IV.  Das goettliche Wahre ist im Buchstabensinn des Wortes in seiner Fuelle, in seinem Heiligtum und in seiner Macht  

214. Daß das Wort im Buchstabensinn in seiner Fülle, in seinem Heiligtum und in seiner Macht ist, hat seinen Grund darin, daß die beiden früheren oder inwendigeren Sinne, welche der geistige und der himmlische heißen, im natürlichen Sinn, welcher der Buchstabensinn ist, beisammen sind, wie oben Nr. 210 und 212 gesagt worden ist; allein in welcher Weise sie beisammen sind, davon soll noch weiter die Rede sein. Es gibt im Himmel und in der Welt eine aufeinanderfolgende Ordnung und eine gleichzeitige Ordnung. In der aufeinanderfolgenden Ordnung kommt und folgt das eine nach dem anderen, vom Obersten bis zum Untersten; in der gleichzeitigen Ordnung aber ist das eine neben dem anderen, vom Innersten bis zum Äußersten. Die aufeinanderfolgende Ordnung ist wie eine Säule mit Stufen vom Höchsten bis zum Untersten; die gleichzeitige Ordnung hingegen ist wie ein Werk, das zusammenhängt mit Umkreisen vom Mittelpunkt aus bis zur äußersten Oberfläche. Nun soll gesagt werden, wie die aufeinanderfolgende Ordnung im Letzten zur gleichzeitigen Ordnung wird; es geschieht dies auf folgende Weise: das Höchste der aufeinanderfolgenden Ordnung wird zum Innersten der gleichzeitigen Ordnung, und das Unterste der aufeinanderfolgenden Ordnung wird zum Äußersten der gleichzeitigen Ordnung. Es ist vergleichsweise wie eine Säule mit Stufen, wenn sie [in sich selbst] niedersinkend, ein auf der Ebene zusammenhängender Körper wird. So wird das Gleichzeitige aus dem Aufeinanderfolgenden gebildet, und zwar dies in allem und jedem der natürlichen Welt, und in allem und jedem der geistigen Welt; denn allenthalben ist ein Erstes, ein Mittleres und ein Letztes, und das Erste strebt und dringt durch das Mittlere zu seinem Letzten fort.

Allein es ist wohl zu merken, daß es Grade der Reinheit gibt, nach denen beiderlei Ordnung statthat. Nun [die Anwendung] auf das Wort: das Himmlische, das Geistige und das Natürliche gehen vom Herrn in aufeinanderfolgender Ordnung aus, und sind im Letzten in gleichzeitiger Ordnung; so nun sind der himmlische und der geistige Sinn des Wortes in dessen natürlichem Sinne beisammen. Sobald man dies begreift, kann man sehen, wie der natürliche Sinn des Wortes die Hülle, die Grundlage und die Stütze seines geistigen und himmlischen Sinnes ist; dann auch wie das göttlich Gute und das göttlich Wahre im Buchstabensinn des Wortes in seiner Fülle, in seinem Heiligtum und in seiner Macht ist. Hieraus kann erhellen, daß das Wort in seinem Buchstabensinn das eigentliche Wort ist, denn inwendig in diesem ist Geist und Leben. Dies ist es, wenn der Herr sagt: „Die Worte, die Ich zu euch rede, sind Geist und Leben“: Joh.6/63, denn der Herr sprach Seine Worte im natürlichen Sinn. Der himmlische und der geistige Sinn sind nicht das Wort ohne den natürlichen Sinn; denn sie sind wie Geist und Leben ohne Leib, und gleichen, wie schon Nr. 213 gesagt worden, einem Palast, der keine Grundfeste hat.

215. Die Wahrheiten des Buchstabensinns des Wortes sind zum Teil nicht nackte Wahrheiten, sondern Scheinwahrheiten, und wie die Ähnlichkeiten und Vergleiche, hergenommen von Dingen in der Natur, somit der Fassungskraft der Einfältigen und auch der Kinder anbequemt und angepaßt; weil sie aber zugleich Entsprechungen sind, so sind sie Behältnisse und Wohnstätten des echten Wahren, und sind Gefäße, die es in sich enthalten, wie der kristallene Becher edlen Wein, und die silberne Schale wohlschmeckende Speisen in sich enthält, und wie die Kleider, die umhüllen, z.B. die Windeln das Kind und die anständigen Gewänder die Jungfrau. Auch gleichen sie den Kenntnissen des natürlichen Menschen, welche die Wahrnehmungen und Gefühle des geistigen Wahren in sich schließen. Die nackten Wahrheiten selbst, welche eingeschlossen, umhüllt, bekleidet und umfaßt werden, sind im geistigen Sinn des Wortes, und das nackte Gute ist in dessen himmlischem Sinn. Doch dies möge aus dem Wort beleuchtet werden: Jesus sagte: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, weil ihr reiniget das Äußere des Bechers und der Schale, das Innere aber voll Raubes und Unmäßigkeit ist; blinder Pharisäer, reinige zuvor das Innere des Bechers und der Schale, damit auch das Äußere rein sei“: Matth.23/25,26. Hier sprach der Herr durch Ähnlichkeiten und Vergleiche, welche zugleich Entsprechungen sind, und Er nannte den Becher und die Schale, und unter dem Becher wird das Wahre des Wortes nicht nur verstanden, sondern auch bezeichnet, unter dem Becher wird der Wein verstanden, und durch den Wein wird das Wahre bezeichnet; unter der Schale aber wird die Speise verstanden, und durch die Speise wird das Gute bezeichnet; weshalb durch das Reinigen des Inneren des Bechers und der Schale bezeichnet wird das Reinigen der inwendigen Regionen des Gemüts, nämlich der des Willens und des Verstandes durch das Wort. Durch die Worte: damit so das Äußere rein sei, wird bezeichnet, daß so auch das Äußere gereinigt sei, nämlich die Werke und die Reden, denn diese nehmen ihr Wesen aus jenen. Ferner: Jesus sagte: „Es war ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und Byssus, und lebte alle Tage herrlich und in Freuden; und es war ein armer Mann Namens Lazarus, der lag vor seiner Tür voll Geschwüre“: Luk.16/19,20. Auch hier sprach der Herr in Ähnlichkeiten und Vergleichen, welche Entsprechungen waren und Geistiges in sich schlossen. Unter dem reichen Mann wird das jüdische Volk verstanden, welches reich heißt, weil es das Wort hatte, in dem geistige Reichtümer sind. Durch den Purpur und Byssus, mit dem er bekleidet war, wird das Gute und Wahre des Wortes bezeichnet, durch den Purpur sein Gutes und durch den Byssus sein Wahres. Alle Tage herrlich und in Freuden leben, bedeutet das Ergötzen, daß sie es haben, und aus ihm vieles hören in Tempeln und Synagogen. Unter dem armen Lazarus werden die Heiden verstanden, weil sie das Wort nicht hatten; daß sie von den Juden verachtet und verworfen waren, wird verstanden unter dem, daß Lazarus vor der Tür des Reichen lag. Durch voll Geschwüre wird bezeichnet, daß die Heiden infolge der Unkunde des Wahren in vielem Falschen waren. Die Heiden wurden aber darum durch Lazarus bezeichnet, weil die Heiden vom Herrn geliebt wurden, wie Lazarus, der von den Toten auferweckt ward, vom Herrn geliebt wurde: Joh.11/3,5,36, und Sein Freund heißt: Joh.11/11, und mit dem Herrn zu Tische lag: Joh.12/2. Aus diesen zwei Stellen erhellt, daß die Wahrheiten und das Gute des buchstäblichen Sinnes des Wortes wie die Gefäße und wie die Kleider des nackten Guten und Wahren sind, welche beide im geistigen und himmlischen Sinn des Wortes verborgen liegen. Weil das Wort im Buchstabensinn von dieser Art ist, so folgt, daß die, welche in den göttlichen Wahrheiten und im Glauben sind, daß das Wort inwendig in seinem Schoß heilig Göttliches ist, und noch mehr die, welche im Glauben sind, daß das Wort diese Beschaffenheit hat vermöge seines geistigen und himmlischen Sinnes, wenn sie in der Erleuchtung vom Herrn das Wort lesen, die göttlichen Wahrheiten im natürlichen Lichte sehen; denn das Licht des Himmels, in dem der geistige Sinn des Wortes ist, fließt ein in das natürliche Licht, in dem der Buchstabensinn des Wortes ist und erleuchtet das Verständige des Menschen, welches das Vernünftige heißt, und macht, daß er die göttlichen Wahrheiten sieht und anerkennt, wo sie zu Tage und wo sie verborgen liegen; diese fließen mit dem Licht des Himmels bei einigen ein, zuweilen auch ohne daß sie es wissen.

216. Weil das Wort in seinem innersten Schoß vermöge seines himmlischen Sinnes wie eine milde Flamme ist, welche entzündet, und in seinem Mittlern vermöge seines geistigen Sinnes wie ein Licht ist, welches erleuchtet, so ist das Wort in seinem Letzten vermöge seines natürlichen Sinnes wie ein durchsichtiger, beide in sich aufnehmender Gegenstand, welcher von der Flamme rot wie Purpur, und vom Lichte weiß wie der Schnee aussieht. Somit ist es beziehnungsweise wie ein Rubin und wie ein Diamant, von der himmlischen Flamme wie ein Rubin und vom geistigen Licht wie ein Diamant. Weil so das Wort im Buchstabensinn beschaffen ist, so wird das Wort in diesem Sinne verstanden.

I. Unter den kostbaren Steinen, aus den die Grundlagen des neuen Jerusalems bestanden.

II. Dann unter dem Urim und Thummim auf dem Ephod Aharons.

III. Und auch unter den kostbaren Steinen im Garten Edens, in dem der König von Tyrus gewesen sein soll.

IV. So wie auch unter den Vorhängen, Decken und Säulen der Stiftshütte.

V. Desgleichen unter dem Äußeren des Tempels zu Jerusalem.

VI. Das Wort in seiner Herrlichkeit am Herrn wurde vorgebildet, als Er verklärt wurde.

VII. Die Macht des Wortes im Letzten wurde durch die Nasiräer vorgebildet.

VIII. Die unaussprechliche Macht des Wortes.

217. I. Die Wahrheiten des Buchstabensinns des Wortes werden verstanden unter den kostbaren

Steinen, aus denen die Grundlagen des neuen Jerusalems bestanden, in der Offb.21/17-21.

Oben Nr. 209 ist bemerkt worden, daß es in der geistigen Welt ebensowohl kostbare Steine gibt wie in der natürlichen Welt, und daß sie ihren geistigen Ursprung aus den Wahrheiten im Buchstaben des Wortes haben; dies erscheint als unglaublich, ist aber dennoch Wahrheit; daher kommt, daß wo nur im Wort Edelsteine genannt werden, unter ihnen im geistigen Sinn Wahrheiten verstanden werden. Daß durch die kostbaren Steine, aus denen, wie gesagt wird, die Grundlagen der Mauer um die Stadt, das neue Jerusalem, gebaut waren, die Lehrwahrheiten einer neuen Kirche bezeichnet werden, ergibt sich daraus, daß unter dem neuen Jerusalem die neue Kirche hinsichtlich der Lehre aus dem Wort verstanden wird, weil unter seiner Mauer und unter den Grundlagen der Mauer nichts anderes verstanden werden kann, als das Äußere des Wortes, welches der Sinn seines Buchstabens ist; denn dieser ist es, aus welchem die Lehre stammt, und durch die Lehre die Kirche, und er ist wie die Mauer mit den Grundlagen, welche die Stadt einschließt und schützt. Vom neuen Jerusalem und von dessen Grundlagen liest man in der Offenbarung folgendes: „Der Engel maß die Mauer der Stadt Jerusalem, 144 Ellen, welches ist das Maß eines Menschen, das ist eines Engels; und die Mauer hatte zwölf Grundlagen, mit allem kostbaren Gestein geschmückt: die erste Grundlage war ein Jaspis, die zweite ein Saphir, die dritte ein Chalcedon, die vierte ein Smaragd, die fünfte ein Sardonyx, die sechste ein Sarder, die siebente ein Chrysolith, die achte ein Beryll, die neunte ein Topas, die zehnte ein Chrysopras, die elfte ein Hyazinth, die zwölfte ein Amethyst“: Offb.21/17-20; daß die zwölf Grundlagen der Mauer aus ebenso vielen Edelsteinen bestanden, hat seinen Grund darin, daß die Zahl Zwölf die Allheit des Wahren aus dem Guten, hier also alles zur Lehre Gehörige bedeutet. Allein dies, so wie auch das, was in jenem Kapitel vorausgeht und was folgt, kann man besonders ausgelegt und aus Parallelstellen aus dem prophetischen Wort bewiesen sehen in unserer »Enthüllten Offenbarung«.

218. II. Das Gute und Wahre des Wortes in dessen Buchstabensinn wird verstanden unter den Urim und Thummim auf dem Ephod Aharons.

Die Urim und Thummim waren auf dem Ephod Aharons, durch dessen Priestertum der Herr hinsichtlich des göttlich Guten und hinsichtlich des Werkes der Seligmachung vorgebildet wurde. Durch die Kleider seines Priestertums oder seiner Heiligkeit wurden die göttlichen Wahrheiten vom Herrn vorgebildet; durch das Ephod das göttliche Wahre in seinem Letzten, somit das Wort im Buchstabensinn; denn dieses ist das göttliche Wahre in seinem Letzten. Daher durch die zwölf Edelsteine mit den Namen der zwölf Stämme Israels, welche die Urim und Thummim waren, die göttlichen Wahrheiten aus dem göttlichen Guten im ganzen Umfang vorgebildet wurden. Von diesen liest man bei Moses: „Sie sollen das Ephod machen aus Hyazinth und Purpur, zweimal gefärbtem Scharlach und eingewirkter Baumwolle. Dann sollen sie das Brustschild des Gerichtes nach der Arbeit des Ephods machen, und es mit Lagen von Stein ausfüllen; vier Reihen von Stein, Karfunkel, Topas, Smaragd, erste Reihe; Chrysopras, Saphir und Diamant, zweite Reihe; Lasur, Achat und Amethyst, dritte Reihe; Aquamarin, Sarder und Jaspis, vierte Reihe. Diese Steine sollen sie nach den Namen der Söhne Israels machen; Siegeleingrabungen nach ihrem Namen sollen für die zwölf Stämme sein. Und Aharon soll auf dem Brustschild des Gerichts die Urim und Thummim tragen; und sie sollen sein auf dem Herzen Aharons, wenn er hineintreten wird vor Jehovah“: 2Mo.28/6,15-21,30. Was durch die Kleider Aharons, sein Ephod, Oberkleid, Unterkleid, Kopfbund, Gürtel vorgebildet wurde, ist in den zu London herausgegebenen »Himmlischen Geheimnissen« bei diesem Kapitel erklärt worden, wo gezeigt wurde, daß durch das Ephod das göttlich Wahre in seinem Letzten vorgebildet wurde; daß durch die Edelsteine die Wahrheiten vorgebildet wurden sofern sie durchscheinend sind vom Guten her; durch die zwölf in vierfacher Reihe dieselben alle von den ersten bis zu den letzten; durch die zwölf Stämme alle Dinge der Kirche; durch das Brustschild das göttliche Wahre aus dem göttlich Guten im allumfassenden Sinn; durch die Urim und Thummim das Hervorstrahlen des göttlichen Wahren aus dem göttlichen Guten im Letzten; denn Urim ist leuchtendes Feuer, und Thummim das Hervorstrahlen in der Engelsprache, und Unverdorbenheit in der hebräischen Sprache. Sodann, daß Antworten gegeben worden seien durch die Wechsel des Lichtes, und zugleich durch stilles Innewerden oder durch laute Stimme und dergleichen mehr. Hieraus kann erhellen, daß durch diese Steine auch bezeichnet wurden die Wahrheiten aus dem Guten im letzten Sinn des Wortes. Auch werden durch nichts anderes die Antworten aus dem Himmel gegeben, weil in diesem Sinn das ausgehende Göttliche in seiner Fülle ist.

219. III. Ähnliches wird verstanden unter den kostbaren Steinen im Garten Edens, in dem der König von Tyrus gewesen sein soll.

Man liest bei Ezechiel: „König von Tyrus, der du dein Maß versiegelst, der Weisheit voll, und vollkommen an Schönheit! im Eden, im Garten Gottes, warst du. Jeder kostbare Stein war deine Bedeckung, der Rubin, Topas und Diamant, Tharschisch, Sardonyx und Jaspis, Saphir, Chrysopras und Smaragd, samt dem Golde“: Ez.28/12,13. Durch Tyrus wird im Wort die Kirche hinsichtlich der Erkenntnisse des Guten und Wahren bezeichnet; durch den König wird das Wahre der Kirche bezeichnet; durch den Garten Eden wird die Weisheit und Einsicht aus dem Wort bezeichnet; durch die kostbaren Steine werden die Wahrheiten, sofern sie durchsichtig sind aus dem Guten bezeichnet, wie sie dies im Buchstabensinn des Wortes sind, und weil diese durch jene Steine bezeichnet werden, so heißen sie seine Bedeckung; daß der Buchstabensinn die inwendigen Teile des Wortes bedeckt, sehe man oben Nr. 213.

220. IV. Die Wahrheiten und das Gute im Letzten, wie sie im Buchstabensinn des Wortes sind, wurden durch die Vorhänge, Decken und Säulen der Stiftshütte vorgebildet.

Durch die von Moses in der Wüste aufgerichtete Stiftshütte wurde der Himmel und die Kirche vorgebildet; weshalb die Form derselben von Jehovah auf dem Berge Sinai gezeigt worden war. Daher wurde durch alles, was in dieser Stiftshütte war, nämlich den Leuchter, den goldenen Altar für das Rauchwerk und den Tisch, auf dem die Schaubrote lagen, vorgebildet und bezeichnet die heiligen Dinge des Himmels und der Kirche; und durch das Allerheiligste, in dem die Bundeslade war, wurde vorgebildet und infolgedessen bezeichnet das Innerste des Himmels und der Kirche; und durch das Gesetz selbst, das auf zwei Tafeln geschrieben war, wurde das Wort bezeichnet, und durch die Cherube über demselben wurden bezeichnet die Wachen, damit die heiligen Dinge des Wortes nicht verletzt würden. Da nun die äußeren Dinge ihr Wesen vom Inneren her haben, und diese beiden vom Innersten her, das hier das Gesetz war, so wurden deshalb die Heiligtümer des Wortes durch alle Dinge der Stiftshütte vorgebildet und bezeichnet; woraus folgt, daß durch die äußersten Dinge der Stiftshütte, nämlich die Vorhänge, Decken und Säulen, welche die Hüllen, Behälter und Stützen waren, die äußersten Dinge des Wortes bezeichnet wurden, welche die Wahrheiten und das Gute seines Buchstabensinnes sind. Weil diese bezeichnet wurden, darum waren alle Vorhänge und Decken aus eingewirkter Baumwolle und aus Hyazinth und Purpur und aus zweimal gefärbtem Scharlach mit Cheruben gemacht worden: 2Mo.26/1,31,36. Was durch die Stiftshütte und durch alle in ihr befindlichen Dinge im allgemeinen und im besonderen vorgebildet und bezeichnet wurde, ist in den »Himmlischen Geheimnissen« bei diesem Kapitel der Exodus erklärt, und es ist dort gezeigt worden, daß durch die Vorhänge und Decken die äußeren Dinge des Himmels und der Kirche, somit auch die äußern Dinge des Wortes vorgebildet wurden. Ferner daß durch die Baumwolle oder den Byssus das Wahre aus geistigem Ursprung, durch den Hyazinth das Wahre aus himmlischem Ursprung, durch den Purpur das himmlische Gute, durch den zweimal gefärbten Scharlach das geistige Gute, und durch die Cherube die Bewachung der inwendigen Teile des Wortes bezeichnet wurde.

221. V. Das gleiche wurde durch die äußeren Teile des Tempels zu Jerusalem bezeichnet.

Dies hat seinen Grund darin, daß durch den Tempel ebenso wie durch die Stiftshütte der Himmel und die Kirche vorgebildet wurde: durch den Tempel jedoch der Himmel, in dem die geistigen Engel sind, durch die Stiftshütte hingegen der Himmel, in dem die himmlischen Engel sind. Die geistigen Engel sind die, welche in der Weisheit aus dem Wort sind, die himmlischen Engel aber die, welche in der Liebe aus dem Wort sind. Daß durch den Tempel zu Jerusalem im höchsten Sinn das Göttlich-Menschliche des Herrn bezeichnet worden sei, lehrt Er selbst bei Joh.2/19,21: „Reißet diesen Tempel nieder, und in drei Tagen will Ich ihn aufbauen; Er sprach vom Tempel Seines Leibes“, und wo der Herr verstanden wird, da wird auch das Wort verstanden, weil Er das Wort ist. Da nun durch das Inwendige des Tempels das Inwendige des Himmels und der Kirche, somit auch das des Wortes, vorgebildet worden ist, so ist auch durch sein Auswendiges das Auswendige des Himmels und der Kirche, somit auch dasjenige des Wortes, was zu seinem Buchstabensinn gehört, vorgebildet und bezeichnet worden. Vom Auswendigen des Tempels liest man, daß es von ganzen, unbehauenen Steinen, und inwendig von Zedernholz gebaut war, und daß an allen seinen Wänden Cherube, Palmen und aufbrechende Blumen eingeschnitzt waren, und der Boden mit Gold überzogen war: 1Kö.6/7,29,30, durch welches alles auch die äußeren Dinge des Wortes bezeichnet wurden, welche die Heiligtümer seines Buchstabensinnes sind.

222. VI. Das Wort in seiner Herrlichkeit wurde vorgebildet am Herrn, als Er verklärt wurde.

Man liest vom Herrn, als Er vor Petrus, Jakobus und Johannes verklärt wurde, daß Sein Angesicht glänzte wie die Sonne und Seine Kleider wurden wie das Licht; und daß Moses und Elias erschienen, mit Ihm redend; und daß eine lichte Wolke die Jünger umhüllte, und aus der Wolke eine Stimme gehört wurde, welche sprach: „Dieser ist Mein geliebter Sohn, Ihn höret“: Matth.17/1-5. Ich bin unterrichtet worden, daß der Herr damals das Wort vorbildete: durch das Angesicht, das wie die Sonne glänzte, ward vorgebildet das göttliche Gute Seiner göttlichen Liebe; durch die Kleider, welche wurden wie das Licht, das göttlich Wahre Seiner göttlichen Weisheit; durch Moses und Elias das historische und das prophetische Wort, durch Moses das Wort, das durch ihn geschrieben worden und überhaupt das historische Wort, und durch Elias das ganze prophetische Wort; durch die lichte Wolke, welche die Jünger umhüllte, das Wort im Buchstabensinn; weshalb eine Stimme aus derselben gehört wurde, welche sprach: ‚Dieser ist Mein geliebter Sohn, Ihn höret‘; denn alle Aussprüche und Antworten aus dem Himmel geschehen nie anders als durch das Letzte, wie es im Buchstabensinn des Wortes ist; denn sie geschehen in der Fülle aus dem Herrn.

223. VII. Die Macht des Wortes im Letzten wurde vorgebildet durch die Nasiräer.

Man liest im Buch der Richter von Simson, daß er ein Nasiräer von Mutterleib an war, und daß seine Kraft in seinen Haupthaaren lag; durch den Nasiräer und das Nasiräat wird auch das Haupthaar bezeichnet. Daß seine Kraft in seinen Haupthaaren lag, gab er selbst kund indem er sprach: „Es kam kein Schermesser über mein Haupt, weil ich ein Nasiräer von Mutterleib an bin; wenn ich beschoren werde, so wird meine Stärke von mir weichen, und ich werde schwach werden, und sein wie jeglicher Mensch“: Richt.16/17. Niemand kann wissen, warum das Nasiräat, durch welches das Haupthaar bezeichnet wird, eingesetzt wurde, und woher es kam, daß Simson Stärke hatte von den Haupthaaren, wenn er nicht weiß, was durch das Haupt im Wort bezeichnet wird. Durch das Haupt wird bezeichnet die Einsicht, welche die Engel und Menschen vom Herrn durch das göttliche Wahre haben; daher durch die Haupthaare die Einsicht im Letzten oder Äußersten aus dem göttlichen Wahren bezeichnet wird. Weil dies durch die Haupthaare bezeichnet wurde, so war es Satzung für die Nasiräer, daß sie das Haar ihres Hauptes nicht scheren sollten, weil es das Nasiräat Gottes über ihrem Haupte ist: 4Mo.6/1-21, und war darum auch geboten, daß der Hohepriester und seine Söhne ihr Haupt nicht scheren sollten, damit sie nicht stürben, und der Zorn über das ganze Haus Israels käme: 3Mo.10/6. Weil die Haare um dieser Bedeutung willen, welche eine Folge der Entsprechung ist, so heilig waren, so wird der Sohn des Menschen, welcher der Herr hinsichtlich des Wortes ist, auch in Ansehung der Haupthaare beschrieben, daß sie nämlich waren wie glänzendweiße Wolle, wie Schnee: Offb.1/14, ebenso der Alte der Tage: Da.7/9. Weil die Haupthaare das Wahre im Letzten, somit den Buchstabensinn des Wortes bezeichnen, darum werden die, welche das Wort verachten, in der geistigen Welt Kahlköpfe, und umgekehrt erscheinen die, welche das Wort hoch und heilig gehalten hatten, in zierlichen Haupthaaren. Infolge dieser Entsprechung geschah es, daß 42 Knaben, weil sie den Elisa einen Kahlkopf genannt hatten, von zwei Bären zerrissen wurden: 2Kö.2/23,24; denn Elisa bildete die Kirche hinsichtlich der Lehre aus dem Wort vor, und die Bärinnen bezeichnen die Macht des Wahren im Letzten. Daß die Macht des göttlich Wahren oder des Wortes in dessen Buchstabensinn liegt, hat seinen Grund darin, daß das Wort in diesem in seiner Fülle ist, und daß in ihm die Engel beider Reiche des Herrn und die Menschen beisammen sind.

224. VIII. Die unaussprechliche Macht des Wortes.

Heutzutage weiß kaum jemand, daß den Wahrheiten eine Macht inne wohnt; denn man meint, das Wahre sei bloß ein Wort, gesprochen von einem der Macht besitzt, und müsse deshalb befolgt werden, mithin sei das Wahre bloß wie ein Hauch aus dem Munde und ein Schall im Ohr, während doch das Wahre und das Gute die Urgründe aller Dinge in beiden Welten, der geistigen und der natürlichen, sind, und sie es sind, durch die das Weltall erschaffen wurde, und durch die das Weltall erhalten wird, und durch die auch der Mensch gemacht wurde; weshalb diese beiden alles in allem sind. Daß das Weltall durch das göttlich Wahre geschaffen wurde, wird offen gesagt bei Joh.1/1,3,10: „Im Anfang war das Wort, und Gott war das Wort, alle Dinge sind durch dasselbe gemacht worden, die gemacht sind. Und die Welt ist durch dasselbe gemacht“: Joh.1/1,3,10; und bei David: „Durch das Wort Jehovahs sind gemacht die Himmel“: Ps.33/6; unter dem Wort wird in beiden Stellen das göttliche Wahre verstanden. Weil das Weltall durch dasselbe geschaffen ist, so wird das Weltall durch dasselbe auch erhalten; denn wie das Bestehen ein fortwährendes Entstehen ist, so ist die Erhaltung eine fortwährende Schöpfung. Der Mensch aber ist durch das göttliche Wahre gebildet, weil alles beim Menschen sich auf Verstand und Willen bezieht, der Verstand aber das Aufnahmegefäß des göttlichen Wahren, und der Wille das des göttlichen Guten ist, mithin das menschliche Gemüt, welches aus diesen beiden Prinzipien besteht, nichts anderes ist, als eine geistig und natürlich organisierte Form des göttlichen Wahren und des göttlichen Guten; das menschliche Gehirn ist diese Form; und weil der ganze Mensch von seinem Gemüt abhängt, so ist alles was in seinem Körper ist, Hinzugefügtes, das von jenen beiden Prinzipien in Bewegung gesetzt wird und lebt. Hieraus kann nun erhellen, warum Gott als das Wort in die Welt kam und Mensch wurde; daß dies nämlich um der Erlösung willen geschah; denn damals zog Gott durch das Menschliche, welches das göttlich Wahre war, alle Macht an, und warf die Höllen, die bis zu den Himmeln, dem Aufenthalt der Engel, angewachsen waren, herab, unterjochte sie, und brachte sie unter Seinen Gehorsam; und zwar dies nicht durch das Wort des Mundes, sondern durch das göttliche Wort, welches das göttliche Wahre ist; und nach diesem öffnete Er zwischen den Höllen und den Himmeln eine große Kluft, die niemand von der Hölle übersteigen kann; und wenn er es versucht, so ergreift ihn beim ersten Schritt Qual, wie eine Schlange, die auf eine Platte glühenden Eisens oder auf einen Ameisenhaufen gelegt wird; denn die Teufel und Satane stürzen sich, sobald sie das göttliche Wahre nur wittern, sogleich in die Tiefe, und werfen sich in Höhlen und verstopfen diese so dicht, daß keine Spalte offen bleibt; der Grund ist, weil ihr Wille im Bösen und der Verstand im Falschen ist, somit in den Gegensätzen des göttlich Guten und des göttlich Wahren; und weil, wie gesagt, der ganze Mensch aus jenen zwei Lebensprinzipien besteht, darum werden sie beim Empfinden des Gegensatzes vom Kopf bis zur Ferse so schmerzlich ergriffen. Hieraus kann erhellen, daß die Macht des göttlich Wahren unaussprechlich ist. Und weil das Wort, welches in der christlichen Kirche ist, der Behälter des göttlichen Wahren in drei Abstufungen ist, so ist offenbar, daß dieses es ist, was bei Joh.1/3,10 verstanden wird. Daß die Macht desselben unaussprechlich ist, kann ich durch viele Erfahrungsbelege aus der geistigen Welt bestätigen, weil sie aber den Glauben übersteigen, oder als unglaublich erscheinen, so enthalte ich mich sie anzuführen, einige jedoch kann man oben Nr. 209 erwähnt finden. Aus ihnen will ich das Denkwürdige anführen, daß die Kirche, welche in den göttlichen Wahrheiten vom Herrn ist, Gewalt über die Höllen hat, und daß sie es ist, von welcher der Herr zu Petrus sagte: „Auf diesen Felsen will Ich Meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“: Matth.16/18; dies sagte der Herr, nachdem Petrus bekannt hatte, daß Er Christus der Sohn des lebendigen Gottes sei: Matth.16/16; diese Wahrheit wird hier unter Fels verstanden; denn unter Fels wird allenthalben im Wort verstanden der Herr hinsichtlich des göttlichen Wahren.