Achtes Gebot

Du sollst nicht gegen deinen Nächsten als falscher Zeuge antworten

321. Unter gegen den Nächsten als falscher Zeuge antworten, oder falsch zeugen, wird im natürlichen Sinn zunächst verstanden, man solle nicht vor dem Richter oder vor anderen außerhalb des Gerichts gegen jemanden, der irgendeines Bösen ohne Grund beschuldigt wird, ein falsches Zeugnis abgeben, und dasselbe bei Gott, oder sonst bei etwas Heiligem, oder bei sich oder bei solchem beteuern, was mit dem eigenen guten Namen irgend zusammenhängt. Unter diesem Gebot werden im weiteren natürlichen Sinn verstanden alle Arten von Lügen und politischen Heucheleien, die auf einen bösen Endzweck abzielen; dann auch den Nächsten herüberziehen und verleumden, wodurch seine Ehre, sein Name und guter Ruf, von welchen der Charakter des ganzen Menschen abhängt, erschüttert werden. Im weiteren natürlichen Sinn werden darunter verstanden die Treulosigkeiten, Tücke und bösen Anschläge gegen jemanden aus verschiedenen Gründen, z.B. aus Feindschaft, Haß, Neid, Eifersucht, usw., denn dieses Böse verbirgt eine Bezeugung des Falschen in sich.

322. Im geistigen Sinn wird unter falsch zeugen verstanden überreden, daß das Falsche des Glaubens das Wahre des Glaubens sei, und daß das Böse des Lebens das Gute des Lebens sei, und umgekehrt; so jedoch, daß jenes und dieses geschieht aus Vorbedacht, nicht aber aus Unkunde, daß es also geschieht, nachdem man erkannt hat was wahr und gut ist, nicht aber vorher, denn der Herr sagt: „Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde, nun ihr aber sprechet: wir sehen, so bleibt eure Sünde“: Joh.9/41. Dieses Falsche wird im Wort verstanden unter der Lüge, und der Vorbedacht unter dem Trug in folgenden Stellen: „Wir schlossen mit dem Tod einen Bund, und machten mit der Hölle ein Gesicht, wir setzten in die Lüge unsre Zuversicht, und bargen uns in Falschheit“: Jes.28/15. „Ein Volk des Aufruhrs sind sie, lügnerische Söhne, sie wollen nicht hören das Gesetz Jehovahs“: Jes.30/9. „Vom Propheten bis zum Priester, jeder geht mit Lüge um“: Jer.8/10. „Die Bewohner reden Lüge, und die Zunge, sie ist Trug in ihrem Munde“: Mi.6/12. „Verderben wirst Du die, so Lüge reden, den Mann des Trugs verabscheut Jehovah“: Ps.5/7. „Sie lehrten ihre Zunge Lügen reden, ihr Wohnen ist in Truges Mitte“: Jer.9/4,5. Weil unter der Lüge das Falsche verstanden wird, darum sagt der Herr: „der Teufel rede die Lüge aus seinem Eigenen“: Joh.8/44. Die Lüge bedeutet Falsches und lügenhafte Rede auch in folgenden Stellen: Jer.9/4; 23/14,32; Ez.13/15-19; 21/34; Hos.7/1; 12/1; Nah.3/1; Ps.120/2,3.

323. Im himmlischen Sinn wird unter falsch zeugen verstanden den Herrn und das Wort lästern, und so die Wahrheit selbst aus der Kirche verdrängen, denn der Herr ist die Wahrheit selbst, und in gleicher Weise das Wort. Umgekehrt wird unter zeugen in diesem Sinn verstanden die Wahrheit reden, und unter dem Zeugnis die Wahrheit selbst; woher auch kommt, daß die Zehn Gebote das Zeugnis heißen:

2Mo.25/16,21,22; 31/7,18; 32/15,16; 40/20; 3Mo.16/13; 4Mo.17/19,22,25. Und weil der Herr die Wahrheit selbst ist, so sagte Er von Sich, daß Er zeuge; daß der Herr die Wahrheit selbst sei: Joh.14/6; Offb.3/[7,14], und daß Er zeuge, und Zeuge von Sich sei: Joh.3/11; 8/13-19; 15/26; 18/37,38.

324. Die, welche Falsches reden aus Betrug oder Vorsatz, und es mit dem nachgemachten Ton geistiger Neigung vortragen, und mehr noch, wenn sie Wahrheiten aus dem Wort einmischen und so diese verfälschen, wurden von den Alten Zauberer genannt, worüber man die »Enthüllte Offenbarung« Nr. 462 nachsehe; dann auch Pythone und Schlangen des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen. Diese Fälscher, Lügner und Betrüger können solchen verglichen werden, die einschmeichelnd und freundlich mit ihren Feinden reden, und während des Redens rücklings einen Dolch halten, um sie damit niederzustoßen. Auch können sie denen verglichen werden, welche ihre Schwerter mit Gift tränken und so auf die Feinde fallen; auch solchen, die Aconit ins Wasser und giftigen Saft in den Most und Zuckerteig mischen. Auch können sie Buhldirnen verglichen werden, die anmutig und anlockend, aber mit bösartiger Seuche behaftet sind; ferner Stachelgesträuchen, die an die Nase gebracht die Geruchsfiberchen verletzen, sowie auch versüßten Giften, und endlich dem Dünger, der getrocknet zur Herbstzeit stark duftenden Geruch verbreitet. Solche werden im Wort auch durch die Pardel beschrieben, man sehe die »Enthüllte Offenbarung« Nr. 572.