Aus diesem, wenn man es gefaßt hat, läßt sich begreifen, daß das heilige Abendmahl im ganzen und im einzelnen alles zur Kirche und alles zum Himmel Gehörige in sich schließt

711. Im vorhergehenden Abschnitt ist gezeigt worden, daß im heiligen Abendmahl der Herr selbst ist, und daß das Fleisch und das Brot Er ist hinsichtlich des göttlich Guten der Liebe, und daß das Blut und der Wein Er ist, hinsichtlich des göttlich Wahren der Weisheit; weshalb es drei sind, die das heilige Abendmahl in sich schließt, nämlich den Herrn, Sein göttlich Gutes und Sein göttlich Wahres. Da nun das heilige Abendmahl diese drei in sich schließt und enthält, so folgt, daß es auch das Allgemeine des Himmels und der Kirche in sich schließt und enthält; und weil alles Einzelne vom Allgemeinen abhängt, wie das Enthaltene von seinem Enthaltenden, so folgt auch, daß das heilige Abendmahl alles Einzelne des Himmels und der Kirche in sich schließt und enthält. Hieraus ergibt sich zunächst, daß, weil unter des Herrn Fleisch und Blut, und in gleicher Weise unter dem Brot und Wein das göttliche Gute und das göttliche Wahre, beides vom Herrn und der Herr, verstanden wird, das heilige Abendmahl im ganzen und im einzelnen alles zum Himmel und alles zur Kirche Gehörige in sich schließt.  

712. Bekannt ist auch, daß der wesentlichen Erfordernisse der Kirche drei sind, nämlich der Herr, die Liebtätigkeit und der Glaube, und daß alle Dinge in ihr sich auf diese drei, als auf ihr Allgemeines, zurückbeziehen; diese sind aber dasselbe mit den oben Genannten; denn Gott ist im heiligen Abendmahl der Herr, die Liebtätigkeit ist das göttliche Gute, und der Glaube ist das göttliche Wahre. Was ist die Liebtätigkeit anderes, als das Gute, das der Mensch tut vom Herrn, und was ist der Glaube anderes, als das Wahre, das der Mensch glaubt vom Herrn her? Daher kommt, daß dreierlei im Menschen ist hinsichtlich seines Inneren, nämlich die Seele oder das Gemüt, der Wille und der Verstand; diese drei sind die Aufnahmegefäße jener drei allgemeinen Gegenstände: die Seele selbst oder das Gemüt ist das Aufnahmegefäß des Herrn, denn von daher lebt es; der Wille ist das Aufnahmegefäß der Liebe oder des Guten, und der Verstand ist das Aufnahmegefäß der Weisheit oder des Wahren; daher alles und jedes in der Seele oder dem Gemüt sich nicht nur auf jene drei allgemeinen Gegenstände des Himmels und der Kirche zurückbezieht, sondern auch aus ihnen hervorgeht; man nenne irgend etwas, das aus dem Menschen hervorgeht, worin nicht das Gemüt, der Wille und der Verstand wäre; würde eines von diesen weggenommen, wäre dann der Mensch noch mehr, als etwas Unbeseeltes? In gleicher Weise sind drei Dinge im Menschen hinsichtlich seines Äußeren, auf die sich alles und jedes bezieht, und von denen es abhängt, nämlich der Körper, das Herz und die Lunge; diese drei Dinge des Körpers entsprechen auch den drei Dingen des Gemüts, das Herz dem Willen, und die Lunge oder das Atmen dem Verstand; daß ein solches Entsprechungsverhältnis besteht, ist in dem schon früher Verhandelten vollständig nachgewiesen worden. So sind nun alle und jede Dinge im Menschen sowohl im Ganzen als im Einzelnen gebildet zu Aufnahmegefäßen jener drei allgemeinen Gegenstände des Himmels und der Kirche. Der Grund ist, weil der Mensch zum Bild und zur Ähnlichkeit Gottes geschaffen ist, mithin daß er im Herrn sein möge und der Herr in ihm.

713. Auf der entgegengesetzten Seite sind drei, jenen allgemeinen Gegenständen entgegengesetzte Dinge, welche sind der Teufel, das Böse und das Falsche. Der Teufel, unter dem die Hölle verstanden wird, steht im Gegensatz zum Herrn, das Böse steht im Gegensatz zum Guten und das Falsche zum Wahren; diese drei machen eines aus, denn wo der Teufel ist, ist auch das Böse und das Falsche daraus. Diese drei enthalten auch im ganzen und im einzelnen alle zur Hölle und auch alle zur Welt gehörigen Dinge, die wider den Himmel und die Kirche sind. Weil sie aber Gegensätze sind, so sind sie auch völlig abgetrennt, werden aber gleichwohl im Zusammenhang gehalten durch die wunderbare Unterwerfung der ganzen Hölle unter den Himmel, des Bösen unter das Gute, und des Falschen unter das Wahre, von welcher Unterwerfung im Werk über »Himmel und Hölle« gehandelt worden ist.

714. Damit das Einzelne in seiner Ordnung und Verbindung zusammengehalten werde, ist notwendig, daß es ein Allgemeines gebe, aus dem es hervorgehe, und in dem es Bestand habe; und ist auch notwendig, daß das Einzelne in einem gewissen Abbild sich auf sein Allgemeines zurückbeziehe; sonst würde das Ganze mit den Teilen zugrunde gehen; diese Beziehung macht, daß alle Teile des Weltalls in ihrem vollen Bestand erhalten wurden von der ersten Schöpfung an bis jetzt, und so weiterhin. Daß alle Dinge im Weltall sich auf das Gute und Wahre zurückbeziehen, ist bekannt, der Grund ist, weil alles von Gott aus dem göttlichen Guten der Liebe durch das göttliche Wahre der Weisheit erschaffen worden ist. Nimm was du irgend willst, sei es ein Tier oder ein Strauch oder ein Stein, so sind jene drei allgemeinsten Dinge in gewisser Beziehung ihnen eingeschrieben.

715. Weil das göttliche Gute und das göttliche Wahre das Allgemeinste aller Dinge des Himmels und der Kirche sind, so brachte auch Melchisedek, der den Herrn vorbildete, zu Abraham Brot und Wein heraus und segnete ihn. Von Melchisedek liest man: „Melchisedek, König von Schalem, brachte zu Abraham Brot und Wein heraus und er war ein Priester Gott dem Höchsten, und segnete jenen“: 1Mos.14/18,19. Daß Melchisedek den Herrn vorbildete, erhellt aus folgendem bei David: „Du [bist] ein Priester in Ewigkeit, nach Melchisedeks Weise“: Ps.110/4. Daß dies vom Herrn gesagt ist, sehe man Heb.[5/] 5,6,8,10; 6/20; 7/1,10,11,15,17,21. Daß er Brot und Wein herausbrachte geschah, weil diese zwei alle Dinge des Himmels und der Kirche, somit alle Segensfülle in sich schießen, gerade wie das Brot und der Wein im heiligen Abendmahl.