X. Bei den Bösen ist kein Glaube

382. Alle die sind böse, welche die Erschaffung der Welt durch Gott, und so Gott leugnen, denn sie sind gottesleugnerische Naturalisten. Daß diese alle böse sind, hat seinen Grund darin, daß alles Gute, das nicht nur natürlich, sondern auch geistig Gut ist, von Gott kommt; weshalb die, welche Gott leugnen, nicht wollen und daher auch nicht können irgend etwas Gutes anderswoher aufnehmen, als aus ihrem Eigenen; das Eigene des Mensch ist aber die Begierde seines Fleisches, und was aus dieser hervorgeht, ist geistig böse, wie sehr es auch, natürlich genommen, als gut erscheint. Solche sind theoretisch-böse.

Praktisch-böse hingegen sind die, welche die göttlichen Vorschriften, die zusammengefaßt in den Zehn Geboten vorliegen, zu Nichts machen, und leben, wie wenn sie an kein Gesetz gebunden wären; daß diese auch im Herzen Gott leugnen, obgleich viele von ihnen Gott mit dem Mund bekennen, kommt daher, daß Gott und Seine Gebote eins ausmachen; weshalb die Zehn Gebote des Dekalogs genannt wurden „Jehovah dort“: 4Mo.10/35,36; Ps.132/7,8. Damit sich jedoch noch deutlicher herausstelle, daß die Bösen keinen Glauben haben, so soll es sich als Schlußfolgerung ergeben aus folgenden zwei Sätzen:

I. Die Bösen haben keinen Glauben, weil das Böse Sache der Hölle, der Glaube aber Sache des Himmels ist.

II. Alle diejenigen in der Christenheit haben keinen Glauben, die den Herrn und das Wort verwerfen, obgleich sie moralisch leben, und vernünftig, selbst über den Glauben, reden, lehren und schreiben. Doch hiervon im einzelnen.

383. I. Die Bösen haben keinen Glauben, weil das Böse Sache der Hölle, und der Glaube Sache des Himmels ist.

Das Böse ist Sache der Hölle, weil alles Böse von daher stammt, und der Glaube ist Sache des Himmels, weil alles Wahre, das Gegenstand des Glaubens ist, aus dem Himmel stammt. Der Mensch wird, solange er in der Welt lebt, in der Mitte zwischen Himmel und Hölle gehalten, und wandelt hier im geistigen Gleichgewicht, welches sein freier Wille ist; die Hölle ist unter seinen Füßen und der Himmel ist über seinem Haupt; und alles, was von der Hölle aufsteigt, ist böse und falsch, alles hingegen, was vom Himmel herabsteigt, ist gut und wahr. Der Mensch kann, weil er in der Mitte zwischen diesen zwei Gegensätzen und zugleich in geistigem Gleichgewicht ist, mit Freiheit das eine oder das andere wählen, annehmen und sich aneignen; wenn das Böse und Falsche, so verbindet er sich mit der Hölle, wenn aber das Gute und Wahre, so verbindet er sich mit dem Himmel. Hieraus erhellt nicht nur, daß das Böse Angehör der Hölle und der Glaube Angehör des Himmels ist, sondern auch, daß diese zwei nicht in einem Subjekt oder Menschen zusammensein können; denn wenn sie beisammen wären, so würde der Mensch wie mit zwei Stricken umbunden nach zwei Seiten gerissen, und von dem einen nach oben und von dem anderen nach unten gezogen, und so wie ein in der Luft Schwebender werden; und es wäre, wie wenn er, einer Amsel gleich, bald aufwärts und bald niederwärts flöge und beim Aufwärtsfliegen Gott anbetete, beim Abwärtsfliegen aber den Teufel; daß dies Entweihung wäre, sieht jeder. „Daß niemand zweien Herren dienen könne, ohne den einen zu hassen und den anderen zu lieben“, lehrt der Herr bei Matth.6/24. Daß da, wo Böses ist, kein Glaube ist, kann durch mancherlei Vergleiche versinnlicht werden, wie z.B. durch folgende: das Böse ist wie ein Feuer; auch ist das höllische Feuer nichts anderes, als Liebe zum Bösen und verzehrt den Glauben wie einen Strohhalm, und verwandelt ihn und alles zu ihm Gehörige in Asche; das Böse wohnt in der Finsternis, und der Glaube im Licht, und das Böse löscht durch das Falsche den Glauben aus, wie die Finsternis das Licht; das Böse ist schwarz wie Tinte, und der Glaube ist weiß wie Schnee und glänzend weiß wie Wasser, auch schwärzt das Böse den Glauben, wie die Tinte den Schnee und das Wasser. Ferner können das Böse und das Wahre des Glaubens nicht anders verbunden werden, als wie das Stinkende mit dem Aromatischen, als Urin mit wohlschmeckendem Wein, und können nicht anders zusammen sein, als wie ein übelriechender Toter mit einem Lebenden in einem Bett; und ebensowenig beisammen wohnen als ein Wolf in einem Schafstall, und ein Habicht in einem Taubenschlag oder ein Fuchs in einem Hühnerhaus.

384. II. In der Christenheit haben alle diejenigen keinen Glauben, die den Herrn und das Wort verwerfen, obgleich sie moralisch leben, und vernünftig, selbst über den Glauben reden, lehren und schreiben.

Dies folgt als Schlußsatz aus allem, was vorhergeht; denn es ist gezeigt worden, daß der Glaube, welcher der wahre und einzige ist, den Herrn zum Gegenstand hat, und von Ihm kommt, und daß ein Glaube, der nicht Ihn zum Gegenstand hat, und nicht von Ihm kommt, kein geistiger, sondern ein natürlicher Glaube ist, und der bloß natürliche Glaube das Wesen des Glaubens nicht in sich hat. Überdies ist der Glaube aus dem Wort; er ist nicht anderswoher, weil das Wort aus dem Herrn ist, und daher der Herr selbst im Wort ist; weshalb Er sagt, daß Er das Wort sei: Joh.1/1,2. Hieraus folgt, daß die, welche das Wort verwerfen, auch den Herrn verwerfen, denn sie hängen als eines zusammen. Dann auch, daß die, welche das eine oder das andere verwerfen, auch die Kirche verwerfen, weil die Kirche vom Herrn durch das Wort besteht; und weiter, daß die, welche die Kirche verwerfen, außerhalb des Himmels sind; denn die Kirche führt in den Himmel ein, und die, welche außerhalb des Himmels sind, sind unter den Verdammten, und diese haben keinen Glauben.

Daß die, welche den Herrn und das Wort verwerfen, keinen Glauben haben, obgleich sie moralisch leben, und vernünftig, auch vom Glauben reden, lehren und schreiben, hat seinen Grund darin, daß sie kein geistig-moralisches Leben, sondern ein natürliches haben, und kein geistig-vernünftiges Gemüt, sondern ein natürliches, und die bloß natürliche Moralität und Vernünftigkeit an sich tot ist, daher sie, als Tote, keinerlei Glauben haben. Der bloß natürliche, und seinem Glauben nach tote Mensch kann zwar vom Glauben, von der Liebtätigkeit, und von Gott reden und lehren, aber nicht aus dem Glauben, nicht aus der Liebtätigkeit, und nicht aus Gott. Daß bloß die Glauben haben, die an den Herrn glauben, und daß andere keinen Glauben haben, erhellt aus folgenden Stellen: „Wer an den Sohn glaubt, wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes“: Joh.3/18. „Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm“: Joh.3/36. Jesus sagte: „wenn der Geist der Wahrheit gekommen ist, so wird er die Welt überführen von der Sünde, daß sie nicht an Mich glauben“: Joh.16/8,9; und zu den Juden: „wenn ihr nicht glaubet, daß Ich bin, so werdet ihr sterben in euren Sünden“: Joh.8/24; weshalb David sagt: „Ich will verkünden den Beschluß: Jehovah sprach: Mein Sohn bist Du, Ich habe heute Dich gezeugt; küsset den Sohn, daß Er nicht zürne, und ihr [nicht] auf dem Weg umkommt; selig alle, die auf Ihn vertrauen“: Ps.2/7,12. Daß in der Vollendung des Zeitlaufs, welche die letzte Zeit der Kirche ist, kein Glaube mehr sein werde, weil keiner an den Herrn, als Sohn Gottes, als Gott des Himmels und der Erde, und als einen mit dem Vater, sagt der Herr voraus bei den Evangelisten, indem Er spricht, „daß sein werde ein Greuel der Verwüstung und eine Trübsal, dergleichen nicht gewesen ist, noch sein wird; und daß die Sonne werde verdunkelt werden, und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen“: Matth.24/15,21,29; und in der Offb.20/[7],8: „daß der Satan, losgelassen von seinem Kerker, ausgehen wird zu verführen die Völkerschaften, die in den vier Winkeln der Erde sind, deren Zahl ist wie der Sand des Meeres“. Und weil der Herr dieses voraussah, sagte Er auch: „Doch aber wenn des Menschen Sohn kommt, wird Er auch Glauben finden auf Erden?“: Luk.18/8.

385. Diesem sollen folgende Denkwürdigkeiten beigefügt werden: Die erste. Einst sagte ein Engel zu mir: Willst du deutlich sehen, was Glaube und Liebtätigkeit, somit was der von der Liebtätigkeit getrennte Glaube, und was der mit der Liebtätigkeit verbundene Glaube ist, so will ich es dir vor Augen stellen; ich antwortete: Tue dies! und er sagte: Denke dir statt des Glaubens und der Liebtätigkeit Licht und Wärme, so wirst du es deutlich sehen; der Glaube ist seinem Wesen nach die Wahrheit, welche Gegenstand der Weisheit ist, und die Liebtätigkeit ist ihrem Wesen nach die Neigung der Liebe, die Wahrheit der Weisheit aber im Himmel ist Licht, und die Neigung der Liebe im Himmel ist Wärme; das Licht und die Wärme, in denen die Engel sind, sind wesentlich nichts anderes. Daraus kannst du deutlich sehen, was der von der Liebtätigkeit getrennte Glaube, und was der mit der Liebtätigkeit verbundene Glaube ist. Der von der Liebtätigkeit getrennte Glaube ist wie das Licht im Winter, und der mit der Liebtätigkeit verbundene Glaube ist wie das Licht im Frühling; das winterliche Licht, welches das von der Wärme getrennte Licht ist, entkleidet, weil es mit Kälte verbunden ist, die Bäume, auch von ihren Blättern, tötet das Gras, verhärtet die Erde, und macht die Wasser gefrieren. Das Frühlingslicht hingegen, welches das mit Wärme verbundene Licht ist, bringt Leben in die Bäume, zuerst in die Blätter, dann in die Blüten, und zuletzt in die Früchte, es öffnet und erweicht die Erde, daß sie Gräser, Kräuter, Blumen und Sträucher hervortreibt, auch löst es das Eis auf, daß aus den Quellen Wasser fließen. Ganz so verhält es sich mit dem Glauben und der Liebtätigkeit; der von der Liebtätigkeit getrennte Glaube ertötet alles, und der mit der Liebtätigkeit verbundene Glaube belebt alles; diese Belebung und jene Ertötung können in unserer geistigen Welt in lebendiger Anschauung gesehen werden, weil hier der Glaube Licht, und die Liebtätigkeit Wärme ist; denn wo der mit der Liebtätigkeit verbundene Glaube ist, da sind paradiesische Gärten, Blumenbeete, grüne Auen in ihrer Lieblichkeit Jesajah nach der Verbindung; wo hingegen der von der Liebtätigkeit getrennte Glaube ist, da ist nicht einmal Gras, und wo Grünes ist, da besteht es aus Dornen und Disteln.

Es standen eben nicht weit davon einige von der Geistlichkeit, die der Engel Rechtfertiger und Heiligmacher der Menschen durch den bloßen Glauben nannte, so wie auch Geheimniskrämer; diesen sagten wir ebendasselbe, und wiesen es nach, bis sie sahen, daß es so ist; und als wir fragten, ob es so sei, wandten sie sich ab und sagten: Wir haben es nicht gehört. Wir riefen ihnen aber zu und sprachen: So höret denn jetzt; allein nun hielten sie beide Hände vor die Ohren und riefen: Wir wollen nicht hören. Nachdem ich dies gehört, sprach ich mit dem Engel über den alleinigen Glauben, und sagte: es sei mir durch lebendige Erfahrung zu wissen gegeben worden, daß dieser Glaube wie das Winterlicht ist; und ich erzählte, es seien einige Jahre hindurch Geister von verschiedenem Glauben an mir vorübergegangen, und sooft sich solche nahten, welche den Glauben von der Liebtätigkeit getrennt hatten, habe eine solche Kälte meine Füße und allmählich auch die Lenden und zuletzt die Brust befallen, daß ich kaum anders wußte, als daß alle Lebenskraft meines Körpers zu erlöschen im Begriff sei; was auch geschehen wäre, hätte nicht der Herr jene Geister weggebracht und mich befreit. Dabei aber kam mir wunderbar vor, daß sie selbst, diese Geister, gar keine Kälte in sich empfanden, was sie auch bekannten; daher ich sie mit Fischen unter dem Eis verglich, die auch keine Kälte empfinden, weil ihr Leben und somit ihre Natur an sich kalt ist. Ich erkannte damals, daß diese Kälte aus dem Irrlicht ihres Glaubens ausströmte, gerade wie dies aus sumpfigen und schwefelhaltigen Stellen mitten in der Winterszeit geschieht, nachdem die Sonne schon untergegangen ist; solch ein kaltes Irrlicht sehen die Wanderer hin und wieder. Man kann jene mit den aus lauter Eis bestehenden Bergen vergleichen, die, von ihren Stellen in den nördlichen Gegenden losgerissen, im Weltmeer da und dort umhergetrieben werden, und von denen ich erzählen hörte, daß bei ihrer Annäherung alle, die auf den Schiffen sind, vor Kälte zusammenbeben; weshalb die Gemeinden von solchen, die in dem von der Liebtätigkeit getrennten Glauben sind, mit jenen Bergen verglichen, und wenn man will, auch so genannt werden können. Bekannt ist aus dem Wort, daß der Glaube ohne Liebe tot ist; ich will aber sagen, woher sein Tod rührt: sein Tod rührt von der Kälte her, in deren Folge dieser Glaube sein Leben aushaucht, wie der Vogel im strengen Winter; dieser stirbt zuerst hinsichtlich der Sehkraft, und zugleich dann auch hinsichtlich des Fluges, und zuletzt hinsichtlich des Atmens, und fällt dann jählings vom Zweig nieder in den Schnee und wird vergraben.

386. Zweite Denkwürdigkeit. Als ich eines Morgens vom Schlaf erwacht war, sah ich zwei Engel aus dem Himmel hernieder kommen, den einen aus dem Süden des Himmels, und den anderen aus dem Osten des Himmels, beide auf Wagen, mit weißen Pferden bespannt; der Wagen, in dem der Engel aus dem Süden des Himmels fuhr, schimmerte wie von Silber, und der Wagen, in dem der Engel aus dem Osten des Himmels fuhr, glänzte wie von Gold, und die Zügel, die sie in den Händen hielten, strahlten wie vom flammenden Licht der Morgenröte. So erschienen mir diese zwei Engel in der Ferne, als sie aber näher kamen, erschienen sie nicht zu Wagen, sondern in ihrer Engelsgestalt, welche die menschliche ist; der, welcher vom Osten des Himmels gekommen war, in glänzend purpurnem Gewand, und der vom Süden des Himmels in hyazinthfarbigem Gewand. Als sie unterhalb der Himmel in den Niederungen waren, lief der eine auf den anderen zu, wie wenn sie wetteiferten, einander zuvor zu kommen, und umarmten und küßten einander. Ich hörte, daß diese zwei Engel, als sie noch in der Welt lebten, durch innige Freundschaft miteinander verbunden gewesen waren, nun aber der eine im östlichen Himmel, der andere im südlichen Himmel sich befände; im östlichen Himmel sind die, welche vom Herrn in der Liebe sind, im südlichen Himmel aber die, welche vom Herrn in der Weisheit sind. Nachdem sie nun eine Zeitlang von den Herrlichkeiten in ihren Himmeln miteinander gesprochen hatten, fiel ihre Rede darauf, ob der Himmel seinem Wesen nach Liebe, oder ob er Weisheit sei; sie kamen sogleich überein, daß das eine dem anderen angehöre, welchem aber ursprünglich, darüber gingen sie in Erörterungen ein. Derjenige Engel, der aus dem Himmel der Weisheit war, fragte den anderen: Was ist Liebe? und dieser antwortete, die Liebe, die aus dem Herrn als der Sonne entspringt, sei die Lebenswärme der Engel und Menschen, somit das Sein ihres Lebens, und das von der Liebe Abgeleitete nenne man Gefühle [affectiones], und durch diese werden Wahrnehmungen und so Gedanken hervorgebracht; woraus sich ergebe, daß die Weisheit ihrem Ursprung nach Liebe ist, folglich der Gedanke seinem Ursprung nach das Gefühl dieser Liebe ist, und daß man an den Ausflüssen, sofern sie ihrer Ordnung nach betrachtet werden, sehen könne, daß der Gedanke nichts anderes ist als eine Gestaltung des Gefühls, was man darum nicht wisse, weil die Gedanken im Licht sind, die Gefühle aber in der Wärme; weshalb man auch die Gedanken gegenständlich sich vorstelle, nicht aber die Gefühle. Daß der Gedanke nichts anderes ist, als die Ausgestaltung des Gefühls irgendeiner Liebe, könne auch versinnlicht werden durch die Rede, sofern diese nichts anderes ist als eine Gestaltung des Tones; es sei auch das gleiche, weil der Ton dem Gefühl entspricht, und die Rede dem Gedanken; weshalb das Gefühl den Ton gebe und der Gedanke die Rede. Dies könne auch anschaulich werden, wenn man sagt: nimm den Ton von der Rede weg, ob dann noch etwas von der Rede da ist, und ebenso: nimm das Gefühl vom Gedanken weg, ob dann noch etwas von dem Gedanken da ist. Hieraus sei klar, daß die Liebe das Ganze der Weisheit ist, folglich daß das Wesen der Himmel die Liebe ist, und daß die Existenz derselben die Weisheit ist, oder, was dasselbe ist, daß die Himmel sind aus der göttlichen Liebe, und daß sie Existieren aus der göttlichen Liebe durch die göttliche Weisheit; weshalb, wie früher gesagt worden, das eine dem anderen angehört. Nun war gerade bei mir ein neu [von der Erde] angekommener Geist, der, als er dies hörte, die Frage stellte, ob es sich ebenso verhalte mit der Liebtätigkeit und dem Glauben, da die Liebtätigkeit Sache des Gefühls, und der Glaube Sache des Denkens sei; und der Engel antwortete: Es ist ganz das gleiche, der Glaube ist nichts anderes als eine Ausgestaltung der Liebtätigkeit, gerade wie die Rede eine Gestaltung des Tones ist; denn der Glaube wird von der Liebe gestaltet, wie die Rede vom Ton gestaltet wird. Auch die Weise der Gestaltung kennen wir im Himmel, allein es ist hier nicht der Ort, sie auseinanderzusetzen.

Er fügte noch bei: Unter dem Glauben verstehe ich den geistigen Glauben, in dem Leben und Geist einzig vom Herrn ist durch die Liebtätigkeit; denn diese ist geistig und durch sie der Glaube; weshalb der Glaube ohne die Liebtätigkeit ein bloß natürlicher Glaube ist, und dieser Glaube ist tot, auch verbindet er sich mit einem bloß natürlichen Gefühl, das nichts anderes ist, als Begierde. Die Engel sprachen hierüber geistig, und die geistige Rede umfaßt tausend Dinge, welche die natürliche Rede nicht auszudrücken vermag, und die, merkwürdigerweise, nicht einmal in die Vorstellungen des natürlichen Denkens fallen können. Nachdem die Engel dieses und jenes besprochen hatten, entfernten sie sich, und indem sie sich, jeder in seinen Himmel zurückbegaben, erschienen Sterne um ihre Häupter, und als sie sich in einiger Entfernung von mir befanden, erschienen sie wieder in Wagen, wie zuvor.

387. Dritte Denkwürdigkeit. Als jene zwei Engel mir aus dem Gesicht waren, sah ich rechts von mir einen Garten, in dem Ölbäume, Weinstöcke, Feigenbäume, Lorbeerbäume und Palmen standen, der Reihe nach, gemäß den Entsprechungen gesetzt; dahin blickte ich und sah zwischen den Bäumen Engel und Geister wandeln und sich unterreden; und nun wandte ein engelischer Geist seinen Blick auf mich; (engelische Geister heißen solche, die in der Geisterwelt zum Himmel vorbereitet werden); dieser kam aus jenem Garten zu mir her und sprach: Willst du mit mir kommen in unser Paradies, so wirst du Wunderdinge hören und sehen; und ich ging mit ihm, und nun sprach er zu mir: Diese da, die du siehst, (es waren nämlich mehrere), sind alle in der Liebe zum Wahren, und hieraus im Licht der Weisheit. Es ist auch hier ein Palast, den wir den Tempel der Weisheit nennen; ihn kann aber keiner sehen, der sich dünkt, daß er weise sei, und noch weniger, wer sich dünkt, daß er weise genug sei, und noch weniger, wer sich dünkt, daß er aus sich weise sei. Die Ursache hiervon ist, daß solche nicht in der Aufnahme des Himmelslichtes aus Liebe zur echten Weisheit sind. Die echte Weisheit besteht darin, daß der Mensch aus dem Licht des Himmels sieht, daß das, was er weiß, versteht, und worin er weise ist, in Vergleich mit dem, was er nicht weiß, nicht versteht, und worin er nicht weise ist, so wenig ist wie ein Tropfen in Vergleich mit dem Weltmeer, folglich kaum etwas. Jeder, der in diesem paradiesischen Garten ist, und aus dem Innewerden und der Anschauung in sich anerkennt, daß seine Weisheit verhältnismäßig so winzig ist, der sieht jenen Tempel der Weisheit; denn das inwendige Licht im Gemüt des Menschen gibt ihn zu sehen, nicht aber sein auswendiges Licht ohne jenes. Da ich nun dies öfter dachte, und aus dem Wissen, hernach aus dem Innewerden und zuletzt aus dem inwendigen Licht anerkannte, daß der Mensch so wenig Weisheit hat, siehe so ward mir gegeben, jenen Tempel zu sehen. Er hatte eine bewundernswerte Form, stand über dem Boden sehr erhaben, viereckig, die Wände von Kristall, die Kuppel von durchsichtigem Jaspis geschmackvoll gewölbt, der Unterbau von mancherlei Edelsteinen; die Stufen, auf denen man zu ihm hinanstieg, waren von poliertem Alabaster; zu den Seiten der Stufen erschienen wie Löwen mit ihren Jungen. Ich fragte nun, ob man hineingehen dürfe, und es hieß: Ja! weshalb ich hinanstieg, und als ich hineintrat, sah ich wie Cherubim unterhalb der Kuppel schweben, bald aber verschwinden. Der Boden, auf dem man ging, war von Zedernholz, und der ganze Tempel infolge der Durchsichtigkeit der Kuppel und der Wände zur Form des Lichtes gebaut. Mit mir trat der engelische Geist ein, dem ich erzählte, was ich von den zwei Engeln gehört hatte über die Liebe und Weisheit, und über die Liebtätigkeit und den Glauben; und nun sagte er: Haben sie nicht auch von einem dritten gesprochen? Was ist dieses dritte, fragte ich; er erwiderte: Es ist das Gute der Ausübung. Liebe und Weisheit ohne das Gute der Ausübung sind kein Etwas, sie sind bloß ideale Dinge, und werden nicht real, bevor sie zur Ausübung kommen; denn Liebe, Weisheit und Ausübung sind die drei, welche nicht getrennt werden können; werden sie getrennt, so ist keines Etwas. Die Liebe ist kein Etwas ohne die Weisheit, sondern gestaltet sich in der Weisheit zu einem Etwas; dieses Etwas, zu dem sie sich gestaltet, ist die Ausübung; ist daher die Liebe durch die Weisheit in der Ausübung, dann ist sie etwas Wirkliches, weil sie tatsächlich besteht. Es ist damit gerade wie mit dem Endzweck, der Ursache und der Wirkung; der Endzweck ist kein Etwas, wenn er nicht durch die Ursache in der Wirkung ist; wird eines von diesen dreien aufgelöst, so wird das ganze aufgelöst, und wird wie Nichts. Ebenso verhält es sich mit der Liebtätigkeit, dem Glauben und den Werken; die Liebtätigkeit ohne den Glauben ist nicht Etwas, auch nicht der Glaube ohne die Liebtätigkeit, noch die Liebtätigkeit und der Glaube ohne die Werke; in den Werken aber werden sie Etwas, und zwar ein solches Etwas, das die Beschaffenheit der Werke an sich trägt. Ebenso verhält es sich auch mit der Neigung, dem Gedanken und der Wirksamkeit, und ebenso mit dem Willen, dem Verstand und der Handlung; denn der Wille ohne Verstand ist wie ein Auge ohne Sehkraft, und beide sind ohne die Handlung wie ein Gemüt ohne Leib. Daß dem so ist, kann man deutlich an diesem Tempel sehen, weil das Licht, in dem wir hier sind, ein die inneren Regionen des Gemütes erleuchtendes Licht ist. Daß es ohne ein Dreifaches nichts Vollständiges und Vollkommenes gibt, lehrt auch die Geometrie; denn die Linie ist kein Etwas, wenn sie nicht zur Fläche wird, und die Fläche ist kein Etwas, wenn sie nicht zum Körper wird; weshalb das eine sich ins andere fortbilden muß, damit sie bestehen, und sie bestehen zusammen im Dritten. Wie es sich mit diesem verhält, so verhält es sich mit allen und jeden geschaffenen Dingen, die in ihrem Dritten abgegrenzt sind. Daher kommt nun auch, daß drei im Wort bezeichnen das Vollständige und gänzlich. Weil dem so ist, so mußte ich mich wundern, daß einige sich zum bloßen Glauben, andere sich zur bloßen Liebtätigkeit, andere sich zu den bloßen Werken bekennen, da doch das eine ohne das andere, und das eine nebst dem anderen ohne das dritte kein Etwas ist. Allein kann nicht, fragte ich nun, der Mensch Liebtätigkeit und Glauben haben, und gleichwohl nicht die Werke? Kann nicht der Mensch in der Liebe zu etwas und im Denken desselben sein, ohne jedoch im Vollbringen desselben zu sein? und der Engel erwiderte mir: Er kann es bloß in ideeller Weise, nicht aber in der Wirklichkeit; immer muß er im Streben oder im Willen zum Wirken sein, und der Wille oder das Streben ist an sich betrachtet Handlung, weil es ein beständiges Anstreben zum Handeln ist, welches zur Handlung im Äußeren wird, sobald die Entschließung hinzutritt; weshalb das Streben und Wollen als innere Handlung von jedem Weisen ganz wie eine äußere Handlung hingenommen wird, weil sie von Gott so angenommen wird; nur darf sie nicht unterbleiben, wenn Gelegenheit dazu gegeben wird.

388. Vierte Denkwürdigkeit. Ich sprach mit einigen, welche in der Offenbarung unter dem Drachen verstanden werden; und einer von ihnen sagte: Komm mit mir, und ich will dir die Belustigungen unserer Augen und Herzen zeigen. Und er führte mich durch einen dunklen Wald, und auf einem Hügel, von dem aus ich die Belustigungen der Drachen sehen konnte; und ich sah ein Amphitheater, das in Form eines Zirkus aufgerichtet war, und rings umher schräg aufwärtsgehende Bänke hatte, auf denen die Zuschauer saßen. Die, welche auf den untersten Bänken saßen, erschienen mir von ferne wie Satyrn und Priape, einige mit einer Hülle, welche die Scham deckte, und einige nackt ohne dieselbe. Auf den Bänken über diesen saßen Buhler und Buhlerinnen, die mir als solche durch ihre Gebärden erschienen. Und nun sagte der Drache zu mir: Jetzt sollst du unser Spiel sehen; und ich blickte hin, und sah wie wenn in den mittleren freien Raum des Zirkus junge Stiere, Widder, Schafe, Böcke und Lämmer eingelassen würden, und, nachdem sie eingelassen waren, wurde das Tor geöffnet, worauf dann junge Löwen, Panther, Tiger und Wölfe hereinstürzten und mit Wut die Herde anfielen und sie zerfleischten und töteten. Die Satyrn aber streuten nach dieser blutigen Metzelei Sand auf den Ort des Blutbades hin. Dann sagte der Drache zu mir: Dies sind unsere Spiele, welche unsere Seelen vergnügen; und ich antwortete: Hebe dich hinweg, Dämon! Nach einiger Zeit wirst du dieses Amphitheater in einen Feuer- und Schwefelpfuhl verwandelt sehen; er aber lachte und ging weg. Und nachher dachte ich bei mir selbst, warum doch dergleichen vom Herrn zugelassen werde; ich erhielt aber zur Antwort in meinem Herzen, daß es zugelassen werde, solange sie in der Geisterwelt sind, daß aber, sobald ihre Zeit in jener Welt vorüber ist, dergleichen Theaterszenen sich in wilde Höllenszenen verkehren. Alles, was gesehen wurde, war vom Drachen durch Phantasien hervorgebracht worden; es waren daher keine Stiere, Widder, Schafe, Böcke und Lämmer, sondern sie machten, daß das echte Gute und Wahre der Kirche, das sie haßten, so erschien; die jungen Löwen, Panther, Tiger und Wölfe waren Erscheinungen der Begierden bei denen, die wie Satyrn und Priape erschienen. Ohne Bedeckung um die Scham erschienen die, welche geglaubt hatten, daß das Böse vor Gott nicht erscheine, und diejenigen, die mit einer Bedeckung erschienen, waren solche, welche glaubten, daß es erscheine, aber nicht verdamme, wenn sie nur im Glauben stehen; die Hurer und die Huren waren Verfälscher der Wahrheiten des Wortes, denn das Huren bezeichnet die Verfälschung des Wahren. In der geistigen Welt erscheint von ferne alles nach den Entsprechungen; und wenn diese in Gestalten erscheinen, so heißen sie Vorbildungen geistiger Dinge in Gegenständen, die den natürlichen ähnlich sind. Nach diesem sah ich sie aus dem Wald herausgehen, den Drachen inmitten der Satyrn und Priapen, und die Troßknechte und Marketenderinnen, welche die Hurer und Huren waren, hinter denselben. Der Zug wuchs auf dem Weg an, und ich hörte nun, was sie untereinander sprachen; sie sagten, sie sehen auf einer Wiese eine Herde Schafe mit Lämmern, und dies sei ein Zeichen, daß eine von den jerusalemischen Städten, in denen die Liebtätigkeit die Hauptsache ist, sich in der Nähe befinde; und sie fuhren fort: laßt uns hingehen und diese Stadt einnehmen, und die Bewohner herauswerfen und ihre Güter plündern! Sie rückten auch hinan, allein es war eine Mauer um dieselbe, und hütende Engel auf der Mauer. Da sprachen sie, wir wollen sie mit List einnehmen; laßt uns einen Künstler hinsenden, der sich in seinen Reden verstecken, und aus schwarz weiß, aus weiß schwarz machen, und jeden Gegenstand mit einer Schminke überziehen kann. Sie fanden auch einen der metaphysischen Kunst Kundigen, der die Sachvorstellungen in Wortvorstellungen verwandeln, und die Dinge selbst unter Formeln verbergen, und so wie ein Habicht mit der Beute unter den Flügeln wegfliegen konnte. Dieser wurde instruiert, wie er mit denen in der Stadt reden sollte, daß sie nämlich Glaubensgenossen seien, und man sie einlassen möchte. Er ging also hin an das Tor und klopfte an, und nachdem es geöffnet war, sagte er, daß er mit dem Weisesten in der Stadt reden möchte. Er ging auch hinein und wurde zu einem geführt, und nun sprach er mit diesem und sagte: Meine Brüder sind außerhalb der Stadt und bitten um Aufnahme; sie sind Glaubensgenossen. Ihr und wir machen den Glauben und die Liebtätigkeit zu den zwei wesentlichen Punkten der Religion, der Unterschied ist bloß, daß ihr sagt, die Liebtätigkeit nehme die erste Stelle ein, und dann komme der Glaube, und wir sagen, der Glaube nehme die erste Stelle ein, und dann komme die Liebtätigkeit; was liegt auch daran, ob das eine oder das andere das Erste heißt, wenn nur beides geglaubt wird? Der Weise von der Stadt antwortete: Wir wollen von dieser Sache nicht allein reden, sondern in Gegenwart mehrerer, welche Schiedsmänner und Richter sein sollen, denn sonst käme es zu keiner Entscheidung. Man holte nun auch andere, an die der Anhänger des Drachen ähnliche Worte richtete wie zuvor. Da antwortete der weise Mann von der Stadt: Du hast gesagt, es sei gleichviel, ob die Liebtätigkeit als das Erste in der Kirche genommen werde, oder der Glaube, wenn man nur darin übereinstimme, daß beide, die Kirche und ihre Religion ausmachen; und doch ist ein Unterschied da, wie zwischen dem Früheren und dem Späteren, zwischen der Ursache und der Wirkung, zwischen dem Hauptsächlichen und dem Werkzeuglichen, und zwischen dem Wesentlichen und dem Formellen. Ich führe dergleichen an, weil ich bemerkt habe, daß du der Metaphysik kundig bist, welche Kunst wir ein Schleichreden heißen, einige auch eine Zauberei; allein lassen wir jene Schulausdrücke; der Unterschied ist wie zwischen dem, was oben ist, und dem, was unten ist, ja, wenn du es glauben willst, ein Unterschied wie zwischen den Gemütern derer, die in den oberen Regionen, und derer, die in den unteren Regionen dieser Welt wohnen; denn was die erste Stelle einnimmt, das bildet das Haupt und die Brust, und was nach ihm kommt, bildet die Beine und die Fußsohlen. Allein wir wollen zuerst übereinkommen, was die Liebtätigkeit und was der Glaube sei; daß die Liebtätigkeit sei der Trieb der Liebe, dem Nächsten Gutes zu tun um Gottes, des Heils und des ewigen Lebens willen, und daß der Glaube sei ein Denken aus der Zuversicht über Gott, über das Heil und das ewige Leben. Der Abgesandte erwiderte aber: Ich gebe zu, daß dies der Glaube ist, und gebe auch zu, daß die Liebtätigkeit jener Trieb ist, um Gottes, weil um Seines Gebotes willen Gutes zu tun, nicht aber des Heils und des ewigen Lebens wegen. Nach dieser Feststellung des Übereinstimmenden und des Abweichenden fragte der Weise von der Stadt: Ist nicht das Gefühl oder die Liebe das erste, und kommt nicht daraus das Denken? Der vom Drachen Gesendete entgegnete aber: Dies leugne ich; er erhielt jedoch zur Antwort: Du kannst es nicht leugnen; denkt nicht der Mensch aus irgendeiner Liebe? Nimm die Liebe weg, ob du alsdann noch irgend etwas denken kannst; es ist gerade, wie wenn du den Ton von der Rede wegnähmest; denn nähmest du den Ton weg, könntest du alsdann noch irgend etwas reden? Auch gehört der Ton dem Gefühl irgendeiner Liebe an, und das Reden dem Denken, denn die Liebe gibt den Ton, und der Gedanke die Rede. Es ist damit auch wie mit der Flamme und dem Licht; wenn du die Flamme wegnimmst, verschwindet dann nicht auch das Licht? Ebenso verhält es sich mit der Liebtätigkeit, weil diese einer Liebe angehört, und mit dem Glauben, weil dieser einem Denken angehört. Kannst du nicht auf diese Weise fassen, daß as,

was die erste Stelle einnimmt, alles in dem ist, was die zweite Stelle einnimmt, ganz wie bei der Flamme und dem Licht; woraus offenbar ist, daß, wenn du zum Ersten nicht das machst, was das Erste ist, du auch nicht im anderen bist. Wenn du daher den Glauben, dem die zweite Stelle zukommt, in die erste Stelle setzest, so wirst du im Himmel nicht anders erscheinen, denn wie ein umgekehrter Mensch, dessen Füße aufwärts stehen, und das Haupt abwärts, oder wie ein Gaukler, der mit übergeschlagenem Körper auf den flachen Händen geht. Wenn ihr als solche im Himmel erscheinet, welche andere Beschaffenheit haben alsdann eure guten Werke, welche die Nächstenliebe in Handlung sind, als diejenigen, die jener Gaukler mit seinen Füßen tun würde, weil er mit den Händen nicht kann? Daher kommt, daß eure Nächstenliebe natürlich und nicht geistig ist, weil sei eine umgekehrte ist. Der Abgesandte sah dies ein, denn jeder Teufel kann das Wahre einsehen, wenn er es hört; allein er kann es nicht behalten, weil die Liebe zum Bösen, die an sich eine Begierde des Fleisches ist, wenn sie zurückkehrt, den Gedanken des Wahren austreibt.

Der Weise von der Stadt beschrieb nachher umständlich, wie der Glaube beschaffen ist, wenn er als das Erste angenommen ist; daß er nämlich ein bloß natürlicher, und eine bloße Überredung ohne alles geistige Leben und folglich kein Glaube ist, - und ich kann, - [sagte er] beinahe sagen, daß in eurem Glauben nicht mehr Geistiges ist, als im Denken an das Reich des Großmoguls, an die Diamantgrube daselbst, und an den Schatz und den Hof dieses Kaisers. Nachdem er dies gehört, ging der Angehörige des Drachen zornig weg, und hinterbrachte es den Seinigen außerhalb der Stadt; und nachdem diese vernommen, daß gesagt worden sei, die Liebtätigkeit sei Trieb der Liebe, dem Nächsten Gutes zu tun um des Heils und des ewigen Lebens willen, riefen sie alle: Dies ist eine Lüge; und der Drache selbst: O der Verkehrtheit! Sind nicht alle Werke, in denen die Liebtätigkeit besteht, verdienstlich, wenn sie um des Heils willen geschehen?

Hierauf sagten sie untereinander: Laßt uns noch mehrere von den unseren zusammenberufen und diese Stadt belagern, und jene Liebtätigkeiten hinauswerfen! Als sie aber im Begriffe waren, dies auszuführen, siehe, da erschien wie Feuer vom Himmel und verzehrte sie. Allein das Feuer vom Himmel war die Erscheinung des Zornes und Hasses gegen die, welche in der Stadt waren, weil sie den Glauben aus der ersten Stelle in die zweite, ja sogar in die unterste unter die Liebtätigkeiten hinabgeworfen hatten, sofern sie sagten, er sei gar kein Glaube. Daß es schien, als ob sie vom Feuer verzehrt würden, kam daher, daß unter ihren Füßen sich die Hölle öffnete, und sie verschlungen wurden. Ähnliches wie dieses ereignete sich an mehreren Orten am Tage des Jüngsten Gerichts; und dies ist es auch, was unter folgenden Worten in der Offenbarung verstanden wird: „Es wird der Drache ausgehen, zu verführen die Völkerschaften, die in den vier Ecken der Erde sind, um sie zum Krieg zu versammeln; und sie stiegen hinauf auf die Ebene der Erde, und umgaben das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt; allein es fiel Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte sie“: Offb.20/8,9.

389. Fünfte Denkwürdigkeit. Einst sah ich ein Blatt Papier, herabgelassen aus dem Himmel in eine Gesellschaft in der Geisterwelt, in der sich zwei Prälaten der Kirche mit Domherrn und Geistlichen unter ihnen befanden; auf jenem Blatt stand eine Ermahnung, sie sollten den Herrn Jesus Christus als Gott des Himmels und der Erde anerkennen, wie Er selbst lehrte, Matth.28/18, und sollten abtreten von der Lehre von dem ohne die Werke des Gesetzes rechtfertigenden Glauben, weil er ein Irrglaube sei. Dieses Blatt wurde von vielen gelesen und abgeschrieben, und über seinen Inhalt dachten und redeten viele mit Urteil.

Nachdem sie es aber angenommen hatten, sagten sie untereinander: Laßt uns die Vorgesetzten hören! Und diese wurden gehört; sie sprachen aber dagegen und verwarfen es. Allein die Vorgesetzten dieser Gesellschaft waren harten Herzens infolge des Falschen, das sie in der vorigen Welt eingesogen hatten; daher ließen sie nach kurzer Beratschlagung untereinander das Blatt in den Himmel zurückgehen, aus dem es gekommen war. Auf dieses traten nach einigem Gemurmel die meisten Laien von ihrer früheren Zustimmung zurück, und nun erlosch das Licht ihres Urteils in geistigen Dingen, das früher aufgeglänzt hatte, plötzlich. Und nachdem sie abermals, wiewohl vergeblich, ermahnt worden waren, sah ich diese Gesellschaft untersinken, (doch wie tief, sah ich nicht,) und so entrückt dem Anblick derer, die einzig den Herrn verehren und den rechtfertigenden bloßen Glauben verabscheuen. Nach einigen Tagen aber sah ich gegen Hundert heraufsteigen von der unteren Erde, bis wohin jene kleine Gesellschaft hinabgesunken war. Sie kamen zu mir her, und einer von ihnen nahm das Wort, und sprach: Höre etwas Wunderbares!

Während wir hinabsanken, erschien uns der Ort zuerst wie ein Sumpf, bald aber wie trockenes Land, und hernach wie eine kleine Stadt, in der viele ihre Häuser hatten. Den Tag darauf beratschlagten wir uns untereinander, was zu tun sei; viele sagten, man müsse zu jenen zwei Prälaten hingehen und ihnen gelinde Vorwürfe machen, weil sie das Blatt in den Himmel zurückgesandt, aus dem es herabgelassen worden war, und deshalb uns dieses begegnet sei. Sie wählten auch einige aus, die zu den Prälaten hingingen, (und der mit mir sprach, sagte, daß er einer von diesen gewesen sei,) und einer von uns, [fuhr er fort] der durch seine Weisheit hervorragte, sprach dann folgendermaßen zu den Prälaten: Wir hatten geglaubt, daß bei uns vor den übrigen die Kirche und die Religion sei, weil wir hatten sagen hören, wir seien im höchsten Licht des Evangeliums; allein es ist einigen von uns Erleuchtung aus dem Himmel geworden, und in der Erleuchtung ein Innewerden, daß heutzutage in der Christenheit keine Kirche, weil keine Religion mehr ist. Die Prälaten sagten: Was redet ihr? ist nicht da die Kirche, wo das Wort ist, wo Christus, der Heiland bekannt ist, und wo die Sakramente sind? Auf dieses sagte der unsere: Diese Dinge gehören zur Kirche, denn sie bilden die Kirche, allein sie bilden dieselbe nicht außerhalb des Menschen, sondern innerhalb des Menschen; und weiter sagte er: Kann die Kirche sein, wo drei Götter verehrt werden? Kann die Kirche sein, wo ihre ganze Lehre gegründet wird auf einen einzigen falsch verstandenen Ausspruch des Paulus, und folglich nicht auf das Wort? Kann die Kirche da sein, solange nicht der Heiland der Welt, Der selbst der Gott der Kirche ist, angebetet wird? Wer kann leugnen, daß die Religion im Meiden des Bösen und im Tun des Guten besteht? Ist irgendwelche Religion da, wo gelehrt wird, daß der bloße Glaube selig mache, und nicht zugleich auch die tätige Liebe? Ist Religion da, wo gelehrt wird, daß die vom Menschen ausgehende Liebtätigkeit nichts sei, als eine moralische und bürgerliche Liebtätigkeit? Wer sieht nicht, daß in einer solchen Liebtätigkeit nichts von Religion ist? Ist denn im bloßen Glauben irgend etwas von einem Tun oder einem Werk?, und doch besteht die Religion im Tun. Gibt es auf dem ganzen Erdkreis irgendein Volk, das alles Seligmachende ausschließt von den guten Handlungen der Liebtätigkeit, welche die guten Werke sind; während doch alles, was die Religion ausmacht, im Guten besteht, und alles zur Kirche Gehörige in der Lehre, welche die Wahrheiten lehrt, und durch die Wahrheiten das Gute? Welche Herrlichkeit würde uns geworden sein, wenn wir jene Dinge angenommen hätten, welche jenes aus dem Himmel herabgelassene Blatt in seinem Schoße trug! Hierauf sagten die Prälaten: Du sprichst allzu hoch: Ist nicht der Glaube als Handlung, welcher der vollkommen rechtfertigende und seligmachende Glaube ist, die Kirche, und ist nicht der Glaube als Zustand, welcher der fortschreitende und vervollkommnende Glaube ist, die Religion? Fasset dies, Söhne! Allein hierauf sagte unser Weiser: Höret, Väter! empfängt nicht der Mensch, nach eurer Lehrvorschrift, den Glauben als Handlung wie ein Klotz? Kann wohl ein

Klotz zu einer Kirche belebt werden? Ist nicht der Glaube als Zustand, nach eurer Vorstellung, eine Fortsetzung und Fortbewegung des Glaubensaktes, und da nach eurer Lehrvorschrift alles Seligmachende im Glauben ist und gar nichts im Guten der Liebtätigkeit, das der Mensch tut; wo ist alsdann die Religion?

Da sagten die Prälaten: Freund! du sprichst so, weil du die Geheimnisse der Rechtfertigung durch den bloßen Glauben nicht weißt, und wer diese nicht weiß, der weiß nicht den Weg der Seligmachung von innen heraus. Dein Weg ist der äußere und der des Pöbels, gehe ihn, wenn du willst, wisse aber nur, daß alles Gute von Gott ist, und nichts vom Menschen, und daß daher der Mensch in geistigen Dingen nichts aus sich vermag; wie könnte denn auf diese Weise der Mensch etwas Gutes, das geistig gut wäre, aus sich tun? Auf dieses sagte der unsere, der mit ihnen sprach, sehr unwillig: Ich kenne eure Geheimnisse der Rechtfertigung besser als ihr, und ich sage euch offen, daß ich inwendig in euren Geheimnissen nichts als Gespenster gesehen habe. Besteht nicht die Religion darin, daß man Gott anerkennt, und den Teufel flieht und haßt? Ist nicht Gott das Gute selbst, und der Teufel das Böse selbst? Wer auf dem ganzen Erdkreis, der Religion hat, weiß dieses nicht? Heißt nicht Gott anerkennen und lieben, das Gute tun, weil dies Gottes und von Gott ist, und ist nicht den Teufel fliehen und hassen, soviel als das Böse nicht tun, weil dies des Teufels und vom Teufel ist? Oder, was dasselbe ist, euer Glaubensakt, den ihr den völlig rechtfertigenden und seligmachenden Glauben genannt habt, oder, was wieder dasselbe ist, euer Akt der Rechtfertigung durch den bloßen Glauben, lehrt er irgend etwas Gutes tun, das Gottes und von Gott wäre, und lehrt er irgend etwas Böses fliehen, das des Teufels und vom Teufel ist? Durchaus nichts, denn ihr setzt ja fest, daß in beiden nichts vom Heil sei. Euer Glaube als Zustand, den ihr den fortschreitenden und vervollkommnenden Glauben genannt habt, was ist er anderes als ebendasselbe mit eurem Glaubensakt? Wie kann dieser vervollkommnet werden, da ihr alles Gute, vom Menschen wie von ihm selbst gewirkt, ausschließet, indem ihr in euren Geheimnissen sagt: ‚Wie kann der Mensch durch irgendein Gutes aus sich selig werden, da die Seligmachung ein Gnadengeschenk ist?‘ Ferner: ‚Was kann Gutes vom Menschen getan werden außer Verdienstliches, da ja alles Verdienst Christo angehört; weswegen Gutes tun um der Seligkeit willen soviel wäre, als das, was allein Christi ist, sich zuschreiben, und somit auch hieße, sich selbst rechtfertigen und selig machen wollen?‘ Ferner: ‚Wie kann jemand Gutes wirken, während doch der Heilige Geist alles wirkt ohne irgendeine Hilfe des Menschen? Wozu bedarf es dann eines weiteren hinzukommenden Guten von seiten des Menschen, während doch alles Gute vom Menschen an sich betrachtet nicht gut ist?‘ Und dergleichen mehr; sind nicht dies eure Geheimnisse? In meinen Augen aber sind sie bloße Spitzfindigkeiten und Schlauheiten, ersonnen um die guten Werke, die das Gute der Nächstenliebe sind, zu entfernen, und euren bloßen Glauben zu befestigen. Und weil ihr dies tut, so seht ihr den Menschen hinsichtlich jener ersteren, und überhaupt hinsichtlich aller geistigen Dinge, die zur Kirche und Religion gehören, wie einen Klotz an, oder wie ein lebloses Standbild, und nicht wie einen Menschen, der zum Bilde Gottes erschaffen, und dem gegeben ist, und fortwährend gegeben wird das Vermögen, zu verstehen und zu wollen, zu glauben und zu lieben und zu reden und zu tun, ganz wie von sich, besonders in geistigen Dingen, weil der Mensch Mensch ist vermöge derselben. Würde der Mensch in geistigen Dingen nicht wie aus sich denken und wirken, was wäre alsdann das Wort, was die Kirche und Religion, und was die Gottesverehrung? Ihr wisset, daß dem Nächsten aus Liebe Gutes tun Nächstenliebe ist; aber ihr wisset nicht, worin die Nächstenliebe besteht, während doch die Nächstenliebe die Seele und das Wesen des Glaubens ist; und weil die Nächstenliebe dieses beides ist, was ist dann nach Entfernung der Nächstenliebe der Glaube anders als tot? Und der tote Glaube ist nichts als ein Gespenst. Ich nenne ihn ein Gespenst, weil Jakobus den Glauben ohne gute Werke nicht nur tot, sondern auch teuflisch heißt. Hier entbrannte aber einer von jenen beiden Prälaten, als er seinen Glauben tot, teuflisch und ein Gespenst nennen hörte, so sehr, daß er seine Mütze vom Haupte riß und sie auf den Tisch warf und sprach: Ich will sie nicht wieder zu mir nehmen, bis ich an den Feinden des Glaubens unserer Kirche Rache genommen haben werde. Dann machte er eine Bewegung mit dem Kopf und sagte murmelnd: Ja, der Jakob, der Jakob! An der Vorderseite der Mütze war ein Blech, auf dem geschrieben stand: ‚Der bloße Glaube rechtfertigend‘; hierauf erschien aber plötzlich ein Ungeheuer, das von der Erde aufstieg, und sieben Köpfe hatte und Füße wie eines Bären, einen Leib wie ein Pardel und ein Maul wie eines Löwen, ganz ähnlich dem Tier, das Offb.13/1,2 beschrieben wird, und von dem ein Bild gemacht und angebetet wurde: Offb.13/14,15. Dieses Gespenst nahm die Mütze vom Tisch, machte sie unten weiter und setzte sie auf seine sieben Köpfe; auf dieses tat sich die Erde unter seinen Füßen auf, und es versank. Nachdem er dies gesehen, rief der Prälat: Gewalt, Gewalt! Da gingen wir von ihnen weg, und siehe, es zeigten sich Stufen vor unseren Augen, durch die wir hinaufstiegen, und auf die Erde und ins Angesicht des Himmels zurückkehrten, wo wir zuvor gewesen waren. Dies erzählte mir jener Geist, der mit hundert anderen aus der unteren Erde heraufgestiegen war.

390. Sechste Denkwürdigkeit. In der mitternächtlichen Gegend der geistigen Welt hörte ich ein Rauschen wie von Wassern. Ich ging daher demselben nach, und als ich nahe dabei war, hörte das Rauschen auf, und ich hörte ein Gemurmel wie von einer Versammlung, und nun erschien ein löchriges, ringsum mit einer schlechten Mauer umgebenes Haus, von dem aus jenes Getöse gehört ward. Auf dieses ging ich zu und fragte den Türhüter, der vor demselben stand, wer darin sei; er sagte, es seien die weisesten unter den Weisen darin, welche übernatürliche Dinge miteinander ausmachen. So sprach er nach seinem einfältigen Glauben, und ich fragte, ob es erlaubt sei, hineinzugehen; er sagte: es ist erlaubt, nur sprich nichts; [ich kann dich einlassen,] weil ich Erlaubnis habe, auch die Heiden einzulassen, die mit mir an der Türe stehen. Ich ging also hinein, und siehe da war ein Zirkus, und in dessen Mitte eine Bühne, und eine Versammlung der sogenannten Weisen, die über die Geheimnisse des Glaubens miteinander stritten.

Der Gegenstand oder die These ihrer gegenwärtigen Versammlung war die Frage, ob das Gute, das der Mensch im Zustand der Rechtfertigung durch den Glauben oder während des Fortschreitens desselben, nach dem Akte, tut, religiös Gutes sei oder nicht? Sie sagten einstimmig, daß unter dem religiös Guten verstanden werde, dasjenige Gute, das zur Seligkeit beiträgt. Der Streit war heftig; das Übergewicht erhielten aber diejenigen, welche sagten, das Gute, das der Mensch im Zustand oder im Fortschreiten des Glaubens tut, sei bloß moralisches Gute und trage wohl zum Fortkommen in der Welt, aber nichts zur Seligkeit bei; zu dieser verhelfe allein der Glaube; und dies bewiesen sie folgendermaßen: Wie kann irgendein aus dem Wollen des Menschen kommendes Gute sich mit der unverdienten Gnade verbinden, wird nicht die Seligkeit umsonst gegeben? Wie kann irgend etwas Gutes, das der Mensch tut, sich mit dem Verdienst Christi verbinden? Wird nicht die Seligkeit ihm einzig durch dieses zuteil? Und wie kann die Wirksamkeit des Menschen sich verbinden mit der Wirksamkeit des Heiligen Geistes? Tut nicht dieser alles ohne die Hilfe des Menschen? Sind nicht diese das allein Seligmachende im Akt der Rechtfertigung durch den Glauben, und bleiben nicht diese drei das einzig Seligmachende im Zustand oder im Fortschreiten desselben? Das vom Menschen hinzukommende Gute kann demnach auf keine Weise religiös Gutes genannt werden, das, wie gesagt worden, etwas zur Seligkeit beitrüge; sondern wenn es jemand um der Seligkeit willen übte, so müßte es, weil ihm der Wille des Menschen innewohnt, und dieser dasselbe notwendig als etwas Verdienstliches ansieht, vielmehr Böses der Religion genannt werden. Es standen zwei Heiden neben dem Pförtner im Vorhof, die, nachdem sie dies gehört, zueinander sagten: Diese habe gar keine Religion; denn wer sieht nicht, daß dem Nächsten um Gottes willen, folglich auch mit Gott und aus Gott Gutes tun, eben das ist, was Religion heißt? Und der andere sagte: Ihr Glaube hat sie zu Toren gemacht. Sie fragten nun den Pförtner, wer jene seien. Der Pförtner sagte: Es sind weise Christen; sie aber erwiderten, was schwatzest du da, du lügst, es sind Schauspieler, denn so sprechen sie. Ich aber ging weg. Daß ich zu jenem Haus hinkam, und daß sie dann gerade über jene Gegenstände sich beratschlagten, und es hernach so ging, wie es hier beschrieben ist, geschah infolge der göttlichen Leitung des Herrn.

391. Siebente Denkwürdigkeit. Was für eine Verödung des Wahren und theologische Entkräftung heutzutage in der christlichen Welt statthat, ist mir durch Unterredung mit vielen von den Laien und mit vielen von den Geistlichen in der geistigen Welt bekannt geworden. Bei diesen ist eine solche geistige Dürftigkeit, daß sie kaum sonst etwas wissen, als daß es eine Dreieinigkeit gibt, Vater, Sohn und Heiliger Geist, und daß der bloße Glaube selig mache, und in bezug auf den Herrn Christus bloß das Historische von Ihm bei den Evangelisten. Das übrige hingegen, was das Wort beider Testamente von ihm lehrt, wie z.B. daß der Vater und Er eins seien, daß Er im Vater und der Vater in Ihm sei; daß Er alle Gewalt im Himmel und auf Erden habe; daß der Wille des Vaters sei, daß man an den Sohn glaube, und daß, wer an den Sohn glaubt, das ewige Leben habe, und vieles andere mehr, das ist ihnen so unbekannt und verborgen, wie das, was im Grunde des Weltmeers, ja was im Mittelpunkt der Erde liegt, und wenn es aus dem Wort hervorgezogen und gelesen wird, so stehen sie da, wie wenn sie hörten und nicht hörten, und es dringt nicht tiefer in ihre Ohren, als das Säuseln des Windes oder der Ton einer geschlagenen Trommel. Die Engel, die vom Herrn zu den christlichen Gesellschaften gesandt werden, die in der Geisterwelt, also unter dem Himmel sind, um nach ihnen zu sehen, jammern sehr und sagen, es sei da ein solcher Stumpfsinn und daher eine solche Finsternis in den Dingen des Heils, beinahe wie bei einem schwatzenden Papagei. Auch sagen ihre Gelehrten, daß sie in geistigen und göttlichen Dingen nicht mehr Einsicht haben, als die Bildsäulen. Einst erzählte mir ein Engel, er habe mit zweien aus der Geistlichkeit gesprochen, einem, der in dem von der Liebtätigkeit getrennten Glauben, und einem anderen, der in dem nicht getrennten Glauben war. Mit dem, der in dem von der Liebtätigkeit getrennten Glauben war, habe er also gesprochen: Freund, wer bist du? Worauf derselbe antwortete: Ich bin ein reformierter Christ. -

Was ist deine Lehre, und somit deine Religion? Antwort: Der Glaube. Frage: Was ist dein Glaube? Antwort: Mein Glaube ist, daß Gott der Vater Seinen Sohn gesandt hat, um die Verdammnis des menschlichen Geschlechts auf Sich zu nehmen, und daß wir dadurch selig werden. Er fragte nun weiter und sprach: Was weißt du mehr von der Seligmachung? Er antwortete, die Seligmachung geschehe durch jenen bloßen Glauben. Weiter fragte er: Was weißt du von der Erlösung? Er antwortete, sie sei durch das Leiden am Kreuz geschehen, und Sein Verdienst werde uns durch jenen Glauben zugerechnet. Ferner: Was weißt du von der Wiedergeburt? Er antwortete, sie geschehe durch jenen Glauben. - Sag, was weißt du von der Liebe und Liebtätigkeit? Antwort, sie seien jener Glaube. Sag, was denkst du von den Zehn Geboten und vom übrigen im Wort. Er antwortete, sie seien in jenem Glauben. Dann sprach er: Du wirst also nichts tun? Antwort: Was soll ich tun, ich kann das Gute, das gut ist, nicht aus mir tun. Er fragte: Kannst du den Glauben aus dir haben? Antwort: Das untersuche ich nicht, ich werde den Glauben haben. Endlich sprach er: Weißt du überhaupt noch etwas Weiteres vom Heil? Antwort: Was sonst, da durch jenen bloßen Glauben die Seligkeit kommt. Nun sagte aber der Engel: Du antwortest wie einer, der immer einen Ton auf der Flöte bläst, ich höre nichts als den Glauben; weißt du nur von diesem und sonst nichts, so weißt du nichts: gehe hin und suche deine Genossen. Und er ging hin, und traf sie in einer Wüste, wo kein Gras war. Er fragte: Warum dies? Und man sagte: weil sie nichts von der Kirche haben.

Mit dem, der in dem mit der Liebtätigkeit verbundenen Glauben war, sprach der Engel also: Freund, wer bist du? Er antworte: Ich bin ein reformierter Christ. - Was ist deine Lehre und somit deine Religion? Antwort: der Glaube und die Liebtätigkeit. Er sagte: Dies sind zwei. Jener antwortete: Sie können nicht getrennt werden. Er fragte: Was ist Glaube? Jener antwortete: Glauben, was das Wort lehrt. Er fragte: Was ist Liebtätigkeit? Jener antwortete: Tun, was das Wort lehrt. Er fragte: Hast du dies bloß geglaubt, oder auch getan? Jener antwortete: Ich habe es auch getan. Der Engel des Himmels sah ihn nun an und sagte: Mein Freund, komm’ mit mir, und wohne bei uns.