Aus K.O.Schmidt: „Die innere Sonne“: Plotins Lehre vom Einen S. 40:

 

Mit seinem Wort "Im Innern ist ein Universum auch" gibt Goethe dem Bewußtsein der Einheit von Mikro- und Makrokosmos Ausdruck. Auch in der Formulierung, daß "unser Geist mit den tieferliegenden Kräften der Natur in Harmonie steht", spiegelt sich Plotins Erkenntnis, daß alles innen

ist; ebenso in den Versen:

 

"So im Kleinen wie im Großen

wirkt Natur, wirkt Menschengeist - und beide

sind ein Abglanz jenes Urlichts droben,

das unsichtbar alle Welt erleuchtet."

Ebenso kehrt Plotins Erkenntnis in Goethes Ausspruch wieder:

 

"Wär' nicht das Auge sonnenhaft,

wie konnten wir das Licht erblicken?

Lebt' nicht in uns des Gottes eigne Kraft,

wie könnt' uns Göttliches entzücken!"

 

Und Plotins These von der DoppelgestaIt der Seele gibt Goethe die bekannte Form:

 

"zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust,

Die eine will sich von der andern trennen:

Die eine häIt in derber Liebeslust

sich an die Welt mit klammernden Organen;

die andre hebt gewaItsam sich vom Dust

zu den Gefilden hoher Ahnen",

 

und ebenso spiegelt sich Plotins AII-Einheits-Lehre in vielen anderen Worten Goethes, etwa in diesem

 

"Ewig wird er euch sein der Eine, der sich in

viele teilt, und Einer doch, ewig der Einzige bleibt.

Findet im Einen die Vielen, empfindet die Vielen wie Einen,

und ihr habt den Beginn, habt das Ende der Kunst"

 

… der königlichen Kunst der Wirklichkeitserkenntnis.