[Zugabe]

792. Von der geistigen Welt ist gehandelt worden in einem besonderen Werk »von dem Himmel und der Hölle«, in dem viele Dinge jener Welt beschrieben sind; und weil jeder Mensch nach dem Tod in jene Welt kommt, so ist auch der Zustand der Menschen daselbst beschrieben worden. Wer weiß nicht, oder kann nicht wissen, daß der Mensch nach dem Tode fortlebt, weil er als Mensch geboren, zum Bilde Gottes erschaffen ist, und weil der Herr in Seinem Worte so lehrt? Allein wie sein Leben beschaffen sein werde, ist bisher unbekannt gewesen; man glaubte, er werde dann eine Seele sein, und von dieser hegte man keine andere Vorstellung als die vom Äther oder der Luft, so daß er also ein Lufthauch wäre, wie der Mensch ihn aus dem Munde aushaucht, wenn er stirbt, in dem jedoch seine Lebenskraft wohnt; daß er aber kein Gesicht wie das des Auges, kein Gehör wie das des Ohres, und keine Rede wie die des Mundes habe, während doch der Mensch nach dem Tode ebensosehr Mensch ist, und zwar so ganz Mensch, daß er nicht anders weiß, als daß er noch in der vorigen Welt sei; er sieht, hört, spricht, wie in der vorigen Welt; er wandelt, läuft, sitzt wie in der vorigen Welt; er liegt, schläft und erwacht wie in der vorigen Welt; er ißt und trinkt wie in der vorigen Welt; er genießt des ehelichen Vergnügens wie in der vorigen Welt; mit einem Wort, er ist in aller und jeder Beziehung Mensch. Daraus erhellt, daß der Tod keine Auslöschung, sondern eine Fortsetzung des Lebens ist, und daß er bloß ein Übergang ist.

793. Daß der Mensch nach dem Tod ebenso sehr Mensch ist, obgleich er alsdann vor den Augen des materiellen Körpers nicht erscheint, kann erhellen an den Engeln, die dem Abraham, der Hagar, dem Gideon, dem Daniel und einigen Propheten erschienen, an den Engeln, die im Grab des Herrn, und an denen, die nachher öfter von Johannes gesehen wurden, wovon in der Offenbarung; besonders aber am Herrn selbst, Der durch die Betastung und durch das Essen [vor Seinen Jüngern] zeigte, daß Er Mensch war, und dennoch vor ihren Augen unsichtbar wurde. Wer könnte so wahnwitzig sein, daß er nicht anerkennte, daß Er, obgleich unsichtbar geworden, dennoch nichtsdestoweniger Mensch war? Daß die Jünger Ihn gesehen hatten, kam daher, daß damals die Augen ihres Geistes geöffnet waren, und wenn diese geöffnet sind, die in der geistigen Welt befindlichen Dinge ebenso deutlich erscheinen, wie die in der natürlichen Welt befindlichen. Der Unterschied zwischen dem Menschen in der natürlichen Welt und dem Menschen in der geistigen Welt ist der, daß dieser letztere Mensch mit einem substantiellen Leib, jener aber mit einem materiellen Leib angetan ist, in dem inwendig sein substantieller Leib ist, und der substantielle Mensch sieht den substantiellen ebenso deutlich, als der materielle Mensch den materiellen Menschen sieht; allein der substantielle Mensch kann den materiellen Menschen nicht sehen, noch kann der materielle Mensch den substantiellen Menschen sehen, wegen des Unterschiedes zwischen dem Materiellen und dem Substantiellen, und wie dieser beschaffen ist, kann beschrieben werden, jedoch nicht in der Kürze.

794. Aus dem, was ich so viele Jahre hindurch gesehen habe, kann ich folgendes berichten: In der geistigen Welt gibt es ebensowohl Länder wie in der natürlichen Welt, und es gibt da Ebenen und Täler, ferner Berge und Hügel, und auch Quellen und Flüsse; es gibt da Paradiese, Gärten, Haine und Wälder; es gibt Städte, und in ihnen Paläste und Häuser; ferner gibt es Schriften und Bücher; es gibt Verrichtungen und Geschäfte; und es gibt auch Gold, Silber und kostbare Steine; mit einem Wort, es gibt alles und jedes, was in der natürlichen Welt sich findet, nur im Himmel unendlich vollkommener. Allein der Unterschied ist, daß alles, was man in der geistigen Welt sieht, wie z.B. Häuser, Paradiese, Speisen und das übrige, vom Herrn in einem Augenblick geschaffen wurde, und daß es geschaffen wird gemäß der Entsprechung mit dem Inwendigen der Engel und Geister, nämlich mit ihren Neigungen und den Gedanken aus diesen; wogegen alles, was man in der natürlichen Welt sieht, aus einem Samen entsteht und wächst.

795. Weil dem so ist, und ich dort täglich mit den Nationen und Völkern jener Welt sprach, also nicht bloß mit denen, die in Europa, sondern auch mit denen, die in Asien und Afrika, sonach mit solchen, die von verschiedener Religion sind, so will ich als Anhang zu diesem Werk eine kurze Beschreibung des Zustandes einiger derselben hinzufügen. Dabei ist festzuhalten, daß sowohl bei einer Nation und einem Volk im Allgemeinen, als bei den Einzelnen im Besonderen der Zustand in der geistigen Welt sich gemäß der Anerkennung Gottes und der Verehrung Desselben verhält, und daß alle, die von Herzen Gott anerkennen, und nach dieser Zeit, die den Herrn Jesus Christus als Gott Erlöser und Heiland anerkennen, sich im Himmel befinden; und daß die, welche Ihn nicht anerkennen, unterhalb des Himmels sind und dort unterrichtet werden, und daß diejenigen, welche Ihn aufnehmen, in den Himmel erhoben, diejenigen aber, welche Ihn nicht aufnehmen, in die Hölle geworfen werden. Unter letztere kommen auch die, welche wie die Socinianer sich bloß an Gott den Vater gewandt, und die, welche wie die Arianer, die Gottheit des Menschlichen des Herrn geleugnet hatten; denn der Herr sagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch Mich“, und zu Philippus, der den Vater sehen wollte: „Wer Mich sieht und erkennt, sieht und erkennt den Vater“: Joh.14/6f.