Das Bekenntnis muss vor dem Herrn Gott Heiland geschehen, und dann das Flehen um Hilfe und um Kraft dem Bösen zu widerstehen

538. Der Herr Gott Heiland muß angegangen werden, weil Er der Gott des Himmels und der Erde, der Erlöser und Heiland ist, Welcher Allmacht, Allwissenheit, Allgegenwart hat, und die Barmherzigkeit selbst, und zugleich die Gerechtigkeit ist, und weil der Mensch Sein Geschöpf und die Kirche Sein Schafstall 1 Diese Numerierung findet sich im Original ist, und Er selbst mehrmals im Neuen Bund geboten hat, daß man an Ihn sich wenden, Ihn verehren und anbeten soll. Daß man an Ihn sich wenden soll, hat Er mit folgenden Worten bei Johannes eingeschärft: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wer nicht durch die Türe in den Schafstall eingeht, sondern anderswoher einsteigt, ist ein Dieb und ein Räuber; wer aber durch die Türe eingeht, ist ein Hirt der Schafe. Ich bin die Türe, wer durch Mich eingeht, wird selig werden und Weide finden; der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu verderben; Ich bin gekommen, damit sie Leben und Überfluß haben; Ich bin der gute Hirt“: Joh.10/1,2,9-11. Daß der Mensch nicht anderswoher einsteigen soll heißt, er solle nicht zu Gott dem Vater [gehen], weil Dieser unsichtbar, und daher unzugänglich und unverbindbar ist, und Er dazu in die Welt kam, um Sich sichtbar, zugänglich und verbindbar zu machen; was einzig zu dem Ende geschah, daß der Mensch selig werden könnte; denn wofern Gott nicht als Mensch in Gedanken angegangen wird, geht alle Vorstellung von Gott verloren, sie fällt wie der Blick ins Universum, somit in ein leeres Nichts, oder in die Natur, oder in die Gegenstände innerhalb der Natur. Daß Gott selbst, Der von Ewigkeit her einer ist, in die Welt kam, stellt sich deutlich an der Entstehungsgeschichte des Herrn und Heilandes heraus, sofern Er nämlich von der Kraft des Höchsten durch den Heiligen Geist empfangen, und von daher Sein Menschliches von der Jungfrau Maria geboren wurde; woraus folgt, daß Seine Seele das Göttliche Selbst war, welches der Vater heißt, denn Gott ist unteilbar, und daß das daraus geborene Menschliche das Menschliche des Vaters war, welches der Sohn Gottes heißt: Luk.1/32,34,35; und hieraus folgt wieder, daß, indem der Herr Gott Heiland angegangen wird, auch der Vater angegangen wird; weshalb Er dem Philippus, welcher bat, den Vater zu zeigen, zur Antwort gab: „Wer Mich sieht, sieht den Vater, wie sprichst du denn: zeige uns den Vater; glaubst du nicht, daß Ich im Vater bin, und der Vater in Mir ist? Glaubet Mir, daß Ich im Vater bin, und der Vater in Mir ist“: Joh.14/6-11. Doch hierüber sehe man mehreres im Kapitel von Gott, dem Herrn, dem Heiligen Geist und der Dreieinheit.

539. Es sind zwei Pflichten, die dem Menschen nach der Selbstprüfung zu erfüllen obliegen, die Bitte und das Bekenntnis. Die Bitte soll dahin gehen, daß Er Sich erbarme, Kraft gebe zum Widerstand gegen das Böse, das man bereut hat, und Neigung und Trieb gebe, das Gute zu tun, weil der Mensch ohne Ihn nichts tun kann: Joh.15/5. Das Bekenntnis soll sein, daß er sein Böses sehe, erkenne und anerkenne, und sich als einen elenden Sünder finde. Vor dem Herrn bedarf es keiner Aufzählung der Sünden, noch eines Flehens um Vergebung derselben. Daß es keiner Aufzählung der Sünden bedarf, hat seinen Grund darin, daß er dieselben bei sich erforscht und gesehen hat, und weil sie ihm daher auch dem Herrn gegenwärtig sind; der Herr hatte ihn auch bei der Selbstprüfung geführt und sie aufgedeckt, und die Betrübnis eingeflößt, und zugleich mit dieser das Bestreben, von denselben abzustehen und ein neues Leben anzufangen. Davon, daß vor dem Herrn kein Flehen um Sündenvergebung zu geschehen braucht, sind die Gründe diese: der erste, weil die Sünden nicht vertilgt, sondern entfernt werden, und entfernt werden je wie der Mensch nachher von denselben absteht und in ein neues Leben eintritt; denn es sind unzählige Begierden, welche jeglichem Bösen, wie in einem Knäuel anhängen und nicht in einem Augeblick hinweggeschafft werden können, sondern nach und nach, je wie der Mensch sich umbilden und wiedergebären läßt. Der andere Grund ist, weil der Herr, da Er die Barmherzigkeit selbst ist, allen ihre Sünden vergibt, und keine einzige jemanden zurechnet; denn Er sagt: „Sie wissen nicht, was sie tun“; dennoch aber sind sie nicht hinweggenommen; denn als Petrus fragte, wie oft er seinem Bruder die Verfehlungen vergeben solle, ob bis zu sieben Malen, sagte Er: „Ich sage dir, nicht bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal“:

Matth.18/21,22; was wird nicht der Herr tun? Dennoch aber schadet es nicht, wenn jemand, der im Gewissen beschwert ist, zur Erleichterung, vor einem Diener der Kirche seine Sünden herzählt, zum Behuf der Lossprechung; denn so wird er in die Fertigkeit eingeleitet, sich zu prüfen, und über das tägliche Böse nachzudenken; allein dieses Bekenntnis ist ein natürliches, das oben beschriebene aber ist ein geistiges.

560.1 Irgendeinen Statthalter auf Erden anbeten, oder irgendeinen Heiligen als Gott anrufen, hat im Himmel keinen höheren Wert als sich bittend an die Sonne, den Mond und die Gestirne wenden, und einen Wahrsager um Antwort fragen und seinem Ausspruch glauben, was vergeblich ist; es wäre dies auch, wie wenn man einen Tempel anbeten wollte, und nicht den Gott im Tempel; auch wäre es, wie wenn man des Königs Diener, der dessen Zepter und Krone in der Hand trägt, um Ehrenstellen bitten wollte, und nicht den König selbst; und dies wäre ebenso erfolglos, als wenn man, abgetrennt von den Subjekten den Schimmer des Purpurs, die Glorie, das Licht, die goldenen Strahlen der Sonne und den bloßen Namen küssen wollte. Für die, welche dergleichen tun, mögen hier stehen die Worte von 1Joh.5/20,21: „Wir bleiben in der Wahrheit, in Jesu Christo, Dieser ist der wahre Gott und das ewige Leben; Kindlein, hütet euch vor den Götzen“.