Das goettliche Sein, welches Jehovah ist  

18. Es wird zuerst vom göttlichen Sein, und nachher vom göttlichen Wesen gehandelt; es scheint zwar, als ob diese zwei eines und dasselbe wären, allein das Sein ist immerhin universeller als das Wesen; denn das Wesen setzt das Sein voraus, und aus dem Sein wird das Wesen. Das Sein Gottes oder das göttliche Sein kann nicht beschrieben werden, weil es über jede Vorstellung des menschlichen Denkens erhaben ist; dieses erfaßt nur was erschaffen und endlich ist, nicht aber das Unerschaffene und Unendliche, somit nicht das göttliche Sein; das göttliche Sein ist das Sein selbst, aus dem alles ist, und das in allem sein muß, damit es sei. Ein weiterer Begriff vom göttlichen Sein kann sich aus den folgenden Abschnitten ergeben, welche lauten wie folgt: I. Jener eine Gott wird Jehovah genannt von dem Sein, somit darum, weil Er allein ist, war und sein wird, und weil Er der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende, das Alpha und Omega ist.

II. Dieser eine Gott ist die Substanz selbst und die Form selbst, und die Engel und die Menschen sind Substanzen und Formen aus Ihm, und inwieweit sie in Ihm sind, und Er in ihnen ist, insoweit sind sie Ebenbilder und Ähnlichkeiten von Ihm.

III. Das göttliche Sein ist das Sein in sich, und zugleich das Existieren in sich.

IV. Das göttliche Sein und Existieren in sich kann kein anderes Göttliches, das ein Sein und Existieren in sich wäre, hervorbringen, folglich ist ein anderer Gott desselben Wesens nicht möglich.

V. Eine Mehrheit von Göttern ist in den alten Zeiten, und auch in den gegenwärtigen nicht anderswoher entstanden, als aus dem nicht verstandenen göttlichen Sein. Doch dies soll nun im Einzelnen beleuchtet werden.  

19. I. Jener eine Gott wird Jehovah genannt von dem Sein, somit darum, weil Er allein ist, war und sein wird, und weil Er der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende, das Alpha und Omega ist.

Daß Jehovah bedeutet ‚Ich bin‘ und ‚das Sein‘, ist bekannt; und daß Gott von den ältesten Zeiten her so genannt wurde, erhellt aus dem Buch der Schöpfung oder dem ersten Buch Mosis, wo Er im ersten Kapitel Gott genannt wird, im zweiten und den folgenden aber Jehovah Gott: und nachher, als die Nachkommen Abrahams von Jakob her während ihres Aufenthaltes in Ägypten den Namen Gottes vergessen hatten, wurde er ins Gedächtnis zurückgerufen; wovon es heißt: „Moses sprach zu Gott: Welches ist Dein Name? Gott sprach: Ich bin der Ich bin: so sollst du zu den Kindern Israels sprechen: Der ‚Ich bin‘ hat mich zu euch gesandt, und du sollst sagen: Jehovah, der Gott eurer Väter, hat mich zu euch gesandt; dies ist Mein Name in Ewigkeit, und dies Mein Gedenkzeichen von Geschlecht zu Geschlecht“: 2Mo.3/14,15. Weil Gott allein das ‚Ich bin‘ und ‚das Sein‘, oder Jehovah ist, so gibt es in dem erschaffenen Weltall kein Etwas, das nicht sein Sein von Ihm her hätte; in welcher Weise aber, wird man unten sehen; dies wird auch verstanden unter den Worten: „Ich bin der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende, das Alpha und Omega“: Jes.41/4; 44/6; 48/12; Offb.1/8,11,17; 2/8; 21/6; 22/13; wodurch bezeichnet wird, daß Er sei das Selbst und das Einzige vom Ersten bis zum Letzten, aus Dem alles ist. Daß Gott das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende heißt, kommt daher, daß das Alpha der erste und das Omega der letzte Buchstabe im griechischen Alphabet ist, und sie daher alles im Inbegriff bezeichnen; der Grund hiervon ist, daß jeder Buchstabe des Alphabets in der geistigen Welt irgendeine Sache bedeutet, und der Vokal, weil er zur Betonung dient, irgend etwas von einem Gefühl oder einer Liebe, darin hat die geistige oder Engelsprache ihren Ursprung, und auch die Schrift daselbst; allein dies ist ein bis jetzt unbekanntes Geheimnis. Es gibt nämlich eine Universalsprache, die allen Engeln und Geistern eigen ist, und diese hat nichts mit irgendeiner Sprache der Menschen in der Welt gemein. In den Besitz dieser Sprache kommt jeder Mensch nach dem Tode, denn sie ist jedem Menschen von der Schöpfung her eingepflanzt; weshalb in der gesamten geistigen Welt ein jeder den anderen verstehen kann. Ich durfte öfter diese Sprache hören, und ich verglich sie mit den Sprachen in der Welt und fand, daß sie auch nicht in irgendeinem kleinsten Teile mit den Sprachen in der Welt übereinkommt. Sie unterscheidet sich von diesen schon in ihrem Ursprünglichen, welches ist, daß jeder einzelne Buchstabe eines jeden Wortes irgendeine Sache bezeichnet. Daher kommt nun, daß Gott das Alpha und Omega heißt; wodurch bezeichnet wird, daß Er das Selbst und das Einzige ist, aus Dem alles ist, vom Ersten bis zum Letzten: von dieser Sprache und deren Schrift, die aus dem geistigen Denken der Engel fließt, sehe man jedoch in dem Werk »Von der ehelichen Liebe« Nr. 326-329, und auch im Folgenden.

20. II. Jener eine Gott ist die Substanz selbst und die Form selbst, und die Engel und die Menschen sind Substanzen und Formen aus Ihm, und inwieweit sie in Ihm sind und Er in ihnen ist, insoweit sind sie Ebenbilder und Ähnlichkeiten von Ihm.

Weil Gott das Sein ist, so ist Er auch die Substanz; denn das Sein, wenn es nicht Substanz ist, ist ein bloßes Gedankending; die Substanz ist nämlich ein Wesentliches, das besteht; und wer Substanz ist, ist auch Form; denn die Substanz, wenn sie nicht auch Form ist, ist ein Gedankending; weshalb von Gott beides ausgesagt werden kann, doch so, dass Er die einzige, eigentliche und erste Substanz und Form sei. Daß diese Form die eigentliche menschliche ist, das heißt, daß Gott der eigentliche Mensch ist, an Dem alles unendlich ist, ist in der zu Amsterdam im Jahre 1763 herausgegebenen »Engelweisheit betreffend die göttliche Liebe und Weisheit« nachgewiesen worden; desgleichen, daß die Engel und die Menschen Substanzen und Formen sind, erschaffen und organisiert zur Aufnahme des durch den Himmel in sie einfließenden Göttlichen; weshalb sie im Buch der Schöpfung Ebenbilder und Ähnlichkeiten Gottes heißen: 1Mo.1/26,27; und anderwärts, daß sie Seine Kinder und aus Ihm geboren seien. Daß aber der Mensch insoweit, als er unter göttlicher Leitung lebt, das heißt, sich von Gott führen läßt, mehr und mehr innerlich Sein Ebenbild wird, wird im Verfolg dieses Werkes umständlich nachgewiesen werden. Bildete man sich von Gott nicht die Idee, daß Er die erste Substanz und Form sei, und von Seiner Form, daß sie die eigentlich menschliche sei, so würden die menschlichen Gemüter leicht auf Wahngebilde, Gespenstern gleich, verfallen von Gott, von der Entstehung der Menschen und von der Schöpfung der Welt; von Gott würden sie sich keinen anderen Begriff machen, als wie von der Natur des Weltalls in ihrem Ersten, somit wie von dessen Umfang oder wie vom Leeren oder Nichts; von der Entstehung der Menschen wie von einem zufälligen Zusammenfließen der Elemente in eine solche Form; von der Schöpfung der Welt, daß ihre Substanzen und Formen entstanden seien aus Punkten und hernach geometrischen Linien, die, weil sich von ihnen nichts aussagen läßt, auch an sich kein Etwas sind; bei solchen ist alles zur Kirche Gehörige wie der Styx oder das Dunkel des Tartarus.   

21. III. Das göttliche Sein ist das Sein in sich, und zugleich das Existieren in sich.

Jehovah Gott ist das Sein in sich, weil Er ist der ‚Ich bin‘, das Selbst, das Einzige und das Erste von Ewigkeit zu Ewigkeit, aus dem alles ist, was ist, damit es etwas sei. So und nicht anders ist Er der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte, und das Alpha und Omega. Man kann nicht sagen, daß Sein Sein von sich [a se] sei, weil dieses aus Sich [ex se] ein Früheres, und so eine Zeit voraussetzt, was nicht zum Unendlichen paßt, das von Ewigkeit heißt, und weil es auch einen anderen Gott, welcher der Gott in sich ist, somit einen Gott von Gott voraussetzt, oder daß Gott Sich selbst gebildet habe, und sonach nicht der Unerschaffene, noch der Unendliche wäre, weil Er so aus Sich oder aus einem anderen Sich verendlicht hätte. Daraus, daß Gott das Sein in sich ist, folgt, daß Er die Liebe in sich, die Weisheit in sich und daß Er das Leben in sich ist, und daß Er das Selbst ist, aus dem alles ist und auf das alles sich zurückbezieht, damit es etwas sei. Daß Gott das Leben in sich und dadurch Gott ist, erhellt aus den Worten des Herrn bei Joh.5/26, und bei Jes.44/24: „Ich Jehovah mache alles, spanne allein die Himmel aus, dehne aus die Erde aus Mir selbst“.

Und daß Er der alleinige Gott sei, und außer Ihm kein Gott: Jes.45/14,15,20,21; Hos.13/4. Daß Gott nicht nur das Sein in sich, sondern auch das Existieren in sich ist, gründet sich darauf, daß das Sein kein Etwas ist, wofern es nicht existiert, in gleicher Weise das Existieren, wofern es nicht aus dem Sein ist; weshalb wenn das eine gegeben ist, auch das andere gegeben sein muß; ebenso die Substanz, wofern sie nicht auch Form ist. Von der Substanz, wenn sie nicht Form ist, kann kein Etwas prädiziert werden, und ein solches ist, weil es keine Qualität hat, in sich nichts. Daß hier das Sein und das Existieren genannt werden, und nicht das Wesen und die Existenz, kommt daher, weil unterschieden werden muß zwischen Sein und Wesen, und infolgedessen zwischen Existieren und Existenz, wie zwischen dem Früheren und dem Späteren, und das Frühere allgemeiner ist als das Spätere. An das göttliche Sein [und Existieren] schließt sich die Unendlichkeit und Ewigkeit an, dagegen aber an die göttliche Wesenheit und Existenz schließt sich die göttliche Liebe und Weisheit an, und mittelst dieser beiden die göttliche Allmacht und Allgegenwart, von denen deshalb in ihrer Ordnung gehandelt werden wird.  

22. Daß Gott das Selbst, das Einzige und das Erste ist, das genannt wird das Sein und Existieren in sich, aus dem alles stammt, was ist und existiert, darauf kann der natürliche Mensch durch seine Vernunft durchaus nicht kommen; denn der natürliche Mensch kann aus seiner Vernunft nichts anderes herausnehmen, als was der Natur angehört, denn dieses stimmt zu ihrem Wesen, indem von dem Kindes- und Knabenalter an nichts anderes in sie einging. Da aber der Mensch dazu geschaffen ist, auch geistig zu sein, weil er nach dem Tode fortleben und dann unter den Geistigen in ihrer Welt sein soll, darum trug Gott Vorsorge für das Wort, in welchem Er nicht nur Sich selbst offenbarte, sondern auch, daß es einen Himmel und eine Hölle gibt, und daß jeder Mensch in dem einen oder dem anderen derselben in Ewigkeit leben wird, jeglicher gemäß seinem Leben und zugleich seinem Glauben. Auch hat Er in Seinem Wort geoffenbart, Er sei der ‚Ich bin‘ oder ‚das Sein‘, und das Selbst und das Einzige, das in sich ist, und so das Erste oder der Urgrund, aus dem alles stammt? Von dieser Offenbarung rührt her, daß der natürliche Mensch sich über die Natur, somit über sich selbst erheben und solches sehen kann, das Gottes ist, immer jedoch nur wie von ferne, obwohl Gott jedem Menschen nahe ist; denn Er ist mit Seinem Wesen in ihm; und weil dem so ist, so ist Er [ganz besonders] nahe denen, die Ihn lieben, und diejenigen lieben Ihn, die nach Seinen Geboten leben und an Ihn glauben; diese sehen Ihn gleichsam. Was ist der Glaube anderes, als ein geistiges Sehen, daß Er ist, und was das Leben nach Seinen Geboten anderes, als die tatsächliche Anerkennung, daß von Ihm das Heil und das ewige Leben kommt? Diejenigen hingegen, die keinen geistigen, sondern einen natürlichen Glauben, der nur ein Wissen ist und von daher ein ähnliches Leben haben, sehen zwar Gott, aber von ferne, und dies bloß, wenn sie von Ihm reden. Der Unterschied zwischen jenen und diesen ist wie zwischen denen, die im hellen Licht stehen, und die Menschen in ihrer Nähe sehen und sie berühren, und zwischen denen, die in einem dichten Nebel stehen und aus ihm heraus nicht sehen können, ob es Menschen, oder Bäume oder Felsen sind. Oder auch wie zwischen solchen, die auf einem hohen Berg, wo eine Stadt ist, stehen, und dahin und dorthin gehen und mit den städtischen Genossen reden, und solchen, die von jenem Berg hinabblicken und nicht erkennen, ob, was sie sehen, Menschen, oder Tiere oder Bildsäulen sind. Ja es ist ein Unterschied wie zwischen solchen, die auf einem Planeten stehen, und die Ihrigen dort sehen, und solchen, die auf einem anderen Planeten sind mit Fernröhren in den Händen, und dorthin blicken und sagen, sie sehen daselbst Menschen, während sie doch nichts sehen, als ganz allgemein festes Land wie das Helle des Mondes, und Wasser wie Flecken. Ein ähnlicher Unterschied ist zwischen dem Sehen Gottes und des von Ihm ausgehenden Göttlichen in ihrem Geist bei denen, die im Glauben und zugleich im Leben der Liebtätigkeit sind, und denen, die bloß eine Kenntnis davon haben; mithin zwischen den natürlichen und den geistigen Menschen. Diejenigen aber, welche die göttliche Heiligkeit des Wortes leugnen und dennoch die zur Religion gehörigen Dinge wie in einem Sack auf dem Rücken tragen, sehen Gott nicht, sondern stoßen nur den Laut Gott hervor, mit wenig Unterschied von den Papageien.  

23. IV. Das göttliche Sein und Existieren in sich kann kein anderes Göttliches, das ein Sein und Existieren in sich wäre, hervorbringen, folglich ist ein anderer Gott desselben Wesens nicht möglich.

Daß der eine Gott, welcher Schöpfer des Weltalls ist, das Sein und Existieren in sich, somit Gott in sich sei, ist im Bisherigen gezeigt worden; daraus folgt, daß ein Gott von Gott nicht denkbar ist, weil das eigentlich Wesentliche des Göttlichen, welches das Sein und Existieren in sich ist, in ihm nicht denkbar ist. Es ist gleichviel, ob man sagt von Gott gezeugt werden, oder hervorgehen; es ist doch immerhin ein von Gott Hervorgebrachtwerden, und dies ist wenig verschieden von dem Geschaffenwerden; weshalb denn den Glauben in die Kirche einführen, daß drei göttliche Personen seien, deren jede für sich Gott ist und desselben Wesens, und der eine von Ewigkeit geboren, und der dritte von Ewigkeit hervorgehend, gerade soviel ist, als die Idee der Einheit Gottes, und mit dieser allen Begriff der Göttlichkeit gänzlich vernichten, und so bewirken, daß alles Geistige der Vernunft verbannt wird; infolgedessen ist dann der Mensch nicht mehr Mensch, sondern wird ganz und gar natürlich, und unterscheidet sich dann bloß darin vom Tier, daß er reden kann; auch ist er gegen alle geistigen Dinge der Kirche; denn diese nennt der natürliche Mensch Verrücktheiten. Daraus und nirgend anderswoher sind so ungeheure Irrlehren über Gott entsprungen; und daher hat die in drei Personen zerteilte göttliche Dreieinheit nicht nur Nacht, sondern auch Tod in die Kirche gebracht. Daß die Identität dreier göttlichen Wesen der Vernunft ein Greuel ist, stellt sich mir an den Engeln heraus, welche sagten, sie könnten drei gleiche Gottheiten nicht einmal aussprechen; und wenn jemand zu ihnen käme und sie aussprechen wollte, so müßte er sich wegwenden und werde nach dem Aussprechen wie ein menschlicher Rumpf; er werde dann hinabgeworfen und begebe sich nachher zu denen in der Hölle, die keinen Gott anerkennen. Es ist eine Tatsache, daß einem Kind und Knaben die Vorstellung dreier göttlicher Personen einpflanzen, der unvermeidlich die Vorstellung dreier Götter anhängt, soviel heißt, als ihnen alle geistige Muttermilch und hierauf alle geistige Speise und zuletzt alles geistige Urteil entziehen, und über die, welche sich darin bestärken, den geistigen Tod bringen. Der Unterschied derer, die im Glauben und im Herzen einen Gott als Schöpfer des Weltalls, und Diesen zugleich als Erlöser und Wiedergebärer anerkennen, ist wie der der Stadt Zion zur Zeit Davids und der Stadt Jerusalem zur Zeit Salomos, nachdem der Tempel erbaut war. Wogegen die Kirche, die an drei Personen und an jede einzelne als einen besonderen Gott glaubt, der Stadt Zion und Jerusalem ähnlich ist, nachdem sie von Vespasian zerstört und der Tempel darin verbrannt war. Ferner wird ein Mensch, der einen Gott verehrt, in Dem eine göttliche Dreieinheit ist, und Der sonach eine Person ist, mehr und mehr lebendig,  und ein Engelmensch; wer hingegen in einer Mehrheit von Göttern infolge der Mehrheit der Personen sich bestärkt, wird nach und nach wie ein mit beweglichen Gliedern versehenes Standbild, in dessen Mitte der Satan steht, und durch dessen gegliederten Mund spricht.  

24. V. Eine Mehrheit von Göttern ist in den alten Zeiten und auch in den gegenwärtigen nicht anderswoher entstanden, als aus dem nicht verstandenen göttlichen Sein.

Daß die Einheit Gottes dem Gemüt eines jeden Menschen inwendigst eingeschrieben ist, indem sie sich mitten in allem befindet, was in die Seele des Menschen von Gott einfließt, ist oben Nr. 8 gezeigt worden; daß sie aber dessen ungeachtet von da nicht in den menschlichen Verstand niederstieg, davon ist die Ursache, daß es an den Kenntnissen fehlte, durch die der Mensch Gott entgegenkommen und hinansteigen muß; denn jeder muß Gott den Weg bereiten, das heißt, sich zur Aufnahme zubereiten, und dies muß durch Erkenntnisse geschehen. Die Erkenntnisse, an welchen es fehlte, so daß der Verstand nicht bis dahin vordringen konnte, um zu sehen, daß Gott einer ist, und daß ein göttliches Sein nicht denkbar ist, wofern es nicht ein Einziges ist, und dass alles zur Natur Gehörige von Ihm ist, sind folgende:

1. Es hatte bis jetzt niemand etwas [Näheres] gewußt von der geistigen Welt, in der die Geister und Engel sind, und in die der Mensch nach dem Tode kommt.

2. Ebensowenig, daß es in jener Welt eine Sonne gibt, welche die reine Liebe aus Jehovah Gott ist, Der in ihrer Mitte ist.

3. Daß aus dieser Sonne Wärme hervorgeht, welche ihrem Wesen nach Liebe ist, und Licht, das seinem Wesen nach Weisheit ist.

4. Daß von daher alles, was sich in jener Welt befindet, geistig ist, und den inneren Menschen anregt, und dessen Willen und Verstand bildet.

5. Daß Jehovah Gott aus Seiner Sonne nicht nur die geistige Welt und all ihr Geistiges, das unzählig vieles und substanziell ist, sondern auch die natürliche Welt und all ihr Natürliches, das ebenfalls unzählig vieles, aber materiell ist, hervorgebracht hat.

6. Bis jetzt hat niemand den Unterschied zwischen dem Geistigen und Natürlichen gewußt, noch was das Geistige seinem Wesen nach ist.

7. Auch nicht, daß es drei Stufen der Liebe und Weisheit gibt, nach denen die Engelhimmel geordnet sind.

8. Und daß das menschliche Gemüt in ebenso viele Stufen abgeteilt ist, damit es in einen von den drei Himmeln nach dem Tode erhoben werden könne, was seinem Leben und zugleich seinem Glauben gemäß geschieht.

9. Und endlich, daß von diesem allen auch nicht ein Punkt hätte anders entstehen können, als aus dem göttlichen Sein, welches das in sich Selbständige, und so das Erste und der Urgrund ist, aus dem alles stammt.

Diese Erkenntnisse hatten bisher gefehlt, und doch muß durch sie der Mensch emporsteigen, und das göttliche Sein erkennen. Wir sagen, der Mensch steige empor, es wird aber darunter verstanden, dass er von Gott erhoben werde; denn der Mensch hat den freien Willen, sich die Erkenntnisse zu erwerben, und so wie er sich dieselben aus dem Wort erwirbt, mittelst des Verstandes, so ebnet er den Weg, auf dem Gott niedersteigen und ihn erheben kann. Die Erkenntnisse, durch die dem menschlichen Verstand das Emporsteigen ermöglicht wird, während Gott ihn bei der Hand hält und führt, können verglichen werden den Sprossen der dem Jakob erschienenen Leiter, die auf der Erde aufstand, deren Spitze in den Himmel hineinreichte, auf der die Engel hinanstiegen, und über der Jehovah stand: 1Mo.28/12,13. Ganz anders verhält es sich, wenn jene Erkenntnisse fehlen, oder der Mensch sie verschmäht; alsdann kann die Erhebung des Verstandes einer Leiter verglichen werden, die von der Erde aus an ein Fenster des ersten Stockwerks eines prächtigen Palastes, in dem Menschen wohnen, angelegt ist, und nicht an die Fenster des zweiten Stockwerks, in dem die Geister, und noch weniger an die Fenster des dritten Stockwerks, in dem die Engel sind; wovon die Folge ist, daß der Mensch nur in den Atmosphären und den materiellen Dingen der Natur bleibt, in denen er die Augen, die Ohren und die Nase zuhält, und aus denen er keine andere Vorstellungen vom Himmel und von Gottes Sein und Wesen Schöpft, als luftige und materielle, und der aus diesen denkende Mensch bildet sich keinerlei Urteil über Gott, ob Er sei, oder nicht sei, oder ob einer oder mehrere seien; und noch weniger, wie Er Seinem Sein und Wesen nach beschaffen sei. Daraus entstand die Mehrheit von Göttern in den alten Zeiten, und auch in den jetzigen.  

25. Diesem will ich folgende Denkwürdigkeit beifügen: Als ich einst vom Schlaf erwachte, versank ich in tiefes Nachdenken über Gott; und wie ich aufblickte, sah ich über mir am Himmel ein ganz blendend weißes Licht in eirunder Gestalt; und als ich den Blick auf dieses Licht heftete, verzog sich das Licht nach den Seiten und ging in die Umkreise über; und siehe da, nun stand mir der Himmel offen, und ich sah herrliche Dinge und Engel in kreisförmiger Aufstellung an der mittäglichen Seite der Öffnung stehend, die sich miteinander unterredeten. Und weil ich von Verlangen brannte zu hören, was sie sprachen, so ward mir gegeben, zuerst den Klang ihrer Stimmen selbst zu hören, der voll himmlischer Liebe war, und hernach das Gespräch selbst, das voll von Weisheit aus jener Liebe war. Sie sprachen untereinander von dem einen Gott, von der Verbindung mit Ihm und der daraus folgenden Seligmachung. Sie redeten unaussprechliche Dinge, von denen das meiste nicht in Wörter irgendeiner natürlichen Sprache fallen kann; weil ich aber einige Male im Umgang mit den Engeln im Himmel selbst, und dann, weil in ähnlichem Zustand, auch in ähnlicher Rede mit ihnen gewesen war, so konnte ich sie jetzt verstehen und aus ihrem Gespräch einiges herausnehmen, was sich durch Worte einer natürlichen Sprache in vernunftmäßiger Weise darlegen läßt. Sie sagten, das göttliche Sein sei das Eine, Dasselbe, Selbständige und Unteilbare. Dies beleuchteten sie durch geistige Ideen, indem sie sagten, daß das göttliche Sein nicht mehreren, von denen jeder göttliches Sein hätte, zukommen, und dabei dennoch das Eine, Dasselbe, Selbständige und Unteilbare sein könne; denn jeder würde aus seinem Sein heraus aus sich und einzeln für sich denken; dächte er dann auch einmütig aus den anderen und durch die anderen, so wären es mehrere einmütige Götter und nicht ein Gott; denn da die Einmütigkeit eine Übereinstimmung mehrerer und zugleich eines jeden aus sich und für sich ist, so stimmt sie nicht mit der Einheit Gottes zusammen, sondern mit einer Mehrheit - von Göttern, sagten sie nicht, weil sie nicht konnten; denn das Himmelslicht, aus dem ihr Denken kam, und die Himmelsluft, in der ihre Rede sich fortbewegte, widerstrebten -; sie sagten auch, daß, wenn sie Götter und jeden derselben als Person für sich aussprechen wollten, der Versuch, sie auszusprechen, alsbald in eines, ja in den einzigen Gott fallen würde. Diesem fügten sie bei, daß das göttliche Sein ein göttliches Sein in sich, nicht von sich sei, weil das von sich ein Sein in sich von einem anderen, Früheren, somit einen Gott von Gott voraussetzt, was eine Undenkbarkeit ist. Was von Gott ist, heißt nicht Gott, sondern Göttliches; denn was ist ein Gott von Gott, was also ein von Ewigkeit her von Gott gezeugter Gott? Und was ein Gott, der durch den von Ewigkeit her gezeugten Gott von Gott ausgeht? [Was sind diese anderes] als Wörter, denen kein Licht aus dem Himmel innewohnt? Weiter sagten sie, das göttliche Sein, das in sich Gott ist, sei Dasselbe, nicht ein einfaches Dasselbe, sondern ein unendliches, das heißt, Ebendasselbe von Ewigkeit zu Ewigkeit; es sei Ebendasselbe überall, und Ebendasselbe bei jeglichem und in jeglichem; alles Verschiedene und Wandelbare aber sei im Aufnehmenden; der Zustand des Aufnehmenden mache dies.

Daß das göttliche Sein, welches Gott in sich ist, das Selbst oder Selbständige sei, beleuchteten sie so: Gott ist das Selbst, weil Er die Liebe selbst und die Weisheit selbst, oder weil Er das Gute selbst und das Wahre selbst, und infolgedessen das Leben selbst ist. Wären diese nicht das Selbst in Gott, so wären sie kein Etwas im Himmel und in der Welt, weil es alsdann gar keine Beziehung derselben zu einem Selbständigen [einem Absoluten] gäbe. Alle Qualität erhält ihre Qualität davon, daß es ein Selbständiges gibt, aus dem sie stammt und auf das sie sich zurückbezieht, damit sie eine solche sei. Dieses Selbst, welches das göttliche Sein ist, ist nicht an einem Ort, sondern es ist bei denen und in denen, die an einem Orte sind, je nach der Aufnahme; denn von der Liebe und Weisheit oder dem Guten und Wahren, und somit vom Leben, die das Selbständige in Gott, ja Gott Selbst sind, kann kein Ort noch ein Fortbewegen von Ort zu Ort ausgesagt werden; daher die Allgegenwart; weshalb der Herr sagt, Er sei mitten unter ihnen; dann auch, Er sei in ihnen und sie in Ihm. Weil Er aber von keinem so, wie Er in Sich ist, aufgenommen werden kann, so erscheint Er, wie Er in Seinem Wesen ist, als Sonne über den engelischen Himmeln, und das aus dieser Hervorgehende ist als Licht Er selbst hinsichtlich der Weisheit, und als Wärme ist es Er selbst hinsichtlich der Liebe. Er selbst ist nicht jene Sonne, sondern die zunächst von Ihm ausgehende göttliche Liebe und Weisheit, rings um Ihn her, erscheinen vor den Engeln als Sonne. Er selbst in der Sonne ist Mensch, ist unser Herr Jesus Christus, sowohl nach dem Urgöttlichen, als nach dem Göttlich-Menschlichen, weil das Selbständige, welches die Liebe selbst und die Weisheit selbst ist, bei Ihm die Seele vom Vater her war, somit das göttliche Leben, welches das Leben in sich ist. Anders in jeglichem Menschen, in diesem ist die Seele nicht Leben, sondern Aufnahmegefäß des Lebens; dies lehrt auch der Herr, indem Er sagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, und anderwärts: „Wie der Vater das Leben in Sich selbst hat, so hat Er auch dem Sohn gegeben, das Leben in Sich selbst zu haben“: Joh.5/26.

Das Leben in Sich selbst ist Gott. Diesem fügten sie noch bei, daß diejenigen, welche einigermaßen in geistigem Licht sind, hieraus abnehmen können, daß das göttliche Sein, weil es das Eine, Dasselbe, das Selbständige und somit Unteilbare ist, nicht in mehreren möglich sei, und wenn man sagte, es sei möglich, dies etwas ganz handgreiflich sich selbst Widersprechendes wäre.  

26. Nachdem ich dies angehört hatte, bemerkten die Engel in meinem Denken die gewöhnlichen Vorstellungen der christlichen Kirche von der Personendreiheit in der Einheit, und von ihrer Einheit in der Dreiheit bei Gott, und dann auch von dem Gezeugtwerden des Sohnes Gottes von Ewigkeit, und sagten nun: Was denkst du? Denkst du nicht diese Dinge aus dem natürlichen Licht, mit dem unser geistiges Licht nicht zusammenstimmt? Entfernst du also nicht die Vorstellungen dieses Denkens, so verschließen wir dir den Himmel, und gehen weg. Da sagte ich aber: Gehet nur tiefer in mein Denken ein, so werdet ihr vielleicht Übereinstimmung sehen; und sie machten es so, und sahen, daß ich unter den drei Personen drei hervortretende göttliche Attribute, nämlich Schöpfung, Erlösung und Wiedergebärung, und zwar so verstehe, daß diese Attribute einem Gott zukommen. Ferner daß ich unter dem Geborenwerden des Sohnes Gottes von Ewigkeit Sein von Ewigkeit her vorhergesehenes und in der Zeit vorgesehenes Geborenwerden verstehe; und daß es nicht über dem Natürlichen und Vernünftigen, sondern wider das Natürliche und Vernünftige sei, zu denken, daß von Gott irgendein Sohn von Ewigkeit her geboren worden sei; nicht so aber, daß der von Gott in der Zeit durch die Jungfrau Maria geborene Sohn der Einzige und Eingeborene Sohn Gottes sei; und daß ein jeder andere Glaube ein ungeheurer Irrtum sei. Und nun erzählte ich, dass ich mein natürliches Denken über die Personendreiheit und die Einheit und über das Geborenwerden des Sohnes Gottes von Ewigkeit von der kirchlichen Glaubenslehre her hatte, die ihren Namen von Athanasius herleitet. Dann sagten die Engel: Gut! Und sie baten mich, ich möchte aus ihrem Munde sagen, daß, wer sich nicht an den Gott des Himmels und der Erde selbst wendet, nicht in den Himmel kommen könne, weil der Himmel Himmel aus diesem einzigen Gott ist, und daß dieser Gott Jesus Christus ist, welcher sei Jehovah, der Herr, der Schöpfer von Ewigkeit her, der Erlöser in der Zeit, und der Wiedergebärer in Ewigkeit, und somit zugleich Vater, Sohn und Heiliger Geist ist; und daß dies das Evangelium sei, das verkündigt werden soll. Nach diesem zog sich das himmlische Licht, das ich früher gesehen hatte, über die Öffnung zurück, und ließ sich von da allmählich herab, und erfüllte das Inwendige meines Gemüts, und erleuchtete meine Ideen von der Dreieinheit und Einheit Gottes, und dann sah ich die zu Anfang darüber gefaßten Vorstellungen, die bloß natürlich waren, abgesondert, wie sich die Spreu vom Weizen aus der geschwungenen Wurfschaufel absondert, und wie vom Wind nach dem Norden des Himmels fortgetragen und zerstreut.