine vollkommene Schneckenlinie von Bäumen, wo  Art auf die andere folgte, je nach dem Adel ihrer Früchte. Der Ausgangspunkt des kreisartigen Umlaufs ließ zwischen sich und dem Baum in der Mitte einen ziemlich großen Zwischenraum, und dieser Zwischenraum schimmerte von der Strahlung des Lichts, von der die Bäume der kreisförmigen Allee in einem Glanze schimmerten, der allmählich von den ersten bis zu den letzten sich weiter verbreitete. Die ersten Bäume waren die edelsten von allen, mit den herrlichsten Früchten üppig behängt, sie hießen Paradiesbäume, dergleichen man noch nirgends gesehen, weil es auf den Erdkörpern in der natürlichen Welt, deren keine gibt noch geben kann. Nach diesen kamen Olivenbäume; nach diesen Bäume mit Weinreben; nach diesen Bäume mit Wohlgerüchen; und zuletzt Nutzholzbäume. Hin und wieder an dieser von Bäumen gebildeten Schneckenlinie oder kreisförmig fortlaufenden Allee waren Sitze angebracht, die an ihrer Rückseite von herangezogenen und verschlungenen Absenkern der Bäume gebildet, und reich mit deren Früchten behängt und geschmückt waren. An diesem ins Endlose fortlaufenden Kreisgang von Bäumen waren Ausmündungen, die gegen Blumenpflanzungen, und von diesen aus in grüne Auen hinausgingen, welche in freie Plätze und in Beete abgeteilt waren. Bei diesem Anblick riefen die Begleiter des Engels aus: Seht da den Himmel im Bilde! Wohin wir auch die Blicke unserer Augen wenden, kommt ihnen etwas Himmlisch-Paradiesisches entgegen, das unaussprechlich ist! Als er diese Worte hörte, freute sich der Engel und sagte: Alle Gärten unseres Himmels sind vorbildliche Formen oder Typen dessen, was die himmlischen Seligkeiten ihrem Ursprung nach sind, und weil der Einfluß dieser Seligkeiten eure Gemüter erhob, riefet ihr: Seht den Himmel im Bilde! Solche hingegen, die den Einfluß nicht in sich aufnehmen, sehen diese Paradiespflanzungen nur als Waldpflanzungen an; und jenen Einfluß nehmen alle diejenigen in sich auf, die in der Liebe zu gemeinnütziger Tätigkeit stehen; diejenigen hingegen nehmen ihn nicht in sich auf, die in einer Liebe zum Ruhm sind, ohne das allgemeine Beste dabei im Auge zu haben. Hierauf setzte er ihnen auseinander und lehrte sie, was die Einzelheiten dieses Parkes vorbildeten und bezeichneten.

742. Als sie noch hiermit beschäftigt waren, kam ein Bote vom Fürsten, der sie einlud, das Brot mit ihm zu essen; und zugleich brachten auch zwei Hofbediente Kleider von Byssus und sagten: Legt diese an, denn niemand wird zur Tafel des Fürsten zugelassen, der nicht mit Kleidern des Himmels angetan ist. Und sie machten sich fertig und folgten ihrem Engel, und wurden nun auf den unter freiem Himmel befindlichen Vorplatz des Palastes geführt, wo sie den Fürsten erwarteten; und hier brachte sie der Engel in Gespräche mit den Großen und Regierungsbeamten, die ebenfalls des Fürsten harrten; und siehe, nach einer kleinen Stunde wurden die Türen geöffnet, und durch eine etwas weitere Tür von der Abendseite her, sahen sie seinen Einzug in der Ordnung und Pracht einer feierlichen Prozession; vor ihm her gingen die Geheimen Räte, nach diesen die Räte der Schatzkammer, und nach diesen die Vornehmsten vom Hof; in der Mitte von diesen befand sich der Fürst, und hinter ihm Hofleute verschiedenen Ranges, und zuletzt die Trabanten; alle zusammen beliefen sich auf hundertzwanzig. Der Engel, der vor den zehn neuen Ankömmlingen stand, die vermöge ihrer Kleidung jetzt als Einheimische erschienen, trat mit ihnen zum

Fürsten hin und stellte sie ehrerbietig vor, und ohne sich im Weitergehen aufzuhalten, sagte der Fürst zu ihnen: Kommt mit mir zum Brot! Und sie folgten in den Speisesaal und sahen die Tafel herrlich zubereitet, und in deren Mitte eine hochragende Pyramide von Gold mit hundert Schalen in dreifacher Reihe auf ihren Gestellen, und auf diesen Zuckerbackwerk mit Weinmostgallerte, nebst anderen aus Brot und Wein bereiteten Leckerbissen; und mitten durch die Pyramide herauf quoll wie ein Springquell nektarischen Weins, dessen Strahl sich von der Spitze der Pyramide aus zerteilte und die Becher füllte. An den Seiten dieser hohen Pyramide waren mancherlei himmlische Gebilde von Gold, auf denen Platten und Teller standen mit Speisen aller Art angefüllt. Die himmlischen Gebilde, auf denen die Platten und Teller standen, waren Gebilde der aus der Weisheit stammenden Kunst, die in der Welt durch keine Kunst nachgebildet, noch mit Worten beschrieben werden können; die Platten und Teller waren von Silber, und hatten rings herum auf ihrer Fläche ähnliche Gebilde in erhabener Arbeit, wie die Unterlagen, auf denen sie ruhten; die Becher waren von durchsichtigen Edelsteinen; - so war die Zurichtung der Tafel beschaffen.

743. Der Anzug des Fürsten und seiner Minister aber war folgender: Der Fürst war angetan mit einem purpurnen Talar, besät mit gestickten Sternen von Silberfarbe; unter dem Talar trug er ein Untergewand von glänzender hyazinthfarbiger Seide; dieses war um die Brust offen, und hier zeigte sich der vordere Teil eines Bandes mit dem Ordenszeichen seiner Gesellschaft; dieses Ordenszeichen war ein Adler auf dem Gipfel eines Baumes über seinen Jungen sitzend; dasselbe war von strahlendem Gold, mit Diamanten eingefaßt. Die Geheimen Räte waren fast ebenso gekleidet, doch ohne jenes Ordenszeichen; anstatt desselben hatten sie geschnittene Saphire, die an einer goldenen Kette vom Hals herabhingen. Die Hofleute trugen Togen von hellbrauner Farbe, mit eingewirkten Blumen, die sich um junge Adler wanden. Ihre Untergewänder waren von opalfarbiger Seide; ebenso die Beinkleider und Strümpfe. So war ihr Anzug beschaffen.

744. Um den Tisch herum standen die Geheimen Räte, die Räte der Schatzkammer und die Regierungsbeamten; und auf Geheiß des Fürsten falteten sie die Hände und beteten leise ein Dankgebet zu dem Herrn, und hierauf ließen sie sich auf den Wink des Fürsten auf Polstern an der Tafel nieder. Der Fürst aber sprach zu den zehn neu Angekommenen: Nehmt auch ihr Platz bei mir, seht, hier sind eure Sitze!

Und sie setzten sich; die Hofbedienten aber, die schon vorher vom Fürsten zu ihrer Bedienung angewiesen waren, stellten sich hinter ihren Rücken. Hierauf sagte der Fürst zu ihnen: Nehmt jeder einen Teller von ihren Einsätzen, und dann auch jeder eine Schale von der Pyramide; und sie taten also und siehe, sogleich erschienen neue Teller und Schalen an ihrer Stelle eingesetzt; und ihre Becher wurden aus dem von der großen Pyramide niedersprudelnden Quell mit Wein gefüllt, und sie aßen [und tranken]. Als sie nun halb gesättigt waren, redete der Fürst die zehn Eingeladenen an und sprach: Ich habe gehört, daß ihr auf der Erde, die unterhalb dieses Himmels ist, zusammenberufen ward, um eure Gedanken zu eröffnen über die Himmelsfreuden und die daraus hervorgehende ewige Seligkeit, und daß ihr euch auf verschiedene Weise vernehmen ließet, jeder nach den Lustreizen seiner Körpersinne. Was sind aber Lustreize des Körpers ohne Lustreize der Seele? Die Seele ist es, die sie zu Lustreizen macht; die Lustreize der Seele an sich sind unempfindbare Wonnen; sie werden aber mehr und mehr empfindbar, wie sie in die Gedanken des Gemüts und von da in die Empfindungen des Körpers herabsteigen. In den Gedanken des Gemüts werden sie empfunden als Freudigkeit, in den Empfindungen des Körpers als Lustgefühle, im Körper selbst als Wohlbehagen. Aus diesen und jenen zugleich besteht die ewige Seligkeit; aus den letzteren allein aber ist die Seligkeit nicht eine ewige, sondern eine zeitliche, die ein Ende nimmt und vorübergeht, und zuweilen zur Unseligkeit wird. Ihr habt nun gesehen, daß alle eure Freuden auch Himmelsfreuden sind, und zwar herrlichere, als ihr euch jemals denken konntet, und dennoch ergreifen sie unsere Gemüter nicht innerlich. Dreierlei ist, was als eines vom Herrn in unsere Seelen einfließt; diese drei als eines, oder dieses Dreieine, sind Liebe, Weisheit und nützliches Wirken. Liebe aber und Weisheit existieren nur in ideeller Weise, weil nur im Gefühl und dem Denken unseres Gemütes; in der Nutzwirkung hingegen existieren sie in reeller Weise, weil zugleich im Handeln und Wirken des Körpers; und wo sie in reeller Weise existieren, da haben sie auch Bestand; und weil die Liebe und die Weisheit in der Nutzwirkung Dasein und Bestand haben, so ist es eben die Nutzwirkung, die uns anregt. Die Nutzwirkung besteht aber darin, daß man treu, redlich und eifrig den Werken seines Berufes obliegt. Die Liebe zur Nutzwirkung, und hieraus der Eifer bei der Nutzwirkung, hält das Gemüt zusammen, daß es nicht zerfließt und umherschweift, und nicht alle Begierden in sich saugt, die aus dem Körper und durch die Sinne mit ihren Lockungen aus der Welt einfließen, wodurch dann die Wahrheiten der Religion und die Wahrheiten der Moral mit ihrem Guten in alle Winde zerstreut würden. Der Eifer des Gemüts bei der Nutzwirkung dagegen hält und bindet jene zusammen, und bringt das Gemüt in eine Verfassung, die für die aus jenen Wahrheiten hervorgehende Weisheit empfänglich ist, und treibt sodann von den Seiten die Blendwerke und Tändeleien, sowohl der Irrtümer als der Eitelkeiten, aus. Ihr werdet jedoch hierüber noch mehr von den Weisen unserer Gesellschaft hören, die ich diesen Nachmittag zu euch schicken werde. Nach diesen Worten stand der Fürst auf, und zugleich mit ihm die Gäste; dann gab er den Friedensgruß, und trug dem Engel, ihrem Führer, auf, sie in ihre Gemächer zurückzuführen und ihnen alle Rücksicht ehrender Gastfreundlichkeit zu erweisen. Auch möge er Männer von Bildung und Leutseligkeit herbeirufen, die sie durch Gespräche über die mancherlei Freuden dieser Gesellschaft unterhalten sollten.

745. Dies geschah auch. Nachdem sie zurückgekehrt waren, fanden die aus der Stadt Berufenen, welche sie durch Gespräche über die mancherlei Freuden dieser Gesellschaft unterhalten sollten, sich ein, und führten nach der Begrüßung im Auf- und Abgehen eine Unterhaltung voll Artigkeit und Feinheit mit ihnen. Der Engel aber, deren Führer, sagte ihnen: Diese zehn Männer sind in diesen Himmel eingeladen worden, um die Freuden desselben zu sehen und hierdurch einen neuen Begriff von der ewigen Seligkeit zu erhalten; erzählt ihnen daher etwas von den Freuden daselbst, welche die Sinne des Körpers anregen; späterhin werden Weise kommen und einiges darüber mitteilen, was jene Freuden beglückend und beseligend macht. Als sie dies hörten, erzählten die aus der Stadt Gerufenen folgendes:

1. Es gibt hier festliche Tage, die vom Fürsten angeordnet werden, um den Gemütern Erholung zu verschaffen von der Ermüdung, welche die Begierde der Nacheiferung bei manchen nach sich gezogen hat. An solchen Tagen gibt es musikalische Harmonien und Gesänge auf den öffentlichen Plätzen, und außerhalb der Stadt Spiele und dramatische Vorstellungen; auf den öffentlichen Plätzen sind Orchester errichtet, mit Schranken umgeben, die von Weinreben umrankt sind, von denen Trauben herabhängen. Innerhalb derselben sitzen auf drei Erhöhungen Musiker mit Saiten- und mit Blasinstrumenten von hohem und tiefem Ton, sowie von starkem und sanftem Ton; auf den Seiten sind die Sänger und Sängerinnen, und ergötzen die Bürger mit den lieblichsten Jubelgesängen und Liedern, teils im Chor, teils allein, in Pausen, je nach ihren Arten untereinander abwechselnd. Dergleichen dauert daselbst an jenen Festtagen vom Morgen bis zum Mittag, und dann wider bis zum Abend fort.

2. Außerdem hört man an jedem Morgen aus den Häusern um die öffentlichen Plätze herum die lieblichsten Gesänge von Jungfrauen und Mädchen, von denen dann die ganze Stadt ertönt. Es ist immer ein Gefühl der geistigen Liebe, das jeden Morgen besungen, d.h. durch die verschiedenen Wendungen einer klangreichen Stimme oder durch die Modulationen des Gesanges dargestellt wird, und jenes Gefühl wird im Gesang so empfunden, als ob dieser es selbst wäre. Es fließt ein in die Seelen der Zuhörer und regt dieselben zu Entsprechendem an. Von solcher Beschaffenheit ist der himmlische Gesang. Die Sängerinnen sagen, daß der Ton ihres Gesanges sie gleichsam von innen her begeistere und beseele und angenehm erhebe, je nach der Aufnahme von seiten der Zuhörer. Ist dies zu Ende, so schließen sich die Fenster der Häuser des öffentlichen Platzes, und zugleich die der Häuser der Straßen, und auch die Türen, und dann herrscht Stille in der ganzen Stadt; man hört weder irgendwo Geschrei, noch sieht man müßige Spaziergänger, sondern alle betreiben jetzt eifrig die Geschäfte ihres Berufes.

3. Um die Mittagszeit aber öffnen sich die Türen, und Nachmittags hie und da auch die Fenster, und man sieht den Spielen der Knaben und Mädchen auf den Straßen zu, die unter der Aufsicht ihrer Wärter und Lehrer stattfinden, die in den Säulengängen der Häuser sitzen. 4. An den Seiten der Stadt, in ihren äußersten Teilen gibt es mancherlei Spiele von Knaben und Jünglingen; Wettläufe, Spiele mit Fangbällen und mit Ballnetzen zum Ballschlagen, die man Rakete nennt, Wettkämpfe unter den Knaben, wer mehr oder weniger Gewandtheit im Reden, Handeln und Auffassen habe - die Rüstigeren erhalten einige Lorbeerblätter als Preis; außer mehreren anderen Übungen, welche die in den Knaben schlummernden Fähigkeiten wecken.

5. Ferner finden außerhalb der Stadt Bühnenvorstellungen von Schauspielern statt, welche die mannigfaltigen Grazien und Tugenden des sittlichen Lebens darstellen. Unter jenen gibt es auch Historionen, wegen der Beziehungen. Wieso wegen der Beziehungen? fragte einer von den zehn, und sie erwiderten: Keine Tugend läßt sich in ihrer vollen Würde und Schönheit lebendig darstellen, außer durch ihr Verhältnis vom Höchsten bis zum Niedrigsten. Die Historionen stellen dessen Niedrigstes dar, bis dahin, wo es gänzlich zu Nichts wird. Es ist jedoch durch ein Gesetz verboten, etwas Entgegengesetztes, das man Unedles und Gemeines nennt, darzustellen, außer in verblümter Weise und gleichsam in entfernter Andeutung. Der Grund dieses Verbotes ist, weil nichts Edles und Gutes irgendeiner Tugend durch allmähliche Übergänge in Unedles und Böses umschlägt, sondern nur bis zu seiner untersten Stufe herabsinkt, bis es sich verliert, und wenn es sich verloren hat, fängt erst das Gegenteil an. Daher hat der Himmel, wo alles edel und gut ist, nichts mit der Hölle gemein, wo alles unedel und böse ist.

746. Während dieser Unterredung kam ein Diener herbei mit der Meldung, daß auf Befehl des Fürsten acht Weise da seien und Eintritt verlangten. Als der Engel dies hörte, ging er hinaus und empfing sie, und führte sie herein. Sobald man nach Sitte und Anstand die gegenseitige Bekanntschaft gemacht hatte, sprachen die Weisen mit ihnen zuerst über die Anfänge und das Wachstum der Weisheit, wobei sie manches über die Fortentwicklung derselben mit einflochten und bemerkten, daß die Weisheit bei den Engeln nirgends eine Grenze habe oder aufhöre, sondern in Ewigkeit fortwachse und vermehrt werde. Hierauf sagte der Engel der Schar zu ihnen: Unser Fürst hat mit ihnen bei der Tafel vom Sitz der Weisheit gesprochen, daß er nämlich in der Nutzwirkung sei; sprechet auch ihr mit ihnen darüber, wenn es euch beliebt. Sie sagten: Der zuerst erschaffene Mensch wurde mit Weisheit und mit Liebe zu ihr erfüllt, nicht um seinetwillen, sondern um sie von sich wieder anderen mitzuteilen, daher ist der Weisheit der Weisen eingeschrieben, daß keiner bloß für sich allein weise sein und leben solle, sondern zugleich auch für die anderen; daher die Gesellschaft, die sonst nicht statthätte. Für andere leben heißt, Nutzen schaffen. Die Nutzwirkungen sind die Bande der Gesellschaft; und derselben gibt es so viele, als es Leistungen des Guten gibt, und diese Nutzleistungen sind der Zahl nach unendlich. Es gibt geistige Nutzwirkungen, welche die der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten sind; es gibt sittliche und staatsbürgerliche Nutzleistungen, welche die der Liebe zur Gesellschaft und zum Staat sind, in denen sich der Mensch befindet, und der Liebe zu den Genossen und Staatsbürgern, mit denen er lebt. Es gibt auch natürliche Nutzwirkungen, denen auch die Liebe zur Welt und zu deren Bedürfnisse zugrunde liegt; und es gibt endlich körperliche Nutzwirkungen, welche die der Liebe zur Selbsterhaltung um höherer Nutzwirkungen willen sind. Alle diese Nutzwirkungen sind dem Menschen eingeschrieben, und folgen der Reihe nach, eine nach der anderen, und sind sie beisammen, so liegt die eine in der anderen. Solche, die in den ersten Nutzwirkungen sind, nämlich in den geistigen, sind auch in den folgenden, und diese sind weise; solche aber, die nicht in den ersten sind, jedoch in den zweiten und hierdurch in den nachfolgenden, sind nicht so weise, sondern erscheinen bloß als solche infolge ihrer äußeren Sittlichkeit und Ehrbarkeit. Diejenigen hingegen, die weder in den ersten, noch in den zweiten sind, sondern in den dritten und vierten, sind nichts weniger als weise, denn sie sind Satane, weil sie bloß die Welt und sich um der Welt willen lieben. Diejenigen aber, die nur in den vierten sind, sind unter allen am wenigsten weise, denn sie sind Teufel, weil sie für sich allein leben, und wenn für andere, einzig nur um ihrer selbst willen. Überdies liegt in jeder Liebe ihr eigener Lustreiz, denn die Liebe lebt durch diesen; und der Lustreiz der Liebe zu Nutzwirkungen ist ein himmlischer Lustreiz, der in die nachfolgenden Lustreize der Reihe nach eindringt, und sie der Reihenfolge gemäß erhöht und ewig macht. Hernach zählten sie die himmlischen Wonnen auf, die aus der Liebe zu Nutzwirkungen hervorgehen, und sagten, es gebe Myriaden von Myriaden derselben, und, wer in den Himmel eintrete, trete auch in sie ein. Und so brachten sie noch weiter den Tag mit ihnen hin unter Gesprächen der Weisheit über die Liebe zu Nutzwirkungen bis zum Abend. Gegen Abend aber kam ein Läufer, in Leinwand gekleidet, zu den zehn Ankömmlingen, die dem Engel gefolgt waren, und lud sie zu einer Hochzeit ein, die am folgenden Tag gefeiert werden sollte; und die Ankömmlinge waren sehr erfreut, daß sie auch eine Hochzeit im Himmel sehen sollten. Nach diesem wurden sie zu einem der Geheimräte geführt und speisten mit ihm. Nach der Abendmahlzeit kehrten sie zurück, und trennten sich voneinander, jeder in sein Schlafgemach, und schliefen bis zum Morgen; und nun beim Erwachen hörten sie den Gesang der Jungfrauen und Mädchen aus den Häusern um den öffentlichen Platz her, wovon oben Erwähnung geschah. Es wurde gerade das Gefühl der ehelichen Liebe besungen, und von der Lieblichkeit desselben tief ergriffen und erregt, empfanden sie das selige Entzücken, das seinen Freuden innewohnte und diese erhöhte und verjüngte. Als es Zeit war, sagte der Engel: Macht euch fertig, und zieht die Gewänder des Himmels an, die unser Fürst euch gesandt hat; und sie zogen dieselben an und siehe, die Kleider erglänzten wie von flammendem Licht, und sie fragten den Engel: Woher kommt dieses? Er antwortete: Weil ihr im Begriff seid, zu einer Hochzeit zu gehen. Bei uns erglänzen dann immer die Kleider und werden hochzeitlich.

747. Hierauf führte sie der Engel in das Hochzeitshaus, und der Pförtner öffnete die Tür. Gleich an der Schwelle wurden sie empfangen und begrüßt von einem Engel, den der Bräutigam abgesandt hatte. Sie wurden nun eingeführt und zu den für sie bestimmten Sitzen hingeleitet. Sofort wurden sie in das Vorzimmer des Brautgemachs gebeten, wo sie in der Mitte einen Tisch sahen, auf dem ein prächtiger Armleuchter mit sieben Röhren und Kelchen von Gold stand. An den Wänden hingen Leuchter von Silber, von denen, nachdem sie angezündet waren, die Atmosphäre wie golden erschien. An den Seiten des Armleuchters erblickten sie zwei Tische, auf die in dreifacher Reihe Brote gelegt waren, und in den vier Ecken Tische, auf denen kristallene Becher standen. Während sie dies betrachteten, siehe, da öffnete sich die Tür aus dem Zimmer neben dem Brautgemach, und sie sahen sechs Jungfrauen heraustreten, und hinter ihnen den Bräutigam und die Braut, die sich bei den Händen hielten und sich an den Thronsessel begaben, der dem Armleuchter gegenüber stand. Auf denselben ließen sie sich nieder, der Bräutigam zur Linken und die Braut zu seiner Rechten, und die sechs Jungfrauen stellten sich zur Seite des Thronsessels neben der Braut auf. Der Bräutigam war angetan mit einem Mantel von leuchtendem Purpur, und einem Untergewand aus glänzendem Byssus, mit einem kurzen Leibrock, auf dem ein goldenes Brustschild war, rings mit Diamanten besetzt; und auf dem Brustschild war ein junger Adler eingegraben, als die Hochzeitsauszeichnung dieser Gesellschaft des Himmels, und das Haupt des Bräutigams bedeckte ein Kopfbund. Die Braut aber war angetan mit einem Scharlachmantel und einem gestickten Kleid unter demselben, das vom Hals bis zu den Füßen herabwallte; unter der Brust trug sie einen goldenen Gürtel, und auf dem Haupt eine Krone von Gold mit eingelegten Rubinen. Als sie so zusammen saßen, wandte sich der Bräutigam zur Braut und steckte einen goldenen Ring an ihren Finger; dann nahm er Armspangen und ein Halsgeschmeide, beide von Perlen, und befestigte die Armspangen um ihre Handgelenke und das Halsgeschmeide um ihren Hals: Nimm hin diese Pfänder, sprach er, und indem sie dieselben nahm, küßte er sie und sprach: Jetzt bist du mein! und nannte sie sein Weib. Hierauf riefen die Geladenen: Segen über euch! So rief jeder einzeln, und dann alle zugleich. Auch ein Abgeordneter vom Fürsten rief es an der Stelle desselben ihnen zu; und in diesem Augenblick wurde der Hochzeitssaal mit aromatischem Duft erfüllt, welches das Zeichen des Segens vom Himmel war. Nach diesem nahmen die Diener von den beiden Tischen neben dem Armleuchter die Brote, und von den Tischen in den Ecken die jetzt mit Wein gefüllten Becher, und gaben jedem der Geladenen sein Brot und seinen Becher, und sie aßen und tranken. Dann aber erhob sich der Vermählte und sein Weib, und die sechs Jungfrauen mit silbernen und nun angezündeten Lampen in den Händen folgten ihnen bis zur Schwelle; die Gatten aber traten in das Hochzeitsgemach und die Türe ward verschlossen.

748. Hierauf sprach der führende Engel mit den Eingeladenen über seine zehn Begleiter: Ich habe sie auf Befehl eingeführt und ihnen die Herrlichkeiten des Palastes des Fürsten und die Wunderdinge darin gezeigt; sie haben auch mit ihm an der Tafel gespeist, und sich dann mit unseren Weisen unterhalten; meine Bitte ist nun, ihr möchtet ihnen erlauben, auch mit euch ein Gespräch anzuknüpfen. Sie traten demgemäß herzu und unterhielten sich mit ihnen. Und ein Weiser aus der Zahl der Hochzeitgäste fragte: Versteht ihr auch die Bedeutung dessen, was ihr gesehen habt? Sie sagten: Nur weniges! und fragten ihn nun, warum der Bräutigam, jetzt Gatte, so gekleidet gewesen sei. Er antwortete: Der Bräutigam, jetzt Gatte, hat den Herrn vorgestellt, und die Braut, jetzt Gattin, hat die Kirche vorgebildet, da die Hochzeiten im Himmel die Ehe des Herrn mit der Kirche vorbilden. Daher kommt, daß er auf seinem Haupt einen Kopfbund trug, und mit Mantel, Untergewand und einem kurzen Leibrock bekleidet war wie Aharon, und daß auf dem Haupt der Braut, nun Gattin, eine Krone war, und sie mit einem Mantelkleid bekleidet war wie eine Königin. Morgen aber werden sie anders gekleidet sein, weil diese Vorbildung nur für heute besteht. Wieder fragten sie: Da er den Herrn vorbildete, und sie die Kirche, warum saß sie denn zu seiner Rechten? Der Weise antwortete: Weil zweierlei ist, was die Ehe des Herrn und der Kirche bildet, nämlich die Liebe und die Weisheit; und zwar ist der Herr die Liebe und die Kirche ist die Weisheit, und die Weisheit ist zur Rechten der Liebe; denn der Mensch der Kirche ist weise wie von sich, und so wie er weise ist, nimmt er Liebe vom Herrn auf. Die Rechte bezeichnet auch Macht, und Macht hat die Liebe durch die Weisheit. Aber, wie gesagt, nach der Hochzeit ändert sich die Vorbildung, denn dann bildet der Mann die Weisheit vor, und das Weib die Liebe zu seiner Weisheit. Diese Liebe ist jedoch nicht die frühere Liebe, sondern sie ist eine sekundäre Liebe, die dem Weibe vom Herrn zuteil wird durch die Weisheit des Mannes; die Liebe des Herrn, welche die frühere Liebe ist, ist Liebe zum Weisesein beim Mann; daher bilden nach der Hochzeit beide zusammen, der Mann und sein Weib, die Kirche vor. Weiter fragten jene: Warum standet ihr Männer nicht an der Seite des Bräutigams, jetzt Ehegatten, so wie die sechs Jungfrauen an der Seite der Braut, jetzt Ehegattin, standen? Der Weise antwortete: Der Grund ist, weil wir heute unter die Jungfrauen gezählt werden, und weil die Zahl Sechs bedeutet: alle und das Vollständige. Jene aber fragten: Wie so? Er antwortete: Die Jungfrauen bedeuten die Kirche, und die Kirche ist aus beiden Geschlechtern, weshalb auch wir in betreff der Kirche Jungfrauen sind. Daß dem so ist, ergibt sich aus folgenden Stellen in der Offb.14/4: „Diese sind es, die mit Weibern nicht befleckt worden sind, denn sie sind Jungfrauen, und folgen dem Lamme, wohin es geht“. Und weil die Jungfrauen die Kirche bezeichnen, darum hat der Herr diese verglichen mit den zehn Jungfrauen, die zur Hochzeit geladen waren: Matth.25/1f. Und weil durch Israel, Zion und Jerusalem die Kirche bezeichnet wird, darum wird so oft im Wort gesagt: Jungfrau und Tochter Israels, Zions und Jerusalems. Der Herr schildert auch Seine Ehe mit der Kirche in folgenden Worten bei David, Ps.45/10-16: „Die Königin zu Deiner Rechten in köstlichem Gold von Ophir, von Goldwirkerei ihr Gewand, in Stickereien wird sie zum König geführt werden, Jungfrauen in ihrem Gefolge, ihre Freundinnen werden in den Palast des Königs kommen“. Hernach bemerkten jene: Ist nicht Sitte, daß ein Priester zugegen sei und sein Amt dabei verrichte? Der Weise antwortete: Auf Erden ist das angemessen, aber nicht in den Himmeln, wegen der Vorbildung des Herrn selbst und der Kirche; dies weiß man auf Erden nicht, dennoch aber besorgt bei uns ein Priester die Verlöbnisse, und vernimmt die Einwilligung, empfängt, bekräftigt und weiht sie. Die Einwilligung ist nämlich das Wesentliche der Ehe, das übrige, was nachfolgt, bildet ihre Formalitäten.

749. Hierauf trat der führende Engel zu den sechs Jungfrauen und erzählte auch ihnen von seinen Begleitern, und bat sie, sie möchten dieselben ihres Gesprächs würdigen. Da traten sie herzu, als sie aber nahe waren, wichen sie plötzlich zurück und gingen in das Frauengemach, wo sich ebenfalls Jungfrauen, ihre Freundinnen, befanden. Als der führende Engel dies bemerkte, folgte er ihnen nach und fragte, warum sie, ohne mit jenen zu sprechen, so plötzlich hinweggegangen wären. Sie gaben zur Antwort: Wir konnten uns nicht nähern. Er fragte: Warum dies? Und sie antworteten: Wir wissen es nicht, aber wir empfanden etwas, was uns abstieß und zurückscheuchte; sie mögen verzeihen. Der Engel kehrte zu seinen Begleitern zurück und sagte die Antwort mit der Bemerkung: Ich vermute, daß ihr keine keusche Geschlechtsliebe habt. Im Himmel lieben wir die Jungfrauen wegen ihrer Schönheit und Sittenanmut, und lieben sie innig, aber auf keusche Weise. Darüber lachten seine Begleiter und sagten: Deine Vermutung ist richtig; denn wer kann solche Schönheiten in seiner Nähe sehen, ohne irgend Begierde zu fühlen?

750. Nach dieser festlichen Gesellschaft entfernten sich alle zur Hochzeit Geladenen, und auch jene zehn Männer mit ihrem Engel; es war spät am Abend, und sie legten sich zu Bett. Als der Morgen dämmerte, hörten sie den Ruf: Heute ist Sabbath! Sie standen auf und fragten den Engel, was dies bedeute. Dies gilt, erwiderte er, dem Gottesdienst, der zu bestimmten Zeiten wiederkehrt und von den Priestern angekündigt

wird. Er wird in unseren Tempeln gehalten und dauert ungefähr zwei Stunden. Wenn es euch daher beliebt, so geht mit mir, und ich werde euch einführen. Und sie machten sich fertig und begleiteten den Engel und gingen hinein. Und siehe, es war ein großer Tempel, der etwa dreitausend Menschen faßte und halbkreisförmig gebaut war, die Bänke oder Sitze fortlaufend nach der Figur des Tempels in die Runde herum angebracht. Der Predigtstuhl befand sich diesen gegenüber, etwas hinter dem Mittelpunkt; die Tür hinter dem Predigtstuhl zur Linken. Die zehn fremden Männer traten ein mit dem Engel, ihrem Führer, und der Engel wies ihnen Plätze zum Sitzen an, und sagte ihnen: Ein jeder, der in diesen Tempel tritt, weiß seinen Platz; er weiß dies aus einem ihm eingepflanzten Gefühl, und kann nicht anderswo sitzen. Will er es anderswo, so hört er nichts und vernimmt nichts, und stört auch die Ordnung, und infolge dieser Störung hört bei den Priestern die Begeisterung auf.

751. Nachdem man sich versammelt hatte, bestieg der Priester die Kanzel und hielt eine Predigt voll Geistes der Weisheit. Die Predigt handelte von der Heiligkeit der Heiligen Schrift, und von der vermittelst derselben bewirkten Verbindung des Herrn mit beiden Welten, der geistigen und der natürlichen. In der Erleuchtung, in der er stand, bewies er auf vollständig überzeugende Weise, daß jenes heilige Buch diktiert worden ist von Jehovah, dem Herrn, und daß daher Er selbst in demselben ist, so daß Er selbst die Weisheit darin ist; daß jedoch die Weisheit, die Er selbst in demselben ist, unter dem Buchstabensinn verborgen liege und nur denen eröffnet werde, die in den Wahrheiten der Lehre und zugleich im Guten des Lebens sind, und somit im Herrn und der Herr in ihnen. An die Predigt knüpfte er ein Gebet, und sprach den Segen und stieg herab. Als sich die Zuhörer entfernten, bat der Engel den Priester, daß er einige Worte des Friedens mit seinen zehn Gefährten sprechen möchte; und er trat zu ihnen hin und sie sprachen eine halbe Stunde miteinander. Er redete von der göttlichen Dreieinheit, daß diese in Jesus Christo sei, in Dem alle Fülle der Gottheit leibhaftig wohne, nach dem Ausspruch des Apostels Paulus; und dann sprach er von der Vereinigung der tätigen Liebe und des Glaubens; er nannte sie jedoch die Vereinigung der Liebtätigkeit und der Wahrheit, weil der Glaube die Wahrheit ist.

752. Nachdem sie dafür gedankt hatten, kehrten sie nach Hause zurück; und hier sagte der Engel zu ihnen: Es ist heute der dritte Tag seit eurem Heraufkommen in die Gesellschaft dieses Himmels, und auf drei Tage seid ihr zubereitet vom Herrn, hier zu bleiben. Es ist daher Zeit, daß wir uns trennen; legt deshalb die vom Fürsten gesandten Kleider ab und zieht die eurigen an. Und als sie sich in diesen befanden, kam sie ein Verlangen an hinwegzugehen, und sie entfernten sich und stiegen hinab, indem der Engel sie bis zum Ort der Zusammenkunft begleitete; und hier sagten sie dem Herrn Dank, daß Er sie gewürdigt habe, sie mit der Erkenntnis und dem daraus hervorgehenden Verständnis der himmlischen Freuden und der ewigen Seligkeit zu beglücken.