Daß im Garten Eden zwei Baeume gesetzt waren, der eine der des Lebens, und der andere der der Erkenntnis des Guten und Bösen, bedeutet, daß dem Menschen der freie Wille in geistigen Dingen gegeben worden sei

466. Daß unter Adam und Chavah im Buch Mosis nicht die zuerst erschaffenen Menschen verstanden werden, haben viele geglaubt, und zur Bestätigung Beweisgründe für Präadamiten aus den Berechnungen und Chronologien bei einigen Völkern beigebracht, dann auch davon, daß Kain, der Erstgeborene Adams zu Jehovah sagte: „Unstet und flüchtig werde ich sein auf Erden, so, daß wer mich trifft, mich tötet; weshalb Jehovah dem Kain ein Zeichen setzte, damit ihn nicht töte wer ihn träfe“: 1Mo.4/14,15, und [davon, daß er,] nachdem er vom Angesicht Jehovahs weggegangen war, im Lande Nod gewohnt und eine Stadt gebaut habe“: 1Mo.4/16,17; woraus denn folge, daß die Erde schon vor Adam bewohnt war. Daß aber unter Adam und seinem Weib die älteste Kirche auf diesem Erdkörper verstanden wird, ist in den von mir zu London herausgegebenen »Himmlischen Geheimnissen« umständlich nachgewiesen worden; und ebendaselbst auch, daß unter dem Garten Eden verstanden wird die Weisheit der Menschen dieser Kirche, und unter dem Baum des Lebens der Herr im Menschen und der Mensch im Herrn, und unter dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen der Mensch, sofern er nicht im Herrn, sondern in seinem Eigenen ist, wie dies der ist, welcher glaubt, er tue alles von sich, auch das Gute; und daß unter dem Essen von diesem Baum die Aneignung des Bösen verstanden wird.

467. Im Wort wird unter dem Garten Eden nicht irgendein Garten verstanden, sondern die Einsicht, und unter dem Baum nicht irgendein Baum, sondern der Mensch; daß der Garten Eden die Einsicht und Weisheit bezeichnet, kann aus folgenden Stellen erhellen: „In deiner Einsicht und Weisheit machtest du dir Schätze; in Eden, im Garten Gottes warst du“, und im weiter folgenden daselbst: „voll von Weisheit in Eden, im Garten Gottes warst du, jeglicher kostbare Stein war deine Bedeckung“: Ez.28/4,12,13. Dies vom Fürsten und König von Tyrus, dem Weisheit beigelegt wird, weil durch Tyrus im Wort bezeichnet wird die Kirche hinsichtlich der Erkenntnisse des Wahren und Guten, durch die Weisheit kommt; durch die kostbaren Steine, die seine Bedeckung waren, werden ebenfalls die Erkenntnisse des Wahren und Guten bezeichnet; denn der Fürst und König von Tyrus waren nicht im Garten Edens. Und anderwärts bei Ez.31/3,8,9: „Aschur, eine Zeder auf dem Libanon; die Zedern verbargen ihn nicht im Garten Gottes, kein Baum im Garten Gottes war ihm gleich an Schönheit, es wetteiferten mit ihm alle Bäume Edens im Garten Gottes“; und Vers 18: „wem warst du also ähnlich gemacht an Herrlichkeit und Größe unter den Bäumen Edens“. Dies wurde von Aschur gesagt, weil durch ihn im Wort die Vernünftigkeit und die Einsicht aus ihr bezeichnet wird. Bei Jes.51/3: „Es wird Jehovah Zion trösten, und ihre Wüste zu Eden machen, und ihre Öde zu einem Garten Jehovahs“. Zion ist hier die Kirche, und Eden und der Garten Jehovahs ist die Weisheit und Einsicht. In der Offb.2/7: „Dem Überwinder will Ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der inmitten des Paradieses Gottes ist“. „Inmitten ihrer Gasse und des Stromes wird auf dieser und auf jener Seite ein Baum des Lebens sein“: Offb.22/2. Hieraus erhellt deutlich, daß unter dem Garten in Eden, in den, wie es heißt, Adam gesetzt wurde, die Einsicht und Weisheit verstanden wird, weil das gleiche von Tyrus, Aschur und Zion gesagt wird. Durch den Garten wird auch anderwärts im Wort die Einsicht und Weisheit bezeichnet, wie z.B. Jes.58/11; 61/11; Jer.31/12; Am.9/14; 4Mo.24/6. Diese geistige Bedeutung des Gartens hat ihren Grund in den Vorbildungen in der geistigen Welt; dort erscheinen Paradiese, wo Engel in der Einsicht und Weisheit sind; die Einsicht und Weisheit, die sie vom Herrn haben, stellt selbst dergleichen um sie her dar; und dies geschieht infolge der Entsprechung, denn alle Dinge, die in der geistigen Welt ins Dasein treten, sind Entsprechungen.

468. Daß der Baum den Menschen bedeutet, erhellt aus folgenden Stellen im Wort: „Es sollen alle Bäume des Feldes erkennen, daß Ich, Jehovah, den hohen Baum erniedrige, den niedrigen Baum erhöhe, und den grünen Baum dürr mache, und den dürren Baum sprossen lasse“: Ez.17/24. „Selig, wer seine Lust hat am Gesetz, er wird sein wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbäche, der seine Frucht geben wird zu seiner Zeit“: Ps.1/[2,] 3; Jer.17/8. „Lobet Jehovah, ihr Fruchtbäume“: Ps.148/9. „Es werden gesättigt die Bäume Jehovahs“: Ps.104/16. „Die Axt liegt an der Wurzel der Bäume; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen werden“: Matth.3/10; 7/16-21. „Setzet entweder den Baum gut, und seine Frucht gut, oder setzet den Baum faul [und seine Frucht faul]; denn an der Frucht erkennt man den Baum“: Matth.12/33; Luk 6/43,44. „Ein Feuer werde Ich anzünden, das jeden grünen Baum und jeden dürren Baum verzehren wird“: Ez.21/3. [nach and. 20/47]. Weil der Baum den Menschen bedeutet, darum ward verordnet, „daß die zum Essen dienende Frucht im Lande Kanaan als Vorhaut weggeschnitten werden sollte“: 3Mo.19/23,24.

Weil der Ölbaum den Menschen der himmlischen Kirche bezeichnet, so heißt es von den zwei Zeugen, welche weissagten, sie seien zwei Ölbäume, die neben dem Herrn der ganzen Erde stehen“: Offb.11/4. Ebenso bei Sach.4/3,11,12; und Ps.52/10: „Ich, ein grünender Ölbaum im Hause Gottes“; und bei Jer.11/16,17: „Einen grünenden Ölbaum mit schöner Frucht nannte Jehovah deinen Namen“; außer vielen Stellen, die hier der Menge wegen nicht angeführt werden.

469. Jeder, der tiefere Einsicht hat, kann heutzutage wahrnehmen oder ahnen, daß das, was von Adam und seinem Weib geschrieben steht, geistige Dinge in sich schließt, die bis jetzt niemand kannte, weil der geistige Sinn des Wortes nicht früher, als eben jetzt, enthüllt worden ist. Wer kann nicht schon von ferne sehen, daß Jehovah nicht die zwei Bäume in den Garten gesetzt hätte, und zwar den einen zum Anstoß, außer zum Zweck irgendeiner geistigen Vorbildung; und daß beide, weil sie von einem Baum aßen, verflucht wurden, und dieser Fluch jedem Menschen nach ihnen anhängen soll, so, daß das ganze menschliche Geschlecht um eines Menschen Schuld willen, bei der nichts Böses der Begierde des Fleisches, noch eine Bosheit des Herzens war, verdammt wurde? Stimmt dieses mit der göttlichen Gerechtigkeit überein? Und vor allem, warum hat Jehovah ihn nicht vom Essen abgehalten, da Er es als gegenwärtig sah, und warum hat Er nicht die Schlange in den Orkus hinabgeworfen, bevor sie überredete? Allein, mein Freund, Gott hat dies nicht getan, weil Er so dem Menschen den freien Willen genommen hätte, vermöge dessen doch der Mensch Mensch, und nicht Tier ist; weiß man dies, so liegt erwiesen vor, daß durch jene zwei Bäume, von denen der eine zum Leben und der andere zum Tode gereichte, der freie Wille des Menschen in geistigen Dingen vorgebildet wurde. Überdies stammt das Erbübel nicht von daher, sondern von den Eltern, von denen sich auf die Kinder die Neigung zu demjenigen Bösen fortpflanzt, in dem sie selbst waren. Daß dem so sei, wird von jedem eingesehen, der die Sitten, Gesinnungen und Gesichter der Kinder, ja der Familien von einem Stammvater herab untersucht; dennoch aber hängt von jeglichem in der Familie ab, ob er hinzu- oder zurücktreten will, weil nämlich jeglicher seinem freien Willen überlassen wird. Was aber im besonderen der Baum des Lebens, und was der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen bedeutet, ist vollständig auseinandergesetzt worden, in der Denkwürdigkeit oben Nr. 48, welche man nachsehe.