Auch diejenigen tun Busse, die sich nicht prüfen, dennoch aber vom Bösen, weil es Sünde ist, abstehen, und diese Buße wird von denjenigen getan, die aus Religion Werke der Liebtätigkeit üben

535. Weil die wirkliche Buße, welche ist sich prüfen, seine Sünden erkennen und anerkennen, zum Herrn flehen und ein neues Leben anfangen, in der protestantischen Christenheit aus mehreren Gründen, von denen im letzten Abschnitt dieses Kapitels die Rede sein wird, äußerst schwer ist, so soll eine leichtere Art von Buße angeführt werden, die darin besteht, daß, wenn man mit Bösem in seinem Gemüt umgeht und es beabsichtigt, man sich sagt: dies denke ich und dies beabsichtige ich, weil es aber Sünde ist, will ich es nicht tun; dadurch wird die von der Hölle herbeigeführte Versuchung gebrochen, und ihrem weiteren Eindringen Einhalt getan. Wundersam ist, daß jeder den anderen, der Böses beabsichtigt, zurechtweisen und sagen kann: Tue es nicht, weil es Sünde ist, und doch nur schwer es sich selbst sagen kann; die Ursache ist, weil dieses den Willen in Bewegung setzt, jenes aber bloß das dem Hören nächstliegende Denken. Es wurde in der geistigen Welt untersucht, wer auch dieses andere tun könne, und es wurden deren so wenige gefunden, als Tauben in einer weiten Wüste; und einige sagten, sie könnten zwar dies, aber sich prüfen und ihr Sünden vor Gott bekennen, das könnten sie nicht; dennoch aber vermeiden alle die, welche das Gute aus Religion tun, das wirkliche Böse, achten hingegen nur sehr selten auf das Inwendige, das im Willen ist, indem sie glauben, sie seien nicht in Bösem, weil sie im Guten sind, ja daß das Böse vom Guten zugedeckt werde. Allein, mein Freund, das Vornehmste der Liebtätigkeit ist, das Böse fliehen; dies lehrt das Wort, dies die Zehn Gebote, dies die Taufe, dies das heilige Abendmahl, dies auch die Vernunft; denn wie kann jemand dem Bösen entfliehen und es von sich schaffen, ohne irgendeinen Blick in sich selbst, und wie kann das Gute Gutes werden, wenn es nicht inwendig gereinigt ist? Ich weiß, alle Frommen, und auch alle, die nur gesunde Vernunft haben, werden, wenn sie dies lesen, beistimmen und sehen, daß es reine Wahrheit ist, und dennoch werden wenige so tun.

536. Immer jedoch sind alle, die aus Religion das Gute tun, nicht nur die Christen, sondern auch die Heiden, dem Herrn angenehm, und werden nach dem Tode angenommen; denn der Herr sagte: „Ich habe gehungert, und ihr habt Mir zu essen gegeben; Ich bin durstig gewesen, und ihr habt Mich getränkt; Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt Mich aufgenommen; Ich bin nackend gewesen, und ihr habt Mich bekleidet; Ich bin krank gewesen, und ihr habt Mich besucht; Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu Mir gekommen; inwieweit ihr dergleichen einem Meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr es Mir getan; kommet, ihr Gesegneten, und besitzet als Erbe das von Gründung der Welt an euch bereitete Reich“: Matth.25/31f. Diesem will ich folgende Neuigkeit beifügen: Alle die, welche das Gute aus Religion tun, verwerfen nach dem Tode die Lehre der heutigen Kirche von den drei göttlichen Personen von Ewigkeit, und auch deren auf diese drei der Reihe nach angepaßten Glauben, und wenden sich an den Herrn Gott Heiland, und nehmen mit Wonnegefühl in sich auf, was zur neuen Kirche gehört. Die übrigen hingegen, welche die tätige Liebe nicht aus Religion geübt hatten, sind diamantene, somit harte Herzen; diese wenden sich zuerst an drei Götter, hernach an den Vater allein, und zuletzt an keinen; den Herrn Gott Heiland sehen sie bloß als einen aus der Ehe mit Joseph erzeugten Sohn der Maria, und nicht als Gottes Sohn an, und schütteln dann alles Gute und Wahre der neuen Kirche von sich ab, und gesellen sich bald den Geistern des Drachen bei, und werden mit diesen in Wüsten getrieben, oder in Höhlen, die an den äußersten Grenzen der sogenannten Christenheit sind, und nach einiger Zeit stürzen sie sich, weil vom neuen Himmel getrennt, in Schandtaten, und werden deswegen in die Hölle verwiesen. Ein solches Los trifft diejenigen, die nicht aus Religion Werke der Liebtätigkeit tun, weil sie glauben, niemand könne von sich Gutes tun, außer auf Verdienst ausgehendes, und infolgedessen es unterlassen und sich den Böcken beigesellen, welche verdammt, und in das dem Teufel und seinen Engeln bereitete ewige Feuer geworfen sind, darum weil sie nicht das, was die Schafe getan hatten: Matth.25/41f. Hier heißt es nicht, daß sie Böses getan, sondern daß sie das Gute nicht getan hätten, und die das Gute nicht aus Religion tun, die tun das Böse, weil niemand zwei Herren dienen kann, ohne den einen zu hassen und den anderen zu lieben, und ohne dem einen anzuhangen und den anderen zu vernachlässigen: Matth.6/24. Jehovah spricht durch Jesajas: „Waschet euch, reinigt euch, tut weg die Bosheit eurer Werke von Meinen Augen, höret auf, das Böse zu tun, lernt Gutes tun; und dann, wenn eure Sünden auch wie Scharlach wären, so sollen sie weiß wie Schnee werden, wenn sie rot wie Purpur wären, sollen sie doch wie Wolle sein“: Jes.1/16-18; und bei Jer.7/2-4,9-11: „Steh am Tor des Hauses Jehovahs und rufe daselbst aus dies Wort: So sprach Jehovah Zebaoth, der Gott Israels: Macht eure Wege gut und eure Werke, verlaßt euch nicht auf Lügenrede, wenn man spricht: Der Tempel des Jehovah, der Tempel des Jehovah hier (das ist, die Kirche), wollt ihr stehlen, morden, und falsch schwören, und dann kommen und vor Mir in diesem Hause, über dem Mein Name genannt wird, stehen und sprechen: Wir sind gerettet, während ihr alle diese Greuel tut? Ist denn zur Räuberhöhle dieses Haus geworden? Auch Ich, siehe, Ich habe es gesehen, Jehovahs Spruch!“.

537. Man muß wissen, daß diejenigen, die aus bloß natürlicher Güte, und nicht zugleich aus Religion das Gute tun, nach dem Tode nicht angenommen werden, weil ihrer Liebtätigkeit bloß natürliches Gutes und nicht zugleich geistiges innewohnt, und das geistige es ist, was den Herrn mit dem Menschen verknüpft, nicht aber das natürliche ohne dieses. Die natürliche Güte ist bloß die des Fleisches, angeboren von den Eltern her, die geistige Güte hingegen ist die des Geistes, von neuem geboren vom Herrn her. Diejenigen, die das Gute der Liebtätigkeit aus Religion tun, und folglich nicht das Böse, können, bevor sie die Lehre der neuen Kirche betreffend den Herrn, angenommen haben, Bäumen verglichen werden, die gute Früchte, obwohl nur wenige, bringen, und auch Bäumen, die Früchte edler Art, aber kleine bringen, und nichtsdestoweniger in den Gärten gehütet werden. Und wieder lassen sie sich vergleichen mit Ölbäumen und Feigenbäumen in Wäldern; dann auch mit duftenden Kräutern und balsamischen Sträuchern auf den Hügeln; sie sind wie kleine Tempel oder Gotteshäuser, in denen frommer Gottesdienst verrichtet wird; denn sie sind die Schafe zur Rechten, und die Widder, die von Böcken angefallen werden, nach Da.8/2-14. Im Himmel sind sie mit Gewändern von roter Farbe bekleidet, und nachdem sie in das Gute der neuen Kirche eingeleitet sind, werden sei mit purpurfarbigen Gewändern angetan, die, so wie sie auch die Wahrheiten annehmen, einen dunkelgelben Glanz bekommen.